Timothy Chandler und Eintracht Frankfurt – diese Verbindung besteht mittlerweile seit vielen Jahren und könnte auch weit über das Ende seiner aktiven Karriere hinausgehen. Der 36-Jährige geht in seine 13. Saison als Profi der SGE, seine Zeit im Nachwuchs am Riederwald noch gar nicht mitgerechnet. Im „PwC Spieler-Gebabbel“ auf „Eintracht TV“ sprach der Routinier nun nicht nur über das Remis gegen den SC Freiburg und den bisherigen Saisonstart, sondern vor allem über seine besondere Beziehung zur Eintracht. Dabei verriet Chandler auch, dass er bereits jetzt verstärkt hinter den Kulissen mitwirkt – und wo er seine Zukunft nach der aktiven Laufbahn sieht.
Chandler mit Freiburg-Remis nicht ganz zufrieden
Sportlich hatte Chandler zunächst eine intensive Begegnung gegen den SC Freiburg einzuordnen. Die Eintracht hatte dem bis dahin verlustpunktfreien Gegner als erste Mannschaft der Saison Zählbares abgenommen. Mit dem eigenen Auftritt war der Rechtsverteidiger trotzdem nicht vollständig zufrieden. „Mit Ball waren wir allerdings nicht so gut, am Ende müssen wir den einen Punkt mitnehmen“, sagte Chandler. Vor allem kämpferisch habe sich die Mannschaft wenig vorzuwerfen. Die Frankfurter warfen viel in die Partie, mussten gleichzeitig aber anerkennen, dass der Gegner ihnen einiges abverlangte. Dass Freiburg der SGE derart große Probleme bereitete, überraschte Chandler nicht. Der Sport-Club profitiere seit Jahren von seiner Kontinuität und klaren Spielidee. Auch personelle Veränderungen würden daran wenig ändern: „Jedes Rädchen greift ins andere, auch wenn neue Spieler hinzukommen.“ Für Chandler liegt darin eine der größten Freiburger Stärken. Die Fluktuation sei gering, die Abläufe entsprechend eingespielt. „Sie sind sehr eingespielt und ziehen ihr Ding durch. Das muss man ihnen hoch anrechnen“, lobte der Routinier.
Fünf Punkte sind Chandler nicht genug
Nach vier Bundesligaspielen steht die Eintracht bei fünf Punkten. Eine Ausbeute, mit der Chandler leben kann, die aber nicht seinem eigentlichen Anspruch entspricht. „Das ist okay“, bewertete der 36-Jährige den Saisonstart zunächst nüchtern. Frankfurt hätte aus den ersten Wochen nach seiner Einschätzung allerdings mehr herausholen können: „Natürlich hätten wir gerne mehr eingesammelt, zwischen sieben und neun Punkten.“ Vor allem die fehlende Konstanz hatte der SGE zu Beginn der Spielzeit Punkte gekostet. Bei Union Berlin verspielten die Hessen eine 3:1-Führung, beim 1:4 gegen Augsburg folgte auf eine starke erste Halbzeit ein kompletter Einbruch nach der Pause. Mit dem 3:1 in Mainz gelang anschließend die gewünschte Reaktion, ehe gegen Freiburg ein Punkt folgte. Chandler sieht entsprechend weiterhin viel Arbeit vor der Mannschaft: „Wir müssen weiter hart arbeiten und noch viel lernen. Wir müssen einige Dinge abstellen.“ Gelinge dies, blickt der Routinier optimistisch auf die kommenden Monate: „Wenn uns das gelingt, können wir die Saison positiv gestalten.“ Die nun anstehende längere Pause soll dabei helfen. Gerade nach der intensiven Partie gegen Freiburg bietet sie der Mannschaft die Möglichkeit, an den Problemen der ersten Wochen zu arbeiten und die Abläufe weiter zu festigen.
Chandler freut sich über Frankfurter Nationalspieler
Einige seiner Teamkollegen werden währenddessen allerdings nicht in Frankfurt sein. Mit Noah Atubolu, Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib wurden gleich drei Eintracht-Profis von Bundestrainer Jürgen Klopp für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert. Noël Aséko und Elias Baum dürfen zudem zur deutschen U21 reisen. Für Chandler ist die Vielzahl an Berufungen auch eine Auszeichnung für die Entwicklung innerhalb der Mannschaft. „Es ist toll, wenn die Eintracht Nationalspieler stellt, es freut mich unglaublich“, sagte der gebürtige Frankfurter. Neid oder Konkurrenzdenken spielen für den Routinier dabei keine Rolle. Vielmehr freue sich die gesamte Mannschaft über jeden Spieler, der sein Land vertreten dürfe. Für Chandler zählt nun vor allem, dass seine Teamkollegen ihre Zeit bei den Nationalmannschaften genießen, erfolgreich sind und anschließend gesund zur SGE zurückkehren.
