Vor dem ersten Heimspiel in der Bundesliga für die Frankfurter Eintracht trat ein gut gelaunter Adi Hütter vor die Presse. Auch wenn der Cheftrainer versuchte den Fokus auf die bevorstehende Aufgabe zu legen, drehten sich natürlich nach wie vor viele Fragen um die gerade beendete Transferphase.
„Ich bin sehr zufrieden mit dem Kader. Wir wissen seit Sommer, dass uns ein Umbruch bevorsteht. In einem Transferfenster können wir nicht alles zerreißen. Wir haben das Beste rausgeholt. Jetzt sind wir komplett und meine Aufmerksamkeit gilt allen, die jetzt da sind.“ Sechs externe Zugänge konnte der Kader der Hessen verzeichnen. Mit Atubolu und Brassier kamen zwei in den letzten Tagen vor dem Deadline-Day hinzu. „Die letzten Transfers waren sehr wichtig. Noah Atubolu hat in Berlin gezeigt, wie gut er ist. Dazu mit Lilien Brassier einen Spieler, den ich sehr gut kenne. Wir wollten ihn schon damals nach Monaco holen. Er ist sehr zweikampfstark und linksfüßig. Ob er direkt spielt, möchte ich noch nicht verraten. Er wäre aber körperlich dazu in der Lage. Vom Typ her ist er ein Krieger und das wird uns gut tun.“ Dazu freute sich der Österreicher vor allem über den Verbleib eines Spielers. „Ich bin sehr froh, dass Ritsu Doan hier geblieben ist. Das zeigt, dass der Spieler die Entwicklung mit uns gehen möchte. Das freut mich extrem. Er zeigt den Fans, dass er sich der Aufgabe stellt. Das finde ich sehr bewundernswert.“ Trotzdem machte der 56-Jährige keinen Hehl daraus, dass man bis zur letzten Sekunde versuchte einen neuen Stürmer zu holen. „Ein Trainer hat seine Wünsche. Auf der anderen Seite haben alle ihre Vorstellungen. Wir hatten sehr viele Transferbewegungen. Ich wusste, dass das nicht einfach wird. Am Ende haben wir bei Kalimuendo alles probiert. Es hat aber einfach nicht funktioniert.“ Eine kleine Hintertür ließ er aber offen. „Deshalb bleiben wir vorerst so wie wir sind.“
„Identifikation ist wichtig“
Daher werden im Sturm weiterhin voraussichtlich Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt als Doppelspitze auflaufen. „Solange die Jungs fit sind, können wir sie laufen lassen“, lachte Hütter. Auch wenn die Personalsituation im Sturm auf den ersten Blick recht dünn scheint, sieht er einige weitere Alternativen. „Dazu haben wir mit Malik Pimpong einen sehr interessanten Stürmer in der Hinterhand. Auch Can Uzun und Ansgar Knauff können die Position spielen. Wir sind aber auch in der Lage mit nur einer Spitze zu spielen. Die Spielanlage ist für mich das entscheidende. Ich wollte einen kleineren Kader. Deswegen muss man Markus Krösche und Timmo Hardung auch ein Lob aussprechen. Der Kader hat eine Größe, die für mich passt.“ Auch auf der linken Abwehrseite ist die Auswahl für den Cheftrainer deutlich geringer als im Vorjahr. Hier sieht Hütter den gesamten Kader in der Verantwortung. „Can Uzun ist ein Spieler, der seine absoluten Stärken in der Offensive hat. Im Fußball muss man aber in beide Richtungen arbeiten. Er ist dazu in der Lage. Ich finde die Konstellation mit Keita Kosugi sehr spannend. Wir haben aber auch die Möglichkeit mit Nnamdi Collins oder Ansgar Knauff auf der rechten Seite zu spielen. Dann kann Elias Baum auf links. Dazu ist auch Timothy Chandler hier, der weiterhin sehr wichtig für die Mannschaft ist. Deshalb mache ich mir keine Gedanken. Wir wollen junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs entwickeln.“ Dabei nannte er neben Baum auch Niko Ilicevic, der in den Startlöchern stehe. „Diese Identifikation ist mir sehr wichtig.“
