Das Transferfenster ist geschlossen, der Kader von Eintracht Frankfurt für die kommenden Monate steht. Doch wie gut haben Markus Krösche und Co. ihre Aufgaben tatsächlich erledigt? Während einige Neuzugänge durchaus Hoffnung machen, sorgen vor allem die dünn besetzte Defensive und der Sturm für Fragezeichen. Drei SGE4EVER.de-Redakteure ziehen Bilanz – und blicken durchaus kritisch auf den Frankfurter Transfersommer.
Florian Bauer: Eine mehr als unzufriedenstellende Transferphase
Die Erwartungen waren hoch, die Ankündigungen ebenfalls. Am Ende ist die Transferphase von Eintracht Frankfurt aber vor allem eines: eine echte Enttäuschung. Die SGE geht in meinen Augen mit einem lückenhaften Kader und viel zu vielen großen Fragezeichen in die Bundesliga-Saison 2026/27.
Gewiss: Durch das weggefallene europäische Geschäft war von Beginn an klar, dass das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt wie in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig musste der Kader verkleinert werden. Weniger Spiele bedeuten weniger Belastung und damit zwangsläufig auch weniger benötigte Spieler. Das ist nachvollziehbar und wirtschaftlich vernünftig. Was es aber nicht bedeuten darf: dass mit der Quantität auch die Qualität deutlich sinkt. Denn die eigenen Ansprüche sind schließlich nicht plötzlich verschwunden, nur weil unter der Woche keine Europapokalspiele mehr stattfinden. Das gilt für die Erwartungen der Fans genauso wie für jene, die innerhalb des Vereins formuliert werden. Wer wieder weiter oben angreifen möchte, braucht dafür einen Kader, der nicht nur in der ersten Elf funktioniert. Und genau hier beginnen die Zweifel.
Mittelfeld und Tor machen Hoffnung
Dabei war längst nicht alles schlecht. Im Gegenteil: Einige Baustellen hat die Eintracht durchaus überzeugend bearbeitet. Das in der vergangenen Saison häufig löchrige Mittelfeld wurde früh mit Raphael Onyedika und Noël Aséko verstärkt. Gerade Onyedika bringt jene Robustheit, Physis und Präsenz mit, die der Mannschaft zuletzt häufig gefehlt haben. Am Deadline Day gab die SGE mit Hugo Larsson zudem noch einen Spieler aus dem ohnehin breit besetzten Zentrum ab. Auch auf die Unsicherheit im Tor reagierten die Verantwortlichen. Spätestens nach dem desaströsen 0:7 im Testspiel gegen den FC Brentford war offensichtlich, dass auf dieser Position Handlungsbedarf gesehen wurde. Mit Noah Atubolu holte die Eintracht schließlich einen Torhüter, der fast schon als Königstransfer dieses Sommers bezeichnet werden kann. Jung, bundesligaerfahren und mit großem Entwicklungspotenzial – ein Transfer, der zur Frankfurter Philosophie passt. Bis hierhin kann man durchaus zufrieden sein. Schaut man allerdings auf die beiden anderen zentralen Mannschaftsteile, weicht die Zufriedenheit ziemlich schnell der Ernüchterung.
Vier gehen, zwei kommen – reicht das wirklich?
Besonders deutlich wird das in der Defensive. Mit Nathaniel Brown, Rasmus Kristensen, Arthur Theate und Aurèle Amenda verließen gleich vier Spieler die Eintracht, die entweder Stammspieler waren oder zumindest das Potenzial dazu besaßen. Neu gekommen sind Lilian Brassier und Otávio. Dazu sollen Keita Kosugi und Elias Baum größere Rollen übernehmen, nachdem sie in der vergangenen Saison bei der Eintracht noch keine entscheidende Rolle gespielt haben. Bei allem Respekt vor diesen Spielern und ihrem zweifellos vorhandenen Potenzial: Diese Defensive soll nun stabiler sein als in der vergangenen Saison? Das erscheint zumindest äußerst optimistisch. Natürlich können Brassier und Otávio einschlagen. Natürlich können Baum und Kosugi den nächsten Entwicklungsschritt machen. Junge Spieler brauchen Vertrauen und Einsatzzeit, um sich weiterzuentwickeln. Gerade die Eintracht hat in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen, dass dieser Weg funktionieren kann. Aber ein Kader kann nicht ausschließlich darauf aufgebaut sein, dass sämtliche Hoffnungen gleichzeitig aufgehen. Was passiert bei Verletzungen? Was passiert, wenn ein Neuzugang Anpassungsprobleme hat? Was passiert, wenn eines der Talente eben doch noch ein paar Monate benötigt? Wo sind dann die Alternativen, die von der Bank kommen und die Mannschaft nicht nur quantitativ auffüllen, sondern qualitativ verstärken? Gerade angesichts der defensiven Probleme der Vorsaison hätte man erwarten dürfen, dass dieser Mannschaftsteil nicht nur umgebaut, sondern in der Breite sichtbar verstärkt wird. Ob das tatsächlich gelungen ist, darf stark bezweifelt werden.
Im Sturm wird es richtig dünn
Noch problematischer erscheint allerdings die Offensive – genauer gesagt das Sturmzentrum. Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib sind hier die prominentesten Optionen. Hinzu kommt Neuzugang Malik Pimpong, bei dem die Eintracht selbst darauf verweist, dass er Zeit für seine Entwicklung benötigen wird. Außerdem steht Jessic Ngankam im Kader, der allerdings immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte und auch aktuell ausfällt. Das war es im Wesentlichen. Am Deadline Day gab die Eintracht mit Jean-Mattéo Bahoya zudem einen weiteren Spieler ab, der zumindest bereits im Sturmzentrum eingesetzt wurde. Entschuldigung, aber: Das gleicht einem Himmelfahrtskommando.
Hier hätte die Eintracht unbedingt nachlegen müssen. Nicht vielleicht, nicht bei einer passenden Gelegenheit – unbedingt. Denn natürlich kann man darauf hoffen, dass Burkardt fit bleibt und seine Tore macht. Man kann hoffen, dass Ebnoutalib seine starke Entwicklung fortsetzt. Man kann darauf setzen, dass Pimpong schneller als erwartet auf Bundesliganiveau ankommt und Ngankam nach seiner Rückkehr dauerhaft zur Verfügung steht. Aber schon wieder lautet das entscheidende Wort: hoffen.
