Eintracht Frankfurts Cheftrainer Albert Riera macht, konträr zu Vorgänger Dino Toppmöller, vor nichts Halt. Genug Exemplare finden sich bereits in den ersten knapp mehr als zwei Monaten nach seinem Amtsantritt. Zu Beginn schien seine extrovertierte und wenig diplomatische Art der Kommunikation und der damit verbundene Kurswechsel im SGE-Umfeld gut anzukommen. Doch inzwischen hat sich das Blatt im Frankfurter Stadtwald erheblich gewendet und von der Anfangseuphorie ist kaum was übrig geblieben, denn Riera legte in den letzten Wochen unglückliche Auftritte in der Öffentlichkeit hin. Nicht nur waren sie repetitiv, auch weisen sie eine gewisse Widersprüchlichkeit auf mit teilweise vergaloppierten und fragwürdigen Aussagen. Dass etwa ein Sieg bei zugegeben formstarken Mainzern ein Wunder wäre, verwunderte bereits. Und nun scheint der Coach seine eigenen Dogmen, etwa nicht über einzelne Spieler sprechen zu wollen oder den eigenen Vorgänger zu respektieren, nicht mehr ernst zu nehmen. „Das Problem ist, dass wir nicht die schlechteste Mannschaft in der Bundesliga, sondern was die Gegentore angeht, die schlechteste Mannschaft in Europa waren.“ Durch die Blume trat der Spanier nicht nur gegen Ex-Coach Toppmöller nach, sondern stellte seine eigene Mannschaft an den Pranger. Bereits nach der Mainz-Pleite sprach er seiner Truppe die Qualität ab. Und gleichzeitig beteuerte er nach dem Köln-Remis, seinen Spielern Liebe und Zuneigung zu schenken.
Riera-Aussagen treffen Uzun hart
Augenscheinlich ist Riera die Tragweite seiner Aussagen nicht bewusst. Nicht nur intern stoßen seine Ausführungen auf Verwunderung und teils Kritik. Offenbar soll auch der Topscorer der Hessen genug haben und an einen Abschied im Sommer denken. Das geht aus einem Bericht der „Bild“ hervor. Can Uzun, der nach seiner Oberschenkelverletzung in Mainz nach Einwechslung sein Comeback gegeben hatte, schmorte überraschend 90 Minuten beim 2:2 gegen Köln auf der Bank. Als wäre das für Uzun nicht genug, streute Riera im Anschluss Salz in die Wunde. „Er weiß, was er mit und ohne den Ball machen soll. Wenn er das dem Team, nicht mir, gibt, wird er spielen“, so der Fußballlehrer, der dann nachlegte: „Dass einige nicht gespielt haben, liegt daran, dass man mit Ball super sein kann, aber ohne Ball eben nicht gut ist. Bei Albert wirst du dann nicht spielen. Da bin ich sehr klar. Ich will komplette Spieler. Sie müssen beide Aufgaben erledigen.“ Knallharte Aussagen, die den Youngster dem Bericht zufolge „hart getroffen“ haben. Riera wirft damit seinem Schützling indirekt Egoismus vor und damit kein Teamplayer zu sein. Nach Liebe und Zuneigung, wofür der Trainer wenige Augenblicke zuvor noch ausdrücklich plädierte, klingt es definitiv nicht. Uzun, der Ende März noch über seinen Vorgesetzten sagte: „Ich habe große Lust darauf, unter ihm zu spielen. Er ist Spanier, sein Spielstil passt gut zu mir“, dürfte inzwischen nach dieser öffentlichen Schelte ein anderes Bild von ihm haben.
