Frankfurts Trainer Adi Hütter trifft am Samstag auf Ex-Eintracht-Trainer Niko Kovac. Im Vorfeld knistert es vor allem beim Rekordmeister mächtig. (Foto: imago Images/Sven Simon)

Es sind beeindruckende Worte gewesen, tiefgehend und weitsichtig, die Frankfurts Ex-Trainer Niko Kovac am vergangenen Donnerstag wählte, um deutlich zu machen, dass es im Profigeschäft immer noch um Menschen geht. Der 48-Jährige selbst erlebt beim Rekordmeister aktuell fehlende Menschlichkeit. Die Posse um Bayerns Cheftrainer nimmt schon fast groteske Züge an. Und ausgerechnet jetzt kommt es zum Wiedersehen mit dem Ex.

Kovac-Abgang besiegelt? Ex-SGE-Trainer mit Kritik und Erinnerung an Enke

Man kommt kaum drumherum, Kovacs Worte als Kritik an der Münchener Chefetage zu werten. In Zeiten in denen, in denen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß einen internen Machtkampf auf dem Rücken des gebürtigen Berliners austragen, sich nicht entscheiden können, ob der aktuelle Trainer denn nun auch der der Zukunft sein kann und soll, wird nicht nur in der bajuwarischen Landeshauptstadt eine Moraldebatte eröffnet. Der „Focus“ meldete am Freitag den Abgang Kovacs schon als gesichert, der ehemalige Bayernspieler Mark van Bommel soll ab Sommer übernehmen. Dass dieser ein ähnliches Profil wie Kovac selbst aufweist, setzt der Posse womöglich noch das letzte Krönchen auf. Und in diesen Zeiten wählt der Kroate folgende Worte: „Wir müssen mehr den Menschen sehen. Nicht immer nur drüberfahren und draufhauen. Es gab mal einen Fall, da haben wir alle gesagt: Das darf nicht mehr passieren. Es hat keine zwei Wochen gedauert und es war alles vergessen.“ Kovac nimmt damit Bezug auf den Fall Robert Enke, der ehemaligen deutsche Nationaltorhüter, der sich vor knapp zehn Jahren das Leben nahm, weil das Profigeschäft ihn zermürbt hatte und Depressionen damals und nach wie vor noch ein tabuisiertes Thema in den Medien darstellt.

Hütter steht auf Menschlichkeit – auch im Umgang mit den Medien

Manch einer mit böser Zunge mag sagen, dass sich gut ein Jahr später eben das Blatt wendet und Kovac aktuell das Karma einholt, dass er durch seinen stillosen Abgang von der Eintracht im April 2018 selbst eingeleitet hat. Doch das aktuelle Verhalten der Münchener Führungsriege wirft landesweit eben Gesprächsstoff auf. Auch in Frankfurt. Eintrachts Cheftrainer Adi Hütter, der sich zu den Spielchen bei den Bayern nicht äußern wollte, sich aber auf das Wiedersehen mit Kumpel Kovac freut, wird in jedem Fall nicht müde zu betonen, wie wichtig ihm die menschliche Komponente im Profifußball ist. „Ich finde, dass sich Niko gut geschlagen hat. Grundsätzlich ist mir die Menschlichkeit unglaublich wichtig. Die Kultur, die wir hier haben, ist eine sehr respektvolle. Disziplin, Kultur, Respekt ist mir sehr, sehr wichtig. Sonst kann man eine so große Gruppe nicht führen.“

Der Wechsel in die Bundesliga war vor allem in medialer Hinsicht für Hütter eine große Umstellung: „Dort, wo ich bis jetzt gearbeitet habe, das kann man mit der deutschen Bundesliga nicht vergleichen. Fußball ist hier eine Kultur. Hier gibt es viel mehr Interesse.“ Dennoch betont er auch in der Beziehung die wichtige menschliche Komponente: Ich denke, ich habe mich hier tapfer geschlagen. Wichtig ist, dass wir hier einen guten menschlichen Umgang haben.“ Und das versucht er vorzuleben. Spieler in der Öffentlichkeit kritisieren? Das gibt es bei Hütter nicht. Selbst der medial immens gescholtene Jetro Willems erfährt vom Österreicher nach wie vor Wertschätzung. Zumindest in der Öffentlichkeit. Einem „vorbestraften“ Fußballer, wie Filip Kostic es war, als er im Sommer 2018 bei den Hessen aufschlug, ist Hütter ohne Vorbehalte begegnet, hat ihn auf Spur gebracht. Und der zahlt es ihm mit Leistung zurück, zerreißt sich für seinen Trainer auf dem Platz und zeigte als einziger in den letzten Wochen konstant ordentliche Leistungen. Folgerichtig zog die SGE die Kaufoption für den Serben bereits ein Jahr früher.