Für einen Klub mit den Ambitionen von Eintracht Frankfurt ist das auf einer der wichtigsten Positionen schlicht zu wenig.
Und wenn Kalimuendo nicht kommt?
Dass die Verantwortlichen diese Baustelle selbst erkannt hatten, zeigt das Werben um Arnaud Kalimuendo. Der Franzose hatte bereits in der vergangenen Rückrunde im Eintracht-Trikot überzeugt und sollte offenbar dauerhaft nach Frankfurt zurückkehren. Doch der Transfer scheiterte. Nach verschiedenen Medienberichten lag ein Problem darin, dass die Eintracht auf der Abgangsseite nicht genügend sofortige Einnahmen generieren konnte. Spieler konnten zwar abgegeben beziehungsweise verliehen werden, Einnahmen aus möglichen oder verpflichtenden späteren Transfers fließen aber eben erst in Zukunft. Das kann passieren. Transfers scheitern. Verhandlungen entwickeln sich anders als erwartet. Ein anderer Verein bleibt hart. Das gehört zum Geschäft. Die viel entscheidendere Frage lautet deshalb: Wo war Plan B? Und Plan C? Wenn klar war, dass die Verpflichtung Kalimuendos finanziell kompliziert werden würde, hätte es Alternativen geben müssen. Hat man sich zu sehr auf einen Spieler konzentriert? Hat man zu lange darauf vertraut, dass auf der Abgangsseite doch noch das notwendige Geld hereinkommt? Oder waren mögliche Alternativen qualitativ nicht überzeugend beziehungsweise ebenfalls nicht finanzierbar? Von außen lässt sich das nicht abschließend beantworten. Das Ergebnis lässt sich dagegen sehr wohl bewerten: Der Transfermarkt ist geschlossen – und der benötigte Stürmer ist nicht da.
Der Kader ist auf Kante genäht
Und genau das macht diese Transferperiode so enttäuschend. Nicht jeder Abgang hätte eins zu eins ersetzt werden müssen. Das wäre angesichts der geringeren Zahl an Spielen sogar unsinnig gewesen. Auch ein kleinerer Kader kann funktionieren – wenn er sinnvoll zusammengestellt ist und genügend Qualität sowie Flexibilität besitzt. Doch klein und auf Kante genäht sind zwei verschiedene Dinge. Die Eintracht besitzt weiterhin viel Qualität. Es gibt spannende Talente, etablierte Leistungsträger und Transfers, die absolut Sinn ergeben. Dieser Kader ist keineswegs schlecht. Aber er wirkt an entscheidenden Stellen unfertig. Vor allem Defensive und Sturm werfen Fragen auf, die spätestens dann sehr unangenehm werden könnten, wenn Verletzungen, Sperren oder Formkrisen dazukommen. Bis zur Winterpause gibt es keine Möglichkeit mehr, grundlegend nachzubessern. Vielleicht gehen die Wetten auf. Vielleicht entwickeln sich Baum, Kosugi, Otávio oder Brassier schneller als gedacht. Vielleicht bleibt Burkardt gesund, Ebnoutalib trifft weiter und Pimpong überrascht früher als erwartet. Dann kann diese Mannschaft eine gute Saison spielen. Doch für einen Klub, der wieder nach oben möchte, sind mir das zu viele Vielleichts. Nach dieser Transferphase bleibt deshalb vor allem der Eindruck einer verpassten Chance. Die Eintracht wollte ihren Kader verkleinern. Das ist ihr gelungen. Ob sie ihn dabei auch besser gemacht hat? Daran bestehen erhebliche Zweifel.
Julian Jendrossek: Viel Licht, viel Schatten: Zwischen guten Lösungen und großen Fragezeichen
Das Transferfenster ist geschlossen, der Kader steht. Zeit also für eine erste Bilanz. Nicht mit dem Anspruch, nach wenigen Spieltagen bereits zu wissen, welcher Neuzugang einschlägt und welcher Transfer am Ende enttäuscht. Aber mit der Frage: Hat Eintracht Frankfurt seinen Kader in diesem Sommer tatsächlich besser aufgestellt? Aus meiner Sicht fällt die Antwort differenziert aus. Es gibt einige Entscheidungen, die durchaus nachvollziehbar und teilweise sogar sehr gut waren. Gleichzeitig hat die Eintracht auf einigen Positionen Risiken geschaffen, die im Laufe der Saison noch zum Problem werden könnten.
Tor: Atubolu als glückliche Fügung
Bei der Torwartposition muss man der Eintracht zunächst zugutehalten, dass sich am Ende ein Türchen geöffnet hat, mit dem wohl nicht unbedingt zu rechnen war. Dass es kurz vor Transferschluss doch noch geklappt hat, könnte sich für die SGE als echter Glücksfall erweisen. Denn weder Kaua Santos noch Michael Zetterer wären für mich vor dem Saisonstart eine wirklich sichere Nummer eins gewesen. Santos hat ohne Frage Talent und enormes Potenzial. Gleichzeitig hat auch diese Vorbereitung gezeigt, dass er noch weit davon entfernt ist, Stammtorwart in der Bundesliga zu sein. Und das sollte Eintracht Frankfurt mit den Ambitionen, die vorhanden sind, auch präsentieren: Einen sicheren Torwart. Bei Zetterer war die Situation etwas anders. Der erfahrene Keeper brachte Bundesliga-Erfahrung mit und war sportlich sicherlich eine nachvollziehbare Lösung. Allerdings hätte er auch einen erheblichen Teil des Gehaltsbudgets gebunden. Für Santos ist die Situation nicht optimal. Eigentlich wäre es für seine Entwicklung wichtig gewesen, regelmäßig zu spielen. Einen passenden Verein für eine Leihe oder einen dauerhaften Wechsel zu finden, ist der Eintracht allerdings nicht gelungen. Nun geht er als Nummer zwei in die Saison. Unterm Strich sehe ich die Eintracht auf der Torhüterposition deshalb besser aufgestellt als noch vor einigen Wochen. Dass Atubolu überhaupt verfügbar wurde, war allerdings auch eine Portion Glück.
