Eintracht-Trainer Oliver Glasner beglückwünscht Rafael Borré nach dem Sieg gegen Schalke 04 zu seiner Leistung. (Bild: Imago / Kessler-Sportfotografie)

Zufrieden war Eintracht-Trainer Oliver Glasner zwar nach 3:0 (1:0)-Heimsieg der Frankfurter gegen den FC Schalke 04. Das lag aber nur am Ergebnis. Glücklich war er danach nicht, was wiederum daran lag, dass er mit der Spielweise seiner Elf zum Jahresauftakt weniger einverstanden war. So wenig, dass Glasner nach der Partie fast vergaß, über den eigenen Auftritt zu sprechen: „Ich spreche eigentlich zu viel über Schalke, weil sie mir fast besser gefallen haben“, sagte der Coach. „Schalke hat es uns wahnsinnig schwer gemacht“, bilanzierte er. Es sei ein in der Höhe unverdienter Sieg. „Ich bin erleichtert, dass wir gewonnen haben“, sagte der Trainer zwar. „Ansonsten“, so Glasner, „haben wir schon noch einige Themen aufzuarbeiten.“

Die Eintracht hatte sich in den 90 Minuten über weite Strecken schwergetan. Die Knappen dagegen legten im Frankfurter Stadtwald von Anfang an einen starken Auftritt hin, gingen engagiert zu Werke. Sie wussten den Raum, den die Eintracht immer wieder anbot, zu nutzen und brachten die SGE-Defensive somit ein ums andere Mal in Verlegenheit. Doch scheiterten die Gäste entweder am Aluminium, Torhüter Kevin Trapp (Soichiro Kozuki: 32., 47.) oder auch an einer Kombination aus beidem (Simon Terodde: 28.). Glasner betonte: „Wir haben Kevin schon zwei bis drei Mal benötigt, um nicht den Ausgleich zu erhalten.“ 

Dem Tabellenletzte aus dem Ruhrgebiet gelang es, bis etwa zur 65. Minute gut mitzuhalten. „Wir waren nicht so konsequent und immer wieder ein bisschen träge“, monierte Glasner. Zuvor war es Jesper Lindström, der die Adlerträger in der 22. Minute in Führung gebracht hatte. Nach schnellem Passspiel überwand die Eintracht das Mittelfeld. Mit einer tollen Einzelaktion nach Zuspiel von Randal Kolo Muani vollendete Lindström schließlich den sehenswert herausgespielten Angriff. „Die Entstehung war toll, das haben wir in ähnlicher Form trainiert“, sagte Glasner zu dem Tor und führte aus: „Am Ende war es eine tolle Einzelaktion und ein super Abschluss, aber er hätte das Tor nicht ohne die anderen Spieler erzielt.“ Der Trainer gab Lindström, der noch einen weiteren Treffer vorbereiten sollte, ein Lob mit auf dem Weg. Im gleichen Atemzug gab es aber auch einen kleinen Rüffel für den jungen Dänen: „Es war eine sehr gute Leistung von Jesper, der allerdings in der Vorbereitung schon auch ein bisschen Luft nach oben hatte.“

Joker-Tore erlösen Eintracht

Anders sieht die Sache wohl bei Rafael Borré aus, der dem Vernehmen nach unzufrieden mit seiner Situation bei der Eintracht sein soll. Die Einstellung des Offensivspielers aber scheint zu stimmen und professionell zu sein. „Er war vom ersten Tag der Vorbereitung wahnsinnig agil. Er hätte es sich verdient, in der Anfangself zu stehen“, betonte Glasner. Umso mehr freute es den Trainer, dass Borré da ist, wenn man ihn braucht. So war es der in der 70. Minute für den laut Glasner etwas kränkelnden Kolo Muani eingewechselte Kolumbianer, der für die 2:0 Vorentscheidung sorgte. Wie beim 1:0 ging dem Treffer ein feines Kombinationsspiel voraus. Über Mario Götze, Sebastian Rode und Lindström landete die Kugel in der 84. Minute bei Borré, der seinen Gegenspieler alt daraufhin aussehen ließ und überlegt ins Tor einschob. 

„Das ist eine Reaktion, wovon die Mannschaft profitiert“, sagte Glasner über den Auftritt des Stürmers, der auch beim 3:0 in der Nachspielzeit hatte seine Füße im Spiel hatte. Borré sah den besser postierten Aurelio Buta, der ebenfalls in der 70. Minute für den schwerer verletzten Dina Junior Ebimbe eingewechselt worden war und den Deckel auf die Partie machen sollte. Dem Sommerneuzugang gelang in seinem ersten Spiel im Adlerdress gleich sein erstes Tor, indem er nicht lang fackelte und den Ball per Direktabnahme in die Maschen drosch (90.+1). „Buta war fast ein Jahr verletzt. Er war das erste Mal im Kader, kommt rein und entscheidet dann das Spiel. Das ist eine tolle Geschichte für ihn“, freute sich Glasner für den Eintracht-Debütanten. 

