Der Mann des aktuellen Erfolges: Adi Hütter ist seit vergangenem Sommer Trainer der Frankfurter Eintracht. (Foto: imago/Martin Hoffmann)

Die Eintracht ist in aller Munde und wohl derzeit im Gesamtpaket die heißeste Aktie im deutschen Fußball. Experten schwärmen, Marktwerte explodieren, Fans begeistern und sportlich läuft es für die Männer von Trainer Adi Hütter auch nicht allzu schlecht. Die Eintracht ist sexy. Womöglich so sexy wie nie.

Hütter führt Erfolgsgeschichte von Kovac weiter – Experten schwärmen

Vor ziemlich genau drei Jahren stolperte die Frankfurter Eintracht so langsam aber sicher dem Abstieg in die Zweitklassigkeit entgegen. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren übernahm ein gewisser Niko Kovac den damals strauchelnden Bundesligisten, sollte die launische Diva vor dem Abstieg retten. Zum damaligen Zeitpunkt – wie im Übrigen auch in diesem Sommer Adi Hütter – ein absoluter Außenseiterkandidat auf den Cheftrainerposten am Main. Doch der ehemalige Bundesligaspieler brachte das zu sinken drohende Schiff wieder auf Kurs, schaffte den Klassenerhalt über die Relegation, führte die Eintracht in zwei Jahren danach zweimal ins Pokalfinale und siegte im zweiten Versuch historisch und holte den ersten Titel nach 30 Jahren für die Hessen. Es ist diese Geschichte, diese Erfolgsstory, die in den Köpfen abläuft, wenn die Verantwortlichen der Eintracht sagen: „Wir wissen, wo wir herkommen.“ Doch binnen dieser drei Jahre ist eben viel passiert. Über Hessen hinaus hat sich die SGE Sympathien erspielt und ist spätestens seit der furiosen Tour durch Europa in der laufenden Saison auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beachtet.

Bei „Sky 90 – die Kia-Fußballdebatte“ lautete zuletzt das Credo: Jeder, der sich einen Verein aussuchen könne, von dem er Fan sein will, wählt aktuell die Eintracht. Zufall? Mitnichten. Der „SC Freiburg der oberen Tabellenhälfte“, wie die Eintracht zuletzt auch betitelt wurde hat sich sukzessive weiterentwickelt. Mit überschaubaren Mitteln. „Ich glaube, in den vergangenen beiden Jahren wurde sehr gute Arbeit geleistet. Unter Niko Kovac schon. Es war ja auch nicht das Geld für große Transfers da“, bewertet der aktuelle Trainer Adi Hütter die vergangenen Jahre. Ganz eng verbunden mit dem Aufschwung der Hessen ist der Name Fredi Bobic. Er übernahm nach dem Klassenerhalt 2016 den Posten des Sportvorstandes, löste Heribert Bruchhagen ab. Seitdem geht es voran. „Fredi hat einen großen Anteil daran, dass die Eintracht jetzt da steht, wo sie steht. Er schaut über den Tellerrand hinaus, hat die Eintracht breiter aufgestellt“, weiß auch Hütter. Gemeinsam mit Bruno Hübner bilde der ehemalige Stuttgarter ein Superduo. „Mit meiner Person als Trainer funktioniert es sehr, sehr gut.“

Verstehen sich blendend: Eintrachts Sportvorstand Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Cheftrainer Adi Hütter (v.l.).

Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten – Trainerscouting funktioniert bei der SGE

Doch eine solche Entwicklung hat eben auch seine Schattenseiten. „Es ist Fluch und Segen“, konstatiert der 49-jährige Cheftrainer. „Auf der einen Seite ist es sexy, wenn man erfolgreich ist.“ Auf der anderen Seite wecke der Erfolg eben auch Begehrlichkeiten. Voranging bei den Spielern. Aber auch wenn sich Spieler nach der Saison gegen die Eintracht entscheiden sollten, „haben wir vieles richtig gemacht. Wenn ein Jovic, Haller oder Rebic, oder jemand mit dem man gar nicht rechnet, den Weg macht zu einem Spitzenverein.“ Schließlich könne man dann auch mit einem Batzen Geld rechnen, mit denen man selbst dann wieder neue Spieler an Land ziehen kann. „Wenn einer geht, müssen wir Alternativen haben. Unser Scouting muss hellwach sein.“ Das war es in den vergangenen Jahren stetig. Auch bei der Trainersuche. Adi Hütter, den als Nachfolger von Niko Kovac wirklich so gut wie kein Experte auf der Liste hatte, ist ebenso wie seine Spieler ein absoluter Volltreffer. Auch er hat sich in Frankfurt und darüber hinaus mit seiner Arbeit Respekt und Sympathien erspielt.