Abwehr: Im Vergleich zur Vorsaison ein klares Downgrade
Deutlich kritischer sehe ich die Situation in der Defensive. Im Vergleich zur vergangenen Saison hat die Eintracht hier für mich zunächst einmal deutlich an Qualität verloren. Beide Außenverteidiger waren in der vergangenen Saison wichtige Bestandteile der Mannschaft. Bei Brown war bereits lange absehbar, dass er den Verein verlassen würde. Trotzdem ist es aus meiner Sicht problematisch, dass die Eintracht anschließend keinen echten Backup für die Position verpflichtet hat. Wenn der Verein mit der Devise in die Saison geht, dass Elias Baum und Keita Kosugi die Nachfolger sind, dann muss hier zwingend zumindest auf einer Position auch ein Back-up vorhanden sein. Was passiert, wenn sich einer von beiden über mehrere Wochen verletzt? Dann wird es auf den Außenpositionen schnell dünn. Und was passiert, wenn sich beide oder nur einer davon als nicht tauglich für die Bundesliga zeigen? Hier ist vonseiten der Verantwortlichen viel Risiko mit einkalkuliert. Auch zentral hat sich die Situation nicht unbedingt verbessert. Robin Koch bleibt der einzige Innenverteidiger im Kader, der über längere Zeit auf Bundesliga-Niveau nachgewiesen hat, dass er diese Position zuverlässig spielen kann. Genau deshalb wird auf ihm enorm viel Verantwortung liegen. Ob er diesen Druck in diesem Jahr standhalten kann? Zuletzt war er auch gegen Union Berlin nicht unbedingt der Fels in der Brandung. Lilian Brassier ergänzt die Innenverteidigung. Er bringt Erfahrung mit, aber seine Ausgangslage macht ihn nicht automatisch zu einem sicheren Startelf-Spieler. Bei Stade Rennes war er zuletzt offenbar nicht einmal unumstritten und teilweise nur die Nummer vier in der Innenverteidiger-Hierarchie. Ob er tatsächlich die Stabilität mitbringt, die der Eintracht nach den Abgängen fehlt, muss er erst beweisen. Genau hier liegt für mich das größte Fragezeichen des gesamten Transferfensters. Die Eintracht hat auf der einen Seite zwei wichtige Außenverteidiger verloren, auf der anderen Seite einen erfahrenen Innenverteidiger mit Arthur Theate abgegeben und gleichzeitig sehr viel auf junge Spieler gesetzt. Das kann funktionieren. Es ist aber definitiv ein Risiko. Und dieses Risiko wird noch größer, wenn man bedenkt, dass Koch aktuell der einzige Abwehrspieler ist, bei dem man wirklich mit Gewissheit sagen kann: Der funktioniert auf Bundesliga-Niveau.
Mittelfeld: Qualität vorhanden, Zentrum endlich verstärkt
Im Mittelfeld hat man es zumindest geschafft, die zentrale Position zu verstärken. Raphael Onyedika und Noel Aseko sind zumindest auf dem Papier Verstärkungen, die die Eintracht dringend gebraucht hat. Gerade körperlich und defensiv sollte damit mehr Stabilität ins Zentrum kommen. Das offensive Mittelfeld ist dagegen qualitativ weiterhin sehr gut besetzt. Mit Can Uzun und Ritsu Doan sind beide an Bord geblieben und mit Ayoube Amaimouni, Fares Chaibi und Ansgar Knauff hat die Eintracht hier eine Auswahl, um die uns vermutlich 13 oder 14 Bundesligisten beneiden würden. Gerade in der Offensive hinter den Spitzen gibt es reichlich Qualität und unterschiedliche Spielertypen. Dass Jean-Matteo Bahoya und Hugo Larsson die Eintracht kurz vor Schluss noch verlassen konnten, wird die finanzielle Situation sicherlich weiter entspannen. Spielerisch wird die Mannschaft die beiden Abgänge aber sicher kompensieren können.
Sturm: Viel Hoffnung, wenig Absicherung
Im Sturm sieht es dann allerdings wieder ganz anders aus. Jonathan Burkardt ist zweifellos ein guter Stürmer, aber eben auch keiner, von dem man erwarten kann, 34 Bundesliga-Spiele am Stück auf höchstem Niveau zu absolvieren. Dahinter steht mit Younes Ebnoutalib ein Spieler, der bis zu seinem Dreierpack in Berlin eine Vorbereitung gespielt hat, bei der durchaus Zweifel aufkommen konnten. Und dann darauf zu hoffen, dass Malik Pimpong, gerade einmal 18 Jahre alt und bislang ohne Profierfahrung, dieses Sturmduo ergänzt, ist für mich ebenfalls mit viel Wünschen und Hoffen verbunden. Natürlich kann ein junger Spieler überraschen und plötzlich durchstarten. Darauf verlassen sollte man sich bei den eigenen Ambitionen allerdings nicht. Für mich wäre deshalb die Rückkehr von Arnaud Kalimuendo eigentlich unabdingbar gewesen. Ein Spieler, der die Bundesliga kennt, bereits für die Eintracht aufgelaufen ist und Burkardt im Sturm hätte entlasten können. Dass diese Verstärkung letztlich ausblieb, macht die Situation für mich umso unverständlicher.
