Der Neustart unter Adi Hütter nimmt zunehmend Formen an. Mit mehreren Neuzugängen und dem inzwischen abgeschlossenen Trainingslager in Grassau hat Eintracht Frankfurt die Grundlagen für die neue Saison gelegt. Wie der Verein die vergangenen Monate einordnet und welche Ziele nun im Fokus stehen, erklärte Sportdirektor Timmo Hardung im Interview mit „Sport1“. Dabei sprach er über die Lehren aus der turbulenten Vorsaison, die Arbeit unter Hütter, die laufende Kaderplanung sowie die Entwicklung junger Talente.
Klare Ziele nach turbulenter Saison
Die vergangene Saison verlief für die Hessen enttäuschend. Nach der Trennung von Dino Toppmöller übernahm im Februar Albert Riera das Traineramt. Der Spanier blieb jedoch sowohl bei den Fans als auch in Verein und Mannschaft höchst umstritten und musste den Klub bereits nach Saisonende wieder verlassen. Für Hardung steht deshalb fest, dass die Eintracht aus dieser turbulenten Spielzeit die richtigen Lehren ziehen muss: Mannschaft, Trainerteam, Staff und alle Mitarbeitenden müssten wieder als eine geschlossene Einheit auftreten. Genau das habe die Eintracht in den erfolgreichen Jahren ausgezeichnet, sei in der vergangenen Saison jedoch „nicht gut gelungen“. Zudem dürfe sich der Klub künftig nicht mehr von äußeren Einflüssen aus der Bahn werfen lassen. Solche Nebenschauplätze würden „Energie kosten“ und sich letztlich auch auf die sportlichen Ziele auswirken. Mit Blick auf die neue Spielzeit formulierte der 36-Jährige einen klaren Anspruch. Weniger die Erwartungen von außen seien entscheidend, vielmehr gehe es um die eigenen Ziele: „Unser Ziel ist es, besser abzuschneiden als in der vergangenen Saison. Wenn wir uns um mindestens zwei Plätze verbessern, würden wir uns für den Europapokal qualifizieren.“
Große Hoffnungen setzt der gebürtige Heidelberger auf Cheftrainer Adi Hütter und dessen Trainerteam. Der Österreicher bringe „einen neuen Ansatz“ und eine andere Spielidee mit nach Frankfurt. Diese Philosophie passe sowohl zum Verein als auch zur Mannschaft. Gleichzeitig hob Hardung die tägliche Arbeit des Trainerstabs hervor. Hütter werde dabei von Christian Peintinger, Klaus Schmidt und Vereinslegende Alex Meier unterstützt, die laut dem Fußballfunktionär als „kompetente Co-Trainer“ wichtige Impulse setzen.
Kaderplanung noch nicht abgeschlossen
Auch auf dem Transfermarkt rechnet die Eintracht weiterhin mit Bewegung. Hardung machte deutlich, dass sich der Kader bis zum Ende der Transferperiode noch verändern werde. Man befinde sich „noch in einem Prozess“ und stehe täglich im Austausch mit dem Trainer. Dabei würden sowohl mögliche Neuzugänge als auch Abgänge geprüft. Dass es auf der Abgangsseite noch Veränderungen geben dürfte, gilt ohnehin als wahrscheinlich. Laut „Bild“ werden unter anderem Niels Nkounkou, Ellyes Skhiri, Junior Dina Ebimbe, Michy Batshuayi, Noel Futkeu, Jessic Ngankam und Elye Wahi als Verkaufskandidaten gehandelt. Auch bei Michael Zetterer und Arthur Theate wird immer wieder über eine ungewisse Zukunft spekuliert.
Bereits fest steht der Wechsel von Nathaniel Brown zum FC Bayern München. Für eine Ablösesumme von rund fünfzig Millionen Euro plus möglicher Bonuszahlungen wechselte der Nationalspieler Anfang Juli nach München. Sportlich sei der Abschied „schade“, räumte Hardung ein. Gleichzeitig könne die Eintracht stolz auf die Entwicklung des Linksverteidigers sein. Dass sich ein deutscher Topspieler bewusst für die Bundesliga entscheide, bezeichnete er als „erfrischend“. Natürlich hätte der Verein Brown gerne gehalten. Allerdings könne er nachvollziehen, wenn ein Spieler dauerhaft auf höchstem Niveau spielen und regelmäßig in der Champions League antreten wolle.
„Talent verpflichtet“: Hardung über die Förderung junger Spieler
Besonders ausführlich sprach der Sportdirektor über die Entwicklung junger Talente. Viele Vereine hätten Angst, ihre größten Hoffnungsträger zu verlieren, wenn sie ihnen nicht jeden Wunsch erfüllten. Diesen Ansatz hält Hardung jedoch für falsch. „Talent verpflichtet“, stellte er klar. Gerade die größten Talente müssten am härtesten arbeiten und sich auch unbequeme Wahrheiten anhören. Nur wer bereit sei, an seinen Schwächen zu arbeiten und Kritik anzunehmen, könne sein volles Potenzial ausschöpfen. Würde einem Spieler dagegen ausschließlich vermittelt, wie gut er bereits sei, bleibe ein Teil seines Entwicklungspotenzials ungenutzt. Im Ausland werde nach seiner Einschätzung häufig konsequenter gearbeitet. Dort herrsche vielfach eine stärkere Leistungskultur. Der 36-Jährige führt aus: „Dort wird womöglich weniger getätschelt und nicht in Watte gepackt.“ Etwas Druck könne den Talenten helfen, sich auch persönlich weiterzuentwickeln.
Klopp soll neue Leistungskultur prägen
Zum Abschluss äußerte sich Hardung auch zur deutschen Nationalmannschaft. Nach dem enttäuschenden WM-Auftritt und dem Rücktritt von Julian Nagelsmann blickt der Fußballfunktionär optimistisch auf den Amtsantritt von Jürgen Klopp. Der neue Bundestrainer bringe „viel Elan und Leidenschaft“ sowie das notwendige Charisma mit. Gleichzeitig machte Hardung deutlich, dass Klopp die Probleme nicht allein lösen könne. Vielmehr müsse im gesamten deutschen Fußball wieder eine stärkere Leistungskultur entstehen. Dies beginne in den Nachwuchsleistungszentren und gehe über die Jugendnationalmannschaften bis hin zur A-Nationalmannschaft. Nur so könne Deutschland langfristig wieder genügend Topspieler hervorbringen.






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