Erwartungshaltung als Gefahr

Sympathien, die allerdings auch eine gestiegene Erwartungshaltung zur Folge haben. „Die Grenze verschiebt sich einfach, aufgrund dessen, was wir geleistet haben.“ Die gestiegene Erwartungshaltung, auch die eigene an sich selbst, „ist die große Gefahr.“ Mit einem Tabellenplatz unterhalb des oberen Drittels sei wohl niemand mehr nach der Saison zufrieden. Die Messlatte hat Hütter selbst gelegt mit seinen Ansagen vor der Saison und vor der Rückrunde. „Ich habe im Sommer gesagt, ich stehe für begeisternden und attraktiven Fußball. Wenn ich die Menschen am Donnerstag im Stadion gesehen habe, dann sind die Leute auch begeistert mit der Art und Weise wie wir Fußball spielen. Das macht mich als Trainer glücklich.“ Und dann wäre da eben auch noch die Ansage, dass seine Teams in der Rückrunde in der Regel noch besser werden. Auch das scheint aktuell sehr wahrscheinlich.

Hütter will Mailand schlagen und wieder nach Europa

Doch was wäre denn eine gute Saison am Ende, Herr Hütter? „Erfolg ist für mich, wenn wir gegen Inter Mailand weiterkommen und in die internationalen Plätze kommen.“ Eine klare Ansage des Österreichers, der sich in jedem Fall am Ende keine Vorwürfe machen müssen will: „Entscheidend ist, dass wir in jedem Spiel eine Topleistung bringen wollen. Was dann schlussendlich am Ende des Jahres rauskommt, müssen wir dann sehen.“ Aber, so Hütter, „wir sind seit zehn Spielen wieder ungeschlagen. Wenn man hohe Ziele hat, muss man auch so lange wie möglich ungeschlagen bleiben. In den zehn Spielen wollen wir so viele Punkte wie möglich holen. Bis jetzt sind wir gut unterwegs.“ Und eben auch ziemlich sexy.

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13 Kommentare

  1. Das einzige was mir Sorgen macht ist die fehlende Vertragsverlängerung von Ben Manga.

  2. Bobic ist ja nicht bekannt dafür, mit allen Vertragsdetails, Gesprächen und Absprachen hausieren zu gehen. Auch zum Thema Gerüchte kommt nicht viel, daher bin ich mir sicher, das auch zum Thema Ben Manga schon gesprochen wurde.
    Ich hatte das Interview mit Bobic bei Sky90 auch gesehen. Es ist schon wirklich unglaublich was unserem Club mittlerweile für eine Wertschätzung entgegengebracht wird. Vorallem, das das Frankfurter Modell, wie von den Verantwortlichen als Übergangslösung angekündigt, also Talente günstig holen und teuer weiterverkaufen, scheinbar diese Saison voll eingeschlagen hat. Ich muss mir ja die Augen reiben, wenn ich den Wert des Kaders noch vor ca 2 Jahren, als wir bei ca. 75 Mio lagen und jetzt mit bald 280 Mio betrachte. Alles richtig gemacht, und sich auch von sämtlichen Pessimisten, zu Anfang der Saison, nicht aus der Ruhe und vom Weg bringen lassen. Wichtig wird dann wohl sein, das generierte Geld sinnvoll rauszuhauen. Wolfsburg läßt grüßen. Aber da haben wir, denke ich bei unseren Verantwortlichen absolutes Toppersonal !
    Zum gegenwärtigen Spieltag. Bislang lief die Runde nicht gerade gegen uns. Berlin hätte uns dichter auf die Pelle rutschen – und Leipzig davonziehen können. Vielleicht geht heute noch was beim Club oder Hannover. Aber da ist wohl der Wunsch Vater des Gedankens 🙂 Morgen in Düsseldorf wäre ein Dreier sensationell. Dann kommen 2 machbare Gegner zuhause, auch wenn ich sie keinesfalls unterschätzen will. Man könnte ja fast anfangen zu träumen ..