Fazit: Ein Transferfenster, das Sorgen bereitet
Insgesamt hat mir diese Transferphase der Eintracht doch arg Sorgen gemacht. Es gibt durchaus positive Aspekte. Im Tor hat man mit Noah Atubolu eine Lösung gefunden, die kurzfristig Stabilität bringen kann. Im zentralen Mittelfeld wurde nachgebessert und das offensive Mittelfeld ist qualitativ hervorragend besetzt. Dem gegenüber stehen aber eine ausgedünnte Defensive und ein Sturm, bei dem die Personaldecke aus meiner Sicht viel zu dünn ist. Gerade dort hätte es eine klare Verstärkung gebraucht. Der Deadline Day glich dann eher einem schnellen Ausverkauf für jeden Euro, den man irgendwo noch mitnehmen kann. Einen wirklich überzeugenden Plan bekommt man vonseiten der SGE momentan nur schwer aufgezeigt. Stattdessen scheinen die internen Grabenkämpfe weiterzugehen. Was am Ende dabei herauskommt? Schwer zu sagen. Vielleicht geht der Plan auf und einige der jungen Spieler entwickeln sich schneller als erwartet. Vielleicht erweist sich die Kaderplanung aber auch als zu riskant. Stand jetzt bleibt bei mir vor allem das Gefühl zurück, dass Eintracht Frankfurt dieses Transferfenster mit mehr Fragezeichen als Antworten beendet hat. Und diese Transferphase zeigt für mich noch ein grundsätzliches Problem: Klubs wie Eintracht Frankfurt, die gerade aus einer Champions-League-Saison kommen, haben es ohne die erneute internationale Teilnahme extrem schwer, ihr Niveau zu halten. Ein verpasstes Jahr auf internationaler Bühne und plötzlich entstehen finanzielle Zwänge, die sich auch auf dem Transfermarkt bemerkbar machen. Genau das scheint bei der Eintracht aktuell sichtbar zu werden. Man muss Spieler abgeben, um Einnahmen zu generieren, und kann gleichzeitig nicht jede gewünschte Verstärkung realisieren. Das ist eine Entwicklung, die durchaus nachdenklich stimmen sollte.
Emre Erdem: Starker Start, schwaches Finish
Ich würde den Transfersommer in zwei Phasen unterteilen. Markus Krösche hat relativ früh die größte Kaderbaustelle bearbeitet. Mit Noel Aséko – ein aufstrebendes Talent, das ein super Zweitligajahr in Hannover gespielt hat – und Raphael Onyedika wurde das zentrale defensive Mittelfeld nun mit Leben gefüllt. Zudem wurde mit Malik Pimpong in die Zukunft investiert, ebenso mit Otávio in der Abwehr. Doch die Schwachstellen des Kaders blieben. Und damit begann schon Phase zwei, die ziemlich zäh verlief.
Der Kader sollte erheblich reduziert werden, doch die Verantwortlichen taten sich mit Verkäufen schwer. Noel Futkeu sollte nach der Rückkehr dem Vernehmen nach für rund zehn Millionen Euro verkauft werden, lange suchte man nach einem Abnehmer. Am Ende sprang eine Leihe mit Kaufoption in Höhe von sechs Millionen Euro heraus. Ellyes Skhiri wurde zwar verkauft, aber das hatte sich auch zunächst in die Länge gezogen. Für Junior Dina Ebimbe flossen nur 800.000 Euro, obwohl er einen Marktwert von sechs Millionen Euro hat. Bei den anderen Abgangsspielern (Elye Wahi, Arthur Theate, Hugo Larsson, Jean-Mattéo Bahoya und Niels Nkounkou) konnte man keinen festen Verkauf, sondern nur eine Leihe (mit Kaufoption oder –pflicht) verhandeln. Die SGE war dringend auf Transfererlöse angewiesen, um frisches Geld für weitere Investitionen zur Verfügung zu haben. Deswegen wären feste Verkäufe erstrebenswert gewesen. Auch ein Wechsel von Farès Chaibi und Ritsu Doan zerschlugen sich. So fehlte Geld, um eine Rückkehr von Arnaud Kalimuendo zu finanzieren. Und es fehlt allgemein der dritte Mittelstürmer, nun muss gehofft werden, dass die einzigen etatmäßigen Stürmer Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt verletzungsfrei bleiben. Eventuell muss Adi Hütter eine Systemumstellung in Betracht ziehen. Eine Rückkehr von Joselu, so romantisch die Geschichte auch klingen mag, wäre für mich dagegen ein klassischer Paniktransfer.
Und auch in der Defensive fehlt mir noch was: Zwar wurde mit Lilian Brassier ein wichtiger und flexibel einsetzbarer Abwehrmann geholt, dennoch fehlen aus meiner Sicht zwei gelernte Außenverteidiger auf beiden Seiten, die Keita Kosugi bzw. Elias Baum entlasten. Mit Noah Atubolu wurde immerhin eine neue, verlässliche Nummer eins verpflichtet, die durchaus Hoffnung macht. Insgesamt fällt die Bilanz der Transferphase jedoch ernüchternd aus – die Sorgen überwiegen aus meiner Sicht. Hütter muss nun mit einem Kader arbeiten, der in meinen Augen nicht ausreichend austariert ist. Einige Schwachstellen bleiben und könnten im Saisonverlauf teuer werden. Meine Conclusio: Die Transferphase begann stark, verlor im weiteren Verlauf jedoch deutlich an Dynamik.






56 Kommentare
'Wenn Uzun als 10er/Halbraumspieler in ein Sprintduell gehen muss, dann läuft einiges falsch.'
Wenn du Adi fragst: NEIN! Alle Spieler mit Ausnahme des Torwarts sollen in die Sprintduelle und Zweikämpfe. Daher sah Uzun gg Union auch nicht gut aus, denn es ist nicht so sein Spiel. Doch wenn er auf der Position nicht in die 1:1-Duelle (egal, ob Zweikampf oder Dribbling) geht, dann wird ihn auf Dauer ein anderer Spieler ersetzen. Bei Doan sieht's genauso aus. Wenn der bei 1:1-Duellen zögert und abdreht, dann spielt der unter Adi nicht regelmäßig...egal, was er jetzt vor der Saison über Doan sagte. Dann spielen eben langfristig Amaimouni und Knauff, das kann schon passieren.
'Wenn die Abstände stimmen (unser größtes Problem letzte Saison) dann kommt es in der Zentrale kaum zu Laufduellen, bei denen der Top-Speed entscheidend ist. Da sind Spritzigkeit, Stellungsspiel und Antizipation viel wichtiger. '
Du schreibst ja selbst 'Wenn die Abstände stimmen.." Was ist denn der Hauptfaktor bei laufintensiven Spielen in direkten Duellen? Schnelligkeit oder Stellungsspiel? Und wenn es Stellungsspiel wäre, anhand welchem Faktor bemisst du es? Zweikampfstärke?
Wenn du im Kopf langsamer bist, aber zumindest schneller auf den Beinen, dann kannst du das oft noch ausgleichen. Auch Laufarbeit spielt hier ne Rolle.
Je langsamer wir sind (im Vgl zum Gegner), desto wichtiger wird gute Antizipation und Stellungsspiel. Denn dann müssen wir tiefer stehen und können auch nicht so hoch pressen.
