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Die Frankfurter Eintracht siegte zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen mit 3:1 gegen den HSV. Foto: IMAGO / Sven Simon

Analyse: Die Eintracht entdeckt ihre Mentalität wieder 

Eintracht Frankfurt hat nachgelegt! Nur fünf Tage nach dem 3:1-Erfolg im DFB-Pokal beim Hamburger SV setzten sich die Hessen auch in der Bundesliga mit 3:1 gegen die Norddeutschen durch. Dabei zeigte die Mannschaft von Cheftrainer Adi Hütter einmal mehr zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Auf einen starken Beginn folgte ein Leistungsabfall, ehe die Adlerträger nach der Pause mit einer überzeugenden Vorstellung die Weichen auf Sieg stellten. Der Aufwärtstrend ist unverkennbar, doch die Baustellen bleiben. Vor allem aber scheint die Eintracht etwas wiedergefunden zu haben, das ihr über weite Strecken der bisherigen Saison abhandengekommen war: ihre Mentalität. Die Analyse von SGE4EVER.de.

Starker Beginn, schneller Rückfall in alte Muster

Vier Veränderungen nahm Hütter im Vergleich zum Pokalerfolg in Hamburg vor. Collins, Maluze, Götze und Burkardt mussten zunächst auf der Bank Platz nehmen, dafür rückten Brassier, Kosugi, Aseko und Ebnoutalib in die Startformation. Am zuletzt bewährten System mit Viererkette hielt der Österreicher dagegen fest. Und zunächst sah es so aus, als würde die Eintracht genau dort weitermachen, wo sie in Hamburg aufgehört hatte. Die Frankfurter waren vom Anpfiff weg hellwach, attackierten früh, setzten die Gäste mit aggressivem Pressing unter Druck und ließen ihnen kaum Zeit für einen geordneten Spielaufbau. Der HSV hatte erhebliche Schwierigkeiten, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Die frühe Führung war deshalb nur folgerichtig – und gleichzeitig das Ergebnis einer herausragenden Kombination. Can Uzun hebelte mit einem Weltklasse-Pass die Hamburger Defensive aus und bediente Farès Chaibi, der seine starke Form der vergangenen Wochen einmal mehr unter Beweis stellte. Dessen Hereingabe hätte Younes Ebnoutalib wohl nur noch über die Linie drücken müssen, doch HSV-Verteidiger Omari kam ihm zuvor und beförderte den Ball ins eigene Tor. Ein Treffer, der beispielhaft zeigte, wie gefährlich die Frankfurter Offensive sein kann, wenn sie mit Tempo, Präzision und Mut in die Tiefe spielt.

Doch anstatt mit der Führung im Rücken nachzulegen, fiel die Eintracht in alte Verhaltensmuster zurück. Plötzlich fehlte die Konsequenz im Pressing, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden größer und der HSV bekam zunehmend Zugriff auf die Begegnung. Der schnelle Ausgleich war dabei einmal mehr das Resultat einer individuellen Unzulänglichkeit. Eine Flanke von Miro Muheim konnte Lilian Brassier nicht entscheidend klären, anschließend legte Grönbaek für Moffi ab, der zum 1:1 einschob. Natürlich kann ein Verteidiger nicht jeden Ball perfekt bereinigen. Doch die Art und Weise, wie die Frankfurter Hintermannschaft in dieser Situation agierte, war symptomatisch für die defensiven Probleme dieser Saison. Zu zögerlich, zu unaufmerksam, zu wenig entschlossen. Brassier muss diesen Ball schlichtweg besser verteidigen.

Zu große Abstände, zu wenig Mut: Die Eintracht verliert den Faden

Was danach folgte, war eine erste Halbzeit, die den Frankfurter Anhängern nur allzu bekannt vorkommen dürfte. Der Gegentreffer hatte der Eintracht sichtlich den Stecker gezogen. Von der anfänglichen Entschlossenheit war kaum noch etwas zu erkennen. Das Passspiel wurde ungenauer, die Bewegungen ohne Ball nahmen ab und die Offensive verlor zunehmend ihre Durchschlagskraft. Besonders auffällig war, dass die Hessen weder mit noch gegen den Ball ausreichend Druck entwickelten. Die Abstände zwischen Defensive, Mittelfeld und Angriff waren häufig schlichtweg zu groß. Das erschwerte nicht nur das gemeinsame Verteidigen, sondern nahm der Mannschaft auch die Möglichkeiten, nach Ballgewinnen schnell und zielgerichtet umzuschalten. Wer im eigenen Ballbesitz zu weit auseinandersteht, findet kaum kurze Anspielstationen. Wer gegen den Ball nicht geschlossen verschiebt, öffnet dem Gegner Räume. Genau dieses Problem begleitete die SGE über weite Strecken des ersten Durchgangs.