  3. Im Frankfurt wird tolle Arbeit geleistet das steht außer Frage. Bei aller Euphorie die momentan herrscht und Leuten die von der Champions League träumen muss man auch realistisch sein und feststellen, dass wir eine tolle Saison spielen , aber es natürlich auch sein kann, dass wir am Ende 7. oder 8. werden und uns am Ende leider nicht belohnen und einige Abgänge zu verzeichnen haben, da das Erreichen der internationalen Plätze für Leute wie Trapp oder Jovic vermutlich Mindestvoraussetzung ist um zu bleiben.Trotzdem darf man natürlich den Moment genießen. Und im Übrigen muss man auch realistisch sagen, dass die Mannschaft Mitte/Ende Juli beispielsweise noch nicht so stand wie sie jetzt steht ( Pokalaus) und man einige Transfers auch diese Saison doch auch kritisch hinterfragen kann ( Allan, Geraldes,Wiedwald, Müller etc.) .Auch fehlt im Mittelfeld noch ein Spieler mit Übersicht, sonst würden wir vielleicht sogar noch besser dastehen.
    Wo gehobelt wird und neue Ideen verwirklicht werden fallen auch Spähne und es kann nicht alles klappen .Hoch anrechnen tu ich den Verantwortlichen aber auch Ihre Flexibilität. Vor der Saison hieß es noch, dass Spieler aus der Bundesliga für Frankfurt quasi nicht finanzierbar oder machbar seien. Die mit besten Transfers waren u.a. aber genau solche Spieler wie Kostic, Rode und auch Hinteregger beispielsweise. Dazu Trapp vorher der eigentlich auch nicht in das vorher propagierte Schema passte . Ich glaube da oben hat man auch gemerkt, dass man eine Mischung braucht, zwischen Risiko und Erfahrung. Diese Flexibilität und auch die Selbstreflexion der Verantwortlichen ist das was mich diese Saison sehr beeindruckt hat und auch gelehrt hat Geduld zu haben.
    Es wäre einfach verdient wenn sich dieser Verein am Ende der Saison mit etwas zählbares belohnen würde und man mit einer durchweg ähnlichen Mannschaft den Weg weiter gehen kann und sich langfristig oben als Spitzenmannschaft in der Bundesliga etablieren kann.

  4. Kleine Ergänzung zu Rode, Kostic und Hinteregger. Sie sind alle ausgeliehen, zwei ohne Kaufoption und waren bei ihren Vereinen nicht mehr gewollt. Aber trotzdem clever gemacht

  5. @3 sollte die Saison mit Platz 7-8 zu Ende gespielt werden, dann muß man das ja auch durchaus als Erfolg bewerten. Zu Saisonbeginn war die weitläufige Meinung „Abstiegskampf“ Dauerthema in und um Frankfurt herum. Zum Thema „Pokalaus und Mannschaft stand noch nicht…“ Vergessen sollte man nicht, daß bedingt durch die WM einige Spieler noch gar nicht da waren, oder erst kurz vorher in Training eingestiegen sind. Dazu neuer Trainer. Und abschließend haben wir jetzt seit 3 Jahren gelernt, daß unser Kader erst nach er letzten Sekunde Transferschluß zu beurteilen ist. Das war die Jahre zuvor das Gleiche und jedesmal gab es die gleichen Diskussionen 🙂 Mag man dem Trainer mit der Final zusammengestellten Truppe noch ein paar Wochen Zeit geben, dann passt alles. Abgesehen davon ist mir kein Verein bekannt der nur Volltreffer verpflichtet hat. Selbst bei den Bayern sind immer auch faule Eier dabei. Bin bei Dir, das man die Flexibilität hoch anrechnen muß ! Die Geduld versuche ich, aus der Erfahrung aus schon länger aufzubringen, aber ist schon richtig, das ist manchmal leichter gesagt als getan…. Nach den düsteren Prognosen nach Spieltag 3-4 genieße ich einfach nur 🙂

