Die Enttäuschung von Paris abgeschüttelt und in der Bundesliga wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt: Die Frauen von Eintracht Frankfurt haben ihr Auswärtsspiel beim 1. FC Union Berlin mit 1:0 gewonnen. Spielerisch glänzte die Mannschaft von Trainer Niko Arnautis dabei nicht über die gesamte Spielzeit. Dafür zeigte die SGE nach der Pause viel Leidenschaft, verteidigte ihren knappen Vorsprung und nahm am Ende verdient drei Punkte mit nach Frankfurt. Dilara Acikgoz sprach anschließend bei „Eintracht TV“ von einem „dreckigen Arbeitssieg“. Auch Arnautis und Amanda Ilestedt hoben vor allem die geschlossene Mannschaftsleistung hervor. Ein Kritikpunkt blieb allerdings: Die Eintracht hätte die Partie deutlich früher entscheiden müssen.
„Es ist nicht einfach, hier bei Union zu spielen“, wusste Acikgoz nach dem Abpfiff. Dennoch erwischten die Frankfurterinnen den besseren Start und belohnten sich mit der Führung. Gerade in dieser Phase hätte die Eintracht aus Sicht der Mittelfeldspielerin allerdings nachlegen müssen: „Wenn wir dann das zweite Tor machen, glaube ich, dass das Spiel ein bisschen entspannter wird.“ Weil dies nicht gelang, blieb Union bis zum Ende in Schlagdistanz.
Arnautis sieht „tolle Mannschaftsleistung“
Auch Arnautis war mit den ersten 45 Minuten seiner Mannschaft weitgehend zufrieden. Die Eintracht habe souverän agiert, sich gute Möglichkeiten erspielt und das Geschehen über längere Phasen kontrolliert. Lediglich durch eigene Fehler habe man den Berlinerinnen Möglichkeiten eröffnet. Union sei zwar ein- oder zweimal gefährlich geworden, das habe aber vor allem daran gelegen, dass seine Mannschaft die Bälle in diesen Situationen zu leicht hergegeben habe. Trotzdem hätte der Vorsprung aus Sicht des Trainers bereits zur Pause komfortabler ausfallen können. „Wir sind in der ersten Halbzeit sehr souverän aufgetreten und hätten höher führen können“, bilanzierte Arnautis. Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich dagegen eine deutlich umkämpftere Begegnung. Die spielerische Kontrolle nahm ab, dafür waren andere Qualitäten gefragt.
„In der zweiten Halbzeit war es ein sehr intensiver Fight von unserer Seite“, beschrieb der 46-Jährige. Entscheidend war für ihn, dass seine Mannschaft trotz des wachsenden Berliner Drucks defensiv nur wenig zuließ. Gleichzeitig ergaben sich durch die offensivere Ausrichtung der Gastgeberinnen Räume für schnelle Gegenangriffe. Diese nutzte Frankfurt zwar immer wieder, spielte die zahlreichen Umschaltsituationen aber nicht konsequent genug zu Ende.
Zu viele Chancen bleiben ungenutzt
Damit offenbarte sich erneut ein Thema, das die Eintracht schon in den vergangenen Partien beschäftigt hatte: die Chancenverwertung. Die Möglichkeiten, das Spiel frühzeitig zu entscheiden, waren vorhanden. Der zweite Treffer wollte jedoch nicht fallen. „Die Effizienz war nicht optimal heute, da stimme ich zu“, räumte Arnautis ein. Für den Trainer überwog nach dem Schlusspfiff dennoch die Freude darüber, dass seine Mannschaft einen knappen Vorsprung erfolgreich verteidigt hatte. Nicht jedes Spiel müsse schließlich mit mehreren Toren Unterschied gewonnen werden: „Man muss auch mal 1:0 gewinnen.“
Gerade angesichts der Atmosphäre in Berlin und des intensiven Spielverlaufs sei es wichtig gewesen, dagegenzuhalten. Seine Mannschaft habe genau das getan und sich nach einer kräftezehrenden Phase mit dem Sieg belohnt. Trotzdem wusste auch Arnautis, dass die Partie unnötig lange offen geblieben war: „Natürlich können wir es vorher entscheiden, das müssen wir uns ankreiden. Aber am Ende zählt der verdiente Sieg.“
Acikgoz sah es ähnlich. Die Eintracht habe nach der Pause zeitweise hinterherlaufen müssen, sei aber immer dann zur Stelle gewesen, wenn es darauf ankam. In den Umschaltsituationen habe die Mannschaft zudem immer wieder gezeigt, dass sie gefährlich werden kann. Dass daraus kein weiterer Treffer entstand, wurmte die 22-Jährige auch nach dem Abpfiff noch: „Am Ende ärgere ich mich trotzdem, dass wir dann kein zweites oder drittes Tor gemacht haben. Daran müssen wir arbeiten.“
