Mario Götze hat in seiner Karriere nahezu alles gewonnen, was ein Fußballer gewinnen kann. Weltmeister, Deutscher Meister, Pokalsieger – dennoch verspürt der 34-Jährige noch immer den Ehrgeiz, sich weiterzuentwickeln. Im Interview mit der „Bild“ sprach der Eintracht-Profi über seinen veränderten Antrieb, Gedanken an das Karriereende und seinen früheren Trainer Jürgen Klopp.
Auch im Herbst seiner Laufbahn hat Götze längst nicht das Gefühl, bereits alles erreicht zu haben: „Ich hatte schon immer einen inneren Drive, es vor allem mir selbst zu beweisen.“ Schon als Kind habe ihn der Wettbewerb mit sich selbst motiviert. „Seit ich klein bin, habe ich Spaß, mich Herausforderungen zu stellen und mich selbst zu challengen“, so Götze. Obwohl ihm bewusst sei, dass seine aktive Karriere langsam auf die Zielgerade einbiegt, wolle er sich weiterhin verbessern: „Natürlich weiß ich, dass ich keine zehn Jahre mehr Fußball spiele. Trotzdem gibt es auch in dieser Phase meiner Karriere noch Dinge, die ich aus mir herauskitzeln möchte, um besser zu werden.“ Verändert habe sich allerdings die Definition von Erfolg. Während früher Titel und Trophäen im Mittelpunkt standen, freue er sich heute deutlich mehr über kleine Fortschritte: „Heute kann ich mich auch über kleinere Dinge freuen, zum Beispiel über ein richtig gutes Training oder gelungene Aktionen im Spiel.“ Diese Sichtweise habe sich über viele Jahre entwickelt: „Heute genieße ich diese kleinen persönlichen Erfolge viel mehr als noch vor zehn Jahren.“
Gedanken an das Karriereende macht sich Götze durchaus, Sorgen bereitet ihm diese Zeit jedoch nicht: „Angst würde ich es nicht nennen. Eher Respekt.“ Schließlich werde sich sein Alltag grundlegend verändern: „Es gab und gibt bisher immer eine klare Struktur: Saison, Training, Spiele.“ Trotzdem fühlt sich der Weltmeister gut vorbereitet: „Ich habe mir bereits jetzt ein sehr stabiles Fundament aufgebaut, auf das ich vertrauen kann.“ Neben seiner Familie nennt Götze dabei vor allem seine Unternehmen, Start-ups und Investments. Eine dauerhafte TV-Karriere reizt ihn dagegen kaum. „Ich sehe mich in dieser Rolle eher nicht.“ Einzelne Auftritte bei großen Turnieren könne er sich zwar vorstellen, grundsätzlich interessierten ihn jedoch andere Themen: „Mich interessieren eher die Themen rund um Fußball, Finanzen und die wirtschaftlichen Zusammenhänge im Sport.“
Großes Lob für Klopp
Auch das enttäuschende Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft beschäftigt den 34-Jährigen. Aus seiner Sicht fehlte dem DFB-Team vor allem die Fähigkeit, in den entscheidenden Momenten zur Stelle zu sein: „Dieses Gefühl, in den entscheidenden Momenten da zu sein – das ist teilweise verloren gegangen.“ Einen Vergleich mit dem WM-Triumph 2014 zieht Götze ebenfalls: „Auch damals haben wir längst nicht jedes Spiel souverän gewonnen. Aber: Wir waren in den entscheidenden Momenten da.“ Für den Neuanfang soll nun Jürgen Klopp sorgen – ausgerechnet jener Trainer, der Götze einst bei Borussia Dortmund zum Profi machte. Besonders dessen Fähigkeiten als Menschenführer hebt der Weltmeister hervor. „Kommunikation kann er richtig gut.“ Klopp verstehe es wie kaum ein anderer Trainer, Menschen mitzunehmen und zu begeistern. „Es geht darum, die Menschen innen wie außen mitzunehmen und zu begeistern.“
Ob das automatisch wieder Titel bedeute, könne allerdings niemand garantieren. „Ob das am Ende automatisch zum Erfolg führt, ist wieder etwas Anderes.“ Dennoch ist Götze überzeugt, dass Klopp genau die richtigen Stärken mitbringt. „Gutes Training, die Mannschaft anzünden, Spiele gewinnen und eine funktionierende Mannschaft formen – das kann er schon außergewöhnlich gut.“
Besonders geprägt wurde Götze damals von Klopps außergewöhnlicher Menschenführung. „Wenn ich mich für eine Sache entscheiden müsste, dann wäre es sein Gespür dafür, wie er mit mir umgehen musste.“ Als 18-jähriger Profi habe Klopp genau gewusst, welche Mischung aus Vertrauen und Bodenhaftung nötig gewesen sei. „Er hat mich einerseits extrem gefordert, mich andererseits aber auch immer wieder beiseitegenommen, mich auf die Tribüne gesetzt und geerdet.“ Rückblickend sei genau das der perfekte Weg gewesen. „Dieser Mix war für mich perfekt.“ Unvergessen bleibt ihm außerdem die enorme Intensität der gemeinsamen Zeit. „Er hat unglaublich viel eingefordert – körperlich wie mental.“ Gleichzeitig habe Klopp immer gewusst, wann seine Spieler eine Pause benötigten. „Diese Balance war einfach gut.“ Genau diese Mischung habe ihn nachhaltig geprägt.
Auch mit 34 Jahren blickt Götze deshalb noch längst nicht auf das Karriereende, sondern auf die kommenden Herausforderungen. Der Ehrgeiz ist geblieben – nur die Perspektive auf Erfolg hat sich verändert.






2 Kommentare
Wie so oft , ein völlig unterschätzter Mensch.
So wichtig für unsere SGE, nie ein Egoist, immer alles für den Verein.
Ich freue mich auf zwei weitere Jahre mit (hoffentlich) mehr Einsatzzeiten.
Gruß aus Hasungen
"Er hat mich einerseits extrem gefordert, mich andererseits aber auch immer wieder beiseitegenommen, mich auf die Tribüne gesetzt und geerdet.“ Rückblickend sei genau das der perfekte Weg gewesen. „Dieser Mix war für mich perfekt.“
Da sieht man ganz gut, dass nicht jeder Spieler gleich pissed ist, wenn er mal nicht spielt, wahrscheinlich die wenigsten. Gerd Müller hat bei Bayern aufgehört, weil sie ihn einmal nicht in die Startelf gesetzt hatten, diese Zeiten sind Jahrzehnte vorbei.
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