Wenn wir, wie jetzt, früh vorne drauf gehen, dann wird Speed viel wichtiger sein. Mangel bei Stellungsspiel und Antizipation versucht man mit ner hohen workrate und Laufarbeit auszugleichen. Im Optimalfall hat man natürlich alle Eigenschaften, eh klar. Aber wir sind ja nicht bei wünsch dir was.
Bei uns ist noch nix richtig eingespielt, von daher müssen wir mehr laufen und dürfen zumindest nicht wesentlich langsamer sein. Ich finds lustig, dass Manche sich über die Gegentore aufregen. Mal ernsthaft: das kann man doch erwarten. Also alle Gegentore gg Union!
Das war jetzt das erste ernsthafte Spiel in dieser Saison, mit massenhaft BL-Neulingen unter neuem Trainer und mit Offensivtaktik. Da erwartet einer, dass die Null steht? :-D
Natürlich gibt jeder, Spieler und Fan, alles, damit wir eben kein Gegentor fangen..aber am Ende sind die drei Gegentore zu diesem Zeitpunkt der Saison bei Union Berlin doch kein Zufall. Solange bei uns noch nix eingespielt ist und noch keine Automatismen greifen, wird es Gegentore geben. Es wird darum gehen, mehr zu schießen als zu fangen..so einfach isses. Nix mehr mit Sicherheitsfußball und trotzdem drei Gegentore fangen. Ne, Offensivfußball und drei Gegentore fangen..und dann drauf warten, dass es sich hinten irgendwann einspielt. Das ist die Maxime.
Wie oft wurde Theate denn überlaufen in der letzten Saison, oder Robin Koch, oder Kristensen, oder Skhiri? Lag es an ihrem schlechten Stellungsspiel? Die haben alle ein Top-Stellungsspiel.
Es gibt in der BL einen Grundspeed. Wenn du den unterschreitest, bekommst du Probleme. Oder aber: du musst dich, weil du so langsam bist, hinten reinstellen und das Spiel verlangsamen. Das war in der letzten Saison oft der Fall. Daraus resultieren unsere Ballbesitzquoten von 55%. Weil wir hinten das Spiel verschleppten und uns den Ball hin und her kickten...meist erfolglos und oft bei Rückstand.
Jetzt gibts Adi-Fußball, Power-Fußball. Es scheppert in den Zweikämpfen, es geht um Duelle, Duelle, Duelle. Dafür brauchts ne gute Physis und Schnelligkeit ist bei diesem Spiel ein Riesenfaktor.
Ich zeig dir mal die Saisons auf und wie sich der Faktor Schnelligkeit der Spieler bei der SGE über die Jahre entwickelte:
15/16: 10 Spieler 33+ km/h, davon laufen 2 über 34kmh
16/17: 12 Spieler über 33km/h, davon laufen 5 über 34kmh
17/18: 12 Spieler über 33km/h, davon laufen 5 über 34kmh
18/19: 10 Spieler über 33km/h, davon laufen 4 über 34km/h, 1 über 35kmh
19/20: 10 Spieler über 33km/h, davon laufen 5 über 34km/h
20/21: 14 Spieler über 33km/h, davon laufen 5 über 34km/h, 1 über 35km/h
21/22: 14 Spieler über 33km/h, davon laufen 5 über 34km/h, 1 über 35km/h
22/23: 13 Spieler über 33km/h, davon laufen 7 über 34 km/h, 1 über 35km/h
23/24: 16 Spieler über 33km/h, davon laufen 4 über 34km/h, 2 über 35km/h, 1 über 36km/h
24/25: 15 Spieler über 33km/h, davon laufen 6 über 34km/h, 4 über 35km/h, 1 über 37km/h
25/26: 12 Spieler über 33km/h, davon laufen 5 über 34km/h, 2 über 35km/h, 1 über 36km/h
Man sieht: Unser Kader wurde über die Jahre immer schneller. Letztes Jahr hatten wir zwar vereinzelt ein paar schnelle Spieler, aber insgesamt ging die Anzahl der Spieler, die über einen ordentlichen Grundspeed verfügen, von 15 auf 12 zurück. Und bei unserem 24-Mann-Kader waren das 50%, die eben nicht über nen guten Grundspeed verfügen. Das wirkt sich auch auf die Intensität im Training aus. Zusätzlich hatten wir letzte Saison inkl Champions League schnellere Gegner als sonst. Viele Zweikämpfe wurden verloren und es kommen Verletzungen, weil Spieler über ihr Limit gehen müssen.
Und jetzt geh ich den Kader dieser Saison nochmal durch:
IV: Koch (33km/h+), Brassier (34km/h+), Otávio (34 km/h+), Maluze (???)
RV: Baum (33km/h+), Collins (34km/h+), Chandler (29 km/h+)
LV: Kosugi (???)
DM: Onyedika (33km/h+), Aseko (34km/h+)
ZM: Chaibi (33km/h+), Hojlund (33 km/h+)
OM: Uzun (33km/h+), Arrhov (30km/h+), Doan (32 km/h+), Amaimouni (34km/h+), Götze (30km/h+)
MS: Burkardt (34km/h+), Enoutalib (34km/h+), Pimpong (???), Ngankam (???), Knauff (35km/h+)
Und wenn ich das jetzt so durchgehe, dann haben wir jetzt schon im Vgl zur letzten Saison im Kader zwei Spieler mehr, die schneller als 33km/h sind. Kosugi, Maluze, Pimpong sind da noch nicht mit eingerechnet, die erfüllen höchstwahrscheinlich auch dieses Kriterium. Bei Doan wird man hoffen, dass er unter Adi wieder zulegt und auch bei Arrhov wird noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein.
Und wir haben jetzt nur noch vier Spieler(18%) im Kader, die langsamer als 33km/h sind.
In der letzten Saison spielten acht Spieler (33%) eine große Rolle, die alle langsamer als 33km/h waren, namentlich: Theate, Kristensen, Doan, Hojlund, Skhiri, Larsson, Dahoud, Götze
Wenn du jetzt die Startelf gegen Berlin anschaust, dann war da kein einziger langsamer Spieler dabei. Die Langsamsten waren gefühlt Koch und Maluze. Und mit Brassier kommt hier nun nochmal Schnelligkeit hinzu.
