Vor dem Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde zur Champions League hätte wahrlich jeder ein Unentschieden gegen Schwergewicht Paris Saint-Germain unterschrieben. Nach dem Spielverlauf mit Traumstart, dem Gegentor aus dem Nichts und der fehlenden Effektivität in einer sehr einseitigen zweiten Hälfte herrschen bei den Akteuren der Frankfurter Eintracht „momentan gemischte Gefühle“, gab Larissa Mühlhaus im Anschluss zu Protokoll. „Es war ein sehr, sehr intensives Spiel. Es war ein sehr, sehr gutes Spiel von uns. Es ging nach vorne, nach hinten haben wir alles reingeworfen. Am Ende ein 1:1, nehmen wir mit und dann gucken wir, was in Paris möglich ist.“
Altenburg sieht super Ausgangslage: „Ziel erreicht“
Etwas zufriedener zeigte sich einerseits Lina Altenburg: „An sich fühlt sich das 1:1 gut an. Wir haben eine super Ausgangslage damit geschaffen.“ Andererseits kritisierte die Torhüterin die schwache Chancenverwertung nach dem Seitenwechsel: „Wir wissen aber auch, dass wir aus ein paar Situationen mehr machen können und dass heute mehr drin gewesen wäre.“ Mühlhaus pflichtet bei: „Im letzten Drittel haben wir ein paar Chancen liegen gelassen, aber daran müssen wir arbeiten.„ Unter dem Strich überwiegt bei Altenburg aber die Zufriedenheit über eine gute Ausgangslage für das alles entscheidende Duell am PSG Campus. „Aber wir haben unser Ziel erreicht, dass wir eine super Ausgangslage für nächste Woche haben. Es ist alles offen, es ist alles drin. Deswegen sind wir im ersten Moment zufrieden.“
Cheftrainer vom Ergebnis enttäuscht
Vor allem Cheftrainer Niko Arnautis haderte mit den vergebenen Torchancen – allen voran mit dem Doppelpfosten-Knaller von Hanna Bennison. Der Frust über das Ergebnis war dem Deutsch-Griechen dabei deutlich anzumerken: „Es sagt alles, wenn man mit dem Ergebnis enttäuscht ist, das 1:1 gegen Paris ausgeht.“ Auf Nachfrage von SGE4EVER.de betonte der in Frankfurt geborene Fußballlehrer, dass sich die Enttäuschung explizit auf das Resultat beziehe. Was die Leistung, insbesondere in der zweiten Halbzeit, betrifft, hatte er im Grunde nichts zu beanstanden. „Die Mannschaft hat ein Riesenspiel gegen eine Topmannschaft in Europa gemacht. Wenn du sie in der zweiten Halbzeit teilweise so herspielst mit den Hochkarätern, ich erinnere mich an den Doppelpfosten zum Beispiel.“
„Großes Kompliment an die Mannschaft“
Dabei hätte die SGE nicht perfekter ins Spiel starten können: „Wir sind super ins Spiel gekommen und haben das Tor gemacht. Wir hatten eine gute Situation, um das 2:0 zu machen.“ Nur drei Minuten dauerte es jedoch, bis die Gäste aus der Stadt der Liebe den frühen Rückstand egalisierten. „Fast im Gegenzug kommt Paris an unseren Strafraum und das ist dann halt Champions League. Sie machen den Ausgleich.“ Die Quintessenz des Spiels lautet dennoch: Die Eintracht war nicht nur einer Topmannschaft aus der Première Ligue ebenbürtig, sondern über weite Strecken klar überlegen. Das sieht auch der Cheftrainer so: „Ich muss der Mannschaft wieder ein großes Kompliment aussprechen, weil sie heute auch auf Champions League-Niveau gespielt hat. Wir haben gesagt, dass Paris natürlich eine Mannschaft aus dem oberen Regal ist“, schwärmte Arnautis. Nach einer ersten Halbzeit, in der Paris phasenweise das Spiel bestimmt hatte, ging es nur noch in eine Richtung. „In der zweiten Halbzeit hat meine Mannschaft einen sehr, sehr guten Ball gespielt, wenig zugelassen, tolle Chancen erzielt, ein paar Hochkaräter gehabt. Wir hätten heute verdient gehabt, zu gewinnen. Deswegen ist es natürlich schade.“
„Ich kann es nicht nachvollziehen“: Arnautis hadert mit Schiri
