Toppmöller würde seinen Topspielern raten, Frankfurt nicht zu schnell zu verlassen. (Foto: IMAGO / Thomas Frey)

Die erste Saison von Cheftrainer Dino Toppmöller war nicht immer leicht. Ergebniskrisen, Verletzungssorgen und Kritik bereiteten dem 43-Jährigen bei seiner ersten Trainerstation nicht immer wieder Kopfschmerzen. In einem Interview mit der “Bild” sprach er über seinen Topscorcer Omar Marmoush, sein Verhältnis zum Eintracht-Vorstand und was sein bislang bitterster Moment mit der SGE war.

„Gewinnen ist unser Anspruch“

Gerade im Januar und Februar stand Toppmöller heftig in der Kritik. Fans und Medien forderten die Entlassung des Trainers. Er selbst sieht das relativ gelassen und fühlt sich vom Vorstand nicht unter Druck gesetzt. Natürlich spüre ich das Vertrauen. Und es macht mir Spaß mit der Mannschaft. Ich brauche nicht jede Woche ein Bekenntnis vom Vorstand, der mir sagt: Ihr macht das gerade super! Wir können in Ruhe arbeiten, auch in der Phase, als wir nicht so gut waren. Ich brauche jetzt auch niemanden, der mir auf die Schulter klopft nach zwei Siegen – Gewinnen ist ja unser Anspruch.”

Markus Krösche derweil sei einer der wichtigsten Ansprechpartner für den Coach. “Markus (Krösche, d. Red.) war ein Grund, wieso ich den Schritt nach Frankfurt gemacht habe. Ich kenne und schätze ihn als Fachmann und als Mensch. Ich lege hohen Wert auf seine Meinung.” Die Zusammenarbeit mit dem Sportvorstand beschreibt Toppmöller als gut und man verstehe sich gut. Natürlich müsse man eben aber auch der Verantwortung gerecht werden.

„Der bitterste Moment als Cheftrainer“

Aller Kritik zum Trotz verspüre Toppmöller keinen zusätzlichen Stress durch das Bundesliga-Geschäft. “Ich denke eher an die positiven Dinge und versuche auch nach Niederlagen, alles schnell wieder ins Positive zu lenken. Das Ausscheiden gegen St. Gilloise war mit Sicherheit der bitterste Moment als Cheftrainer. Das Rückspiel hatte ich mir, wie wir uns alle, ganz anders vorgestellt.” Aber er habe gemeinsam mit seinem Team den Schalter umgelegt und dann zwei Bundesliga-Siege eingefahren. So habe er mit der Mannschaft abgemacht: “Dann fokussieren wir uns jetzt auf die Bundesliga und sichern Platz Sechs um nächstes Jahr wieder in Europa zu spielen.”

Ein weiteres Jahr in Frankfurt würde Marmoush guttun 

Ein Spieler wird dabei ganz besonders wichtig sein: Marmoush. Der Ägypter ist derzeit die offensive Lebensversicherung der Eintracht. Mit zehn Treffern und sechs Torvorlagen ist er mit Abstand der Top-Scorer der Hessen. Mindestens ein weiteres Jahr in Frankfurt täte ihm gut, rät Toppmöller: “Ich sehe die Entwicklung vieler Spieler bei uns positiv. Aber tatsächlich glaube ich, dass es jedem, der jetzt schon im internationalen Fokus steht, guttun würde, mindestens ein weiteres Jahr bei uns zu spielen. Nicht aus egoistischer, sondern aus fußballerischer Sicht. Weil wir in diesem großen Umbruchsjahr relativ stabil geblieben sind. Mit der ein oder anderen punktuellen Verstärkung im Sommer glaube ich, dass wir dann eine sehr stabile Saison spielen können. Dann kommt die individuelle Qualität noch mal mehr zum Vorschein. Und wenn es bei Omar, der jetzt zehn Bundesliga-Tore erzielt hat, dann so ist, dass er 20 Tore schießt, bekommt er noch mal einen ganz anderen Stellenwert.”

Dass viele Eintracht-Spieler in der Vergangenheit mutmaßlich zu früh den sicheren und erfolgreichen Hafen am Mainufer verließen und danach in ihrer Karriere einbrachen, sieht Toppmöller derweil abgeklärt: “Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich glaube, dass die Jungs vernünftig genug sind, um das einzuschätzen.”

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6 Kommentare

  1. Angenehm nüchternes und professionelles Interview, wie mir scheint. Ich hatte zwischenzeitlich auch nicht mehr daran geglaubt, dass er die Kurve kriegt, so ehrlich muss ich sein. Um so mehr freut es mich, dass es jetzt wieder aufwärts zu gehen scheint! Da geht noch was :-)!