Eintracht-Fans zeigen Empathie – sorgt die Eintracht für das sportliche Aus Kovacs?

Und auch Frankfurts Fans, die auch gerne mal negative Schlagzeilen schreiben, beeindruckten zuletzt mit einer großen Empathie für ihr Team und Menschlichkeit. Nach der 0:2-Pleite gegen Mainz 05 kam es nach dem Spiel erneut zu Szenen, in denen sich Fans und Mannschaft nah beieinander zeigten. Zuvor in London, beim bitteren Ausscheiden aus der Euro League, nahmen die Fans gar Spieler an die Brust und spendeten Trost. Pfiffe? Fehlanzeige. Und das, obwohl die Leistung gegen Mainz alles andere als applauswürdig gewesen war. Doch gerade das scheint aktuell der große Unterschied zwischen dem bayrischen Rekordmeister und der Eintracht sein. Und gerade das dürfte es auch sein, was Niko Kovac derzeit schmerzlich vermisst. Möglich, dass ausgerechnet seine ehemals große Liebe schon rein sportlich am Samstag für das Aus des Trainers sorgt. Denn mit einem Auswärtscoup in der Allianz Arena und der verpassten Meisterschaft des FCB wäre Kovac auch ohne Befürworter Hoeneß wohl nicht mehr zu halten. Aber darauf dürfte in Frankfurt dann tatsächlich wohl niemand Rücksicht nehmen wollen.

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21 Kommentare

  1. Es muss niemand daran zweifeln, dass ich nächste Saison noch Trainer des FC Bayern bin – Stand jetzt!!
    Sorry, aber das musste jetzt noch mal, aber damit auch Schluss.
    Zum Thema: Es ist ein Wahnsinn, ein Sinnbild menschlicher Arroganz und Überheblichkeit, wie Kollegen Rolex und Aktienfonds sowie der Azubi Salihastenichgesehen einen ihrer führenden Angestellten, samt ihrem verhätschelten kickenden Personals, vorführen. Einen Mann, den sie vor Monaten erst unter großem Knall und ohne Rücksicht auf Verluste freiwillig und offensiv hier bei uns – auch damals schon moralisch inakzeptabel – loseisten.
    Sie wussten doch ganz genau, welchen Art Trainer sie sich angelten. Und genau dieses wirft man ihm jetzt vor.
    Grundsätzlich und wenn das Karma an diesem Wochenende einmal ein gerechtes sein möchte, müsste es dafür sorgen, dass diese abgehobenen, versnobten und bornierten Bazis morgen einen solchen sportlichen Untergang erleben, der gerechterweise in 90 Minuten vieles wieder zurechtrücken würde. Vielleicht sogar mit dem positiven Nebeneffekt, ein wenig als Augen- und Herzenöffner dort tief im Süden wirken zu können.

  2. Kovac tut mir ehrlich gesagt Leid.
    Ich war auch bei seinem Abgang nicht sonderlich wütend und habe das, was jetzt in München passiert geahnt.
    Wenn man ihn sich aktuell anschaut, mit mehr grauen Haaren, dem ernsten Blick und gar keinem Lächeln auf den Lippen und mit Bildern von seiner Zeit bei uns vergleicht, dann sieht man das Bayern die Menschen kaputt macht.
    Spieler werden arrogant und Trainer verlieren ihren Glauben an die Menschlichkeit und altern im Zeitraffer.
    Er kann ja nächste Saison als Co-Trainer wieder bei uns anfangen und seine defensive Spielausrichtung mit der offensiveren von Hütter kombinieren 😉

