Die Trennung von Ex-Sportvorstand Markus Krösche hat bei Eintracht Frankfurt für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Nach mehreren erfolgreichen Jahren verließ der bisherige Sportvorstand den Klub mit sofortiger Wirkung – und das, obwohl sein Vertrag ursprünglich noch bis 2028 lief. Über die genauen Hintergründe der überraschenden Entscheidung war bislang nur wenig bekannt. Nun hat sich Eintracht-Präsident und Aufsichtsratschef Mathias Beck ausführlich dazu geäußert. Im Interview mit der „Sport BILD“ sprach der 55-Jährige über die schwierige Entwicklung der vergangenen Monate, die Vereinbarung mit Krösche und mögliche finanzielle Folgen eines vorzeitigen Wechsels zu einem anderen Verein. Gleichzeitig stellte Beck klar, dass die Eintracht trotz der jüngsten Unruhe an ihren sportlichen Ambitionen festhält und mit Trainer Adi Hütter wieder auf die internationale Bühne zurückkehren möchte.
Die Trennung von Krösche kam für viele Beobachter überraschend. Schließlich hatte der 46-Jährige die sportliche Entwicklung der Eintracht über mehrere Jahre entscheidend geprägt und mit seiner Transferpolitik maßgeblich zum wirtschaftlichen und sportlichen Aufschwung beigetragen. Zuletzt war der Sportvorstand allerdings zunehmend in die Kritik geraten. Neben der sportlichen Entwicklung hatten auch Berichte über einen umstrittenen Immobilien-Deal und Gerüchte um ein mögliches Engagement bei der AC Mailand für Unruhe gesorgt. Ob diese Themen letztlich ausschlaggebend für Krösches Entscheidung gewesen seien, ließ Beck offen. Stattdessen verwies er darauf, dass sich die Situation über einen längeren Zeitraum entwickelt habe. „Die gesamte Gemengelage reicht deutlich weiter zurück“, erklärte der Eintracht-Präsident. Bereits nach der vergangenen Saison habe Krösche seine eigene Arbeit kritisch hinterfragt und eingeräumt, dass nicht alles nach seinen Vorstellungen verlaufen sei: „Er hat nach der vergangenen Saison gesagt, dass er Fehler gemacht hat, die er unbedingt korrigieren wollte.“ Beck betonte dabei den hohen Anspruch, den Krösche stets an seine eigene Arbeit gestellt habe: „Markus hat einen enorm hohen professionellen Anspruch an sich selbst und ist sehr ehrgeizig.“
Im Laufe des Sommers seien weitere Themen hinzugekommen, die die Situation zusätzlich erschwert hätten. „Das war für niemanden angenehm, weder für uns noch für ihn“, so der 55-Jährige, der aber die konkreten Vorgänge unbenannt ließ. Seine Aussagen machen allerdings deutlich, dass die Trennung nicht allein auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen war, sondern das Ergebnis einer längeren Entwicklung gewesen sein dürfte.
Trennung nach „sehr guten, konstruktiven Gesprächen“
Dass Krösche die Eintracht letztlich auf eigenen Wunsch verließ, hatte der Klub bereits im Zuge seiner Freistellung kommuniziert. Beck bestätigte nun, dass vor der Entscheidung intensive Gespräche zwischen den Beteiligten stattgefunden hätten. Dabei habe auch eine Rolle gespielt, wie Krösche selbst auf die vergangenen Monate zurückgeblickt habe: „Letztlich hat sicherlich eine Rolle gespielt, wie er selbst das gesamte Jahr rückblickend bewertet hat und wie wir gemeinsam darüber gesprochen haben.“ Von einem persönlichen Zerwürfnis wollte der Aufsichtsratschef allerdings nichts wissen. Vielmehr hob er ausdrücklich den respektvollen Umgang miteinander hervor: „Es waren sehr gute, konstruktive Gespräche, die jederzeit von gegenseitigem Respekt geprägt waren. Genau das schätze ich an Markus sehr.“ Damit zeichnet Beck ein Bild einer Trennung, bei der beide Seiten nach einer gemeinsamen Lösung gesucht hätten.