Das bedeutet, dass wir als Mannschaft schneller geworden sind, auch das Training wird dadurch schneller und damit dann auch das Spiel, was wir dem Gegner aufzwingen. Und das erkennt man auch im Stadion. Achte am Sonntag mal drauf.
Grundsätzlich hast du nen Punkt, denn 'Quality over quantity: Sheer effort and endless running are less important than smart positioning and tactical timing.'
Aber erzähl das mal Adi- oder Klopp-Teams...die werden dir das auch widerlegen...weil die eben nicht Fußball denken wie Dino, Riera und Guardiola.
Was glaubst du, warum Klopp bei uns beim Training war? Wir spielen seinen Fußball.
Es heißt: 'Total distance doesn't equal success: Research shows only a weak link between how much total ground a team covers and winning. Winning teams typically run only about 1.5 kilometers more per match than losing teams.'
Yup, und die 1,5km, die die gewinnenden Teams mehr laufen, die wollen Adi und Klopp rauskitzeln..immer. Weil es eben die Gewinnchance erhöht. Vielleicht nicht krass, aber eben auch! Und dementsprechend erhöht es die Verlustchance, wenn man weniger läuft als der Gegner. Und das gilt es zu vermeiden. Auch die Bayern haben das erkannt und sie laufen nun im Normalfall mehr als ihre Gegner. Das bringt sie durch ihren Schnelligkeitsvorteil in die Situation, dass sie nicht mal mehr Zweikämpfe führen müssen..wenn sie das Spiel schnell machen (Bayern führte im Schnitt 83 ZK je Spiel, während der Liga-Schnitt 94 war). Und weniger Zweikämpfe bedeuten grundsätzlich auch weniger Verletzungen.
Wir machen unter Adi alles. Wir laufen viel, ziehen viele Sprints an und rasseln in die ZK. Das erhöht die Verletzungsgefahr. Aber wir haben halt auch weniger Spiele (als Bayern bspw), daher können wir eine höhere Intensität gehen als andere Teams und alles aus den Spielern rauspressen. Wir wissen: Adi ist krass, der presst alles aus den Spielern raus. Ähnlich wie bei Glasner. Beiden Trainern ist eine hohe workrate unglaublich wichtig. Bei Adi kommt da noch höheres Pressen dazu, also nochmal mehr Intensität.
'Sprints create chances: Elite and higher-ranked teams perform significantly more high-intensity sprints—around 40% more per game—than lower-ranked teams.'
Die Frage ist: Führen die mehr Sprints, weil sie langsamer sind als ihre Gegenspieler .. oder schneller? Die Frage kannst du dir selbst beantworten. Stell dir vor, du bist auf dem Platz und weißt, dass du schneller bist als dein Gegenspieler. Die Wahrscheinlichkeit, dass du zu eben diesem Sprint dann ansetzt, ist wesentlich höher .. als wenn du langsamer bist. Weil du sonst das Sprintduell verlierst und dem Gegner dann bei Ballverlust gute Räume bietest.
Wenn ich sage, dass wir nicht so gute Standards haben, dann heißt das nicht, dass Adi mit der Mannschaft keine Standards trainieren soll.
Wenn ich sage, dass Schnelligkeit für Adi sehr wichtig ist und das belege, dann wird gesagt, dass ja auch Antizipation oder Stellungsspiel wichtig sei. Ich sag ja nicht, dass das nicht wichtig ist. Doch mein Thema war eben nicht Antizipation und Stellungsspiel, sondern Speed. Und das war sogar noch zuvor angekündigt.
Wenn die Abstände stimmen (unser größtes Problem letzte Saison) dann kommt es in der Zentrale kaum zu Laufduellen..'
Belege mir aufgrund der ZK-Quoten oder was auch immer, warum bei wem Antizipation fehlt. Warum Adi bei welchem Mannschaftsteil unglaublichen Wert auf gute Antizipation legt.. Warum es für Adi gar kein Problem ist, wenn Götze langsamer ist als alle anderen, weil er so eine gute Antizipation hat. Warum Adi Antizipation und Stellungsspiel für so wichtig erachtet?
Chandler ist wohl das beste Beispiel: Seine Antizipation überragt die von Baum bei weitem!! Sogar sein Stellungsspiel dürfte besser sein. Nun die Gretchenfrage:
Warum spielt er nicht? Was ist der Grund?
Hasebe spielte meist nicht im 1:1 gegen seine Gegner...sonst wäre es schnell vorbei gewesen. Warum spielten wir mit Dreierkette? Wie gut wäre Hasebe wohl als IV in ner Viererkette gewesen, wenn er ständig gegen schnellere Stürmer ins 1:1 muss, und gegen Größere in die Kopfballduelle?
Antizipation und Stellungsspiel ist schön und gut. Aber wenn der Gegner den Ball an dir vorbeilegt und dich einfach überläuft, dann bringt auch das nix.
Wegen Hasebe mussten wir gerade zum Ende seiner Karriere vorne oftmals mit einem Mann weniger spielen, damit man ihn eben nicht ins 1:1 schickt. Dafür waren wir hinten stabil.
Und: man muss auch sehen, dass Hasebes Speed-Werte teilweise nicht soo schlecht waren. Der wurde manchmal auch ins 1:1 geschickt, weil er eben selbst im hohen Alter noch mindestens genauso schnell war wie Harry Kane. Erst mit 40 gings dann bei ihm stark abwärts. Und wenn der Gegner drei schnelle Stürmer hatte, dann wurde halt taktisch getrickst, um sein Defizit auszugleichen.
Hase war in Bezug auf Geschwindigkeit je nach Saison entweder auf dem Level von Robin Koch oder Arthur Theate. Also der war selbst in seiner allerletzten Saison mit 40 (31km/h) nicht so langsam wie Götze in der letzten Saison (30km/h). Von Chandler (29km/h) brauchen wir nicht reden.
Selbst wenn Hase langsamer als Andere war: der Rest war mit Ndicka, Abraham, auch Hinti nun mal ziemlich schnell. 1-2 langsamere Spieler kann man sich auf einzelnen Positionen schon leisten. Solange sie nicht brutal langsamer sind als alle Anderen. Mt jedem langsamem Spieler wird halt auch das eigene Spieltempo langsamer, die Pässe kürzer usw
Bei Bayern gabs im Kader letzte Saison genau zwei Spieler unter 33km/h Top-Speed. Das waren Kane (32km/h+) und Pavlovic (32km/h+). Bischof (30km/h) und Guerreiro (30km/h) waren noch Einwechselspieler.
