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Elias Baum und Jeremiaha Maluze kamen beide aus dem NLZ der SGE zu den Profis. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Warum schaffen es so wenige Talente? Eintracht-Kaderplaner Berndroth erklärt den Frankfurter Weg

Die Nachwuchsarbeit von Eintracht Frankfurt steht immer wieder auf dem Prüfstand. Zwar schaffen regelmäßig junge Spieler den Sprung in den Profifußball, doch der direkte Weg aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum in die erste Mannschaft bleibt die Ausnahme. Mit Elias Baum hat sich inzwischen ein echtes Eigengewächs im Bundesliga-Kader etabliert, während andere Talente ihre Entwicklung zunächst bei anderen Vereinen fortsetzen müssen. Doch woran liegt es, dass nicht mehr Nachwuchsspieler den Durchbruch bei den Hessen schaffen? Im Interview mit dem „kicker“ hat Nino Berndroth, Kaderplaner für die Altersklassen U17 bis U21, Einblicke in die Frankfurter Nachwuchsstrategie gegeben. Der 39-Jährige sprach über die Bedeutung der zweiten Mannschaft, die Entwicklung vielversprechender Talente und die Frage, weshalb die Eintracht bewusst einen eigenen Weg gehen möchte.

Der Übergang vom Nachwuchs- in den Profifußball gehört zu den größten Herausforderungen für junge Fußballer. Gerade bei einem Bundesligisten mit den sportlichen Ansprüchen von Eintracht Frankfurt ist der Konkurrenzkampf enorm. Dass es nicht jedem Talent gelingt, sich unmittelbar nach der Jugend dauerhaft im Profikader festzuspielen, überrascht Berndroth deshalb nicht. „Es müssen in der Regel viele Faktoren zusammenspielen, um sich nachhaltig im Profikader zu etablieren“, erklärte der Kaderplaner.

Als gelungenes Beispiel nennt er Elias Baum. Der Außenverteidiger durchlief die Frankfurter Nachwuchsabteilung, sammelte während seiner Leihe zur SV Elversberg wichtige Erfahrungen im Profifußball und hat sich inzwischen im Bundesliga-Kader etabliert. Auch Nnamdi Collins, der vor seinem Wechsel zur Eintracht bei Borussia Dortmund ausgebildet wurde, nutzte die U21 als Sprungbrett. Gleiches gilt für Jeremiaha Maluze, der noch in der vergangenen Saison zum Hessenliga-Kader gehörte und mittlerweile bei den Profis angekommen ist. Für Berndroth zeigen diese unterschiedlichen Werdegänge vor allem eines: Es gibt nicht den einen richtigen Weg in die Bundesliga: „Diese Beispiele zeigen aber auch: Für junge Talente ist es nicht einfach, sich unmittelbar nach dem Nachwuchsbereich als feste Größe in einem Profikader zu etablieren.“ Entscheidend sei deshalb, den Spielern ausreichend Zeit für ihre Entwicklung einzuräumen.

„Wir wollen nicht der SC Freiburg sein“

Als Vorbild für erfolgreiche Nachwuchsarbeit wird häufig der SC Freiburg genannt. Die Breisgauer schaffen es seit Jahren, eigene Talente in die Bundesliga-Mannschaft zu integrieren oder gewinnbringend an andere Vereine abzugeben. Auch Berndroth erkennt die gute Arbeit des Ligakonkurrenten ausdrücklich an. Besonders die Kontinuität und die Ruhe, mit der die Freiburger ihren Weg verfolgen, hebt er hervor. Allerdings wehrt sich der Frankfurter Kaderplaner gegen den Eindruck, dass die Nachwuchsarbeit der Eintracht deshalb weniger erfolgreich sei: „Aber auch wir haben in den vergangenen Jahren eine gute Jugendarbeit gemacht – mit sehr vielen Spielern, die im Profibereich gelandet sind.“ Der Erfolg einer Nachwuchsabteilung lasse sich schließlich nicht ausschließlich daran messen, wie viele Spieler unmittelbar in der eigenen ersten Mannschaft zum Einsatz kommen. Als Beispiel nennt Berndroth Alexander Staff. Der Angreifer könnte altersbedingt weiterhin für die Frankfurter U19 auflaufen, sammelt stattdessen aber bereits auf Leihbasis Erfahrungen in der 3. Liga. Aus Sicht des Kaderplaners ist auch das ein Beleg für erfolgreiche Ausbildungsarbeit. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Eintracht den Übergang in die eigene Profimannschaft weiter verbessern möchte: „Wir arbeiten tagtäglich daran, dass die Durchlässigkeit bei uns in Zukunft noch besser wird.“ Eine bloße Kopie des Freiburger Modells soll es in Frankfurt allerdings nicht geben: „Aber wir wollen auch nicht der SC Freiburg sein oder werden, sondern unseren Eintracht-Weg gehen.“