Gleichzeitig machte der Präsident deutlich, dass er die Entscheidung unabhängig von möglichen persönlichen Wünschen für nachvollziehbar hält: „Markus Krösche hat über einen langen Zeitraum eine sehr erfolgreiche Entwicklung für Eintracht Frankfurt gesteuert. Das verdient große Anerkennung.“ Wenn ein leitender Mitarbeiter allerdings selbst das Gefühl habe, seine Aufgaben nicht mehr mit der notwendigen Überzeugung erfüllen zu können, müsse man darauf reagieren. Für Beck sei deshalb letztlich nicht entscheidend gewesen, ob er sich persönlich einen Verbleib Krösches gewünscht hätte: „Fußball ist nun einmal ein knallhartes Geschäft. Darauf muss man reagieren, und das ist dann auch in Ordnung.“ Mit dem gefundenen Ergebnis zeigte sich der Eintracht-Präsident zufrieden: „Mir ist dabei immer wichtig, offen und ehrlich miteinander umzugehen. Genau das haben wir getan. Deshalb bin ich mit der Lösung vollkommen im Reinen.“
Krösche-Abgang könnte Eintracht noch Geld bringen
Interessant sind auch Becks Aussagen zur vertraglichen Situation des ehemaligen Sportvorstands. Obwohl Krösche mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden wurde, läuft sein ursprünglicher Vertrag noch bis 2028. Für den Fall, dass der 46-Jährige vorzeitig eine neue Tätigkeit bei einem anderen Klub aufnimmt, haben beide Seiten eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Diese könnte der Eintracht unter bestimmten Voraussetzungen eine Ablösesumme einbringen. Für Beck ist eine solche Regelung angesichts der bestehenden Vertragslaufzeit selbstverständlich und „ein ganz normaler Vorgang.“ Ausgangspunkt der Gespräche sei gewesen, dass Krösche trotz seiner Freistellung weiterhin vertraglich an die Eintracht gebunden sei: „Markus hat einen Vertrag bis 2028. Deshalb stand für mich zunächst einmal fest, dass dieser Vertrag besteht.“ Anschließend habe man gemeinsam nach einer Lösung gesucht, die für beide Seiten akzeptabel sei. „Darüber haben wir gesprochen und anschließend eine Vereinbarung ausgehandelt, die für beide Seiten in Ordnung ist“, so der Präsident.
Beck betonte außerdem, dass die Entscheidung nicht von ihm allein getroffen worden sei. Vielmehr seien auch Sven Janssen und Felix Wirmer als Mitglieder des Hauptausschusses in die Gespräche eingebunden gewesen. Die Vereinbarung sei damit das Ergebnis einer gemeinsamen Abstimmung innerhalb des zuständigen Gremiums.
AC Mailand? Beck hält sich bedeckt
Zuletzt war Krösche wiederholt mit der AC Mailand in Verbindung gebracht worden. Ein vorzeitiger Wechsel zum italienischen Traditionsklub könnte aufgrund der getroffenen Vereinbarung auch finanzielle Auswirkungen für die Eintracht haben. Ob ein solches Szenario tatsächlich bevorsteht und mögliche Einnahmen bereits im Wintertransferfenster für Verstärkungen eingesetzt werden könnten, wollte Beck allerdings nicht beantworten: „Ich kann heute noch gar nichts dazu sagen, was passieren wird.“
Zugleich stellte er klar, dass er selbst bislang keine entsprechenden Verhandlungen und „keine Gespräche mit Klubs geführt“ habe. Damit bleibt vorerst offen, ob die Eintracht durch einen möglichen Wechsel ihres ehemaligen Sportvorstands tatsächlich noch eine Ablösesumme einnehmen wird. Ebenso wenig lässt sich derzeit abschätzen, ob solche Einnahmen Auswirkungen auf die Transferplanungen der Hessen haben könnten.
Beck stärkt Hütter den Rücken: „Wir wollen keine Verzwergung“
Neben der Krösche-Trennung äußerte sich Beck auch zur sportlichen Zukunft der Eintracht unter Trainer Adi Hütter. Nach den schwankenden Leistungen der vergangenen Wochen steht der Österreicher vor der Aufgabe, die Mannschaft wieder dauerhaft in die Erfolgsspur zu führen. Dass Hütter die Eintracht mittelfristig zurück in den internationalen Wettbewerb führen kann, steht für Beck außer Frage. Auf eine entsprechende Nachfrage antwortete der Präsident unmissverständlich: „Klar.“ Dabei unterstrich er, dass die Frankfurter trotz der zuletzt schwierigen sportlichen Phase weiterhin hohe Ziele verfolgen: „Unsere Ambition ist es, international zu spielen. Wir wollen keine Verzwergung.“ Die Eintracht soll sich also nicht mit einer dauerhaft durchschnittlichen Rolle in der Bundesliga zufriedengeben. Vielmehr bleibt die Rückkehr auf die europäische Bühne ein erklärtes Ziel der Verantwortlichen. Diesen Anspruch teile auch Hütter, betonte Beck: „Und mit genau diesem Anspruch geht auch Adi an seine Aufgabe heran.“ Besonders die Europa League besitzt für die Hessen nach den Erfolgen der vergangenen Jahre einen hohen Stellenwert: „Eintracht Frankfurt und Europa gehören mittlerweile einfach zusammen. Gerade die Europa League ist für uns ein ganz besonderer Wettbewerb.“
Mit diesen Aussagen sendet Beck ein deutliches Signal: Trotz des personellen Umbruchs in der sportlichen Führung und der jüngsten sportlichen Rückschläge soll die Eintracht ihre Ambitionen nicht zurückschrauben. Die Trennung von Krösche markiert damit zwar das Ende einer prägenden Ära, bedeutet aus Sicht der Klubführung aber keinen Abschied von den gewachsenen Ansprüchen. Für Hütter und die Mannschaft wird es nun darum gehen, diesen Worten auch auf dem Platz Taten folgen zu lassen.






