Dürfen nun auch in Lissabon für ordentlich Stimmung sorgen: Die Fans der Eintracht.

Ein mildes Urteil

Große Hoffnungen hatte wohl kaum ein Fan der Frankfurter Eintracht darauf, am 11. April um kurz vor 21:00 Uhr das „Estádio da Luz“, Spielstätte von Benfica Lissabon, betreten zu dürfen. Zu deutlich war die auferlegte Bewährungsstrafe formuliert: Sollte es noch einmal zu einem Pyro-Vergehen der Frankfurter Fanszene – wie zuletzt in Mailand oder in Rom – kommen, würde eine Auswärtsfahrt ausfallen müssen.

Umso größer ist nun die Freude, dass jetzt doch noch Flugtickets nach Lissabon gebucht werden können, weil die SGE 3.200 Tickets im Viertelfinalhinspiel für ihre Fans erhält. Der Dank gebührt nicht nur Frankfurts Fachanwalt Christoph Schickhardt, der schon im Vorfeld der Verhandlung davon sprach, man werde „kämpfen wie die Löwen“, damit dem Frankfurter Anhang die Auswärtsfahrt antreten könne, sondern auch der UEFA selbst. Es ist beileibe nicht selbstverständlich, dass eine Organisation beide Augen zudrückt bei Regelungen, die sie selbst getroffen hat. Dass man sich nun darauf einließ, die Bewährungsstrafe von zwei auf drei Jahre zu verlängern sowie eine Geldstrafe von 50.000 Euro zu erheben, anstatt die Eintracht-Fans vor den heimischen Fernseher zu zwingen, ist meiner Meinung nach, aller Ehren wert. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass drei Jahre Bewährung eine lange Zeit sind und dass die Fanvergehen in Rom und Mailand nun insgesamt 130.000 Euro gekostet haben. 130.000 Euro, die in Ablösen hätten gesteckt werden können oder in die wichtigen, anstehenden Vertragsverlängerungen.

Fans müssen sich von Pyrotechnik zu distanzieren

Die Fans der Eintracht haben mit dem ergangenen Urteil eine riesige Chance erhalten. Nämlich die, ein für alle Mal zu beweisen, dass man sich von Pyrotechnik distanziert hat. Und Pyrotechnik ist hier in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Die Ultras ließen in ihren Erklärungen immer wieder durchblicken, dass sie klar gegen Pyrotechnik sind, die die Hand verlässt. Im Umkehrschluss heißt das aber, dass etwa Bengalos, welche die Hand nicht verlassen (sollten), toleriert werden. Mir geht es nicht um die alte Diskussion, ob Pyrotechnik zur Fanszene dazugehört, hier geht es jetzt um Fakten. Und diese Fakten liegen auf dem Tisch: Gegen eine saftige Geldzahlung des Vereins, dürfen die Anhänger nach Lissabon reisen. Egal wie man für oder wider Bengalos diskutiert, die UEFA wird der Eintracht nicht noch einmal das Zuckerbrot servieren. Das nächste Mal, und sei es auch nur ein einzelner Bengalo, wird die Peitsche die Verhandlung führen. Und hier liegt neben der riesigen Chance auch das große Risiko. Sollten noch einmal solche Vorfälle auftreten, so würden einige Wenige es schaffen, die gesamte Fanszene zu bestrafen und weiter zu spalten. Selbst wenn es nur fünf Feuerwerkskörper waren, die in Mailand gezündet wurden – diese fünf Feuerwerkskörper hätten um ein Haar 3200 Eintracht-Fans bestraft, die vor ihren Fernsehern um ein Weiterkommen hätten bangen müssen, anstatt ihr Team live und vor Ort zum Sieg tragen zu können.

Die Eintracht ist jetzt für drei Jahre auf Bewährung. Das ist eine lange Zeit. Die Fans müssen jetzt erst Recht zusammenstehen und Farbe bekennen, nach dem die UEFA einen riesen Schritt auf sie zukam mit dem Urteil. Pyrotechniken oder Gewalt in welcher Form auch immer, dürfen in keinster Weise mehr toleriert werden!

Autor Folke Müller

Folke MüllerFolke Müller kommt aus einem Elternhaus, in dem Fußball eigentlich absolut keine Rolle spielt. Dennoch fand er seine Liebe zur Eintracht im Alter von acht Jahren. Seitdem entgeht ihm kein Spiel mehr. Erst als langjähriger Leser von SGE4EVER.de auf der Seite unterwegs, ist er seit März 2019 als Redakteur tätig. Neben der Eintracht ist seine andere große Leidenschaft die Musik, der er sich von Kindesbeinen an verschrieben hat.