  3. Ich habs Niko letztes Jahr in Haibach exakt vorhergesagt. Ich ahnte schon dass er die Eintracht verlaesst und mir war auch klar wohin. Es stimmte letztlich punktgenau. Ich sagte ganz direkt nach dem Spiel in Haibach, bleib doch bitte noch ne Weile bei uns, bei der Eintracht. Waehrend er meiner Tochter wirklich lieb ein Autogramm gab “bleib bei der SGE, aber ich vermute du haettest Lust z. B. die Bayern zu trainieren, falls, dann gaub mir, es wird nichts bei herauskommen, ausser dass du NUR gewinnen musst, und wenn irgendwas nicht laeuft funken dir alle kreuz und quer rein. Du glaubst doch nicht ernsthaft dass du bei den Bayern das gleiche Mass an Freude haben wirst und auch niemals die selbe ANERKENNUNG egal wie du dich anstellst oder Erfolg haben wirst wie HIER bei der Eintracht. Niko, glaub mir, das wird nicht das was du dir vorstellst, falls das stimmt was da an Geruechten kursiert. Dort musst du dir ganz sicher staendig Bevormundungen gefallen lassen. Tuh mir bitte den Gefallen nachzudenken, auch wenn ich ein Niemand bin, ich glaub daran dass es so kommen wird“. Er hat aufmerksam zugehoert, mich angeschaut, gelaechelt, und wieder auf den Boden geschaut. Hat meine Tochter hochgehoben, bisschen mit ihr quatsch gemacht und ist weiter zu den naechsten Fans. Er hat sich fuer alle Zeit genommen, bis jeder happy war und Foto oder Autogramm hatte. Er ist ein verdammt lieber Kerl und ich hoffe dass es ihm nicht allzu nahe geht. Ich vermute aber, dass leider genau das Gegenteil der Fall ist, und das geht oft den extrem ehrgeizigen so. Babak Rafathi (hoffe habs richtig geschrieben) wurde auch Opfer weil das „dicke Fell“ mit der Zeit zu duenn wird, gleichzeitig tun sie sich nicht leicht damit voellig menschlichen normalen Misserfolg aufgrund unberechtigter oder unfairer Kritik fuer sich rational einzuordnen. Egal wie es fuer ihn kommt, ich mag ihn und hoffe dass er sich nicht unbuttern laesst, weder von den Vorgesetzten, noch von sog. “Freunden”.

  4. Niko ist für mich eine Eintracht -Legende. Dass es soweit kommt, ist beschämend aber nicht verwunderlich. Ich wünsche ihm persönlich viel Erfolg (ausser Sonntag).Er wird seinen Weg auch gehen, denn er hat keinerlei Reputation verloren, eher noch gewonnen, nachdem, wie souverän er bis dato wirkt. Und selbst wenn er hoffentlich Sonntag verliert, gibt es die bekannten Gründe.

  5. Kovac hat doch das beste Beispiel, die Geschichte um R.Enke, kurz selbst angesprochen. Menschlichkeit gibt es in den Bereichen, in der die Euro-Scheine regieren, schon lange nicht mehr. Spitzensport, Medienlandschaft, Politik usw – er ist ein Opfer der gesamten gesellschaft- und wirtschaftlichen Entwicklung auf diesem Erdball. Öffentlich wird doch alles schnell als „Schwäche“ dargestellt….

    Ich bin mir sicher, dem nächsten wird es dort auch nicht leichter fallen, weil die internationalen Ziele der Bayern (CL Erfolg) nicht mehr ohne weiteres zu erfüllen sein werden und wenn dann national mal der BVB, oder mal das Dosenpfand auftrumpfen wird, dann wird es immer wieder zu solchen Szenerien kommen wie jetzt, sobald es mal eng in Bezug auf Erfolg wird.

    Schauen wir aber lieber auf uns selbst und machen das beste aus der Situation 😉

  6. persönlich aktuell nicht leicht für Kovac. Aber er ist freiwillig dorthin gewechselt. Alle, ausnahmslos alle hätten ihn gerne weiterhin bei uns gesehen.
    Dass er gegangen ist, stellt sich nun für uns als Glücksfall da. Hütter könnte auf Kovac Basis erfolgreich aufbauen.
    Dass er anscheinend nur als PlatzHalter fungierte, meine Vermutung, tut mir persönlich für ihn Leid. Dennoch ist er als Trainer keinesfalls „verbrannt“ und es gäbe sicher einige gute Vereine, die ihn nach Bayern, stand jetzt, verpflichten würden.
    Hoffe die LederHosen bekommen am Wochenende die Hosen runter gezogen. Eintracht siegen sehen!!
    #miasantraurig

  7. Thema Menschlichkeit im Sport.
    Bezeichnend, dass er es bei den Bayern offen aussprechen muss und es bei uns einfach vorgelebt hat !!
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  8. ich muss sagen, dass ich es herausragend finde mit wieviel Feingefuehl hier kommentiert wird. Find ich echt schoen. Sind ja auch die Eintracht Fans 🙂