Besonders ärgerte den Coach jedoch eine Szene, in der aus seiner Sicht ein klares Foul an Laura Freigang ungeahndet blieb. „Man muss aber auch sagen, dass es einen klaren Elfmeter nicht gegeben hat. Das habe ich mir eben angeguckt, ich habe mich ein bisschen beruhigt. Aber ich verstehe nicht, wie man das nicht sehen kann. Es tut mir echt leid, weil es auch eine große Chance ist. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man aus drei Metern Entfernung so eine klare Situation nicht sieht.“ Dennoch soll für Arnautis der couragierte Auftritt seines Teams nicht in den Hintergrund rücken. „Schade, aber die Performance war herausragend. Und noch einmal: Es war keine Kirmestruppe, sondern PSG und deswegen bin ich sehr stolz und enttäuscht. Wir hätten mehr verdient gehabt.“
Blick aufs Rückspiel: Chancen stehen „50:50“
Bevor es zum Entscheidungsspiel am 2. September in der französischen Kapitale kommt, steht das Sandwich-Spiel in der Liga vor heimischem Publikum gegen den 1. FC Nürnberg an. „Jetzt ist es aber wichtig, dass wir gerade morgen, übermorgen sehr, sehr gut regenerieren und uns am Samstag auf das Nürnberg-Spiel vorbereiten. Nach dem Nürnberg-Spiel werden wir uns am Montag und Dienstag voll auf das Rückspiel fokussieren.“ Laut dem Chefcoach stehen die Chancen „50:50“. „Paris spielt jetzt zuhause, aber wir müssen gucken, dass wir wieder die Performance abliefern. Wir müssen gucken, dass wir einfach diese Situationen, die wir haben und wir werden auch in Paris Chancen bekommen, dass wir sie nutzen. Wir müssen gegen den Ball wieder so arbeiten wie heute, sehr, sehr intensiv spielen. Wenn du in diese Ligaphase willst, musst du so ein Riesenregal aus dem Weg räumen.“ Mit dem gestrigen 1:1 ist der Grundstein gelegt: „Das war heute eine Champions League-Nacht, die wir uns wünschen. Wie gesagt, wir freuen uns auf das Rückspiel. Wir haben ein Ergebnis, wo wir sagen: ‚Okay, wir hätten auch gewinnen können.‘ Aber das macht uns natürlich auch Mut. Daran werden wir anknüpfen.“
Coach adelt Mühlhaus
Maßgeblich zur guten Ausgangslage für das Rückspiel trug Larissa Mühlhaus bei. Die Torschützenkönigin der vergangenen Saison erzielte den Treffer zur frühen Führung. „Man muss sich nur die 90 Minuten anschauen. Sie fühlt sich sehr wohl und wird immer stärker“, lobte Arnautis. „Sie ist in der Vorbereitung ein paar Tage ausgefallen, weil sie etwas am Fuß hatte und deswegen haben wir sie behutsam über das Miniturnier, was die Minuten angeht, aufgebaut. Heute stand sie 90 Minuten auf dem Platz und hat gezeigt, warum sie Nationalspielerin ist und warum sie uns auch dieses Jahr und in den nächsten Jahren viel Freude bereiten wird“, ergänzte er. „Ich freue mich, dass so ein junges Mädel so schnell adaptiert und sie hat wie alle anderen ein sehr, sehr starkes, herausragendes Spiel gemacht.“
„Professioneller“: Torschützin zieht Vergleich zu Ex-Club
Worte, die sein Schützling gerne hört. Mühlhaus kam ablösefrei von Werder Bremen nach Frankfurt und macht dort weiter, wo sie in der vergangenen Spielzeit aufgehört hat: beim Toreschießen. „Ich wurde vom Trainertyp und von den Spielerinnen sehr, sehr gut aufgenommen. Ich fühle mich seit Tag eins sehr, sehr wohl. Man macht neben dem Platz was. Das hilft auch auf dem Platz, dass man zusammenkommt“, schwärmt die gebürtige Hamburgerin, die sich vollumfänglich mit ihrem neuen Verein identifiziert: „Ich mag es einfach, hier zu sein. Ich freue mich, für Frankfurt zu spielen. Ich bin gespannt, was mit dem Verein möglich ist.“ Im Vergleich zu ihrem ehemaligen Club sieht sie große Unterschiede: „Die Bedingungen sind in jedem Bereich professioneller. Ich kann meine Leistung besser zeigen. Man hat mehr Spiele. Es ist intensiver. Man muss mehr geben, mehr trainieren.“






Ein Kommentar
Was Larissa Mühlhaus für Wege geht und sich nicht zu schade ist, hinten mit zu verteidigen ist schon sehr stark. Wenn man gestern etwas mitnehmen sollte, außer den drei Punkten statt dem einem, dann dass man PSG permanent bespielen und das Tempo hochhalten muss. Lässt man die spielen, kombinieren die sich sehr gut bis in den Strafraum und dann wird es gefährlich. Das blitze einige Male auf und muss so gut es geht verhindert werden.
Gruß SCOPE
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