    @Redaktion: Nur eine Kleinigkeit: „Mit zehn Treffern und sechs Toren …“ sollte vermutlich „… sechs Assists“ heißen ;-).

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  2. @1, frognal

    Danke für den Hinweis! Manchmal liest man sich seinen Text noch 2x durch hinterher und ist dennoch blind für die eigenen Fehler. Ist angepasst!

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  3. Vollends überzeugt bin ich von Toppi noch nicht, aber die Kurve zeigt nach oben.
    Generell bin ich froh, dass unsere Verantwortlichen nicht dazu neigen, die Trainer zu entlassen, wenn es mal nicht so gut läuft. Auch unter Kovac, Hütter und Glasner hatten wir Düststrecken von 8-10 Spielen ohne Sieg. Wir haben an den Trainern festgehalten und es hat sich an Ende immer ausgezahlt.

    Vor zehn Jahren hab ich bis in die Rückrunde immer noch nach hinten geschaut und drei Kreuze gemacht, wenn wir die 40 Punkte geknackt hatten und von einem Titel hätte ich nicht mal im Traum gedacht.

    Daher ist es auch richtig, dass wir bis jetzt an Toppi festgehalten haben, auch wenn es phasenweise schwer zu ertragen war, die Spiele anzuschauen.

    Wenn wir Platz 6 halten (was wahrscheinlich EL nächste Saison bedeutet, wenn entweder Leverkusen den Pokal gewinnt oder Deutschland im Lügenvergleich Platz 2 hält) dann war es trotz Ausscheiden in Pokal und ECL eine gute Saison und wenn wir die Mannschaft zusammenhalten können, dann sind die Aussichten für die nächste Saison super.

    Bin jetzt mal gespannt, was wir im Saisonendspurt noch offensiv sehen. Etikité soll angeblich seinen Rückstand aufgeholt haben und ein Kandidat für die Stammelf sein. Für ihn geht’s jetzt auch darum zu zeigen, dass er sein Potenzial nicht nur ein paar Mal andeutet, sondern über das komplette Spiel zeigt und Scorer macht.
    Mit ihm und Marmoush in der Spitze und Ebimbe/Buta und Knauff/Nkounkou (je nach Gegner) auf den Außen haben wir auf jeden Fall verdammt viel Speed, was unsere Gegner vor immense Aufgaben stellt.

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  4. Kann man so unterschreiben. Der Jammer dreht sich ja um entgangenen Gewinn und nicht um schlimmen Verlust.

    Ekitike hat mich bisher noch nicht so überzeugt. Er kann was am Ball, aber er ist halt auch ein Hemd. Vielleicht ist das in seinen Genen und daran kann man nichts machen. Ich befürchte aber, in der Bundesliga muss er seine Knochen numerieren, wenn er zaubern will. Omar ist schon ein stabilerer Bursche.

    Und diese explosiven erste 3-5 Meter Antritt hat er auch nicht, wie ihn Muani hatte und heute vielleicht noch der Niels.

    Mal schauen wie es da weiter geht

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  5. @ffm:
    Ekitiké hat bisher eine ZK-Quote von 40%, das ist für einen Stürmer ein super Wert. Und natürlich kann man durch gezieltes Krafttraining die Stabilität trainieren, gerade in seinem Alter. Auch seinen Antritt finde ich nicht schlecht. Das sieht bei so schlacksigen Spieler oft behäbig aus, aber wenn man sieht, wie viel Meter er seinen Gegenspielern im Sprint abnimmt, gerade auch auf den ersten Metern, merkt man, dass er einen guten Antritt hat.
    Und man darf dabei ja nicht vergessen, dass er körperlich aufzuholen hatte.
    Mit fehlt bei ihm bisher ein bisschen das Spielverständnis, die idealen Laufwege und die Abstimmung mit den Mitspielern.
    Nicht verwunderlich, da er neu in der Mannschaft ist und wenn er rein kommt, ist es für die Mitspieler schwer sich kurzfristig auf ihn einzustellen. Da wird sich jetzt in den verbleibenden Spielen zeigen, ob und wie sich das entwickelt.

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  6. Kurve kriegen? So wenig wie ich daran glaube, dass wirr aus den nächsten 2 Spielen mit 6 Punkten raus kommen, so wenig glaube ich, dass wir gegen die 4 sog. Top Teams 0 Punkte holen. Platz 6 wird ein Eiertanz bis zum letzten Spieltag. Hoffe fast mehr, die anderen hinter uns schwächeln auch weiter. Frohe Ostern!

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