  9. @5 du hast recht, aber es ist wirklich bedenklich wie mit den Trainern insgesamt umgegangen wird. Gladbach – Hecking ist auch so ein Beispiel. Erst verlängern vorher, dann rausschmeissen, obwohl er die Gladbacher auf Linie gebracht hatte.
    Ich kann mich nicht erinnern, das bei uns so schnell Trainer weg waren, vielleicht haben wir sogar manchmal zu lange an einem festgehalten, aber das jeder seine Chance braucht, ist klar.
    In Bruchhagens Zeit hat es immer sehr lange gedauert bis er sich von einem getrennt hat, aber Mitleid habe ich eigentlich bei Kovac nicht. Erwußte genau auf was er sich einlässt und hat es trotzdem gemacht. Wer weiß für was es gut war, damals habe ich das schon bedauert. Aber auch wie er das gehändelt hat war nicht hervorragend.
    Stand jetzt, ist er noch Trainer, sollte uns morgen was gelingen, wird er sicher frei werden, aber auch das sind nur Vermutungen und keiner kann es genau wissen.
    Wir werden es sehen……ich werde sicher keinen Gedanken an ihn verschwenden, obwohl ich ihn bei uns richtig gut gefunden habe, seinen Wegganbg auch bedauert habe, er hat sich das auch redlich verdient mit unseren Jungs.
    Jetzt wollen wir aber den Adi mal ein wenig loben, was er aus dem Erbe Kovac gemacht hat, ist eine gute Leistung, wenn es auch zum Schluß ein wenig gehapert hat……..aber alles sind nur Menschen…das stimmt letztlich.

  10. Leider habe ich Niko nie persönlich kennengelernt. Aber das, was ich
    von ihm gesehen oder gelesen habe, hat mir in der Regel gefallen.
    Sein Abgang bei uns – Schwamm drüber.
    Kollegen schreiben hier, er hat gewusst worauf er sich einlässt. ich glaube,
    hingegen, dass ein Mensch wie Niko sich diese Arroganz, Gefühllosigkeit
    und diesen blanken Egoismus in der Bayern Chefetage in dieser brutalen
    Konsequenz nicht vorstellen konnte.
    Ganz schlimm muss es auch sein, einen Schwätzer wie Salihamicic als
    Chef zu haben. Aber Niko hat den Job und muss da jetzt durch.
    Unabhängig von unserem sportlichen Erfolg wünsche ich diesen Menschen
    einmal einen richtigen „Schlag in die Magengrube“.

  11. @17, einen Schwätzer wie Salihamicic => Das hast du sehr geil gesagt! hehe, und wiiiiieeeeee recht du hast.

    jeder kann sich bestimmt erinnern wie er sich im Pomalfinale AUFGEFUEHRT hat. Wie ein Vollid… Heynckes war das sichtlich peinlich.

  12. Ich stimme euch hier im Forum zu was NK anbetrifft. Dennoch finde ich diese allgemeinen Äußerungen von Nico Kovac wenig hilfreich (und angesichts der Probleme, die Menschen auf dieser Welt haben, auch nicht angebracht). Seine Probleme sind nicht „die Menschen“, sondern KalleUliHasan, da bringen doch die allgemeinen Appelle an Menschlichkeit nichts. Ich glaube nicht, dass er von der Mehrheit der Menschen (Presse, Fans) schlecht behandelt wurde. Im Gegenteil, er ist gelobt worden, wie er die Bayern nach Düsseldorf und später gegen BVB aus dem Sumpf gezogen hat.
    Nico ist sicher ein feiner Kerl, aber vielleicht ist er auch den Schritt zu den Bayern zu schnell und zu früh gegangen.

  13. Ich war und bin der Meinung, dass Kovac von Anfang an nur als Lückenbüsser vorgesehen war. Man wollte Robben und Ribery noch mal ein Jahr zur Verabschiedung geben (ausserdem konnte man sich nicht auf einen Trainer einigen, bzw. die Wunschkandidaten wollten nicht). Ein namhafter Trainer hätte neue Spieler verlangt und sich nicht mit Gnabry und Goretzka zufrieden gegeben. Mir tut es um Kovac leid, diesen Umgang hat er nicht verdient.

  14. An Menschlichkeit mangelt es doch fast überall in (großen) erfolgreichen Unternehmungen, das kam u.a. auch bei einer Mitarbeiterbefragung in einem der größten deutschen Unternehmen heraus. Egoismus und Arroganz gehört zum mächtig Sein.
    Kovac hat sich auch im Rahmen seines Wechsels auch nicht korrekt verhalten. Der Unterschied zu seinen aktuellen Chefs ist, dass es ihm bewusst war und ihn belastete.
    Ich kann immer noch nicht verstehen, dass Hoeneß wieder zum Präsidenten erkoren wurde, obwohl er, als einer der es alles andere als nötig hat, die Allgemeinheit beschissen hat.

  15. naja, man könnte sagen, er hat es nicht anders verdient, weil er es so wollte. Aber, dennoch tut er mir leid. Man, der hat den Pokal nach Frankfurt gebracht. seit er damals gekommen ist zu uns, ist der verein, nicht mehr der, der er einmal war.
    mich haben diese stand jetzt aussagen auch damals schwer verletzt, aber der pokalgewinn, hat es eindeutig beglichen.
    an seiner stelle würde ich selbst zurücktreten, weil der gut aus der nummer dann rausgekommen ist und sich dennoch die jobs aussuchen kann….

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