12 Kommentare
lassr mich gerne überaschen
werden wir in der winterpause sehen was sicht tut
nur die SGE
Irgendwas wird sich sicherlich in der Winterpause tun.
Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass MK bis dahin im Urlaubsmodus ist.
Womöglich arbeitet er bereits an Konzepten für den neuen Club; egal ob dieser Milan, RB oder wie auch immer heißt.
Fußball, ein knallhartes Geschäft, aber auch im Gegensatz zu vielen "normalen" Jobs, ein unverschämt gut bezahltes. Das ist auch und wesentlicher Teil der Wahrheit.
Dass Eintracht auch in der Ära nach MK an hohen Zielen festhält, ist aus meiner Sicht ebenso wichtig wie nachvollziehbar, was sonst. Die angekündigte neue Ausrichtung mit mehr Blick auf den eigenen Nachwuchsbereich und auch den inländischen Markt macht durchaus Sinn, mit der damit auch hoffentlich verbundenen höheren Konstanz im Spielerkader. Dass die bisherige Strategie "günstig kaufen" und "hochpreisig weiter zu verkaufen" auf Dauer nicht funktionieren würde, war absehbar. Ein einziger Flop, der sich sportlich und finanziell negativ niederschlägt...und die Auswirkungen sind immens.
Dem kann man stand jetzt nur widersprechen. Ja, es mag kurzfristig so aussehen, weil wir diese Saison nicht die Übersummen erwirschaftet haben und dementsprechend nicht die ersehnten Hochkaräter nachgeholt haben. Aber schau dir mal bitte alle verliehenen Spieler an und welche Summen diese einbringen werden. Wenn wirklich alle verkauft weden. ( und selbst wahi kommt die Saison schon wieder auf seine scores ) dann brauchen wir nächste Saison nichts verkaufen und haben 100 mio + auf der Habenseite.
Wie die Überschrift sagt; Is n knallhartes Geschäft.
Und Krösche hat es mehr als gut gemacht.
Ja vielleicht ändern wir die Strategie, aber wir sind meilenweit davon entfernt zu sagen das dieses Modell scheitern würde.
Wir hatten schlichtweg zu viele Spieler im Kader und konnten diese nicht schnell genug veräußern ( und ja kotzt mich selber an so über Menschen zu reden )
Aber das Modell war und ist definitiv unser großer Aufschwung. Jetzt versuchen wir nur kontinuierlich unser verdientes Geld besser einzusetzen und den gamble zu minimieren. Unsere Geschäftsführung ist um einiges schlauer als es den Anschein hat. Wer dauerhaft erfolgreich sein will muss die Zeichen lesen können und verstehen und adaptieren. Und das machen wir bereits seit 2016.
Deswegen sind wir so stark und werden immer stärker.
NUG DIE SGE
Du wirst doch nicht bestreiten, dass Flops sich sportlich und finanziell sehr stark auswirken. Um in der BL dauerhaft um die internationalen Plätze mitspielen zu können, werden die europäischen Einnahmen benötigt. Das gelang letzte Saison nicht, mit den bekannten Auswirkungen. MK's Verdienste sind unbestritten, aber auch unter dem Druck jährlich einen exorbitant hohen Transferüberschuss erzielen zu müssen, misslang einiges. MK's Position war sehr geschwächt. MK und Beck sehen beide diesbezüglich auch einiges sehr kritisch. Mittel- und langfristig kann niemand mit Vernunft
von solch außergewöhnlich hohen Transfererlösen ausgehen, wie wir sie hatten.
Es muss nicht jeder verstehen, ist aber leider so.
"Dem kann man stand jetzt nur widersprechen. Ja, es mag kurzfristig so aussehen, weil wir diese Saison nicht die Übersummen erwirschaftet haben und dementsprechend nicht die ersehnten Hochkaräter nachgeholt haben."
keine Übersummen?
ich fasse kurz und grob die Einnahmen zusammen:
Brown - 65Mios.
Amenda - 20Mios.
Kristensen - 6Mios.
Dazu kommen Larson und Bahoya, welche ich rausnehme, da das Geld erst nächstes Jahr fließen wird.
