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Die Eintracht (hier: Raphael Onyedika) kämpfte lange Zeit stark gegen Dortmund an. Foto: IMAGO / as-sportfoto

Analyse: Eine Niederlage, die Mut machen kann

Eintracht Frankfurt hat das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund mit 0:1 verloren. Trotz der Niederlage zeigte die Mannschaft von Trainer Adi Hütter über weite Strecken eine couragierte Leistung und präsentierte sich insbesondere defensiv deutlich verbessert als beim letzten Auswärtsspiel, dem desaströsen 0:6 in Leipzig. Es stimmten dieses Mal Einstellung, Zweikampfverhalten und Einsatzbereitschaft. Dass die Hessen am Ende dennoch ohne Punkte die Heimreise antreten mussten, lag vor allem an einer zunehmend passiven zweiten Halbzeit und vergebenen Möglichkeiten vor der Pause. Eine Analyse.

Defensive: Nicht das System, sondern die Einstellung macht den Unterschied

Nach dem Heimsieg gegen den 1. FC Köln vertraute Adi Hütter auch in Dortmund auf eine Viererkette. Der junge Elias Baum rückte dabei erstmals auf die linke Abwehrseite, während Lilian Brassier und Kapitän Robin Koch das Innenverteidigerduo bildeten. Auf der rechten Seite begann Nnamdi Collins. Davor sollten Raphael Onyedika und Noel Aseko im zentralen Mittelfeld für Stabilität sorgen.

Die Entscheidung für die Viererkette erwies sich dabei keineswegs als Nachteil. Ganz im Gegenteil: Die Frankfurter Defensive präsentierte sich über weite Strecken deutlich stabiler als noch beim letzten Auswärtsspiel in Leipzig. Besonders auffällig war dabei die grundsätzliche Herangehensweise. Die SGE wirkte griffig, gallig und konzentriert, nahm die Zweikämpfe an und ließ sich auch von spielerisch überlegenen Dortmundern nicht aus der Ruhe bringen. Damit bestätigte sich eine Aussage, die Hütter zuletzt immer wieder betont hatte: Defensive Stabilität ist nicht ausschließlich eine Frage des Systems. Ob eine Mannschaft mit einer Dreier-, Vierer- oder Fünferkette verteidigt, spielt letztlich eine untergeordnete Rolle, wenn die grundlegende Einstellung nicht stimmt. In Leipzig hatte die Eintracht genau diese Tugenden vermissen lassen. In Dortmund waren sie dagegen über weite Strecken vorhanden.

Die Frankfurter verteidigten als Mannschaft, verschoben deutlich konsequenter und unterstützten sich gegenseitig. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren wesentlich kompakter, wodurch es den Gastgebern deutlich schwerer fiel, sich gefährlich durch das Zentrum zu kombinieren. Ein Sonderlob verdiente sich dabei Elias Baum. Der junge Außenverteidiger, der auf der für ihn ungewohnten linken Seite zum Einsatz kam, zeigte eine engagierte Vorstellung und sammelte mit seinem Einsatz und seiner Zweikampfführung zahlreiche Fleißkärtchen. Auch wenn nicht jede Aktion gelang, war Baum ein Sinnbild für die verbesserte Frankfurter Einstellung.

Natürlich war Dortmund die spielerisch stärkere Mannschaft. Doch anders als noch in Leipzig hatte man dieses Mal nicht das Gefühl, dass die Eintracht ihrem Gegner hoffnungslos ausgeliefert war. Die Hessen wehrten sich, hielten körperlich dagegen und machten dem BVB das Leben lange Zeit schwer.

Erste Halbzeit: Mutige Eintracht lässt ihre Chancen liegen

Die Anfangsphase gehörte zunächst den Dortmundern. Der BVB übernahm die Spielkontrolle, ließ den Ball durch die eigenen Reihen laufen und versuchte, die Frankfurter Defensive auseinanderzuziehen. Die Eintracht konzentrierte sich zunächst auf eine kompakte Grundordnung und verzichtete bewusst auf ein dauerhaft hohes Pressing. Stattdessen ließ sich die Hütter-Elf phasenweise tief fallen, verteidigte diszipliniert und suchte nach Ballgewinnen den schnellen Weg nach vorne. Eine Herangehensweise, die mit zunehmender Spieldauer immer besser funktionierte.

Denn die SGE fand von Minute zu Minute besser in die Begegnung. Die Frankfurter wurden mutiger, gewannen wichtige Zweikämpfe im Mittelfeld und schafften es zunehmend, die Dortmunder selbst unter Druck zu setzen. Dabei zeigte sich, dass die Eintracht durchaus in der Lage war, gegen einen spielstarken Gegner auch offensiv Akzente zu setzen. Insbesondere die beiden Angreifer Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib hatten dabei einen schweren Stand. Gegen die körperlich robusten Dortmunder Innenverteidiger mussten beide enorm viel arbeiten, Bälle festmachen und immer wieder intensive Laufduelle führen. Dennoch gelang es ihnen, sich gute Möglichkeiten zu erarbeiten.