Kane kann bei Bayern so gut spielen, weil seine Mitspieler so schnell sind und die Duelle gewinnen. Er nutzt den ganzen Platz, weil er eben nicht so schnell ist, sondern eher mit Laufstärke und Spielintelligenz überzeugt...mit 1,88m kann er sich auch gut durchsetzen.
Physische Kriterien werden jährlich wichtiger. Wer Titel holen will, muss offensiver spielen als die Gegner. Um das erfolgreich machen zu können, muss man grundsätzlich als Mannschaft schneller als die Gegner sein, sonst kann man sich weder vorne noch hinten durchsetzen. Wenn dann noch ein hoher Laufwert hinzukommt, wird es für den Gegner richtig schwer. Und wenn du dann noch größer als der Gegner bist, dann: Gute Nacht.
Einzelne schnelle Spieler kann man vielleicht immer noch gemeinsam verteidigen. Aber wenn jeder langsamer ist als sein Gegenspieler und der Gegner offensiv spielt und auf ZK geht, dann gute Nacht...s. Brentford. Die ham uns aufgefressen, auf jeder Position. Und genau so will Adi auch spielen und möglichst auf jeder Position einen physischen Vorteil ggü dem Gegenspieler haben. Wenn man den nicht hat, dann muss man tricksen und taktieren. Wir spielten gg Brentford absichtlich 1:1 übers ganze Feld. Damit man die Defizite klar aufzeigt: wer sieht in den Duellen nicht gut aus? Wer ist zu langsam, wer zu schmal, wer zu klein? Und da waren einige dabei ;)
Der Unterschied zu Brentford war gg Union: Atubolu statt Kaua, Maluze statt Otávio, Chaibi statt Hojlund, Amaimouni statt Doan. Das wars, ansonsten wars die gleiche Startelf.
Dino hatte jahrelang einen richtig schnellen Kader (s.o.), wusste ihn aber nie so richtig zu nutzen, weil sein Spielstil zu langsam und nicht offensiv genug war. Dem musste man schon ne spielerische Speed-Kombi Marmoush/Ekitiké geben, damit es hinhaut. Und als die weg waren, zerbrach alles. Gerade durch die langsamen Kristensen und Theate.
Jetzt sagte Adi relativ klar: Wir brauchen wieder mehr Speed!
Dass Speed niemals das einzige Kriterium ist, hatte ich übrigens sogar belegt. In dem ich die schnellen Spieler wie Bahoya oder Ebimbe aufzählte, die trotz physischer Power aussortiert wurden. Manch einer kommt wahrscheinlich auch vom Kopf her nicht mit und ist dann öfters zu spät. Sowas sieht man dann ja in den Trainings.
Auch Entscheidungsfindung spielt natürlich ne Rolle. Trifft einer immer die richtige Entscheidung (Hasebe), oder trifft einer ständig falsche Entscheidungen (bei Ebimbe ist das deutlich, auch Collins darf gerne noch zulegen).
Und dann ist oft viel Mühe für den A.., weil 2-3 Spieler ständig zurückziehen statt draufzugehen, dribbeln statt passen, den Ball halten statt direkt zu spielen, den Freistoß ziehen wollen anstatt abzuschließen usw
Es gibt gaanz viele Kriterien, je nach Position wichtiger oder nicht wichtig. Schnelligkeit ist eine Eigenschaft, die beim Profi-Fußball nie einen gewissen Wert unterschreiten sollte, egal welche Position zu spielst. Hase spielte Stamm, so lange er ~32km/h mitgehen konnte. Und als er das nicht mehr konnte, spielte er auch nicht mehr Stamm.
Für die langsamen Spieler wird unser Spiel dann auch irgendwann zu schnell. Da muss man hoffen, dass sich langsamere Spieler wie Götze, Chandler und Arrhov nicht verletzen. Natürlich können sich auch schnelle Spieler verletzen (s. Knauff), doch wahrscheinlicher ist es bei langsameren Spielern, die öfter an ihr Maximum gehen müssen, um im Sprint mithalten zu können...selbst wenn es ein kurzer Sprint ist. Da kommt dann schneller mal ne Zerrung.
Ich will nur sagen: Je schneller unsere Mannschaft, desto niedriger ist die Verletzungsgefahr bei einem intensiven Spielstil wie dem von Adi.
Es gibt echt viele Gründe, bei einer Mannschaft auf Speed zu setzen. Für mich ist es der wichtigste Faktor, noch vor Technik. Damit meine ich nicht, dass man nur auf Bahoyas setzen soll. Nein, aber einen gewissen Grundspeed sollte kein Spieler im Team unterschreiten. Und wenn, dann nur Wenige. Wenn in deiner Mannschaft jeder ~34km/h Topspeed hat, dann ist das brutal. Die machen dich fertig und so ist die hohe Niederlage gg Brentford auch einzuschätzen. Das war physisch schlichtweg ein anderes Level. Und die gilt es als Vorbild zu nehmen und das auch zu erreichen.
Und so verstehe ich die Kaderplanung. Wer keinen gewissen Speed erreicht, ist raus. Doan, Koch..das ist schon die Grenze, was Geschwindigkeit betrifft.
Danke für die Einschätzung, aber keine Ahnung, wo du dir Zahlen her hast...? Bei deiner Einschätzung gehst du nur auf den einen Wert der Endgeschwindigkeit ein. Das ist ja erstmal nur der Wert, den ein Spieler in einer bestimmten Spielsituation auf dem Platz erreicht hat. Wenn der jetzt in der einen Saison 35 km/h gerannt ist und in der nächsten nur noch 30, dann heißt das nicht, dass er jetzt plötzlich Invalide ist und nicht mehr rennen kann, sondern nur, dass er im Spiel nicht in eine Situation gekommen ist, in der er einfach nur 40 Meter geradeaus rennen musste, was in einem abwechslungsreichen Spiel einfach eher selten vorkommt. Diese Situation entsteht ja nur, wenn der Spieler ein halbes Feld niemanden mehr vor sich hat, was in der Praxis fast nie der Fall ist, die Gegner tun ja immer alles, um genau das zu verhindern. Wichtiger ist meistens definitiv die Explosivität, also wie schnell ein Spieler aus dem Stand auf >25 km/h kommt.