Im Falle eines Wechsels: SGE muss Preisschild anpassen
Uzuns Arbeit gegen den Ball war schon unter Vorgänger Toppmöller ein Thema und der Offensivmann gehört in dieser Kategorie nicht zu den Besten, wenngleich er in dieser Spielzeit deutliche Schritte nach vorne gemacht hat. Zudem hat der gebürtige Regensburger mit acht Toren und fünf Vorlagen wettbewerbsübergreifend in dieser Saison (zusammen mit Fares Chaibi und Jonny Burkardt) die meisten Scorerpunkte auf dem Konto. Nach dem zwischenzeitlichen 2:1 gegen Köln hätte der SGE ein spielstarker Uzun gut getan, der mit seinen offensiven Fähigkeiten ein Unterschiedsspieler sein kann. Das hat er in dieser Saison zu genüge bewiesen. Uzun braucht Spielzeit, um auf den WM-Zug aufzuspringen, die türkische Nationalmannschaft hat sich nach 24 Jahren erstmals für die Endrunde einer Weltmeisterschaft qualifiziert. Bekommt er sie nicht, dürfte ein Wechsel im Sommer nicht unwahrscheinlich sein. Der Deutsch-Türke steht in der Gunst diverser Topclubs. Die „Bild“ bringt außerdem den ruhmreichen AC Mailand ins Spiel. Die Italiener sollen konkretes Interesse signalisieren. Ursprünglich erhofften sich die Verantwortlichen, mit 80 Millionen Euro entschädigt zu werden. Aktuell schwierig, auch nur annähernd an diese Summe zu gelangen, wenn der 20-Jährige kaum zum Einsatz kommt. Das Boulevardblatt will deshalb erfahren haben, dass die Führungsriege nur noch mit rund 40 bis 45 Millionen Euro rechnet. Aber das sei der „Bild“ zufolge ebenfalls fraglich. Ein guter Ansatz wäre, weniger Öl ins Feuer zu gießen, sondern mehr Liebe zu zeigen.






19 Kommentare
Ei Uzun und seine Allüren (ich erinnere an den Finger an die Lippen gegen DT)
Genau diese Einstellung und Art von Spielern sind für mich Grund unserer „Krise“
DT hat ihn auch schon öfter mal aussetzen lassen, spricht für mich nicht viel für ihn - Trotz des Riesen Talents!
Verkauft ihn und kauft Paar Spieler mit Mentalität
Für mich ist der Laden einfach zu viel Retro, zurück in die Chaosjahre, die schon überwunden schienen. Zu viele Selbstdarsteller, die sich nicht mit dem Verein identifizieren. Alle reden mit, es gibt panischen Schnellschüsse ohne erkennbare Strategien ( und das bezieht sich nicht nur auf den Trainerstab) und diese Fehlentscheidungen kosten eine Menge Geld. Gefühlt geht es nach dem Euroleaguegewinn stetig abwärts. Was ist denn aus dem "heißesten Scheiß in Europa" geworden? Und wie wahr die Worte von Uli H. so wenige Wochen nach der Einschätzung unserer Lage doch klingen und dass diese dummen Podcastbewertungen über Riera von Max Kruse und Martin Harnik auch immer realer werden ist zum kotzen. Wehe, wehe... wenn ich auf das Ende sehe.
Gruß SCOPE
Dass hoch bezahlte und in der Öffentlichkeit stehende Fußballer auch mal öffentlich kritisiert werden, das gehört irgendwie dazu und muss auch mal verkraftet werden. Über den richtigen Zeitpunkt und die angemessene Weise dürfte es unterschiedliche Meinungen geben.
Unmittelbar nach einem Spiel jedoch sind die
Emotionen hoch, bei Trainern, Spielern, nicht eingesetzten Spielern. Das sollte allen handelnden Personen bewusst sein. Seit Wochen ist viel Unruhe bei Eintracht, zuviel Unruhe.
Ich bin immer noch dafür Riera nicht anzuzählen. Noch keine 100 Tage …
Wenn der aber nun den Heynckes macht und unsere Kreativspieler vom Hof ekelt, dann heißt es aufpassen und schon mal gucken wo sich die Notbremse befindet.
Uzun soll sich bei Brown ein Beispiel nehmen - genau bei dem. Er hat es im Gegensatz zu ihm geschafft!
Diese ständigen Riera kritischen Zwischentöne der Presse nerven so langsam. Mir kommt es so vor als ob ein Trainer bei der Eintracht nur sowas wie Freiwild ist.
Can ist der wahrscheinlich technisch stärkste Spieler im Kader und genau deshalb gebe ich ihm hier die Hauptschuld: Die spielerischen Anforderungen Rieras erfüllt er locker und übertrifft diese eventuell sogar.
Alles, was er also zu tun hat, ist seine Aufgaben jenseits des Balles ernst zu nehmen, das ist stumpfe Lauf- oder Zweikampfarbeit, die unabhängig von Talent absolviert werden kann und die von jedem gefordert wird - dann ist der Stammplatz so gut wie garantiert.
Soll sich nicht so anstellen und einfach mehr nach hinten mitarbeiten.
Keiner ist größer als der Verein , auch der Trainer nicht.
