Die neue Saison läuft auch im Nachwuchs von Eintracht Frankfurt auf Hochtouren. Dabei geht es für die Verantwortlichen längst nicht ausschließlich um Tabellenplätze und Ergebnisse. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Frage, wie möglichst viele Talente den schwierigen Schritt aus dem Nachwuchs- in den Profifußball schaffen können. Im Klubmagazin „Eintracht vom Main“ haben Alexander Richter, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, und Jürgen Müller, Abteilungsleiter Fußball, über die Ziele der Nachwuchsarbeit, die Bedeutung der Übergangsmannschaften und Veränderungen im deutschen Jugendfußball gesprochen.
Die Lust auf die neue Spielzeit ist bei Richter jedenfalls groß. „Man merkt in sämtlichen Jahrgängen, dass alle heiß auf die neue Saison sind“, berichtet der NLZ-Leiter. Das gilt auch für ihn selbst. Besonders gespannt ist Richter auf die Herausforderungen, die auf die U21 nach ihrem Aufstieg warten: „Mit der Regionalliga liegt ein sehr herausfordernder Wettbewerb vor uns, da freue ich mich auf richtig gute Spiele, genauso wie auf die Partien in den Nachwuchsligen.“
Über allem steht dabei das große Ziel der Nachwuchsarbeit. Die Eintracht möchte sportlich erfolgreich sein, gleichzeitig aber vor allem Spieler für die nächsten Schritte ausbilden. „Ich hoffe, dass wir in allen Jahrgängen eine starke Saison spielen und die Jungs so gut entwickeln, dass sie es vielleicht irgendwann in den Profifußball schaffen“, erklärt Richter.
Klassenerhalt und Ausbildung miteinander verbinden
Gerade die U21 steht dabei vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Nach dem Aufstieg aus der Hessenliga wartet in der Regionalliga Südwest ein deutlich höheres Niveau. Richter hält die Staffel sogar für „die stärkste aller Regionalligen“. Auf die junge Frankfurter Mannschaft warten zahlreiche erfahrene Gegner. Die Zielsetzung ist deshalb zweigeteilt. Einerseits soll sich die Mannschaft sportlich in der neuen Spielklasse behaupten. Andererseits darf die individuelle Entwicklung der Talente nicht aus den Augen verloren werden. „Wir haben die klare Erwartungshaltung, einen guten Mix zwischen der Ausbildung der Spieler und dem Anspruch zu schaffen, möglichst viele Punkte zu holen und Spiele zu gewinnen“, betont Richter. Das konkrete sportliche Ziel ist zunächst eindeutig: „Unser Ziel wird auf jeden Fall sein, die Liga zu halten und, dass möglichst viele unserer Talente den Sprung in den Profibereich schaffen.“ Einfach werde das nicht. Richter warnt: „Dafür werden wir hart arbeiten müssen, das ist kein Selbstläufer.“
Mit Patrick Glöckner sieht der NLZ-Leiter die U21 auf der Trainerposition gut aufgestellt. Auch mit der Entwicklung von Simon Schuchert zeigt er sich zufrieden. Beide seien „ganz hervorragend in ihre Aufgaben hineingewachsen“ und würden die Frankfurter Ausbildungsphilosophie auf den Platz bringen. Richter hofft deshalb auf Kontinuität: „An erster Stelle steht, Trainer zu haben, die sich selbst stetig so weiterentwickeln wollen, dass unsere Spieler von ihrer Qualität profitieren können.“
„Noch mehr Spieler für Eintracht Frankfurt ausbilden“
Eine besondere Bedeutung kommt bei der SGE der U19 und U21 zu. Beide Mannschaften bilden die unmittelbare Schnittstelle zwischen Nachwuchsleistungszentrum und Profikader. Zahlreiche Talente trainieren bereits regelmäßig bei den Profis mit oder kommen für Einsätze in Frage – so etwa Julian Etse, Niko Ilicevic, Keito Kumashiro oder in der Vergangenheit Ebu Bekir Is und Marvin Dills, die bereits je einen Profieinsatz zu verbuchen haben. Dazu natürlich Jeremiaha Maluze und Malik Pimpong, die bereits in dieser Saison zu je zwei Einsätzen für die Profis kamen. „Daher haben diese Jahrgänge maximale Bedeutung für uns“, unterstreicht Richter. Die Verantwortlichen würden sich regelmäßig über die Entwicklung der einzelnen Spieler austauschen und die Talente möglichst individuell begleiten. Dabei formuliert der NLZ-Leiter einen klaren Anspruch: „Unser Ziel muss es sein, noch mehr Spieler für Eintracht Frankfurt, für den Deutsche Bank Park zu Profis auszubilden. Davon werde ich auch nicht abkommen.“
Nicht jeder Nachwuchsspieler wird diesen Sprung bei der Eintracht schaffen können. Auch dafür sieht Richter das NLZ allerdings in der Verantwortung. Talente, für die das Niveau bei der SGE am Ende nicht reicht, sollen möglichst so ausgebildet werden, dass sie an anderer Stelle den Weg in den Profifußball finden. „Dafür brauchen wir in allen Bereichen absolute Top-Qualität, sei es auf oder neben dem Platz“, fordert Richter.