  6. Also jetzt hat man schon viele und meist schöne Zeiten mit der Eintracht erlebt. Ich war begeistert von Nickel, Pezzey, Detari & Co und habe als 14-jähriger den UEFA-Pott gefeiert. Von Jürgen Pahl habe ich Fanpostantwort, mit einer Wegbeschreibung zu ihm nach Hause – in die Zone, erhalten!!!! Ich war nach dem Mauerfall schnellstmöglich beim ersten Live – Heimspiel: 2:0 gegen den HSV im Waldstadion, habe Fastabstiege und –meisterschaften bejubelt, war begeistert vom Fussball2000 in den Neunzigern und bin tatsächlich mit der Eintracht 2001 abgestiegen!
    Schon hat mich nur noch die 2. Liga interessiert, was sich nach den 4 Aufstiegen sofort wieder änderte, … und jetzt soll ich mich auch noch auf die CL einstellen ? Hat mich bisher wirklich nicht tangiert – aber was macht man nicht alles für die EINTRACHT!
    Ich bin Herry dankbar, war nicht gleich Fan von Fredi – aber Erfolg heiligt halt die Mittel und er scheint schon einiges richtig zu machen und besitzt Connection & Sachverstand und unsympathisch ist der Artikel hier auch nicht…. (jetzt verlink ich schon die Blöd Ztg.)
    https://www.bild.de/sport/fussball/fussball/bobic-und-pfannenstiel-die-freunde-die-jetzt-bosse-sind-60577908.bild.html
    Apropos Adi: Ich lebe seit 12 Jahren in der Schweiz und hatte ihn schon auf dem Schirm als Toptrainer, aber einen realistischen Wechsel zur Eintracht sah ich nicht. Schön das das geklappt hat & jetzt die Vertragslaufzeit beachten (ging schon mal ins Höschen – mit allerdings bestem Ausgang)!
    Ich bin mir sicher, mit der Eintracht passiert noch Einiges – lasst uns aber auch etwas Geduld haben!
    Dann hoffe ich mal auf eine Trotzreaktion in Mailand und bin offen für die geniale Restsaison!

    An dieser Stelle noch kurz weiterhin Daumen hoch für AMFG14 = Plural von Fussballgott in einer Person!

  7. @4
    Leider ,trotzdem oder genau deswegen mutig sie zu holen . Sehe aber bei Rode und Hinteregger Möglichkeiten sie zu holen.
    @5
    Vollkommen deiner Meinung. Platz 7 und 8 ist auch ein Erfolg , leider wirkt es aufgrund der tollen Saison bis jetzt dann nicht mehr so. Der gemeine Fan ist sehr ungeduldig, da nehme ich mich mich absolut nicht aus. Hätte auch keiner anfangs gedacht, dass man nach dem Start noch so aufdreht und Haller und Jovic zu Superstars werden

  8. Sorry, wir haben Kaufoptionen für Hinti und Kostic, Rode wird in Dortmund nicht benötigt und kommt auf alle Fälle zu uns! Was man nicht vergessen darf, was ist aus unserem Wolf beim bvb geworden ? Ein Mitläufer , bei uns wäre er Top und dort darf er ab und zu mal ran , aber das Gehalt passt ja…

  9. wir haben eine KO für Hinti? @Hollywood Quelle?

    am meisten Angst hab ich davor, dass Adi Hütter und Scout Manga im Sommer gehen

  10. Bei Hinteregger haben wir keineKaufoption. Quelle sind die Offiziellen der Eintracht .

    Bobic gerade im Dopa war gut. Deutliche Aussage, es gibt in den Verträgen keine Klauseln mehr . Alles sehr vernünfitg , was er sagt

  11. @joe: Ich denke, hollywood meint diese Calmund-Aussage: „Fredi sagte mir, dass Hinteregger bei null anfängt und sie sich über dreieinhalb Monate anschauen können, wie es dann weitergeht!“ Vielleicht keine fixe KO, aber eine Vereinbarung?

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