Plötzlich Bayernjäger – doch Glasner warnt

Am Ende aber blieb Glasner nach dem trägen Auftritt seiner Truppe nur den Spirit seines Teams hervorzuheben, an den auch die beiden erfolgreichen Joker Borré und Buta ihren Anteil hatten: „Der Mannschaftsgeist war heute das Positivste.“ Nicht einmal der Umstand, dass die Eintracht nach der zeitgleichen 0:6-Niederlage des SC Freiburg gegen den VfL Wolfsburg plötzlich Tabellenzweiter und somit Bayernjäger Nummer eins ist, konnte etwas an der Stimmung des Trainers ändern. Es sei ihm „egal, was die anderen sagen“, so Glasner und will sich nur um seine Mannschaft kümmern. Der aktuelle Tabellenstand sei „völlig belanglos“, schob er hinterher und warnte: „Wenn wir jedes Spiel so bestreiten wie heute, machen wir nicht so viele Punkte, wie wir uns das vorstellen.“

Trotz der Unzufriedenheit war Glasner weit davon weg, sich zu ärgern. „Die Spieler wissen, dass das nicht unsere beste Leistung war.“ Es sei gut, nicht schon im Januar auf dem Zenit zu sein. „Jetzt wollen wir uns richtig einarbeiten“, gab Glasner die Richtung vor, um sich für den weiteren Saisonverlauf zu rüsten. Als nächstes warten mit den Duellen in Freiburg (Mittwoch, 20.30 Uhr) und Bayern München (Samstag, 18.30 Uhr) zwei Topspiele auf die SGE. Leichter werden die Gegner also nicht. „Wir sind sehr fit. Physisch hat die Pause nicht so viel gekostet wie fußballerisch“, sagte Glasner und will nun den Fokus auf das Spielerische legen. „Jetzt werden wir uns mit diesen Themen beschäftigen.“ Damit er vielleicht schon bald wieder mehr Positives von seiner Mannschaft berichten kann.

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3 Kommentare

  1. Ich hoffe die Maßnahmen von OG erzeugen eine deutliche Leistungssteigerung vor allem in der Präsenz und Zweikampfstärke.

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  2. Ich würde überlegen Hasebe für die nächsten zwei Spiele wieder in die Startelf zu stellen. Smolcic hat ein gutes Spiel gezeigt, von den IV sogar das beste, aber ich habe das Gefühl, dass der gesamte Defensivverbund davon profitiert, wenn Hasebe hinten drin steht, weil sie einfach wissen, dass sie sich komplett auf ihn verlassen können. Er weiß einfach in 99% der Fälle genau, was zu tun ist. Wann zieht er das Tempo an, wann nimmt er es raus, wann schlägt er den Ball weg und wann ist noch genug Raum und Zeit, von hinten mit Kombinationsfußball raus zu spielen.

    Wir haben eine super Junge Mannschaft. Von den Feldspielern waren gestern nur Götze und Kamada über 25. DAs ist einerseits natürlich geil, weil es Spaß macht, weil man gegen Ende der „Hinrunde“ (also vor der Winterpause) dabei zusehen konnte, wie sie sich mit ihrer Unbekümmertheit in einen Rausch gespielt haben und es teilweise nonstop Tempofußball gab.
    Aber wir haben sowohl letzte Saison am Saisonbeginn als auch diese Saison gesehen, dass viele junge Spieler erstmal in den Flow kommen müssen, bis sie ihre Sicherheit haben und durch die lange Winterpause ist die Situation jetzt ähnlich. Schalke hat gestern enorm viel Druck gemacht, damit haben viele Spieler nicht gerechnet und kamen damit gar nicht klar – ganz auffällig war das bei Knauff und N’Dicka, der nach den ersten Fehlpässen, den Ball teilweise freiwillig ins Aus gespielt hat, wenn er unter Druck gesetzt wurde. Wie in seiner Anfangszeit vor vier Jahren.

    Hasebe kann und wird nicht jedes Spiel machen und Smolcic wird von Glasner (da bin ich nach den Aussagen während und nach dem Trainingslager ziemlich sicher) als sein Nachfolger und Abwehrchef aufgebaut. Und er hat absolut das Zeug dazu, aber Hasebe hat einfach schon alles erlebt. Den überrascht nichts mehr, den wundert auch nichts mehr und dadurch strahlt er einfach eine unfassbare Ruhe aus, die auf die anderen Jungs übergeht. Mit Rode wurde es gestern auch direkt ein bisschen besser und man hat auch in der Hinserie in vielen Spielen, in denen es nicht so gut lief gesehen, was für eine Wirkung es hat, wenn Rode in der Zentrale rein kommt. Der gibt den jüngeren Spielern auch Sicherheit und macht sie so besser.

    In zwei, drei Spielen sind auch unsere Youngster wieder im Flow und können dann wirbeln, wie wir es von ihnen gewohnt sind.

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  3. Oliver Glasner ist der beste Trainer ever, ein echter Glücksfall für uns, total akribisch. Weiter so

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