Uzun hat noch keine drei guten Spiele am Stück geschafft, hat jedoch dank seiner Berater eine stark verzerrte Eigenwahrnehmung, was sein können angeht.
Sicher hat er Talent, jedoch bleiben mir nur wenige gute Auftritte in Erinnerung, im gegenvergleich zu seinem Kumpel, Brown. Der ist viel professioneller und wird es viel weiter schaffen, als Uzun.
Und dennoch ist er jung, und braucht einen Trainer, der ihn fängt und nicht völligst demotiviert, wie es unser Albert am Wochenende vor laufender Kamera mit seiner Demontage von Uzun tat.
Und das ist erst der Anfang. Mehr und mehr kommen jetzt Fälle an die Presse, in denen Riera völlig überzieht, und wie ein Machtmensch unsere Kicker führt. Habe maximal kein Bock auf „Zwietracht 1996“, in der das Desaster mit einer Fehlbesetzung am Trainerstuhl seinen Anfang fand! Bitte nie wieder!
Daher hoffe ich, dass das Missverständnis Riera spätestens zum Saisonende sein Ende hat.
Auch nicht Uzun und seine Berater....
Welcher Satz von Riera entsprach einer "Demontage" Uzuns?
Um was für "Exemplare" geht es da in der 2. Zeile des Red.-Beitrags?
…Ich finde, dass Uzun kein „Allrounder“ ist, sondern ein kreativer Spieler. Das ist keine Schwäche, sondern seine größte Stärke – und genau hier liegt eine der zentralen Fragen an Rieras Trainerarbeit.
Es ist tatsächlich fraglich, ob ein Spieler wie Uzun besser wird, wenn man von ihm verlangt defensiv genauso stark zu sein, wie seine offensiven Qualitäten.
Es ist ja nicht so, dass er überhaupt nicht nach hinten arbeitet. Immerhin gehört er zu den Spielern, die bisher die meisten Tore und Vorlagen geliefert hat.
Kreative Typen wie er brauchen oft eine klare Rolle, in der sie ihre Stärken wiederholt ausspielen können: enge Räume, Ball am Fuß, Freiheiten in der letzten Linie.
Das ständiges Rotieren mit Spielern und „mal hier, mal da“ kann auch schnell zu Verunsicherung führen (Beispiel Doan) statt zu Entwicklung.
Ein Trainer, der das übersieht, riskiert, aus einem Spezialisten dann einen durchschnittlichen Alleskönner zu machen – und genau das passiert leider viel zu oft im modernen Fußball.
Riera wandelt tatsächlich auf einem sehr schmalen Pfad. Er will eine bestimmte Idee von Fußball umsetzen und verlangt den Spielern vielleicht Dinge ab, die teilweise ihrem Naturell widersprechen. Das kann langfristig funktionieren, wenn die Mannschaft die Idee verinnerlicht und die Spieler wachsen.
Es kann aber auch nach hinten losgehen, wenn die Grundqualitäten und ihre vertraute Position systematisch ignoriert werden.
Ein Trainer muss die Spieler besser machen – nicht sie verbiegen, bis sie nur noch Durchschnitt sind. Damit sind nicht die Grundtugenden gemeint, wie körperlicher Einsatz, Kampfbereitschaft und Laufbereitschaft. Das muss in der Tat jeder erbringen.
Besonders interessant ist die Aussage von Krösche:
Er bewertet den Trainer nicht primär nach dem Tabellenplatz, sondern danach, wie die Mannschaft Fußball spielt.
Gleichzeitig macht Krösche die Messlatte aber auch mit seinen Worten sehr subtil konkret: Unausgesprochen heißt das:
Wenn die Mannschaft „gut Fußball spielt“, dann muss und wird sie mindestens Platz 7 erreichen. Das ist die eigentliche Botschaft hinter seinen Worten.
Für Riera bedeutet das: Er steht unter einem doppelten Druck. Er muss nicht nur eine erkennbare, attraktive Spielidee entwickeln, sondern diese Idee muss auch zu Punkten führen und entsprechenden Platzierungen. Schafft er es nicht, die Stärken seiner kreativen Spieler (wie beispielsweise Uzun, Doan, Götze) mit einer funktionierenden Mannschaftsstruktur zu verbinden, wird es schwer für ihn, über den Sommer hinaus in Frankfurt zu bleiben.
