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Die Eintracht präsentierte sich gegen Mainz deutlich kompakter als zuletzt. Foto: IMAGO / HMB-Media

Hütters Plan geht auf: Neue Stabilität wird zum Schlüssel für den ersten SGE-Sieg

Es war die erhoffte Reaktion auf den enttäuschenden Saisonstart: Eintracht Frankfurt hat das Rhein-Main-Duell beim 1. FSV Mainz 05 mit 3:1 gewonnen und damit den ersten Bundesliga-Sieg der neuen Spielzeit eingefahren. Entscheidender als das Ergebnis war dabei allerdings die Art und Weise. Nach sieben Gegentoren gegen Union Berlin und den FC Augsburg präsentierte sich die SGE defensiv deutlich stabiler, zweikampfstärker und über weite Strecken abgeklärter. Trainer Adi Hütter reagierte auf die Probleme der vergangenen Wochen mit einer Systemumstellung – und traf damit genau die richtige Entscheidung.

Hütter löst die Viererkette auf

Die auffälligste Veränderung war bereits beim Blick auf die Frankfurter Formation zu erkennen. Hütter verabschiedete sich von der zuletzt löchrigen Viererkette und setzte stattdessen auf drei Innenverteidiger. Jeremiaha Maluze, Robin Koch und Lilian Brassier bildeten das neue Abwehrzentrum. Elias Baum und Keita Kosugi blieben zwar auf den Außenbahnen gesetzt, agierten diesmal aber als Schienenspieler und damit deutlich variabler als zuvor. Auch im zentralen Mittelfeld gab es eine wichtige Veränderung. Neben Raphael Onyedika durfte Noël Aseko bei seinem Bundesliga-Debüt von Beginn an ran. Davor setzte Hütter auf Ritsu Doan über die rechte und Can Uzun über die linke Seite, während Jonathan Burkardt die alleinige Spitze bildete.

Damit opferte der Trainer mit Younes Ebnoutalib zwar einen klassischen Offensivspieler, gewann dafür aber zusätzliche defensive Absicherung. Gerade nach den achtbaren offensiven, aber defensiv äußerst anfälligen ersten beiden Ligapartien war dieser Schritt nachvollziehbar – und er zahlte sich aus.

Von Beginn an wirkte die Eintracht kompakter. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren kleiner, das Zentrum besser geschützt und die letzte Linie hatte durch den zusätzlichen Innenverteidiger mehr Absicherung. Die SGE vermittelte erstmals in dieser Saison über einen längeren Zeitraum das Gefühl, die gegnerischen Angriffe tatsächlich kontrollieren zu können.

Weniger Pressing, mehr Kontrolle

Dabei veränderte Hütter nicht nur die Grundformation. Auch die Herangehensweise gegen den Ball unterschied sich deutlich von den ersten Saisonspielen. Die Eintracht presste nicht permanent extrem hoch, sondern zog sich häufiger einige Meter zurück und überließ Mainz längere Ballbesitzphasen.

Damit spiegelte die SGE gewissermaßen eine Spielweise, mit der die Mainzer selbst in den vergangenen Wochen erfolgreich gewesen waren. Der FSV hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, konnte damit gegen die massive Frankfurter Defensive aber lange wenig anfangen.

Das war ein entscheidender Unterschied zu den ersten beiden Bundesliga-Partien. Dort wollte die Eintracht den Gegner häufig sehr früh unter Druck setzen. Funktionierte das Pressing, sah der Hütter-Fußball bereits beeindruckend aus. Wurde die erste Linie allerdings überspielt oder verlor die SGE selbst den Ball, entstanden teilweise riesige Räume.

In Mainz ging Frankfurt dieses Risiko deutlich seltener ein. Die Mannschaft wartete kompakter auf den Gegner, verdichtete die Räume und suchte anschließend gezielt die Zweikämpfe. Dadurch musste die SGE nicht permanent selbst das Spiel gestalten. Mainz durfte den Ball haben – nur eben häufig in Bereichen, in denen er Frankfurt kaum wehtat.