In einer sehr jungen Mannschaft spielen ebenso die erfahrenen Spieler eine besondere Rolle. Einer von ihnen ist Mario Götze, zu dem Hütter selbst eine sehr gute Beziehung pflegt. „Mit Mario habe ich mich schon unterhalten, bevor ich hier angetreten bin. Er ist super wichtig für die Mannschaft. Wenn er nicht spielt, ist er Profi genug, um die Erfahrung an andere Spieler weiterzugeben. Ich habe zu ihm ein sehr enges Verhältnis. Ihm muss man nicht viel erklären. Er ist unverzichtbar für die Mannschaft.“ Dass es aber eventuell in der Mannschaft ein wenig an Erfahrung fehlt, hat auch das Spiel gegen Union Berlin gezeigt. Hier gab die SGE in den letzten 20 Minuten eine zwei-Tore-Führung noch aus der Hand. „Die Mannschaft ist in diesem Spiel 127 Kilometer gelaufen. Natürlich haben auch mir die letzten 20 Minuten überhaupt nicht gefallen. Wir haben zu viele Flanken zugelassen und auch der Ballbesitz hat nicht mehr gepasst. Unser Spiel hat nicht mehr so stattgefunden. Wir müssen im eigenen Strafraum konsequenter sein. Das müssen wir verbessern.“
Heimpremiere seit fünf Jahren
Gegen den FC Augsburg wird Hütter wieder auf Doan zurückgreifen können. Collins und Knauf fehlen weiterhin angeschlagen. Einer der ebenfalls erstmal weiterhin auf der Bank bleiben wird, ist Kaua Santos. „Es war nicht einfach für ihn. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass er im Training gelöster ist. Der Druck ist ein bisschen weg. Es ist ein Prozess. Wir haben die Entscheidung zwei Wochen vor Transferschluss getroffen. Wir hatten dasselbe Thema mit Michael Zetterer. Er muss und wird sich jetzt erstmal mit dieser Rolle begnügen. Ich nehme ihn sehr positiv wahr.“ Allgemein verspürt der Österreicher eine große Vorfreude vor der Heimpremiere. „Ich freue mich extrem auf das Heimspiel und die Rückkehr nach vielen Jahren.“ Das letzte Spiel des 56-Jährigen im Frankfurter Waldstadion war am 22. Mai 2021. Damals gewann die Mannschaft vor leeren Rängen 3:1 gegen Freiburg.
Am kommenden Sonntag erwartet der Cheftrainer ein schweres Spiel. „Augsburg ist sehr gut in die Saison gestartet. Sie haben eine gute Stabilität mit einem klaren System. Eine sehr gute Mannschaft, die wir knacken müssen. Ich erwarte, dass wir von der ersten Minuten an zeigen, dass wir das Spiel gewinnen möchten. Sie kommen mit viel Selbstvertrauen und haben spannende Spieler. Sie werden gut stehen und schnell umschalten. Aber ich bin von uns überzeugt und wir können sie mit einem guten Spiel schlagen.“ Im Training unter der Woche ging es dabei hauptsächlich darum den gewollten Spielstil zu etablieren. „Davon sind wir noch ein Stück weg. Trotzdem haben wir in Berlin Passagen gezeigt, die mir gut gefallen haben. Es gab aber auch Dinge, die ich nicht möchte. Das ist ein Prozess. Wir wollen leidenschaftlichen, proaktiven Fußball spielen.“ Im ersten Heimspiel der Saison will Eintracht Frankfurt die turbulente Transferphase vergessen machen und sich erneut dem Sportlichen widmen. Wohin es letztendlich in dieser Saison mit der SGE gehen wird, ist auch für Adi Hütter noch schwer abzuschätzen. Aber: „Ich bin überzeugt von dem, was wir tun. Wie es schlussendlich aussehen wird: Da fließt noch viel Wasser den Main herunter.“






5 Kommentare
Adi tut uns in der aktuellen Situation gut. Lamentiert nicht rum, schaut nach vorne und will aus dem, was er übernommen hat, das Beste machen. Es wird nicht alles klappen, aber ich bin sicher, dass wir wieder ein System erkennen werden und hoffentlich zu den alten Tugenden zurückkehren. Ich bin bereit, alles zu geben, Ihr hoffentlich auch :-))
Vielleicht einfach mal Hütter selbst zuhören …
Denn seine eigenen Aussagen sprechen derzeit eher für einen abgestimmten Kaderumbau als für einen Konflikt mit der sportlichen Führung.
