Zweimal geführt, am Ende einen Punkt geholt: Das 2:2 gegen den SC Freiburg hinterlässt bei Eintracht Frankfurt unterschiedliche Gefühle. Während die Offensive um Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib zunehmend funktioniert, bleiben die Probleme in der Defensive und bei der Stabilität über 90 Minuten bestehen. Dennoch sollte das Remis gegen einen deutlich eingespielteren Gegner richtig eingeordnet werden.
Es ist ein Muster, das sich durch den bisherigen Saisonstart von Eintracht Frankfurt zieht. Die Mannschaft von Adi Hütter zeigt immer wieder, welches Potenzial in ihr steckt. Allerdings gelingt es ihr noch nicht, dieses Niveau über eine komplette Partie abzurufen. Dabei musste Hütter bereits vor dem Anpfiff reagieren. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Jeremiaha Maluze fehlte ein wichtiger Baustein der zuletzt eingesetzten Dreierkette. Der Eintracht-Coach entschied sich wieder für eine Viererkette mit Elias Baum und Keita Kosugi auf den Außenbahnen.
Viererkette verändert die Rollen
Die Systemumstellung hat Auswirkungen. Gerade Baum und Kosugi sind Spieler, die ihre Stärken auch im Vorwärtsgang besitzen. Als Schienenspieler einer Dreierkette haben sie hinter sich allerdings eine zusätzliche Absicherung. In einer Viererkette verändert sich diese Situation. Ein verlorener Zweikampf, ein schlechtes Stellungsspiel oder ein Ballverlust auf der Außenbahn kann deutlich schneller gefährlich werden. Gegen Freiburg zeigte sich, dass die Abstimmung in dieser Formation weiter noch nicht durchgehend funktioniert. Die Breisgauer fanden immer wieder Räume und kamen insgesamt deutlich häufiger (insgesamt 22 Torschüsse, gegenüber 10 Torschüsse) zum Abschluss. Gerade auf den Außenbahnen gelang es den Gästen, gefährliche Situationen zu kreieren.
Das ist allerdings nicht ausschließlich Baum oder Kosugi anzulasten. Eine Viererkette funktioniert nur über die Abstimmung des gesamten Verbunds. Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, Unterstützung durch die Mittelfeldspieler und das Verhalten bei zweiten Bällen spielen dabei ebenso eine Rolle. Auch das machte Hütter in der PK vor dem Spiel deutlich. Grundsätzlich sind auch die Mittelfeldspieler beim gesamten Verteidigen gefragt – unabhängig von der Grundausrichtung.
Interessant war aber Hütters Reaktion nach rund einer Stunde. Mit Nnamdi Collins und Ansgar Knauff kamen zwei Rückkehrer in die Mannschaft. Prompt folgte eine der stärksten Frankfurter Phasen. Burkardt und Can Uzun hatten Möglichkeiten zum 3:2. Möglicherweise wird es hier zumindest auf der rechten Seite bald Entlastung für Baum geben.
Burkardt und Ebnoutalib machen Lust auf mehr
Die größte positive Erkenntnis findet sich ohnehin einige Meter weiter vorne. Die Offensive funktioniert. Ebnoutalib steht nach vier Spieltagen bereits bei vier Treffern. Burkardt traf gegen Freiburg im dritten Bundesligaspiel in Folge. Noch wichtiger als die nackten Zahlen ist allerdings, wie gut die beiden Angreifer inzwischen miteinander harmonieren.
Das 1:0 war dafür ein gutes Beispiel. Burkardt leitete den Angriff ein, Ritsu Doan spielte weiter und Ebnoutalib vollendete. Die Eintracht braucht momentan nicht viele Situationen, um gefährlich zu werden. Geschwindigkeit, Direktheit und die unterschiedlichen Profile der beiden Angreifer sorgen dafür, dass Frankfurt jederzeit ein Tor zuzutrauen ist. Diese Entwicklung macht Hoffnung. Gerade weil Hütter noch nach der optimalen Formation sucht, ist es wichtig, dass sich offensive Automatismen entwickeln für die Spieler.