13. Saison bei der Eintracht: „Das macht mich stolz“
Chandler selbst benötigt keine Nationalmannschaftsnominierung mehr, um zu wissen, welchen Stellenwert er bei der Eintracht besitzt. Bereits beim Familientag vor der Saison wurde er auf der Bühne mit den Worten angekündigt, dass er „noch immer nicht genug“ habe. Und tatsächlich ist die Beziehung zwischen dem 36-Jährigen und der SGE längst außergewöhnlich. Chandler wurde am Riederwald ausgebildet, wechselte 2010 zum 1. FC Nürnberg und kehrte vier Jahre später nach Frankfurt zurück. Seitdem gehört er ununterbrochen zum Profikader. Was ihm diese lange Zeit bei seinem Heimatverein bedeutet, brachte er deutlich zum Ausdruck: „Unglaublich viel! Das macht mich stolz.“ Selbst nach all den Jahren sei es für ihn keineswegs selbstverständlich geworden, täglich zur Arbeit bei der Eintracht zu fahren. Chandler: „Jeden Morgen, wenn ich ins ProfiCamp fahre, bin ich glücklich. Ich bin sehr dankbar.“ Dabei weiß der Routinier auch die Unterstützung der Anhänger zu schätzen. Seine sportliche Rolle hat sich in den vergangenen Jahren verändert, seine Einsatzzeiten sind geringer geworden. Wenn Chandler allerdings eingewechselt wird, ist die besondere Verbindung zu den Fans regelmäßig zu spüren. An seiner grundsätzlichen Einstellung habe sich ohnehin nichts geändert: „Es macht mir einfach Spaß, jeden Tag hart für die Eintracht, die Stadt und den Verein zu arbeiten.“
Chandler übernimmt bereits Aufgaben hinter den Kulissen
Dass Chandler seine Zukunft längst nicht mehr ausschließlich auf dem Rasen sieht, ist ebenfalls kein Geheimnis. Schon seit einigen Jahren erhält der Rechtsverteidiger Einblicke in Bereiche, die über seine Rolle als Spieler hinausgehen. In dieser Saison wurde dieser Austausch noch einmal intensiviert. Chandler wirkt nach eigener Aussage unter anderem bei organisatorischen Themen rund um Mannschaft und Trainerstab mit. Dabei möchte er vor allem seine Erfahrung und seine besondere Stellung innerhalb des Klubs einbringen. „Es ist schon seit einigen Jahren so, dass ich ein Stück weit mitwirke, was das Organisatorische rund um das Team und den Staff betrifft“, erklärte Chandler. In dieser Saison sei seine Einbindung noch einmal größer geworden. Dass er dabei weiterhin möglichst nah an der Mannschaft bleibt, ist ihm besonders wichtig. Nach mehr als einem Jahrzehnt im Frankfurter Profikader kennt Chandler die Strukturen des Klubs ebenso wie die Bedürfnisse einer Mannschaft. Er hat Abstiege und Aufstiege ebenso erlebt wie Pokalsiege, Europapokalnächte und die enorme Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahren. Entsprechend geht es ihm nicht nur um die eigene Zukunft, sondern auch darum, seinen Teil zu einer weiterhin erfolgreichen Entwicklung beizutragen: „Mir ist sehr wichtig, dass wir alle auf demselben Nenner und Weg sind – damit wir auch in den nächsten Jahren wieder erfolgreich Fußball spielen.“
Zwischen Rode und Meier: Chandler hat konkrete Vorstellungen
Wie ein Weg nach der aktiven Karriere aussehen kann, zeigen Chandler gleich mehrere frühere Mitspieler. Sebastian Rode ist inzwischen als Trainee zurück bei der Eintracht und sammelt Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen des Klubs. Seine Zukunft könnte im Sportmanagement liegen. Alexander Meier ist dagegen deutlich näher am Platz geblieben und mittlerweile Teil des Trainerstabs von Adi Hütter. Chandler kann sich für seine eigene Zukunft offenbar eine Mischung aus beiden Bereichen vorstellen. Auf die Frage, ob sein Weg eher in Richtung Rode oder Meier führen könnte, hatte er eine klare Antwort: „Genau dazwischen!“ Eine klassische Trainerrolle scheint damit ebenso wenig festgeschrieben wie eine reine Tätigkeit im Management. Vielmehr reizt Chandler offenbar eine Schnittstellenfunktion, in der er seine Erfahrung aus der Kabine und gleichzeitig sein Wissen über den gesamten Klub einbringen könnte. Chandler: „Nah an der Mannschaft, nah am Trainerteam – das ist mir ein wichtiges Anliegen.“ Eine entsprechende Position könne er sich nach seiner Karriere „sehr gut vorstellen.“ Dabei sieht der 36-Jährige eine seiner großen Stärken in seinem Netzwerk innerhalb der Eintracht. Nach so vielen Jahren kennt Chandler nicht nur Spieler, Trainer und Verantwortliche, sondern zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen des Vereins. „Ich komme mit jeder und jedem im Verein gut aus – unabhängig davon, in welcher Abteilung sie arbeiten“, erklärte er.
Eine Zukunft, die weiter Eintracht heißen könnte
Wann Chandler seine aktive Karriere beendet, ist damit noch nicht gesagt. Seine Aussagen zeigen allerdings deutlich, dass er sich bereits intensiv mit der Zeit danach beschäftigt – und dass Eintracht Frankfurt dabei eine zentrale Rolle spielen soll. Eigentlich wäre es nur folgerichtig. Chandler kennt den Klub aus Perspektiven, die nur wenige andere Menschen miteinander verbinden können: als Jugendspieler am Riederwald, als Bundesligaprofi, als langjähriges Mitglied der Kabine, als Identifikationsfigur der Fans und inzwischen auch als jemand, der hinter den Kulissen zunehmend Verantwortung übernimmt. Sein Satz über den täglichen Weg ins ProfiCamp beschreibt deshalb wohl am besten, warum die Verbindung auch nach seiner Spielerkarriere weitergehen könnte. Nach all den Jahren fährt Chandler noch immer gerne zur Eintracht. Und wenn es nach ihm geht, dürfte sich daran offenbar auch in Zukunft wenig ändern.






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