Aseko überzeugt direkt neben Onyedika

Eine wichtige Rolle bei der neuen Stabilität spielte auch Aseko. Der Neuzugang musste nach seiner langen Verletzungspause auf sein Debüt warten, zeigte aber direkt, warum sich Hütter für ihn entschieden hatte. Gemeinsam mit Onyedika gab er dem Zentrum eine Präsenz, die der Eintracht zuletzt teilweise gefehlt hatte. Beide Mittelfeldspieler waren körperlich stark, suchten die Duelle und sorgten dafür, dass Mainz nur selten durch das Zentrum kombinieren konnte.

Gerade Asekos Leistung war angesichts seiner fehlenden Spielpraxis bemerkenswert. Natürlich war zu erkennen, dass der 20-Jährige körperlich noch nicht über 90 Minuten gehen kann. Trotzdem brachte er genau jene Mischung aus Dynamik und Zweikampfstärke mit, die der Frankfurter Mittelfeldzentrale guttat.

Die Kombination aus drei Innenverteidigern und dem körperlich starken Duo Onyedika/Aseko sorgte dafür, dass die Eintracht im Zentrum wesentlich schwerer zu bespielen war. Mainz wurde dadurch häufig auf die Außenbahnen gedrängt und fand kaum Möglichkeiten, die Frankfurter Defensive mit Kombinationen auseinanderzuziehen.

Ballgewinn – und dann geht es blitzschnell

Die größere defensive Vorsicht bedeutete allerdings keineswegs, dass Frankfurt offensiv harmlos wurde. Im Gegenteil: Die SGE machte aus ihrer etwas tieferen Position eine Stärke. Denn eine Qualität aus den ersten Saisonspielen blieb erhalten: Nach Ballgewinnen kann diese Mannschaft unglaublich schnell umschalten.

Das 1:0 war das perfekte Beispiel. Doan eroberte den Ball tief in der eigenen Hälfte und leitete unmittelbar den Gegenangriff ein. Über Burkardt ging es ohne Umwege nach vorne. Der Angreifer behielt die Übersicht und bediente Uzun, der den Angriff vollendete. Wenige Kontakte, hohes Tempo, klare Laufwege – genau so kann die Eintracht mit ihrem vorhandenen Offensivpersonal gefährlich werden.

Ebenso deutlich wurde dieses Prinzip beim 2:0. Dieses Mal war es Maluze, der hellwach in einen Zweikampf ging und den Ball per Kopf nicht einfach nur klärte, sondern direkt nach vorne weiterleitete. Burkardt setzte anschließend seinen Körper hervorragend ein, löste sich vom Gegenspieler und war nicht mehr aufzuhalten.

Auch hier benötigte Frankfurt keine lange Ballbesitzphase. Ein gewonnener Zweikampf, ein konsequenter Pass beziehungsweise Kopfball in die Tiefe – und wenige Augenblicke später lag der Ball im Mainzer Tor.

Atubolu sorgt für den Schlüsselmoment

Zwischen diesen beiden Frankfurter Treffern lag allerdings eine Szene, die das Spiel auch in eine völlig andere Richtung hätte kippen lassen können. Mainz gelang es ausnahmsweise, die Frankfurter Ordnung mit Tempo zu attackieren. Onyedika kam gegen Becker zu spät, der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß – sicherlich eine harte Entscheidung. Plötzlich bot sich den Gastgebern die große Gelegenheit zum Ausgleich. Doch Noah Atubolu war zur Stelle.

Der Neuzugang parierte den Elfmeter und verhinderte damit, dass die Eintracht kurz vor der Pause doch noch für eine ihrer wenigen Unachtsamkeiten bestraft wurde. Nur kurz später fiel auf der anderen Seite das 2:0.

Es war möglicherweise die entscheidende Phase der gesamten Partie. Statt mit einem 1:1 in die Kabine zu gehen, führte die SGE plötzlich mit zwei Toren. Nach den Erfahrungen gegen Union und Augsburg war das keineswegs nebensächlich. Dieses Mal waren es die Frankfurter, die in den entscheidenden Momenten zuschlugen.

Baum und Kosugi profitieren von ihrer neuen Rolle

Zu den Gewinnern der Systemumstellung gehörten auch Baum und Kosugi. Beide hatten bereits als Außenverteidiger ihre offensiven Qualitäten gezeigt, waren dort allerdings zwangsläufig stärker in die defensive Grundordnung eingebunden.

