Hat in Frankfurt, nach vielen Ausleihen, endlich ein neues Zuhause gefunden und kann zeigen was in ihm steckt.

Sechsundsechzig. Die hochgerechnete Einsatzzeit von Jonathan De Guzman, in den ersten drei Bundesligaspielen der Eintracht beträgt 66 Minuten, nicht mehr. In allen drei Partien wurde er erst im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt. Zweimal verlor die Eintracht. Einmal, am ersten Spieltag gegen Freiburg, gelang ihr ein Sieg. Vorlage zum späten 2:0? De Guzman. Seit dem die Eintracht aber, mit neun Siegen aus zehn Spielen, oben aufschwimmt steht der 31-jährige stets in der Startelf – zu Recht.

Multikulti in Personalunion

Der Sohn eines philippinischen Vaters und einer jamaikanischen Mutter wurde in der kanadischen Provinz Ontario geboren. In seiner Kindheit spielte er mit seinem größeren Bruder Julien De Guzman, der später einige Jahre für Hannover 96 spielte, rund um die Uhr Fußball. „Das war ziemlich ungewöhnlich in Kanada, weil kaum jemand außer uns Fußball gespielt hat. Kanada ist keine Fußball-Nation, wir waren die Ausnahmen,“ gab er einmal zu Protokoll. Im Alter von zwölf Jahren folgte er seinem großen Bruder nach Europa und ging in die Akademie von Rotterdamm. Neun Jahre später nahm er die Holländische Staatsbürgerschaft neben der Kanadischen an um fortan für die U21-Auswahl des Landes zu spielen. Nach 11 Jahren, 129 Einsätzen und 26 Toren für Feynoord Rotterdam ging Jonathan De Guzman, den alle nur Johnny rufen, auf Wanderschaft. Er spielte in Spanien, England und Italien. Mit seinem ersten Bundesligator, Ende September gegen Hannover 96, wurde er der achte Spieler überhaupt, der in allen großen vier Ligen Europas getroffen hat. Mit diesem Lebenslauf steht De Guzman beinah sinnbildlich für die Multikulti-Truppe der Hessen.

Karriere mit Höhen und Tiefen

Durch gute Leistungen bei RCD Mallorca, hatte der Mittelfeldspieler das Interesse von Villarreal geweckt. Dort konnte er sich nicht durchsetzen und wurde an Swansea City, in die erste englische Liga verliehen. In Swansea blühte De Guzman erneut auf, spielte 71 Partien für die Briten und sicherte sich so einen Platz in Louis van Gaals Kader für die Weltmeisterschaft 2014. In Brasilien stand der damals 26-jährige beim famosen 5:1-Sieg über Spanien in der Startelf. Der SSC Neapel, damals auf dem Weg zu einer echten Spitzenmannschaft, sicherte sich die Dienste des aufstrebenden Stars. Nach einen vielversprechenden Start, verschlechterte sich De Guzmans Gesundheitszustand. Er klagte über Bauchschmerzen, doch der Teamarzt hielt es für „ein Kopfproblem“ und keine echten Schmerzen. Die ganze Lage eskaliert – soweit, dass Neapels Sportdirektor ihm aus Zorn ins Gesicht schlug. Am Ende stellte sich heraus, dass De Guzman einen Eingeweidebruch erlitten hatte. Man darf davon ausgehen, dass der Niederländer heute nicht bei der Eintracht spielen würde, hätte seine Karriere in Neapel nicht diesen negativen Knick erhalten.

Aus dem Wandervogel wird ein Adler

Im Sommer 2017 wechselte De Guzman schließlich zu Eintracht Frankfurt. Der Einstand verlief etwas schleppend, dann setzte ihn eine Schultereckgelenkssprengung außer Gefecht. Als der defensive Mittelfeldspieler im März 2018 wieder in die erste Elf zurückkehrte, gelangen ihm sofort zwei Vorlagen und erkämpfte sich so einen Stammplatz zurück. In der aktuellen Saison ist der Routinier aus dem Kader der Hessen kaum weg zu denken. Er strahlt Ruhe aus und in der aktuellen Mannschaft findet man keinen besseren Standard-Spezialisten. Die Holländische Fußballschule ist ihm anzumerken, ballsicher, mit viel Spielintelligenz und Übersicht. Über seine Stärken sagt er selbst einmal: Ich kontrolliere gerne das Spiel. Ich habe den Ball gerne am Fuß und möchte für meine Mitspieler Torchancen kreieren. Und sie verwerten, wenn ich selbst die Gelegenheit dazu habe.“ Das gelingt ihm zur Zeit tadellos, mit fünf Scorerpunkten (zwei Toren, drei Vorlagen) ist er nach dem „Trio Infernale“ an den meisten Toren beteiligt. Er bereitet im Durchschnitt in der Bundesliga pro Spiel 1,5 Großchancen vor, nur Ante Rebic kommt auf einen ähnlichen Wert. Der Niederländer hat die beste Passquote von allen Offensivspielern (80%).Er ist ein echter Anführer geworden und zahlt das Vertrauen zurück, dass die Eintracht letztes Jahr mit einem Dreijahresvertrag in ihn gelegt hatte. Und so ist Jonathan De Guzman, der Weitgereiste, fester Bestandteil eines Teams, dass laut ihm auf dem Weg ist „von einem guten Team, zu einem großartigen Team zu werden.“

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