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Dino Toppmöller geht in Lens eine neue Herausforderung an. Foto: IMAGO / Sportimage

„Die Leute verstehen das Managen nicht“: Toppmöller schießt gegen seine Kritiker

Dino Toppmöller konnte in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit bei Eintracht Frankfurt noch die in ihn gesteckten Ziele erreichen. Auf Platz sechs in der Bundesligasaison 2023/24 folgte ein Jahr später mit dem dritten Tabellenplatz die Qualifikation für die Champions League. Auch seine dritte Spielzeit als SGE-Coach versprach zu Beginn, mit dem berauschenden 5:1-Sieg gegen Galatasaray als Highlight, eine erfolgreiche zu werden. Stattdessen kam aber alles anders: Ab der 3:4-Niederlage gegen Berlin am 4. Spieltag lieferte die Mannschaft zunehmend inkonstante Leistung ab und zeigte sich besonders in der Defensive außergewöhnlich anfällig.

Die Reißleine zog die Eintracht im Januar. Nach neun Gegentoren in den ersten drei Spielen des Jahres 2026 war für Toppmöller Schluss in Frankfurt. In diesem Sommer hat der 45-Jährige nun einen neuen Verein gefunden: Der Vorjahreszweite und amtierende Pokalsieger in Frankreich, RC Lens, hat sich seine Dienste gesichert. Im Interview mit der „L’Équipe“ spricht der Trainer unter anderem über die Kritik an ihm in der vergangenen Saison und seine neue Aufgabe in Frankreich.

Tuta entgegen Toppmöllers Rat nicht ersetzt

Die Flut an Gegentoren, die die in ihrer letzten Saison unter Toppmöller hinnehmen musste, macht der Trainer mehr an den Personalentscheidungen des Vereins, als an eigenen Fehlern fest: In meinen ersten beiden Jahren in Frankfurt hatten wir die sechst- bzw. fünftbeste Abwehr. Doch in der dritten Saison verkauften wir unseren besten Verteidiger und ersetzten ihn nicht, entgegen meinem Rat. Außerdem wechselte unser Stammtorwart Kevin Trapp zum FC Paris.“

Tuta, der die Eintracht in diesem Transferfenster als einziger Stammverteidiger verließ, war in den zwei Jahren unter Toppmöller durchgängig ein wichtiger Bestandteil der Defensive. Kompensiert wurde der Abgang des Brasilianers tatsächlich trotzdem nicht. Mit Robin Koch und Arthur Theate standen aber immerhin noch zwei weitere gestandene Innenverteidiger im Kader, deren Leistungen in der Saison 2025/26 nach einem starken Vorjahr  auf teilweise unerklärliche Weise stark abfielen.

Für großes Aufsehen sorgte in der vergangenen Saison der 6:4-Erfolg nach 6:0-Führung gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem die Adlerträger nach einem über weite Strecken überragenden Auftritt in den letzten zwanzig Minuten auf einmal komplett einbrachen. Toppmöller wehrt sich gegen die Vorwürfe an seinen Wechseln, nach denen die Borussia den Abstand auf nur noch zwei Tore verkürzte: Ich wechselte fünf Spieler aus, um sie wegen der Champions League zu schonen, und wir kassierten vier Gegentreffer. Ich wurde dafür kritisiert, aber wenn man in dieser Situation nicht rotiert, wann dann?“

Auch die Kritik am 4:3-Sieg beim 1. FC Köln, bei dem die Eintracht eine 4:1-Führung in der Schlussphase fast noch aus der Hand gegeben hätte, weist der Trainer zurück und zieht dabei einen zumindest diskussionswürdigen Vergleich: „Alle waren vom 5:4 zwischen PSG und Bayern begeistert, aber in Frankfurt geht das nicht? Die Leute verstehen das Managen nicht.“

„Lens ist ein bisschen wie Eintracht Frankfurt“

In Frankreich wagt Toppmöller nun einen Neuanfang. Im Vergleich zwischen Frankfurt und seiner neuen Station in Lens sieht Toppmöller mehrere Parallelen. „Lens ist ein bisschen wie Eintracht Frankfurt, nur mit weniger Ressourcen, weil die TV-Rechtekrise alle Ligue-1-Teams getroffen hat. Es ist ein großartiger Verein, aber er hat nicht die Mittel, die er verdient, und das zwingt uns, beim Scouting schneller zu sein, weil wir Spieler nicht mit Geld überzeugen können.“

Aus diesem Grund sehe es die Transferstrategie des Clubs vor, junge Spieler zu weiterzuentwickeln, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen. „Ich will gewinnen, aber das Wichtigste ist die Entwicklung des Spielers“ , stellt Toppmöller klar. „Wenn er sich verbessert, verbessert sich auch die Mannschaft. Wenn der Trainer den Mut hat, jungen Spielern Einsatzzeit zu geben, entwickeln sie sich, und wir können sie später verkaufen.“