Als Schienenspieler passte ihr Profil gegen Mainz deutlich besser. Beide besitzen die notwendige Laufstärke, um die komplette Außenbahn zu bearbeiten. Durch die drei Innenverteidiger hinter ihnen konnten sie sich gleichzeitig mutiger nach vorne einschalten. Vor allem offensiv wirkten Baum und Kosugi dadurch freier.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie ihre Defensivaufgaben vernachlässigten. Beide arbeiteten konsequent nach hinten, führten ihre Zweikämpfe aggressiv und halfen dabei, die Mainzer Außenbahnen zu kontrollieren. Gerade für Kosugi könnte die Position interessant sein. Seine Dynamik und sein offensiver Drang kommen dort besser zur Geltung, während hinter ihm durch die Dreierkette eine zusätzliche Absicherung vorhanden ist. Ähnliches gilt für Baum auf der anderen Seite.

SGE bleibt auch nach der Pause griffig

Nach den vergangenen beiden Ligaspielen richtete sich der Blick mit Beginn der zweiten Halbzeit zwangsläufig darauf, wie Frankfurt diesmal reagieren würde. Gegen Union hatte die SGE eine 3:1-Führung verspielt, gegen Augsburg war eine starke erste Hälfte innerhalb weniger Minuten komplett entwertet worden.

In Mainz blieb der Einbruch aus. Die Eintracht setzte ihre Spielweise konsequent fort. Sie stand kompakt, suchte weiterhin aggressiv die Zweikämpfe und ließ den Gegner kommen. Mainz hatte zwar Ballbesitz, fand gegen die dichte Frankfurter Ordnung aber kaum Räume.

Das war vielleicht die wichtigste Entwicklung gegenüber den ersten beiden Spieltagen. Die SGE musste dieses Mal nicht permanent selbst die Initiative übernehmen, sondern akzeptierte auch Phasen, in denen der Gegner mehr vom Ball hatte.

Dabei wirkte die Mannschaft wesentlich geduldiger. Es musste nicht jeder Ballgewinn zu einem komplizierten Angriff führen. Ergab sich die Möglichkeit zum Umschalten, wurde das Tempo erhöht. War sie nicht vorhanden, blieb zunächst die defensive Stabilität entscheidend.

Götze leitet das schönste Tor des Tages ein

Dass die Eintracht trotzdem mehr als nur Konterfußball spielen kann, bewies das 3:0.

Der eingewechselte Mario Götze leitete den Angriff auf der rechten Seite ein, kombinierte sich per Doppelpass mit Doan durch und brachte den Ball anschließend präzise ins Zentrum. Dort stand erneut Uzun richtig und vollendete zum zweiten Mal. Es war spielerisch wohl der schönste Frankfurter Angriff des Tages und gleichzeitig die endgültige Entscheidung.

Die Szene zeigte zudem, welche Möglichkeiten Hütter von der Bank besitzt. Aséko hatte zuvor viel für die Stabilität getan, nach dessen Auswechslung brachte Götze eine völlig andere Qualität ins Spiel. Seine technische Klasse und sein Gespür für Räume waren beim dritten Treffer sofort zu erkennen.

Nach dem 3:0 zieht sich die SGE weit zurück

Ganz fehlerfrei verlief allerdings auch dieser Auftritt nicht. Nach dem dritten Treffer zog sich Frankfurt immer weiter zurück. Aus kontrollierter defensiver Kompaktheit wurde phasenweise eine zu große Passivität. Mainz bekam dadurch mehr Spielanteile und konnte die Eintracht tiefer in die eigene Hälfte drücken. Das 3:1 war schließlich vermeidbar. An der Außenlinie verlor Frankfurt trotz einer Zwei-gegen-eins-Situation den Zweikampf, anschließend konnte Mainz den Angriff zum Anschlusstreffer nutzen.

Für den Ausgang der Partie hatte das keine entscheidenden Folgen mehr. Die Eintracht verfiel nach dem Gegentor diesmal nicht in alte Muster, sondern kämpfte weiter, verteidigte konsequent und brachte den Vorsprung letztlich souverän über die Zeit.

Trotzdem liefert gerade diese Schlussphase einen Ansatzpunkt für die kommenden Wochen. Eine kompakte Defensive bedeutet nicht zwangsläufig, sich permanent am eigenen Strafraum einzuigeln. Gerade mit Spielern wie Götze, Doan oder Uzun besitzt Frankfurt genügend Qualität, um über längere Ballbesitzphasen selbst für Entlastung zu sorgen.