Wieder die Frage nach den 90 Minuten
Problematischer ist ein anderes Muster. Zum vierten Mal im vierten Bundesligaspiel ging die Eintracht mit einer Führung in die Halbzeitpause. Und wieder gelang es nicht, diese Führung souverän über die Zeit zu bringen. Besonders ärgerlich: Nur wenige Minuten nach Wiederbeginn fiel das 2:2. Schon gegen Augsburg hatte die Eintracht unmittelbar nach der Pause Probleme bekommen. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Stabilität über 90 Minuten. Ist es eine Frage der Kondition? Der Konzentration? Der taktischen Abstimmung?
Gegen Freiburg legte die Eintracht 112,48 Kilometer zurück, die Gäste kamen auf 114,21 Kilometer. Beim 3:1 in Mainz waren es bei Frankfurt noch 120,1 Kilometer gewesen. Hütter selbst sprach anschließend davon, dass seiner Mannschaft etwas „Spritzigkeit und Agilität“ gefehlt habe. Gleichzeitig wehrte sich der Trainer dagegen, die Schwierigkeiten ausschließlich mit der Physis zu erklären. Am Ende muss die Mannschaft lernen, ihre guten Phasen zu verlängern. In der Bundesliga brauchst du 90 Minuten Vollgas, um einen Sieg einzufahren.
Freiburg zeigt, was Eingespieltheit ausmacht
Bei der Bewertung darf allerdings der Gegner nicht vergessen werden. Freiburg reiste mit drei Siegen aus den ersten drei Bundesligaspielen nach Frankfurt. Trainer Julian Schuster konnte zum dritten Mal hintereinander dieselbe Startelf auf den Platz schicken. Die Abläufe stimmen, die Mannschaft kennt ihre Mechanismen und weiß auch in schwierigen Spielphasen, was sie tun muss. Die Eintracht ist an einem anderen Punkt.
Am Ende ist das Remis deshalb eher ein gewonnener Punkt als zwei verlorene. Die Baustellen bleiben offensichtlich. Die Eintracht muss defensiv stabiler werden, die Konzentration nach der Halbzeit erhöhen und ihre Leistungsfähigkeit über 90 Minuten besser auf den Platz bekommen. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis nach vier Spieltagen: Die Eintracht ist noch nicht so weit wie Freiburg. Sie zeigt aber immer häufiger, wohin die Reise gehen kann.






9 Kommentare
es wird schon immer bischen besser
Irgendwas scheint da an der vollzogenen Transferpolitik mit den vielen Einnahmen trotzdem nicht zu stimmen. Letztes Jahr Dritter, dieses Jahr Achter, nächstes Jahr ? (derzeit Zehnter)
Koch hat mir am Samstag wieder das schlechteste Bild abgegeben, was ist aus diesem klasse Verteidiger geworden?
Letzte Woche haben alle gesagt es wird wir geben Ihnen Zeit.
Meiner Meinung nach wird es besser... Und lass erstmal noch 7-8 Spiele vergehen.
Gegen bzw in Leipzig erwarte ich nichts.
Und danach wird die eintracht durchstarten.
OT:
Wer bleibt eigentlich wärend der Länderspielpause zum trainieren alles in Frankfurt?
Gibt's da irgendwo ne Kabderübersicht, wer alle wo hin muss?
Dieses Koch bashing geht mittlerweile echt nicht mehr. Der haut sich Woche für Woche für das Team für den Verein in die Zweikämpfe. Bei dem Gegentor haben alle gepennt da konnte er nicht mehr retten, da war es schon zu spät.
Ansonsten war das 2:2 einfach so was von ärgerlich. Ansonsten weiter gehts , dran arbeiten und nach vorne angreifen!
Ja das geht schon Wochen so, wenn er dann mal im letzten Moment die fußspitze reinhält ist das ja normal und wird nicht erwähnt.