U19 als wichtige Zwischenstufe bei den Juniorinnen
Eine vergleichbare Herausforderung gibt es auch im weiblichen Nachwuchs. Dort hat vor allem die U19 eine zentrale Funktion. Abteilungsleiter Jürgen Müller sieht sie als entscheidende Zwischenstufe auf dem Weg in den Frauenfußball. Der Hintergrund: Nach der U17 endet für viele Talente traditionell die Zeit im Juniorinnenbereich. Anschließend wartet unmittelbar der deutlich anspruchsvollere Erwachsenenfußball. „Dieser Sprung ist ziemlich groß und den schaffen eigentlich nur die Supertalente“, erklärt Müller. Genau deshalb sei die U19 so wertvoll: „Darum finde ich die U19 als Zwischenstufe, ähnlich wie bei den Jungs, sehr wertvoll.“
Gleichzeitig wird den Spielerinnen dort bereits einiges abverlangt. In der Regionalliga treffen teilweise 17-Jährige auf erwachsene Frauen. „Sich dort durchzusetzen, ist anspruchsvoll. Aber für die Entwicklung der Spielerinnen ist das der nächste wichtige Schritt“, sagt Müller. Der Weg ist dabei klar vorgezeichnet. Von der U19 soll es für die größten Talente über die zweite Mannschaft bis zu den Eintracht-Frauen gehen. Je näher die Spielerinnen dem Erwachsenenbereich kommen, desto größer wird allerdings auch die Konkurrenz. Während in jüngeren Altersklassen laut Müller noch „80 bis 90 Prozent der Mädchen gemeinsam in die nächste Mannschaft hochgehen“, werde die Auswahl anschließend immer kleiner.
Individuellere Betreuung für die Talente
Um die Spielerinnen bestmöglich auf diese Schritte vorzubereiten, hat die Eintracht auch die Strukturen rund um die Mannschaften ausgebaut. Müller legt dabei großen Wert darauf, dass die Trainerteams möglichst langfristig zusammenarbeiten. „Dass die Trainerteams größtenteils zusammenbleiben, finde ich persönlich sehr wichtig. So ist immer eine gewisse Kontinuität gegeben“, erklärt der Abteilungsleiter. Auch die Betreuung ist inzwischen breit aufgestellt. Zu den Teams gehören neben Trainern und Co-Trainern unter anderem Verantwortliche für Athletik und Torhüterinnen sowie Physiotherapeutinnen und Betreuerinnen. „Ich denke, dass wir da einen sehr großen Schritt gemacht haben“, bilanziert Müller.
Abgeschlossen ist diese Entwicklung aber nicht. Gerade aus der vergangenen Spielzeit habe man Erkenntnisse gewonnen. So sieht Müller insbesondere „im Athletik- und mentalen Bereich“ noch Möglichkeiten, die Betreuung weiter zu verbessern.
Richter begrüßt Veränderungen im Nachwuchsfußball
Veränderungen gibt es nicht nur innerhalb der Eintracht. Auch die Wettbewerbsstrukturen im deutschen Nachwuchsfußball befinden sich im Wandel. Richter begrüßt diese Entwicklung ausdrücklich. Ein Beispiel ist die neue Sonderspielrunde in der U14. Bislang traf die Eintracht in der Hessenliga regelmäßig auf ältere und körperlich weiterentwickelte Mannschaften. Das könne zwar ebenfalls einen Lerneffekt haben, sei für die individuelle Talentförderung aber nicht immer der richtige Ansatz.
Die Eintracht wolle schließlich nicht ausschließlich Spieler auswählen, die körperlich früh entwickelt oder zu Beginn eines Jahrgangs geboren seien. Vielmehr gehe es darum, langfristiges Potenzial zu erkennen. Spiele gegen körperlich deutlich überlegene U15-Mannschaften seien deshalb nicht zwangsläufig der beste Maßstab. „In der Ausbildung werden wir daher davon profitieren, im Ligabetrieb auch in diesem Jahrgang gegen gleichaltrige NLZ-Teams anzutreten – dafür war dieser Schritt unumgänglich“, erklärt Richter. Auch für die U15 und U16 erwartet er weitere Veränderungen weg vom klassischen Ligabetrieb und hin zu neuen Wettbewerbs- und Spielformen.
„Das ist ein sehr spannender Prozess, in dem sich der deutsche Nachwuchsfußball gerade befindet“, findet der NLZ-Leiter. Die Richtung stimmt aus seiner Sicht: „Ich finde, wir haben da ein großes Potenzial und drehen aktuell an den richtigen Stellschrauben.“
Unterschiedliche Gegner als wichtiger Gradmesser
Bei den Juniorinnen setzt die Eintracht ebenfalls bewusst auf unterschiedliche Wettbewerbsformen. Im regulären Spielbetrieb treten die Mädchen häufig gegen Jungenmannschaften an. Müller schätzt diese Duelle, weil sich seine Spielerinnen dort Woche für Woche gegen körperlich und spielerisch andere Herausforderungen behaupten müssen. Gleichzeitig fehlt dabei der direkte Vergleich mit anderen Juniorinnenteams. Deshalb besitzen der DFB-Pokal und zusätzliche Vergleichsturniere einen hohen Stellenwert. „Dort können wir sehen, auf welchem spielerischen und taktischen Stand wir stehen und in welchen Bereichen wir noch weiterarbeiten müssen“, erklärt Müller. Unabhängig vom Wettbewerb verlangt er dabei dieselbe Einstellung. Ob Tabellenletzter, Spitzenreiter oder ein starkes Juniorinnenteam im Pokal – „sie nehmen jedes Spiel gleich ernst und geben alles“.
Damit verfolgen beide Nachwuchsbereiche letztlich dasselbe übergeordnete Ziel: Die Talente sollen auf möglichst hohem Niveau gefordert werden, ohne dass kurzfristige Ergebnisse die langfristige Ausbildung überlagern. Der Weg bis in den Deutsche Bank Park bleibt für die meisten Nachwuchsspielerinnen und -spieler lang. Richter macht aber deutlich, woran sich die Arbeit des NLZ am Ende messen lassen soll: möglichst viele von ihnen so weit zu entwickeln, dass dieser Weg tatsächlich im Profifußball endet.






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