Dass er in der Lage ist, talentierten Spielern bei ihrem nächsten Entwicklungsschritt zu helfen, hat er in Frankfurt durchaus unter Beweis gestellt. Vielleicht sagten sie deshalb: ‚Wir wollen Trainer Dino‘, weil sie die Verkäufe von Pacho (45 Millionen Euro zu PSG im Jahr 2024), Hugo Ekitiké (90 Millionen Euro zu Liverpool im Jahr 2025) und Omar Marmoush (75 Millionen Euro zu Manchester City im Jahr 2025) gesehen hatten und dass Nene Brown unter mir Nationalspieler wurde, gefolgt von Nnamdi Collins.“

Ob Toppmöller bei seinem neuen Verein ähnliches gelingen wird, wird sich noch zeigen. In Lens fordert der Trainer von seinem Team jedenfalls eine intensive Spielweise. Seine Mannschaft möchte er aktiv und aggressiv erleben. Es ist wichtig, dass sie verstehen, dass dem Trainer das wirklich am Herzen liegt. Sie müssen meine Prioritäten kennen.“

10 Kommentare

Fallback Avatar 1. PeKa 04. August 26, 08:58 Uhr

Es ist schon ein Unterschied, ob ein berauschendes Spiel mit vielen Highlights auf beiden Seiten 5:4 ausgeht oder ob man sich von der aktuell schwächsten Mannschaft noch 4 Dinger einschenken lassen muss.
Und den Abgang von Tuta zu nehmen, um damit diese teil desaströsen Abwehrleistungen zu erklären, ist eine zumindest sehr kreative Erklärung einer Nichtleistung.
Ich bleibe dabei: wir sind nicht wegen Dino Dritter geworden, sondern er war halt gerade der Trainer.
Das Team hatte zu keinem Zeitpunkt einen Matchplan, Alles-oder-Nichts-Spiele wurden meist verschenkt.
Dino ist sicher ein netter Kerl, der mit den Spielern gut kann, weil er sehr jugendlich rüberkommt, aber ein guter Trainer ist er nicht.

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Fallback Avatar 2. hovawart 04. August 26, 09:07 Uhr

Frage mich warum DT jetzt nochmal ein Fass aufmacht. Er sollte die Vergangenheit hinter sich lassen und auf die neue Aufgabe konzentrieren. Tuta stimmt war ein Anker in der aber soweit mir bekannt ist war er bis in den Februar 26 verletzt und hätte somit auch der SGE nicht helfen können.

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Fallback Avatar 3. frankfurter jung 04. August 26, 09:33 Uhr

Nachtreten scheint "in" zu sein. Unklug von Toppmöller, er bietet die größere Angriffsfläche. Toppmöller mag ein guter Co-Trainer sein, für mehr mangelt es ihm, auch als Persönlichkeit.

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Es war ein ausführliches Interview, aus dem markante Aussagen rausgezogen wurden. Ob es ein nachtreten ist, weiß ich nicht. Ich sehe es eher als Einordnung der damaligen Lage und er benennt einzelne Punkte, die ihn damals sehr gestört oder berührt haben, obwohl er alles versucht und für unsere Eintracht gegeben hat. Die Kritik, die Trainer und Spieler heute öffentlich ausgesetzt sind, sind häufig (auch hier) unter der Gürtellinie. Das schießt oft über jedes Ziel und angemessener Kritik hinaus. Das auszuhalten ist in so einem Job echt herausfordernd und da habe ich viel Respekt vor. Jetzt äußert Dino zwei bis drei kritische Punkte und es kommt sofort der Vorwurf des nachtreten. Da fehlt mir echt die Verhältnismäßigkeit.

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Fallback Avatar 5. dribbelgnom 04. August 26, 09:40 Uhr

Nachtreten tat Riera .
Dino analysiert - ohne anzugreifen .
Alles vollkommen in Ordnung…

Natürlich wird man im interview auch nach der vorherigen Station befragt .- da ist alles im grünen Bereich

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Fallback Avatar 6. JayJayDany 04. August 26, 09:47 Uhr

Diese Aussagen sind lächerlich!
Bester Verteidiger? Tuta war gar nicht mehr erste Wahl unter DT und danach ging es für ihn in der Wüste richtig bergab. Tuta mit einem Neuzugang zu ersetzen, wäre zwar richtig gewesen, aber daran alleine verantwortlich, war die Gegentorflut ganz sicher nicht.
Und wenn man in einem Spiel zum x-ten Mal drei Gegentore kassiert, dann sollte man dieses nicht mit einem CL-Halbfinale zwischen zwei Top-Teams vergleichen.
Der Abgang von K. Trapp mag zwar eine Führungslücke hinterlassen haben, aber auch sein Level sank langsam und er wollte ja unbedingt nach Paris. Also ermöglicht man dies einem so verdienten Spieler dann auch.
Den spielerischen Einbruch also so zu erklären, ist mehr als dünn und lässt bei DT eher tief blicken.