Ilestedt lobt Frankfurter Defensive
Dass ein Treffer letztlich zum Sieg genügte, war auch einer stabilen Frankfurter Defensive zu verdanken. Ilestedt zeigte sich entsprechend zufrieden mit dem Auftritt gegen den Ball. Die Abstimmung habe funktioniert, die Spielerinnen hätten viel miteinander gesprochen und sich gegenseitig unterstützt. „Die Defensive war wirklich stabil heute. Wir haben gut miteinander kommuniziert und gearbeitet“, lobte die schwedische Innenverteidigerin. Komplett verhindern ließ sich Berliner Torgefahr zwar nicht, doch die Eintracht hielt dem Druck stand. „Klar hatte Union ein paar Chancen, aber die hatten wir auch. Es war eine gute Performance.“ Ilestedt erkannte dabei ebenfalls zwei unterschiedliche Phasen im Frankfurter Spiel. Vor der Pause überzeugte sie insbesondere, wie sich die SGE aus der eigenen Defensive heraus befreite und freie Räume fand. In den zweiten 45 Minuten war weniger spielerische Leichtigkeit und dafür umso mehr Einsatz gefragt. „In der zweiten Halbzeit haben wir wirklich gekämpft.“ Dass dieser Kampf am Ende mit drei Punkten belohnt wurde, sorgte bei der 33-Jährigen für Erleichterung. Schließlich lagen anstrengende und emotional schwierige Tage hinter den Hessinnen.
Die richtige Reaktion auf das Paris-Aus
Nur wenige Tage zuvor war der Traum von der Champions League geplatzt. Nach dem 1:1 im Hinspiel hatte sich die Eintracht Paris Saint-Germain im Rückspiel nach Verlängerung mit 1:5 geschlagen geben müssen. Die Deutlichkeit des Ergebnisses spiegelte den Spielverlauf nur bedingt wider, die Enttäuschung über das Ausscheiden war dennoch groß. Umso wichtiger war für Ilestedt die unmittelbare Reaktion in der Bundesliga. „Es ist schön, dass wir das Auswärtsspiel gewonnen haben, vor allem jetzt nach der Niederlage gegen Paris. Das ist ein schönes Gefühl.“ Statt dem verpassten Einzug in die Königsklasse lange hinterherzutrauern, sammelte Frankfurt die nächsten wichtigen Punkte.
Auch Acikgoz nahm aus dem Auftritt in Berlin vor allem die Mentalität der Mannschaft mit. Die Partie habe gezeigt, dass die Eintracht auch dann bestehen könne, wenn spielerisch nicht alles funktioniere. Entscheidend seien Laufbereitschaft, Ehrgeiz und Leidenschaft gewesen. „Dass jede für jede läuft. Das ist einfach ein Spiel fürs Team gewesen.“ Gerade bei einem knappen 1:0 sei dieser Zusammenhalt gefragt. Frankfurt konnte die Partie nicht durch spielerische Dominanz frühzeitig entscheiden und musste stattdessen bis zum Schlusspfiff arbeiten. Für Acikgoz war deshalb nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern auch die Art, wie die Mannschaft den Sieg verteidigte: „Wir haben gezeigt, dass wir wollen und dass wir auch ein 1:0 über die Zeit bringen können.“
Zwei freie Tage nach intensiven Wochen
Nach den vergangenen englischen Wochen und den Reisestrapazen gönnt Arnautis seiner Mannschaft nun zunächst eine kurze Pause. Zwei freie Tage sollen den Spielerinnen die Möglichkeit geben, körperlich und mental durchzuatmen. Ab Donnerstag richtet sich der Fokus dann auf die nächste Bundesliga-Aufgabe gegen die TSG Hoffenheim. Für den Trainer kommt die kleine Verschnaufpause nach dem erfolgreichen Abschluss der intensiven vergangenen Tage zum richtigen Zeitpunkt. „Ich freue mich, dass sich das Team heute mit drei Punkten belohnt hat“, erklärte Arnautis.
Perfekt war der Auftritt in Berlin keineswegs. Die Eintracht hätte ihre Möglichkeiten konsequenter ausspielen und sich damit einen deutlich ruhigeren Nachmittag verschaffen können. Doch nach dem emotionalen Rückschlag in Paris zeigte die Mannschaft eine andere Qualität: Sie akzeptierte den Kampf, blieb defensiv stabil und brachte einen knappen Vorsprung über die Zeit. Genau solche Siege können für eine junge und neu formierte Mannschaft mindestens genauso wertvoll sein wie ein spielerisches Ausrufezeichen.







Ein Kommentar
Da wo die Männer die schwache Defensive mit in die neue Saison genommen haben, ist es bei den Mädels die Ineffieziens. Sie brauchen einfach zu viele Chancen.
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