Zusätzlich kommen Einnahmen aus der CL, welche sich laut Sport1 Quelle auf ca. 40Mios. belaufen.
Macht in summe ca. 125Mios.
Ich denke schon, dass die Eintracht hervorragend eingenommen hat, jedoch ist die Kohle weg, wie Axel in der MV sagte. Die Frage ist nur, wohin??
Ich habe das ja nicht bestritten. Sondern @ frankfurter jung. Er sagt es war klar das der weg keinen bestand hatte.
Und die von dir aufgeführten summen. Bestätigen die gute Wirtschaft
Es gibt viele Vereine die diesen weg gehen.
Natürlich gibt es auch flops. Aber kann mich an kaum einen erinnern... ja selbst wahi fängt sich momentan wieder umd wirk vermutlich noch den zwischendurch erwarteten totalschaden wieder reparieren.
Und wenn man überlegt wie oft wir diesen coinflip gewonnen haben kann man schlichtweg nicht davon reden das der weg quasi vorhersehbarer Blödsinn war. Er zahlz sich noch immer aus, und durch die Verkäufe der nächsten leihen bis in die nächste saison.
Ergo eine total erfolgsstorry. Die jetzt am Höhepunkt endet und zukünftig durch einen adaptieren der wegen hoffentlich fortgesetzt wird
Hehe…. Das weiß ich. Das sollte auch nicht belehrend rüberkommen. Ich finde, den Weg, den die Eintracht dank MK gegangen ist, sucht seines gleichen in der BL. Und natürlich haben wir ja noch nebenbei einen EL Pokal holen können 💪
Dennoch wird es spannend zu sehen sein, wie sich die Eintracht nach der MK Ära aufstellen wird und ob die neue Strategie aufgeht.
Eine interessante Frage wäre, wo würden wir heute stehen, würde Markus nicht all die Transfereinnahmen generieren können. Daher auch mein letzter Satz und die Frage, nach dem Verbleib des Ganzen Geldes.
In diesem Sinne :-)
Wenn dem so ist, dann sitzt Krösche jetzt auf Dugi Otok und heftet die zahlreichen Stellenangebote ab. Ich bin mal gespannt, ob der run tatsächlich so groß ist und alle auf diese Transferstrategie setzen möchten. Müsste ja so sein, wenn das alles so Mega erfolgreich war. RB Leipzig, BVB und die Bayern zählen wohl aber nicht zu den Interessenten. Wundert mich auch nicht, dass ein italienischer Club mit einem amerikanischen Multi Milliardär die einzigen sind, die durch die Medien geistern.
Dass Eintracht in der postÄra MK's neue Wege gehen will, ist ja keine Bauchentscheidung, sondern geschieht aufgrund veränderter Verhältnisse auf dem Transfermarkt. Krösche, Kehl und etliche mehr, beklagten dass jetzt für sogenannte Talente viel zu tief in die Taschen gegriffen werden muss. Das
"Modell" Krösche blieb nicht im Verborgenen, es wurde vielfach kopiert.
D.h, auch die großen Klubs werden verstärkt in diesem Wettbewerb mit bieten und die Gewinner sein. Das ist leider die neue Lage, wer's anders sehen will, wird von der Realität überholt werden. Chapeau MK, Illicevic bei uns gehalten zu haben, richtig stark.
Ich schätze ja deine Kommentare. Aber hier bin ich anderer Auffassung. Wie willst du dann die Transferstrategie von Bobic nennen? Bobic hat in Summe wesentlich mehr junge Hochkaräter an Land gezogen.
Nein, junge Talente wurden in der Bundesliga schon vor über 50 Jahren abgeworben. Das macht jeder Bundesligaverein, manche sogar aus Kapitalmangel. Im Gegensatz zu fast allen anderen, hat Krösche bei seinen Transfers aber nicht so sehr den Fokus auf eine funktionierende Mannschaft gelegt, sondern vielmehr, wie sehr die Spieler ihren Marktwert steigern können.
Wenn ich in dieser Saison Hütter (Wunschtrainer von Vorstand und Aufsichtsrat) und Brassier (Wunschspieler von Hütter) abziehe, bleibt von der Transferkunst wenig übrig.
Ohne die beiden würden wir jetzt vermutlich auf einem Abstiegsplatz stehen. Einzig Aseko hat darüber hinaus Hoffnung gemacht. Von Onyedika bin ich hingegen bislang enttäuscht. Es ist allerdings seine erste Saison, weshalb ich nicht zu kritisch sein möchte. Dennoch, in unserer Situation hätte ich mir einen Mittelfeldspieler gewünscht, der sofort einschlägt und sich nicht erst an das Tempo in der Bundesliga gewöhnen muss.
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