Allerdings fehlte im entscheidenden Moment die notwendige Konsequenz. Sowohl Burkardt als auch Ebnoutalib und auch Collins zu Beginn des Spiels ließen aussichtsreiche Chancen ungenutzt. Gerade gegen einen Gegner wie Borussia Dortmund können solche vergebenen Möglichkeiten am Ende den Unterschied machen.

Dabei war die Eintracht in dieser Phase keineswegs nur auf vereinzelte Konter beschränkt. Immer wieder gelang es den Hessen, sich spielerisch aus der eigenen Hälfte zu befreien und selbst längere Angriffsphasen aufzuziehen. Dortmund musste deutlich mehr Defensivarbeit verrichten, als es sich die Gastgeber angesichts ihrer spielerischen Überlegenheit vermutlich vorgestellt hatten.

Die Balance zwischen einer stabilen Defensive und mutigen Offensivaktionen stimmte. Mit etwas mehr Präzision im Abschluss wäre eine Frankfurter Führung zur Pause durchaus möglich gewesen.

Zweite Halbzeit: Dortmund erhöht den Druck – Eintracht verliert den Zugriff

Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild allerdings zunehmend. Dortmund erhöhte die Intensität, schob die eigenen Reihen weiter nach vorne und setzte die Frankfurter bereits im Spielaufbau deutlich früher unter Druck. Damit hatte die Eintracht zunehmend Probleme. Während es vor der Pause noch regelmäßig gelungen war, sich aus Drucksituationen zu befreien und eigene Angriffe einzuleiten, fehlte nun immer häufiger die notwendige Ruhe und Präzision am Ball.

Die Frankfurter verloren den Ball zu schnell, fanden kaum noch Lösungen gegen das höhere Dortmunder Pressing und schafften es dadurch immer seltener, für Entlastung zu sorgen. Die Folge: Die Abstände zum eigenen Tor wurden zwar weiterhin konsequent verteidigt, doch die SGE wurde immer weiter in die eigene Hälfte gedrängt. Dabei war es keineswegs so, dass die Hessen plötzlich wieder in alte defensive Muster verfielen. Vielmehr fehlte zunehmend die offensive Komponente, die in der ersten Halbzeit noch für eine gute Balance gesorgt hatte. Die Eintracht verteidigte weiterhin engagiert, konnte sich aber kaum noch aus der Dortmunder Umklammerung lösen.

Eine Ausnahme bildete der fleißige Farès Chaïbi. Der Algerier war im offensiven Mittelfeld der auffälligste Frankfurter Akteur und sorgte mit seiner Dynamik immer wieder für Gefahr. Zu Beginn des zweiten Durchgangs kam er zu zwei guten Abschlussmöglichkeiten. Insgesamt strahlte Chaïbi deutlich mehr Torgefahr aus als sein offensiver Nebenmann Ritsu Doan, der über weite Strecken vergleichsweise unauffällig blieb. Doch nach diesen Möglichkeiten wurde es offensiv zunehmend ruhig. Die beiden Stürmer hingen immer häufiger in der Luft, weil die Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff kaum noch funktionierte. Dortmund gewann mehr zweite Bälle, hielt den Druck hoch und zwang die Eintracht immer wieder zu langen Befreiungsschlägen.

So wurde es für die Hessen zunehmend schwieriger, die Begegnung selbst aktiv mitzugestalten. Die SGE beschränkte sich fast ausschließlich darauf, das eigene Tor zu verteidigen. Und genau darin lag letztlich das Problem.

Gegentor: Ein Moment fehlender Konsequenz entscheidet das Spiel

 

Dass der zunehmende Dortmunder Druck irgendwann Folgen haben könnte, hatte sich im Laufe der zweiten Halbzeit bereits angedeutet. Und tatsächlich war es schließlich eine Situation, in der die Eintracht nicht konsequent genug verteidigte, die zur Entscheidung führte.

Der eingewechselte Jobe Bellingham erhielt auf der linken Seite zu viel Raum, weil Raphael Onyedika nicht entschlossen genug Druck auf den Dortmunder ausübte. Bellingham konnte den Ball weiterleiten und fand den ebenfalls eingewechselten Maximilian Beier, der mit einem sehenswerten Schlenzer unhaltbar ins Eck traf.

Ein bitterer Gegentreffer für die Eintracht, die zuvor lange Zeit ordentlich verteidigt hatte. Gleichzeitig zeigte sich in dieser Szene, dass auf diesem Niveau schon ein kurzer Moment fehlender Konsequenz ausreichen kann, um ein Spiel zu verlieren. Noch enttäuschender war allerdings die Frankfurter Reaktion auf den Rückstand. Denn wer erwartet hatte, dass die SGE in den verbleibenden rund zehn Minuten noch einmal alles nach vorne werfen würde, sah sich getäuscht – eventuell auch wegen des Personals, denn Hütter hatte nur drei Minuten vor dem Gegentreffer Burkardt und Ebnoutalib ausgewechselt und Ansgar Knauff und Can Uzun gebracht.