Mitnichten ist alles gut im Stadtwald, das kann man aus Adis Worten zwischen den Zeilen heraushören 😉 sonst gäbe es obigen Artikel garantiert nicht.
Ich möchte in die ganze Diskussion um Kader, Transfers, fehlende Leader und angebliche Unstimmigkeiten zwischen Adi Hütter und Markus Krösche noch einen Gedanken einwerfen.
Denn wenn ich mir Hütters Aussagen vor dem Augsburg-Spiel durchlese, bestätigt sich für mich eigentlich ziemlich genau der Eindruck, den ich während der gesamten Transferphase hatte: Dieser Umbau ist nicht gegen den Trainer erfolgt, sondern offensichtlich sehr weitgehend mit seinen Vorstellungen abgestimmt.
Hütter sagt selbst, dass er einen kleineren Kader wollte. Und er geht sogar noch weiter und spricht Markus Krösche und Timmo Hardung ausdrücklich ein Lob dafür aus. Der Kader habe eine Größe, die für ihn passe.
Das klingt für mich jedenfalls nicht nach „bösem Blut“ oder danach, dass der Trainer am Ende der Transferperiode völlig unzufrieden dasteht, weil ihm die sportliche Führung nicht die Mannschaft hingestellt hat, die er wollte.
Natürlich heißt das nicht, dass jetzt automatisch jeder Transfer einschlägt oder dass der Kader keine Schwachstellen haben kann. Und genauso wenig bedeutet es, dass Hütter bereits nach wenigen Wochen mit allem zufrieden sein muss, was er auf dem Platz sieht.
Aber genau deshalb finde ich seinen letzten Satz in diesem Artikel so wichtig.
Hütter sagt sinngemäß: Er sei von dem überzeugt, was sie tun – aber bis man sehen könne, wie das Ganze am Ende aussehen werde, werde noch viel Wasser den Main hinunterfließen.
Eigentlich steckt darin für mich fast die gesamte derzeitige Situation.
Er ist überzeugt von dem Weg – aber er weiß selbst noch nicht, wohin dieser Weg die Mannschaft schon in dieser Saison führen wird.
Und genau diese Geduld sollten vielleicht auch wir Fans aufbringen.
Wir haben einen neuen Trainer, einen stark veränderten Kader, viele junge Spieler und offenbar den bewussten Versuch, eine andere Art Fußball zu spielen. Hütter spricht selbst von einem Prozess und davon, dass die Mannschaft von seiner Vorstellung noch ein Stück entfernt sei.
Warum sollten wir dann nach einem Bundesligaspiel schon endgültig beurteilen können, ob Leader fehlen, ob der Kader zu jung ist, ob einzelne Transfers falsch waren oder ob die Mannschaft funktioniert?
Vielleicht werden sich manche Befürchtungen im Laufe der Saison bestätigen. Vielleicht stellt sich auch heraus, dass an der einen oder anderen Stelle tatsächlich etwas fehlt.
Aber vielleicht entwickelt sich diese Mannschaft eben auch erst.
Für mich ist deshalb Hütters Satz momentan eine ziemlich gute Überschrift über die gesamte Eintracht-Diskussion:
Bis wir wirklich wissen, was aus dieser Mannschaft wird, wird noch viel Wasser den Main hinunterfließen.
Und möglicherweise täte es uns allen ganz gut, ihr genau diese Zeit auch zu geben.
"Ich bin sehr zufrieden mit dem Kader". Egal wieviele hier und in den unterschiedenen Medien über den Kader und die Transferperiode unzufrieden sind: entscheidend ist die Meinung des Trainers!
"...Krösche und Hartung ein Lob aussprechen". Damit sollte auch Diskussion zum Verhältnis Hütter/Krösche klargestellt sein.
Und wenn jetzt endlich mal diese unmögliche und unendliche Medienzündelei beendet wird können wir hoffentlich uns ums wesentliche kümmern: Fussball
👍
Ich habe mich mit dem Kader angefreundet. Beim Blick auf die anderen Kader der Liga gibt es keine handvoll Clubs mit denen ich gerne tauschen würde.
Mein Gefühl sagt mir, dass eine gewichtige Achse
Atubolu- Brassier-Onyedika-Uzun-Ebnoutalib entstehen könnte.
Mit den beiden Kaufpflicht-Transfers Bahoya und Larsson hat Krösche ein Meisterstück vollbracht. 2 gute Jungs, aber mit Höhen und zu vielen Tiefen.
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