Dabei wirkte es weniger so, als sei der HSV der Eintracht spielerisch grundsätzlich überlegen. Vielmehr nahmen sich die Frankfurter durch ihre eigene Passivität die Stärken, die sie in den ersten Minuten noch ausgezeichnet hatten. Der Mut fehlte, die Überzeugung schwand und mit ihr die Kontrolle über das Spiel. Dass eine Mannschaft nach einem Gegentreffer derart deutlich an Struktur und Selbstverständnis verliert, bleibt eine der zentralen Baustellen, an denen Hütter arbeiten muss. Denn bei aller positiven Entwicklung: Eine stabile Spitzenmannschaft darf sich nicht regelmäßig durch einen einzigen Rückschlag aus dem Konzept bringen lassen.

Wie ausgewechselt: Frankfurt zeigt nach der Pause sein anderes Gesicht

Was auch immer Hütter seiner Mannschaft in der Halbzeitpause mit auf den Weg gegeben hatte, es zeigte sofort Wirkung. Keine zwei Minuten waren gespielt, da brachte Raphael Onyedika die Eintracht erneut in Führung. Nach einer Ecke scheiterte Brassier zunächst per Kopf an Daniel Heuer Fernandes, doch der Frankfurter Mittelfeldspieler reagierte schneller als Jordan Torunarigha und drückte den Abpraller über die Linie.

Dieses Tor war mehr als nur die erneute Führung. Es war der Startschuss für eine zweite Halbzeit, in der die Eintracht wieder zeigte, welches Potenzial in ihr steckt. Plötzlich war die nötige Entschlossenheit zurück, die Frankfurter agierten geradliniger, suchten konsequenter den Weg nach vorne und attackierten vor allem wieder die Räume hinter der Hamburger Abwehr. Die Offensive war deutlich beweglicher, die Wege wurden zielstrebiger und die Aktionen bekamen jene Dynamik, die zuvor so schmerzlich gefehlt hatte.

Ein wesentlicher Faktor war dabei das verbesserte Spiel in die Tiefe. Statt den Ball zu häufig quer durch die eigenen Reihen zu schieben, suchten die Adlerträger nun gezielt die Schnittstellen. Der zur Pause eingewechselte Ansgar Knauff brachte mit seinem Tempo ein Element ins Spiel, das den Hamburgern zunehmend Probleme bereitete. Wie wertvoll diese Spielweise sein kann, zeigte sich beim vermeintlichen 3:1 durch Chaibi. Kanuff wurde auf die Reise geschickt, dieser legte von der Grundlinie zurück und Chaibi musste nur noch einschieben. Weil Knauff zuvor knapp im Abseits gestanden hatte, zählte der Treffer nicht. Die Entstehung war dennoch ein Musterbeispiel dafür, wie die Frankfurter Offensive funktionieren sollte.

Uzun als Unterschiedsspieler – Chaibi bestätigt seine starke Form

Ohnehin war Can Uzun einer der entscheidenden Akteure dieses Nachmittags. Der türkische Nationalspieler zeigte einmal mehr, warum er für die Eintracht ein absoluter Unterschiedsspieler sein kann. Seine technischen Fähigkeiten, sein Blick für freie Räume und vor allem seine außergewöhnliche Qualität im Passspiel verleihen dem Frankfurter Angriff eine Dimension, die nur wenige andere Spieler im Kader bieten können. Besonders bemerkenswert war diesmal allerdings, dass Uzun nicht nur mit dem Ball glänzte, sondern auch gegen ihn wichtige Akzente setzte.

Beim entscheidenden 3:1 eroberte der Offensivspieler selbst die Kugel im Mittelfeld, schaltete blitzschnell um und bediente Ebnoutalib mit einem präzisen Steckpass. Der Neu-Nationalspieler ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und vollendete aus kurzer Distanz. Genau solche Szenen machen deutlich, wie wertvoll Uzun für diese Mannschaft ist, wenn er seine spielerische Klasse mit der notwendigen Intensität gegen den Ball verbindet. Hütter hatte zuletzt höhere Erwartungen an den Youngster formuliert. Gegen Hamburg lieferte dieser die passende Antwort auf dem Platz.