Eine echte Schlussoffensive blieb aus. Die Hessen fanden weiterhin kaum Lösungen gegen die Dortmunder Defensive und konnten den BVB nicht mehr ernsthaft unter Druck setzen. So brachten die Gastgeber ihren knappen Vorsprung letztlich ohne größere Schwierigkeiten über die Zeit.

Dass der Dortmunder Sieg angesichts der zweiten Halbzeit insgesamt verdient war, lässt sich deshalb kaum bestreiten. Der BVB investierte nach der Pause mehr, übernahm zunehmend die Kontrolle und war letztlich auch die zielstrebigere Mannschaft. Am Ende steht für Eintracht Frankfurt eine 0:1-Niederlage. Ein Ergebnis, das ärgerlich ist, weil insbesondere in der ersten Halbzeit durchaus mehr möglich gewesen wäre. Dennoch wäre es falsch, diesen Auftritt ausschließlich am Resultat zu messen.

Denn im Vergleich zum desaströsen 0:6 in Leipzig hat die Mannschaft von Adi Hütter einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Die Eintracht zeigte endlich wieder jene Eigenschaften, die zuletzt so schmerzlich vermisst worden waren: Leidenschaft, Einsatzbereitschaft, Zweikampfstärke und defensive Konsequenz. Vor allem die Erkenntnis, dass die Mannschaft auch gegen einen spielerisch überlegenen Gegner über weite Strecken stabil stehen und gleichzeitig eigene Chancen herausspielen kann, sollte Mut machen.

Allerdings darf die ordentliche Leistung auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin Verbesserungsbedarf besteht. Insbesondere nach der Pause gelang es den Frankfurtern nicht mehr, sich ausreichend vom Dortmunder Druck zu befreien. Die fehlende Entlastung sorgte dafür, dass die Mannschaft immer tiefer verteidigen musste und offensiv praktisch nicht mehr stattfand. Auch die Chancenverwertung bleibt ein Thema. Wer bei Borussia Dortmund gewinnen möchte, muss die wenigen guten Möglichkeiten, die sich bieten, konsequenter nutzen. Burkardt und Ebnoutalib betrieben zwar einen enormen Aufwand, belohnten sich dafür aber nicht.

Eine weitere Frage bleibt die Rolle von Can Uzun. Der hochveranlagte Offensivspieler, der mit seiner individuellen Qualität jederzeit den Unterschied ausmachen kann, saß erneut zunächst nur auf der Bank. Hütter hatte zuletzt öffentlich betont, dass er sich mehr vom türkischen Nationalspieler erwarte. Dennoch stellt sich gerade angesichts der offensiven Harmlosigkeit in der zweiten Halbzeit die Frage, wie die Eintracht das Potenzial eines solchen Unterschiedsspielers künftig besser nutzen kann.

Die wichtigste Erkenntnis aus Dortmund ist aber eine andere: Die Eintracht hat gezeigt, dass sie defensiv deutlich stabiler auftreten kann, wenn die grundsätzliche Einstellung stimmt und alle Mannschaftsteile geschlossen zusammenarbeiten. Die Leistung in Leipzig war deshalb keineswegs ein zwangsläufiges Resultat individueller Qualitätsunterschiede, sondern vor allem Ausdruck einer völlig unzureichenden Herangehensweise. In Dortmund war diese Herangehensweise eine andere. Und das war über weite Strecken deutlich zu erkennen.

Die Eintracht hat in Dortmund zwar verloren, aber zumindest wieder gezeigt, wie sie Fußball spielen und vor allem verteidigen muss. Jetzt muss aus einer ordentlichen Leistung gegen einen starken Gegner auch wieder etwas Zählbares werden.

Ein Kommentar

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Das Spiel hat mir auch gut gefallen und eine positive Entwicklung ist zu sehen. Der Blick auf die Tabelle ist besonders nach unten nicht gerade beruhigend, besonders wenn die Mannschaft da jetzt auch anfangen zu Punkten. Aber es ist so eng, dass das nach Hamburg auch wieder ganz anders aussehen darf.
Und wie lange reden wir schon über die Veranlagung von Uzun. Es geht im Moment um die Stabilität in der Mannschaft und besonders in der Abwehr. Wenn ein Burkhardt oft mit nach hinten arbeitet, leidet natürlich der Angriff, aber es ist der falsche Zeitpunkt jetzt auf die Wundertüte Uzun zu setzen. Wenn wir weiter so stabil spielen, wird seine Zeit wieder kommen, aber er wird kein Unterschiedsspieler werden oder der Spieler um die die Mannschaft aufgebaut wird. Das hat er unter keinem Trainer geschafft und die Geschichte ist glaube ich durch. Ich glaube er hat sich völlig verrannt. Im Winter verleihen und beobachten, ob er wo anders vielleicht durchstarten kann.

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