U21 als Sprungbrett: Acht von zehn Abgängen landen bei den Profis

Eine zentrale Rolle in der Frankfurter Nachwuchsstrategie spielt die U21. Nach dem direkten Wiederaufstieg tritt die zweite Mannschaft der Eintracht wieder in der Regionalliga Südwest an. Für Berndroth ist das ein wichtiger Schritt, um die eigenen Talente auf einem möglichst hohen Niveau an den Männerfußball heranzuführen: „In Verbindung mit der Bundesliga Talent Series sehen wir die Regionalliga als die geeignetere Plattform für die Entwicklung unserer Spieler an.“ Dennoch warnt er davor, die Qualität der Nachwuchsausbildung allein an der Spielklasse festzumachen. Schließlich sei es der Eintracht auch während der vergangenen Saison in der Hessenliga gelungen, zahlreiche Spieler auf den nächsten Karriereschritt vorzubereiten. Die Zahlen sprechen aus seiner Sicht eine deutliche Sprache: „Trotzdem sind acht von zehn Abgängen im Profibereich gelandet, noch dazu sammeln sie dort zahlreiche Einsatzminuten.“

Für Berndroth ist deshalb nicht allein entscheidend, gegen welche Gegner die Talente antreten. Mindestens ebenso wichtig sei die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz: „In der Oberliga, in der Regionalliga, sogar in der Verbandsliga: Man kann überall Spieler entwickeln und besser machen, weil man viel Zeit mit ihnen auf dem Trainingsplatz verbringt.“

Dass die U21 nach dem Aufstieg zunächst Schwierigkeiten hatte, war für den Kaderplaner keine Überraschung. Schließlich musste sich die Mannschaft nach einem großen personellen Umbruch mit zahlreichen jungen Spielern erst an das höhere Niveau gewöhnen. „Es war klar, dass wir in der neuen Liga, nach einem großen Umbruch, mit vielen jungen Spielern sowie dem einen oder anderen Verletzten immer wieder Lehrgeld zahlen müssen“, erklärte er. Allerdings räumte Berndroth ein, dass die anfänglichen Probleme größer ausgefallen seien als erhofft. Inzwischen erkennt er eine deutliche Entwicklung: „Die ersten zwei, drei Spiele sind nicht zu vergleichen mit den Partien, die wir zuletzt abgeliefert haben.“ Für die kommenden Wochen zeigt sich der 39-Jährige deshalb zuversichtlich, dass die Mannschaft sowohl sportlich als auch tabellarisch weitere Fortschritte machen wird.

Glöckner bringt „Eintracht-DNA“ und Erfahrung mit

Eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielt auch U21-Cheftrainer Patrick Glöckner. Der 49-Jährige hatte die Mannschaft kurz vor Saisonbeginn übernommen, nachdem Aufstiegstrainer Dennis Schmitt zur AS Monaco gewechselt war. Berndroth betonte, dass die Zusammenarbeit mit Schmitt über zwei Jahre hinweg eng und vertrauensvoll gewesen sei. Mit dessen Nachfolger habe man jedoch ebenfalls schnell eine gute Arbeitsbasis gefunden. Vor allem Glöckners Vergangenheit bei der Eintracht und seine Erfahrung im Profifußball seien wichtige Faktoren: „In ihm haben wir jemanden für uns gewinnen können, der aufgrund seiner Vergangenheit mit der Eintracht-DNA bestens vertraut ist.“ Darüber hinaus sieht Berndroth in Glöckner einen wichtigen Vermittler zwischen dem Nachwuchs- und dem Profibereich: „Er passt sehr gut zur Mannschaft und ist durch seine Erfahrung im Männerbereich auch dafür mitverantwortlich, dass die Verbindung zum Profibereich weiter intensiviert werden konnte.“

Auch die ruhige Art des Trainers an der Seitenlinie bewertet der Kaderplaner positiv: „Er lässt unseren Fußball mit unseren Prinzipien spielen und strahlt durch seine Art an der Seitenlinie auch eine Ruhe aus, die den Jungs auf dem Platz sehr guttut.“

Ilicevic mit 15 Jahren schon bei den Profis – Berndroth mahnt zur Geduld

Zu den größten Hoffnungen im Frankfurter Nachwuchs zählt derzeit Niko Ilicevic. Der erst 15 Jahre alte Offensivspieler gilt als außergewöhnlich talentiert und durfte bereits regelmäßig mit der ersten Mannschaft trainieren. Auch Berndroth zeigt sich beeindruckt von dessen Entwicklung. Der junge Frankfurter habe in seiner bisherigen Laufbahn nur selten gegen Gleichaltrige gespielt. Stattdessen sei er häufig bereits in höheren Altersklassen eingesetzt worden. Dass Ilicevic mittlerweile auch bei den Profis Erfahrungen sammeln darf, unterstreicht sein großes Potenzial.