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Fallback Avatar 7. oberlehrer1899 04. August 26, 09:48 Uhr

Auch ich finde, dass DT hier keinesfalls nachtritt.
Er beschreibt die Situation aus seiner Sicht treffend. Ob jetzt das Spiel PSG vs Bayern als Vergleich zum Köln- Spiel taugt, sei mal dahin gestellt 😁

DT hat in Frankfurt für sportliche und finanzielle Erfolge gesorgt - das ist ein Fakt.
Am Ende musste er allerdings folgerichtig gehen, weil die Spielweise zu wünschen übrig blieb und die Erfolge ausblieben.

DT und auch Riera sind sicherlich gute Trainer - sonst hätte man die beiden nicht verpflichtet. Im Endeffekt passt nicht jeder Trainer zu jedem Verein - siehe SGE und Riera. Aber ihnen alles abzusprechen, ist schon frech.

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Avatar 8. oh-esse 04. August 26, 09:53 Uhr

Ist das ein Nachtreten von DT ?

Man muss Bedenken, dass trotz neuer Anstellung in Frankreich eine Entlassung nun mal im Lebenslauf drin ist und auch bleibt. Da möchte man als Trainer verhindern, dass sich die eigene Entlassung als dauerhafte Erzählung / Erwähnung etabliert und es wird die eigene Version geliefert, egal wie krude die auch sein mag. Da geht es dann nicht nur um das eigene Ego - es geht schlichtweg auch um den eigenen Marktwert. Auch wenn DT bereits wieder (neu) angestellt ist, wird seine Arbeit weiterhin über seine Tätigkeit für die SGE beurteilt.

Bei Toppmöller ist das Interview aus meiner Sicht eine verspätete Selbstverteidigung. Er hat nicht zeitnah nach seiner Entlassung eine mediale Kampagne begonnen wie Albert Riera. er hat längere Zeit geschwiegen und nun SEINE (!!!) Sicht dargestellt. Und die "armen deutschen Medien" haben das dankbar während der öden Sommerpause aufgegriffen und als „Auspacken“ oder „Abrechnung“ medial aufbereitet.

Bei Albert Riera war es eine sehr persönliche Selbstdarstellung und Abrechnung, die über jedwede nachvollziehbare und plausible Einordnung hinausgingen. Damit hat er eher sich selbst geschadet. Auch hier waren die Medien sicherlich sehr dankbar.

„Ex-Trainer rechnet mit Verein ab“, „packt aus“ oder „attackiert Klubführung“ lässt sich super in der Sommerpause verkaufen und stärkt die Auflage immens. Häufig ist das ursprüngliche Interview vielschichtig und besteht aus mehreren Themen, ... und die Medien suchen sich genau die zwei kritischen Sätze heraus, um eine neue Geschichte über den bösen, bösen früheren Verein zu veröffentlichen.

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Fallback Avatar 9. Rebelheart 04. August 26, 10:33 Uhr

Für mich unnötig wie ein Kropf seitens DT, insbesondere da MK ja schon jede Menge Asche über sein eigenes Haupt in punkto Fehler und Verantwortung geschüttet hat.... Mich hatte es beeindruckt, dass DT sich nach seiner Entlassung eben nicht wie viele andere wortstark rechtfertigen musste.
Und wenn er keine besseren Argumente hat als das, was er in dem Interview anführt, entsteht jetzt leider zwangsläufig der Eindruck einer nachträglichen Rechtfertigung, die er m.E. gar nicht nötig hat. Er hat bei uns solide Arbeit geleistet und hat mittlerweile einen sehr guten neuen Trainerjob, also was soll das?
Manchmal ist Reden Silber und Schweigen eben Gold.....
Wenn er mit Lens wieder durchstartet (was nach der erfolgreichen letzten Saison sicher nicht ganz so einfach wird), ist alles was vorher geschrieben wurde sowieso schnell vergessen. Also lieber DT "Blick nach vorne, und behalte deine SGE Zeit in guter Erinnerung, es war dein Ticket in das Trainergeschäft der Großen"!

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Fallback Avatar 10. pfalzadler11 04. August 26, 10:44 Uhr

Also, Ex-Trainer schießt gegen Ex-Verein

Dino - Nein
Riera - Ja

Ich habe Die Ausagen von Dino bezüglich Einbruch während des Spiels verstanden. Wechsel haben zwecks Belastungssteuerung stattgefunden.

Was er in meinen Augen nicht so gut gemacht hat - Baum, Amenda, Oskar wurden wenn nicht verletzt kaum eingesetzt. Das hat zu den Überlastungen bei Kristensen, Collins, Theate, Larson.....geführt.

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