Autor Nadine Peter

Nadine PeterNadine Peter (27) ist seit 2015 als rasende Reporterin für SGE4EVER.de am Ball: Egal ob Auswärtsspiele oder Trainingslager: Notebook, Handy, Kopfhörer, Block und Stift sind stets dabei. Sie schreibt nicht nur über den Fußball, sondern tritt auch gern mal selbst gegen das Runde Leder, weshalb sie sich einst im Trainingslager schon ein blaues Auge im Zweikampf mit Sportvorstand Fredi Bobic zuzog. Sie hat also das Auge fürs Wesentliche.

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15 Kommentare

  1. Das ist keine großen Chance. Es ist die allerletzte Warnung. Die wir eigentlich nicht verdient haben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wieder was passiert, weil diese Idioten es nicht begreifen werden. Traurig aber war.

  2. @1
    und es ist doch eine große, sogar sehr große Chance !
    Ob es wirklich „der Letzte“ auch begriffen und verinnerlicht hat, das ist eine ganz andere Frage.
    Menschen, wenn auch wenige, jedoch als unverbesserliche Idioten hinzustellen und ihnen jede Fähigkeit zum lernen und zu besserem Verhalten abzusprechen, genau das hilft absolut nicht weiter.
    Als Älterer sage ich, man kann diese Probleme und Schwierigkeiten nur — MIT — den Fans, auch ungebildeten oder unerzogenen Fans lösen.
    Unsere Eintracht ist da schon auf dem richtigen Weg, den sollten wir unterstützen.
    Wenn du Menschen bewußt ins Abseits stellst, dann werden sie sich erstrecht außerhalb der Norm verhalten. Ich will das nicht, jeder hat eine Chance verdient sich zum Besseren zu wenden.
    Forza SGE !

  3. Als ebenfalls älterer sage ich dir, es gibt immer einen Prozentsatz derer, die ist genau so wollen wie es passiert. Denen egal ist, ob andere darunter leiden. Daher haben wir auch Gesetze und Gefängnisse. Ich bin mir sicher, die Pyro Gangster (ich nutze bewusst diesen Begriff, da sie durch ihre Taten die Verletzungen andere in Kauf genommen haben ) die wussten was sie tun. Spätestens seit Rom, wusste das auch der letzte. Es war in den letzten Jahren immer wieder so, dass sie trotz besseren Wissens diese Dinge getan haben. Da hilft es nur, diese Menschen zu stoppen. Wie man das macht, weiß ich nicht. Aber die Ultras haben ja zugesagt, dass es Konsequenzen gibt. Ich bin gespannt. Sollte es keine Verbesserung geben, werden wir nächstes Jahr in der Champions League ein Geister-Spiel haben

  4. Das ist eine große Chance und nun können die Fans endlich Farbe bekennen und das Entschuligungsschreiben nach dem Inter Vorfall in die Tat umsetzen !!

    Was ich an den Diskussionen zur Pyrotechnik nicht verstehe , ist das es eine ungefährliche Pyro gibt , welche ein Kompromiss wäre?

    Die Gefährlichkeit der Pyro sollte doch auch dem Dümmsten bekannt sein !! Und ich hoffe nun , das die Ultras Ihrer Eintracht nicht weiter Schaden – sondern unterstützen und Ihre geilen und einmaligen Choreos machen und sich und die SGE in der ganzen Welt berühmt und geliebt machen … So können wir endlich auch wieder eine Spitzenmannschaft werden und so auch Geld und Erfolge generieren !!

  5. @2 wie lange gibt’s jetzt schon das pyro Verbot? Undr diese Leute haben es immer noch nicht kapiert. Daher sind sie aus meiner sicht Idioten. Es gab schon etliche strafen wegen pyro vergehen gegen unsere Eintracht. Unter jetzt auf einmal soll Ihnen ein Licht aufgegangen sein? Schön wärs, wäre ein größeres wunder als unsere SGE nächstes jahr in der CL zu sehen.

  6. Ich sehe es wie Dieter: Diese Stigmatisierung als „Idioten“, „Vollpfosten“ whatever ist gut für die momentane Wut, bringt aber nichts bzw.löst kein Problem. Und der Artikel hat völlig recht: Es ist eine Chance, weil die UEFA mit dem Urteil sagt: Die Fans der Eintracht sind eine riesige Bereicherung des internationalen Fußballs. Nun sind auch die Ultras am Zug, die sich distanziert haben. Sie sollten auf diejenigen einwirken, die sich nicht an die Regeln halten. Skeptisch bin ich auch, aber nicht ohne Hoffnung.