Dennoch möchte Berndroth verhindern, dass die Erwartungen an den Nachwuchsspieler zu schnell wachsen: „Nichtsdestotrotz ist er erst 15, bald 16 Jahre alt. Das dürfen wir nicht vergessen und werden deshalb behutsam mit ihm umgehen.“ Die Eintracht setzt bei ihrem hochveranlagten Talent damit auf eine schrittweise Entwicklung, anstatt einen möglichst schnellen Durchbruch erzwingen zu wollen.

Ebnoutalib: „Es gab losen Kontakt“

Interessante Einblicke gewährte Berndroth auch in die Vergangenheit von Younes Ebnoutalib. Der gebürtige Frankfurter hat sich nach Stationen beim FC Gießen und der SV Elversberg inzwischen in der Bundesliga einen Namen gemacht. Dabei hätte sein Weg möglicherweise schon früher zur Eintracht führen können. Auf die Frage, ob Ebnoutalib der Frankfurter Regionalliga-Mannschaft einst angeboten worden sei, bestätigte Berndroth zumindest einen früheren Austausch: „Es gab losen Kontakt, nachdem es für Younes in Perugia nicht mehr weiterging und er aus Italien zurückgekehrt ist.“ Zu einer Verpflichtung kam es damals allerdings nicht: „Da hatte er sich mit seinem Umfeld aber für einen anderen Weg entschieden und sich dann dem FC Gießen angeschlossen.“

Berndroth sieht in der Karriere des Angreifers ein weiteres Beispiel dafür, dass ein erfolgreicher Weg in die Bundesliga keineswegs immer geradlinig verlaufen muss. Ähnliches gelte für Maluze, der ebenfalls nicht den klassischen Weg über die großen Nachwuchsleistungszentren genommen habe. Gerade solche Beispiele zeigen, wie unterschiedlich sich junge Fußballer entwickeln können – und wie wichtig es ist, ihnen auch über Umwege Möglichkeiten im Profifußball zu eröffnen.

Krösche-Abschied: Ausbildung soll oberste Priorität bleiben

Auch der jüngste personelle Umbruch an der Spitze der Frankfurter Fußball AG war Thema des Interviews. Nach dem Abschied von Sportvorstand Markus Krösche stellt sich schließlich die Frage, ob sich künftig auch die Ausrichtung der Nachwuchsarbeit verändern könnte. Eine konkrete Einschätzung wollte Berndroth dazu noch nicht abgeben. Er geht allerdings davon aus, dass die Eintracht ihren eingeschlagenen Weg grundsätzlich fortsetzen wird: „Was die Qualität im Jugendbereich angeht, sind wir grundsätzlich auf einem sehr guten Weg.“ Die Ausbildung junger Spieler soll demnach weiterhin im Mittelpunkt stehen: „Ich würde mutmaßen, dass wir den in unserem NLZ eingeschlagenen Weg, nämlich die Ausbildung unserer Spieler als oberste Priorität anzusehen, jetzt nicht grundlegend verlassen.“

Besonders die Förderung von Talenten aus der eigenen Region betrachtet Berndroth als wichtigen Bestandteil der Frankfurter Philosophie. Für die Zukunft wird es nun darum gehen, diese Ausbildungsarbeit noch stärker mit der ersten Mannschaft zu verknüpfen. Dass dafür Geduld, gute Trainer und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten notwendig sind, macht der Kaderplaner deutlich. Und auch wenn nicht jeder Nachwuchsspieler unmittelbar den Sprung in die Bundesliga schafft, soll die Eintracht weiterhin möglichst vielen Talenten den Weg in den Profifußball ebnen. Am liebsten natürlich im eigenen Trikot.

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. pit3157 29. Oktober 26, 14:43 Uhr

mann sollte auch mal wieder 1-3 klassen tiefer schauen
das har früher auch geklappt burg solms etwa vermisse das schon etwas
wie haben denn die elversberger nach ihm geschaut sehr schmeichelhaft ist das nicht für unseren verein

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