In diesem Artikel über Trainingsmethoden wirs zudem empfohlen, nach jedem Sprint pro 10 m absolvierter Distanz min 30 s Ruhezeit einzubauen, weil sonst die Laktatwerte im Körper steigen und die Muskeln gestresst sind. Bei einem Sprint sofort nach einem Sprint ist also automatisch der Zweite schlechter, egal wie gut man ist. Daran sieht man auch, dass es grundfalsch ist, Stürmer zu verurteilen, wenn sie nicht jede Minute auf dem ganzen Platz umher rennen. Das würde die Laktatwerte nur derart in die Höhe schnellen lassen, dass sie im entscheidenden Moment nicht mehr sprinten könnten:
https://michael-rumpf.jimdoweb.com/training/speed/
Der im Spiel gemessene Wert ist also ein Indikator, wie schnell ein Spieler sein könnte, das sagt allerdings nichts über seine tatsächlich mögliche Höchstgeschwindigkeit aus. Man muss auch immer unterscheiden, wie erholt ein Spieler gerade ist. Wenn er aus einer Verletzung kommt, wird er sicherlich nicht gleich wieder auf dem höchsten Level sein. Wenn junge Spieler für 10 min eingewechselt werden, kommen die hochgerechnet auf 90 min auch auf 16 gelaufene Kilometer, in der Praxis würden sie das aber niemals 90 min durchhalten.
In den Leistungszentren mit Profi-Programmen wird zum einen mit Sicherheit separat die Endgeschwindigkeit, aber auch die Beschleunigung gemessen, mit der ein Spieler auf den Speed kommt, zudem die Geschwindigkeit mit Ball, gelaufene Kilometer und etliche andere Ausdauerwerte. Die verschiedenen Laufwerte sind an sich schon sehr unterschiedlich, denn der beste 100m-Läufer ist nicht der beste Marathonläufer und andersherum. Es kommt im Fußball allerdings auf noch viel mehr Werte an als das, das ist physisch schon mehr wie ein Zehnkampf. Es kommt ja auch auf körperliche Stabilität, Sprungkraft und Beweglichkeit an. Die Koordination ist beim Schuss wiederum eher noch wichtiger als die Kraft. Die Technik und das Spielverständnis hat man im Kopf. Es gibt durchaus auch einige Spieler, die langsam und nicht superstark sind, aber dennoch weltweit zur absoluten Elite gehören, wie etwa Thomas Müller oder aktuell Pedri, der ist klein und schmächtig und kein Superathlet, aber eben der Beste am Ball und deswegen der derzeit teuerste Mittelfeldspieler der Welt. Eine hohe Passquote und ein gutes Spielverständnis sind im Zweifelsfall viel entscheidender als Athletik.
Es ist also immer ein Fehler, solche Werte isoliert zu betrachten. Auch die Körpergröße ist da keineswegs entscheidend. Spanien ist nicht das durchschnittlich größte Team, keineswegs. Gute Fußballer müssen nicht Zehnkämpfer, sondern locker 50-Kämpfer sein, wenn man bedenkt, in was die alles gut sein müssen. Wenn ein Spieler in einem dieser Werte etwas unterdurchschnittlich, aber in anderen deutlich überdurchschnittlich ist, dann gehört er dennoch zu den Besten. Auch jeder Zehnkämpfer hat Bereiche, in denen er besser oder schlechter ist und versucht sich in allen zu verbessern. Im Fußball kommt es auf viel mehr an, weil man eben nicht jede Übung isoliert in genormten Idealbedingungen absolviert.
"Elite and higher-ranked teams perform significantly more high-intensity sprints"
Das übersetzt man auf Deutsch mit "intensive Läufe", da geht es überhaupt nicht um die Endgeschwindigkeit. Also welches Team mehr intensive Läufe absolviert, ist statistisch erfolgreicher, nicht wer im 50m-Lauf am Schnellsten ist. Natürlich sind die außen bei Bayern auch besonders schnell, aber halt nur die sind herausragend. Bayern ist vor allem unter Kompany eine ultimative Passmaschine, deswegen kommen die Gegner kaum an den Ball. Auch wer das Spielfeld am Besten abdeckt, liegt nicht an der maximal möglichen Sprintgeschwindigkeit, sondern eher an den insgesamt gelaufenen Kilometern und natürlich der Antizipation.
Welcher Hase wie schnell laufen kann, zählt also? Die totale Cristiano Ronaldoisierung des Fussballs, grauenhaft! Ich habe echt langsam überhaupt keinen Bock mehr auf diese Zirkusveranstaltung. Was ist aus Fussball nur geworden...? Dazu kommt, dass man nach dieser völlig irren Transferperiode eigtl gar nicht weiß, wer noch in diesem Team spielen soll. Ich glaube ich steige aus
Fast ;)
'high-intensity sprints' übersetzt man nicht mit 'intensive Läufe', sondern mit 'Sprints'.
Intensive Läufe wäre high-intensity runs oder intense runs. Sprint bedeutet sprint, und Laufen bedeutet to run/running.
Hier geht's um Sprints, also Vollspeed..meist 20-30m. 'Intensive Läufe' hat wieder mehr mit Ausdauer als Explosivität zu tun. Da geht's auch nicht um den vollen Speed, mehr um Distanz.
Aber jo, das wird oft verwechselt. Kann ich nachvollziehen.
Ich beobachte diese Höchstspeed-Werte schon seit Jahren und nutze sie, weil ich keine besseren Parameter in Bezug auf Geschwindigkeit finden kann. Die kann man bei kicker einlesen.
Ich geb dir recht, dass Antritt auch sehr wichtig ist.
Kannste du mir bitte eine Seite nennen, bei der es die Antrittsgeschwindigkeiten gibt? Und die Geschwindigkeit mit Ball, die hätt ich auch gerne. Und auch zu Stabilität, Sprungkraft usw gerne die Werte mitteilen.
Das wär RICHTIG geil! Next level! :)
Danke :)
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