  7. Die Geschichte der Erziehung zeigt, dass man night jeden mit Erziehung erreichen kann. Aus den unterschiedlichsten Gründen gab es, gibt es und wird es immer wieder Unverbesserliche geben, die sich allen guten Gründen und Argumenten entziehen. VErziehung ist im allgemeinen ein sinnvolles Mittel, Menschen auf einen vernünftigen Weg zu bringen. Von daher ist es Tabsolute Träumerei zu denken, dass Erziehung 100% der Angesprochenen erreicht und deren Verhalten ändert. Das weiß ich nicht nur als Pädagoge sondern hat mich als Älterer auch meine Lebenserfahrung gelehrt. Von daher bin ich mir sicher, dass es weitere Pyrostraftaten und Leuchtspurmunition bei Spielen der SGE geben wird, wenn man nicht endlich diese Gangster dingfest macht. Aber selbst dann sollte man auch damit rechnen, dass sich Nachahmer finden werden.
    Unabhängig davon, halte ich die Kollektivstrafen über Zuschauerausschluß ebenfalls für kontraproduktiv.

  8. Sobald 10 Menschen zusammen kommen, hast du mindestens einen Deppen dabei. Egal, ob Du Dich in sog. Eliten bewegst, unter Sandkastenfreunden oder Fans. Man kann zwar Einfluss nehmen, aber die vielleicht eine Macke die ein Freund hat, wirst Du nie rausbekommen und wenn dann noch Alkohol ins Spiel kommt…

  9. Ich sehe es als Chance und freue mich, so milde davon gekommen zu sein. Ich hoffe auf die internen Gespräche einer zusammengerückten Fanszene mit der Leitung von sowohl eV als auch AG. Jetzt müssen mal alle zusammenhalten.

  10. Ich geh mit Dieter …

    Bewährung ist immer eine Riesenchance. Für den Delinquenten und für die anderen sowieso. Nur so kann es funktionieren. Ich bin kein Pädagoge wie Strolch, aber nur weil es aus Sicht und Erfahrung eines Pädagogen nicht möglich sein sollte 100% aller der Angesprochenen zu erreichen, so gibt doch meiner Erfahrung nach trotzdem kein Pädagoge auf, sich um alle Schäfchen zu kümmern und dann auch aufrichtig an die Sache zu glauben.
    Ich will keinen aufgeben, solange es noch profunde mögliche Wege und Mittel gibt, auch „Unbelehrbare“ wieder als Teil der Gruppe zu integrieren.

    Für mich ist’s erstmal genug der schweren Gedanken – jetzt freu ich mich schwerelos auf die Zero Gravity von Stuttgart.

    Forza SGE!

  11. Nun, ich bin auch älter und stimme grundsätzlich der Aussage zu, dass stigmatisierte Leute eher komplett aus der Spur kommen, als wieder zurück in die Spur (oder erstmals). Sie werden sich nicht bessern, sondern viel schlimmer werden als vorher. Das ist ja mal klar.

    Allerdings gibt es hier ein paar Aspekte zu beachten. Punkt 1) Die Identifizierung. Selbst wenn man sie betreuen möchte, anstatt zu betrafen. Man muss wissen, wer es ist.

    Punkt 2) Da bereits ein einzelner die Bewährung torpedieren kann und das für einen sehr langen Zeitraum, da immer Alc mit im Spiel ist, geht die Wahrscheinlichkeit gegen 100%, dass es zur Strafe kommt. Keine Frage ob, sondern wann. Das Kind sehe ich also im Brunnen.

    Punkt 3) Es sind immer noch Sportstätten und Besucher gehen da hin, um Sport zu sehen. Die Sozialarbeit in Ehren, aber vielleicht nicht ausgerechnet im Kontext dieser 90min, die (gerade die!) ich als mentalen Kurzurlaub von eben all diesen Themen sehe. Da gibt`s ein Hausrecht und Verbote und es ist nichts Unmenschliches verlangt, dass jeder sich – wenigstens in diesen 1,5 Stunden – daran hält.

    Also kurzum, die gehören identifiziert, bei Seite genommen und vernünftig in die Spur gebracht, sodass man sie dann auch wieder ins Stadion lassen kann. Mit harter Bestrafung erreicht man in der Tat das Gegenteil. Aber zuerst mal muss man wissen, wem man hier helfen muss. Letztlich ist es ja Hilfe.