Er ist extrem auf das defensive Mittelfeld angewiesen, denn wenn dort die Bälle verloren gehen kannst du fast nix mehr machen.
Ich sehe ihn trotzdem kritisch aber er ist nicht der einzige Verteidiger.
Mir geht das auch wahnsinnig auf den Sack. Man sollte doch denken, dass Fans in der Lage sind, den eigenen Kapitän auch Mal durch ein tief zu tragen oder nach einem Fehler auch Mal aufzubauen oder anzufeuern. Aber Sündenbock scheint moderner ... grrrrrr
Koch ist nicht in der Form in der er in seinen ersten beiden Spielzeiten war.
Das ist so. Formkrisen gehen aber auch vorbei.
Ein Abwehrspieler muss nicht jeden Ball wegrätschen, aber er muss " im Weg stehen". Den offensichtlichen Laufweg, Passweg zu stellen. Derzeit steht er oft falsch oder besser gesagt, spekuliert falsch.
Das ist dasselbe wie bei einem Stürmer. Der eine Torflaute hat Die richtigen Räume beackern, den richtigen Zielspieler zustellen.So wie wir besser spielen werden, wird Robin auch immer öfter richtig stehen.
Wenn wir bessere Passquoten und weniger Ballverluste haben, wird es auch Abwehrmässig besser werden.
Ich würde schon sagen, dass die Eintracht wieder einen kleinen Schritt gemacht hat – wobei ich das Wort „Schritt“ gar nicht überbewerten möchte. Für mich war es als Fan eher dieses Gefühl: Donnerwetter, Freiburg hat ja richtig Respekt vor uns. Gleichzeitig hatte ich aber auch den Eindruck, dass unsere eigene Mannschaft mindestens genauso viel Respekt vor Freiburg hatte. Dadurch haben sich beide Mannschaften zunächst ziemlich neutralisiert.
Dann hat Burkardt zusammen mit seinen Mitspielern vorne aber gezeigt, was möglich ist, wenn wir ins Spiel kommen. Und trotzdem hatte ich danach nicht das Gefühl, dass hinten plötzlich die große Sicherheit eingekehrt ist. Sobald es in Richtung eigenes Tor ging, blieb bei mir immer dieses Gefühl: Da kann etwas passieren – es muss aber nicht.
Zur Halbzeit hat die Eintracht die Führung dann verdient mitgenommen. Nach der Pause kam wieder diese unglückliche Situation an der Außenlinie, in der der Ball verloren geht und daraus direkt das 2:2 entsteht. Wenn man diese Situation einmal ausklammert, kann das Spiel durchaus auch 2:1 für uns ausgehen.
Denn nach einer gewissen Phase hat sich die Truppe wieder richtig große Chancen herausgespielt. Mit etwas mehr Konsequenz hätte man das Spiel durchaus auf Sieg stellen können.
Für mich zeigt das vor allem eines: Die Entwicklung ist da, aber die Mannschaft muss noch homogener werden. Das Selbstvertrauen ist noch nicht bei 100 Prozent, gerade wenn es in Richtung eigenen Strafraum geht. Diese Sicherheit kommt aber nicht auf Knopfdruck, sondern muss sich nach und nach entwickeln.
Und jetzt kommt mein ganz persönliches Fan-Gefühl: In Leipzig gibt es für mich keine Niederlage. 😉 Keine Ahnung, ob das die Erfahrung, der Optimismus oder einfach das typische Eintracht-Gefühl ist – aber ich bin mir tatsächlich ziemlich sicher, dass wir uns auf dieses Spiel freuen können. Ich glaube, dass dort noch einmal ein Schritt nach oben möglich ist.
Vielleicht ist das am Ende genau das, was diese Mannschaft gerade braucht: nicht den großen Befreiungsschlag, sondern kleine Schritte, die irgendwann dafür sorgen, dass aus dem noch etwas wackeligen Selbstvertrauen eine richtige Überzeugung wird.
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