Nicht weniger erfreulich ist die Entwicklung von Chaibi. Der Algerier gehört seit Wochen zu den auffälligsten Frankfurter Akteuren und scheint zunehmend jene Konstanz zu finden, die ihm in der Vergangenheit noch gefehlt hatte. Seine Bewegungen zwischen den Linien, sein Gespür für gefährliche Räume und seine technischen Fähigkeiten machen ihn zu einem wichtigen Bestandteil des Offensivspiels. Dass Heuer Fernandes und die Latte seinen sehenswerten Schlenzer in der 75. Minute entschärften, verhinderte lediglich die Krönung einer weiteren überzeugenden Vorstellung.

Die Chancen der Schlussphase waren zugleich Ausdruck einer Mannschaft, die mit der Führung im Rücken zunehmend an Selbstvertrauen gewann. Plötzlich funktionierten Kombinationen, die zuvor noch im Ansatz steckengeblieben waren. Die Eintracht spielte befreiter, mutiger und mit einer Selbstverständlichkeit, die sie sich in den vergangenen Wochen hart erarbeiten musste.

Die 069-Mentalität ist zurück – jetzt braucht es Konstanz

Nüchtern betrachtet war auch dieser 3:1-Erfolg kein fußballerisches Feuerwerk über 90 Minuten. Dafür war die erste Halbzeit nach dem Führungstreffer zu fehlerhaft, dafür waren die Schwankungen innerhalb der Partie zu deutlich. Die defensive Anfälligkeit bleibt bestehen, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmen längst nicht immer und auch im eigenen Ballbesitz fehlt es phasenweise an Struktur und Präzision. Wer diese Probleme nach einem verdienten Heimsieg ausblendet, macht es sich zu einfach.

Und dennoch überwiegen nach dem Schlusspfiff die positiven Erkenntnisse. Denn die Eintracht hat etwas zurückgewonnen, das in den vergangenen Monaten zwischen taktischen Diskussionen, individuellen Fehlern und enttäuschenden Ergebnissen immer wieder verloren gegangen war: die Bereitschaft, füreinander zu kämpfen. Die Spieler sprechen inzwischen von der „069-Mentalität“. Ein Begriff, der schnell zur leeren Worthülse werden könnte, wenn ihm keine Taten folgen. Doch gegen den HSV war diese Haltung zumindest über weite Strecken zu erkennen.

Die Frankfurter liefen, arbeiteten, suchten die Zweikämpfe und ließen sich auch von einem Rückschlag nicht dauerhaft aus der Bahn werfen. Dass sie nach einer schwachen Phase zurückkamen und das Spiel schließlich verdient für sich entschieden, spricht für den Charakter der Mannschaft. Genau darin liegt derzeit der vielleicht größte Fortschritt unter Hütter. Der Österreicher scheint seiner Mannschaft wieder vermittelt zu haben, dass Erfolg nicht allein eine Frage von Systemen, Formationen oder individueller Klasse ist, sondern vor allem von Einstellung, Zusammenhalt und der Bereitschaft, an die eigenen Grenzen zu gehen.

Die Viererkette hat der Defensive zuletzt mehr Stabilität verliehen, die Offensive findet zunehmend bessere Lösungen und einzelne Spieler wie Uzun und Chaibi übernehmen immer mehr Verantwortung. Doch der entscheidende nächste Schritt besteht darin, diese positiven Ansätze nicht nur über einzelne Spielphasen, sondern über möglichst komplette 90 Minuten auf den Platz zu bringen.

Der zweite Sieg gegen den HSV innerhalb von fünf Tagen ist deshalb ein wichtiges Signal. Nicht, weil plötzlich sämtliche Probleme gelöst wären. Sondern weil die Eintracht wieder wie eine Mannschaft auftritt, die sich gegen Widerstände stemmt, gemeinsam Lösungen sucht und den Erfolg unbedingt erzwingen will. Die spielerische Konstanz muss noch wachsen. Die Mentalität aber scheint endlich wieder zu stimmen. Und das ist nach den schwierigen vergangenen Wochen vielleicht die wichtigste Nachricht.

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