Die Eintracht-Fans und die sportliche Leitung haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie Geduld mitbringen, wenn sie spüren, dass etwas entsteht.
Aber wenn die Mannschaft zwar „irgendwie“ spielt, aber weder richtig gut aussieht noch die erwarteten Plätze erreicht, dann wird die Luft schnell dünn.
Riera hat noch Zeit, aber der Pfad ist schmal. Er muss Uzun & Co. nicht zu Allroundern umerziehen, sondern ihre spezifischen Qualitäten so in die Mannschaft einbauen, dass daraus mehr als die Summe der Teile entsteht. Genau daran wird er gemessen werden. Nicht nur von Krösche, sondern auch vom Verein und Fans.
Uzun ist noch lange kein Götze, da fehlt ihm noch so einiges auf verschiedensten Ebenen.
Es wird schon seinen Sinn haben, wenn 2 Trainer das gleiche sagen und einfordern...
Der Uzun welcher sich schon Einsatzzeit mit Jammern über Berater und Eltern hat zu sichern versucht... ? Reisende soll man nicht aufhalten. Have fun. #proRiera
Riera muss seinen Worten Taten folgen lassen, dann wird auch niemand das Wort erheben und seine Handlungen in Frage stellen.
Aber solange da nicht langsam was spielerisch Ansehnliches folgt, werden auch die Kritiker an seiner Person nicht still sein.
Ich hätte mir auch einen Einsatz von Uzun gewünscht, weil er eine defensiv ausgerichtete Mannschaft mit einer Einzelaktion weh tun kann.
Keine 3 guten Spiele am Stück? Meinst du wie die ersten 5 Bundesligaspiele der Saison, bei denen er in jedem Spiel getroffen hat?
Toppmöller hat die Mannschaft in einem miserablen Zustand hinterlassen.
Chaos auf dem Platz, verlorenes Selbstbewusstsein, dafür tief sitzende
Verunsicherung.
Und es ist doch kein Zufall, dass wir am Ende der Spiele platt sind.
Selbst bei Heidenheim sind wir noch in große Probleme gekommen.
Man muss sich nur anschauen wie tot und bewegungslos neben dem
Kölner Schützen zum Ausgleich stand.
Riera hat dagegen schon etwas erreicht, Die Abwehr steht viel besser,
Amenda wurde integriert und gegen Köln haben wir zum ersten mal
das Mittelfeld mit flüssigen Kombinationen überbrückt.
Vieles ist noch fragil, aber die Richtung stimmt.
Außerdem lernt er auch dazu.
Er wird hoffentlich am Sonntag verstanden haben, dass ein Mittelfeld
mit Götze, Chaibi und Shkiri nicht bundesligatauglich ist, auch wenn
nur zehn Minuten zu überbrücken sind.
Chaibi hat zwar die eine oder andere gute Offensivaktion, aber defensiv
führen alle drei nur passive Zweikämpfe, geben "Begleitschutz" und
kommen zu langsam nach Ballverlusten zurück.
Wenn Hojlund und Larsson trotz Müdigkeit durchgespielt hätten,
hätten wir gewonnen
Kann er. Er kann aber durch nachlässiges Anlaufverhalten auch der eigenen Defensive wehtun.
Für den Künstler-Sonderstatus, von der "Drecksarbeit" befreit zu werden, muss man schon Außergewöhnliches leisten, ansonsten macht sich der Trainer unglaubwürdig.
Wenn Kalimuendo als Spieler mit den meisten erfolgreichen Dribblings plötzlich auch Kreativspieler sein und weniger laufen möchte, was dann?
Wenn Uzun mal 5 Spiele keine Trefferbeteiligung hat, darf man ihn wieder zum normalen Teamspieler "herabstufen"?
Ernsthaft, der Junge ist 20, der kann ein paar Meter mehr machen, erleichtert sich und dem Coach damit das Leben.
Ich bin Riera-Befürworter.
Bei der Personalien Uzun bin ich hin- und hergerissen.
Uzun steckt meiner Ansicht nach in einem Loch, aus ausgelöst durch Verletzungen und die Entwicklung des Teams in den letzten Monaten.
Uzun ist aber auch nicht da, um uns mit Blutgrätschen zum Erfolg zu führen. Er hat etwas Besonderes, das er uns geben kann.
Deshalb sehe ich die Äußerungen von Riera zu diesem Fall kritisch.
Ich würde mir wünschen, dass Uzun wieder zeigt was er drauf hat.
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