Ein Sieg der Mentalität – aber auch der Taktik

Am Ende war das 3:1 sicherlich ein Sieg der Mentalität. Die Eintracht kämpfte, kratzte, war griffig in den Zweikämpfen und zeigte genau jene Widerstandsfähigkeit, die nach den ersten beiden Bundesligaspielen vermisst worden war.

Es wäre allerdings zu einfach, den Erfolg ausschließlich darauf zu reduzieren.

Hütter hat aus den Problemen gegen Union und Augsburg taktische Konsequenzen gezogen. Die Dreierkette gab der Mannschaft mehr Absicherung. Baum und Kosugi profitierten von ihren neuen Rollen als Schienenspieler. Aséko und Onyedika machten das Zentrum dicht. Das Pressing wurde etwas zurückgenommen und dadurch das Risiko reduziert, nach überspielter erster Linie große Räume anzubieten.

Gleichzeitig opferte die Eintracht ihre offensiven Stärken dafür nicht. Nach Ballgewinnen ging es weiterhin schnell und schnörkellos nach vorne. Zwei Treffer entstanden genau nach diesem Muster, beim dritten zeigte die SGE ihre spielerische Klasse.

Damit hat Hütter möglicherweise eine Formation gefunden, die aktuell besser zum vorhandenen Personal passt. Ob die Dreierkette langfristig die Lösung ist, wird sich erst zeigen. Nach den defensiven Problemen der ersten Wochen lieferte sie in Mainz aber zunächst das, was diese junge Mannschaft am dringendsten benötigte: Stabilität.

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4 Kommentare

Fallback Avatar 1. culo blanco 13. September 26, 15:48 Uhr

Ganz wichtig, ein Sieg, der zeigt, was möglich sein kann diese Saison, wenn alle an ihr Limit gehen und der Trainer flexibel ist. Nach der Länderspielpause haben wir hoffentlich noch mehr einstudieren können, um (fast) jeden Gegner vor Probleme stellen zu können.

OT @Redaktion - es wäre top, wenn man beim Klicken auf den Namen auch die Kommentare sehen könnte, das wäre sehr hilfreich bei Diskussionen, wer einem geantwortet hat etc, vor allem, wenn zu manchen Zeiten viele Artikel erscheinen (was ich ja ausdrücklich begrüße) und alles immer weiter runter rutscht. Ich weiß, das ist nicht einfach zu implementieren, wollte es trotzdem mal erwähnt haben. Danke für eure Arbeit!

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Fallback Avatar 2. dieseeledesadlers 13. September 26, 15:55 Uhr

So ein Bild macht richtig Freude.

Und Atubolu ein Volltreffer.

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Fallback Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 5 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 3. blackforest 13. September 26, 16:10 Uhr

Bin positiv fassungslos wie stark Maluze und Kusogi schon sind. Bin sehr gespannt, wenn es gegen andere Kaliber geht, wie schnell sie dabei lernen und wie sie sich da präsentieren.
Macht total Spaß, trotz der unschönen Ergebnisse der ersten zwei Spieltage. Es ist zu sehen, dass was geht, wenn sie will. Können tut die Mannschaft. Wichtig wird die Effizienz auf Strecke sein. Machen wir aus den Chancen viele Tore, darf die junge Mannschaft hinten auch mal wackeln (was nicht heißt, dass sie es tut).

Im anderen Artikel hat jmd angesprochen, dass Koch und Atubolu seinen Safe gefeiert haben statt wie in der letzten Saison vlt jmd abgewunken hätte. Das wird enorm wichtig sein. Eine intakte Mannschaft verzeiht viel mehr Fehler. War großer Theate Fan, aber vlt war das einer der Gründe, weshalb er gehen musste.

Maluzes Erfolg schwächt ggf. die U21? Lese da fast nur von Niederlagen, wäre schade, wenn es wieder runter ginge. Hoffe sie stabilisieren sich.

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Fallback Avatar 4. pfalzadler 13. September 26, 16:18 Uhr

Seriöse Beurteilung erst nach dem 10. Spieltag. Aber ich denke wir haben den richtigen Trainer zur richtigen Zeit. Diese Saison stabilisieren, und nächste Saison vielleicht ohne großen Aderlass angreifen.

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