  12. Ich befürchte leider, dass Granulär in Beitrag 8 recht hat.

    Wenn man mal überlegt, wie positiv sich alles entwickelt hat mit den Ultras seit dem unseligen „Randalemeister“ Auftritt beim Abstieg vor ein paar Jahren kann man eigentlich sehr froh sein – ich entsinne mich noch an Tage als ich mit meinem kleinen Sohn im Stadion war und ihm dann nicht erklären konnte was sich da eigentlich für Szenen abspielen (Polizei auf dem Feld, die Fans vom stürmen des Gästeblocks abhalten mussten usw) – das hat ihm damals das Live-Erlebnis Fussball richtig versaut
    Da ist es heute um Längen besser, aber es gibt halt immer ein paar wenige Deppen, und die Wahrscheinlichkeit dass die sich 3 Jahre im Griff haben werden geht tatsächlich gegen Null
    Daher wird eigentlich nur eins helfen – die Ultras MÜSSEN JETZT ANKÜNDIGEN, bei künftigen Verstössen den-/die Verantwortlichen namentlich kenntlich machen. Das ist m.M. nach der einzige wirkungsvolle Weg um die paar Deppen zu erreichen.
    Das wäre auch kein Verstoß gegen die scheinbar existierende interne Regel „Keiner wird verraten“ – wenn man für die Zukunft auch intern die klare Parole ausgibt „Wer der SGE und uns Fans schadet wird ab jetzt benannt“ dann weiss jeder Bescheid und dann gibt es eine Chance, dass künftig eben Individualstrafen anstelle von Kollektivstrafen ausgesprochen werden können.

    Schaun mer mal was wird – jetzt erstmal 3 Punkte am Sonntag holen 🙂

  13. Lauter Aeltere hier!? Also die geriatrische Abteilung des Adlerhorsts… Gut zu wissen, falls mal ein Problem mit den Dritten oder eine vertrackte Nachlassabsicht auftauchen sollte.

    Ich gehe davon aus, dass sich die Feueranbeter gegen Lissabon korrekt verhalten werden. Gegen Chelsea vielleicht auch noch – aber drei Jahre!? Ich glaub‘ nicht dran.

    Ich lehne Kolletivstrafen ab. Es ist ein fundamentales Rechtsprinzip, dass man nur fuer sein eigenes Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das inkludiert selbstverstaendlich auch eine juristische Person wie Eintracht Frankfurt. Ein eigentlich angemessener differenzierter Text im Umfang einer Doktorarbeit auf einen Satz reduziert (fuer mehr habe ich keine Zeit; ich bin im Gegensatz zu all den anderen hier noch kein Rentner ;P ): Der Staat bzw. die Gesellschaft hat nicht die Eier in der Hose, um im Stadion – etwa durch Videoueberwachung an Brennpunkten et cetera – Taeter gezielt zu erfassen und waelzt stattdessen die Verantwortung der Einfachheit (oder Hilflosigkeit) halber auf den Verein ab bzw. es muessen viele fuer das Fehlverhalten weniger bluten. Bzw. erblinden bzw. erkrebsen…

  14. @13
    Aber da die Eintracht die Tickets eben weitergibt, und auch, weil diese Regelung in den Ligen/Verbänden so hingenommen werden, übernimmt die Eintracht nun mal die Verantwortung. Aus rein rechtstaatlicher Sicht kann ich die Bedenken verstehen, diese kommen dann m.E. aber erst für die (nachgelagerten) zivilrechtlichen Ansprüche oder ggf. zur Strafverfolgung zur Anwendung. Davor ist es nun mal eine Sportgerichtsbarkeit, der man sich als Teilnehmer unterwirft.

    @Topic
    Ich freue mich für jeden einzelnen Zuschauer, der nun nach Portugal und ins Stadion kann, aber teilweise frage ich mich, ob es nicht noch nachhaltiger gewesen wäre, wenn die UEFA durchgegriffen hätte. Ich fürchte wirklich, manche werden den Schuss vor den Bug eher als „passiert ja eh nix“ oder „Weiter so!“ verstehen (wollen).

  15. @14 marvolo
    Die Eintracht uebernimmt nicht die Verantwortung – vielmehr wird sie ihr aufgezwungen. Ein Verkaeufer von Theatertickets wird wohl eher selten fuer die Handlungen der Kaeufer verantwortlich gemacht… Das Konzept des Sports jeglicher couleur, ordentliche Gerichte aussen vor zu lassen und notfalls mit Sperren ganzer Verbaende zu drohen, ist wohl nicht nur mir ein Dorn im Auge. Sportler, die ihre aktive Karriere beendet haben, pfeifen freilich darauf – siehe Bosman & Co. Gut so!!!

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