Mit der Rückkehr von Adi Hütter an den Main richtet sich der Blick bei vielen Eintracht-Fans automatisch zurück auf eine der erfolgreichsten und emotionalsten Phasen der jüngeren Vereinsgeschichte. Zwischen 2018 und 2021 führte der Österreicher die SGE zu unvergesslichen Europapokalabenden, begeisterndem Offensivfußball und einer Entwicklung, die den Verein nachhaltig prägte. Zwar endete seine erste Amtszeit nicht ohne Nebengeräusche, doch an die vielen besonderen Momente erinnern sich die meisten Frankfurter bis heute gerne zurück. Grund genug für die Redaktion von SGE4EVER.de, noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen und die persönlichen Highlight-Spiele aus der ersten Hütter-Ära auszuwählen. Welche Partien besonders in Erinnerung geblieben sind und warum sie auch Jahre später noch einen besonderen Platz im Eintracht-Herzen haben, verraten unsere Redakteure in diesem Rückblick.
Julian Jendrossek:
Eintracht Frankfurt – RB Leipzig: 3:1 im DFB-Pokal Achtelfinale 2019/2020
Wenn ich an die erste Amtszeit von Adi Hütter zurückdenke, landet ein Spiel bei mir sofort ganz weit oben: Das 3:1 gegen RB Leipzig im DFB-Pokal-Achtelfinale am 4. Februar 2020. Schon die Rahmenbedingungen machten diesen Abend besonders. Es war bitterkalt in Frankfurt, doch spätestens mit dem Betreten des Stadions spielte das Wetter keine Rolle mehr. Die Stimmung war bereits lange vor dem Anpfiff elektrisierend. Schließlich hatte die Eintracht erst knapp anderthalb Jahre zuvor den DFB-Pokal gewonnen und die Sehnsucht nach dem nächsten großen Pokalabenteuer war im gesamten Umfeld spürbar.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Partie durch den Gegner: RB Leipzig. Zudem lag das vorherige Aufeinandertreffen gerade einmal zehn Tage zurück. In der Bundesliga hatte die Eintracht Leipzig bereits mit 2:0 besiegt und nun sollte auch im Pokal die nächste Überraschung gelingen.
Die Mannschaft von Adi Hütter legte den Grundstein früh. Nach einem Handspiel von Marcel Halstenberg im Strafraum zeigte Schiedsrichter Felix Brych bereits nach einer Viertelstunde auf den Punkt und André Silva verwandelte den fälligen Elfmeter sicher zur Führung. Leipzig hatte zwar mehr Ballbesitz, doch Frankfurt verteidigte leidenschaftlich und setzte immer wieder gefährliche Nadelstiche. Es war eine dieser typischen Hütter-Partien: nicht immer dominant, aber unglaublich intensiv, mutig und effizient.
Der Moment des Abends folgte dann kurz nach der Pause. Als Filip Kostic in der 51. Minute auf 2:0 erhöhte, explodierte das Waldstadion förmlich. Das gesamte Stadion verwandelte sich in einen einzigen Hexenkessel. Jeder Zweikampf wurde gefeiert, jede gelungene Defensivaktion frenetisch bejubelt. Man spürte förmlich, dass an diesem Abend etwas Besonderes entstehen konnte.
Zwar brachte der eingewechselte Dani Olmo die Leipziger mit seinem Anschlusstreffer noch einmal zurück ins Spiel, doch wirklich ins Wanken geriet die Eintracht nicht mehr. Stattdessen war es erneut Kostic, der tief in der Nachspielzeit den Schlusspunkt setzte und mit dem 3:1 endgültig für Ekstase sorgte. Während die Frankfurter Spieler den Sieg feierten, schallte es von den Rängen lautstark durch das Stadion: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“
Auch wenn der Traum wenige Wochen später im Halbfinale gegen Bayern München endete, bleibt dieser Abend für mich eines der prägendsten Spiele der Hütter-Ära. Die Atmosphäre, die Bedeutung des Pokals, der Gegner und die Art und Weise, wie die Eintracht diesen Sieg erkämpfte, machten das 3:1 gegen Leipzig zu einem echten Highlight einer besonderen Zeit.
Nils Gniza:
Eintracht Frankfurt – Lazio Rom 4:1 in der Europa League Gruppenphase 2018/19
In ihre erste Bundesliga-Saison unter Adi Hütter als Trainer startete die Eintracht ziemlich mittelmäßig. Nach sieben Punkten aus sechs Spielen, der den elften Tabellenplatz bedeutete, war im Umfeld des Vereins dennoch eine gewisse Euphorie spürbar. Der Grund: Wegen des DFB-Pokalsieges 2018 stand der SGE erstmals seit über vier Jahren wieder ein Europa-League-Heimspiel bevor. Zudem hatten die Adler schon die Partie beim Vorjahresfinalisten Olympique Marseille zwei Wochen zuvor entgegen des Ligatrends und trotz halbstündiger Unterzahl mit 2:1 gewonnen.
Demnach war gegen Lazio Rom alles angerichtet für eine magische Nacht in Frankfurt, die die erste von vielen weiteren auf internationaler Bühne in dieser Saison werden sollte. Einer eindrucksvollen Choreo vor Anpfiff folgte bereits in der vierten Spielminute das 1:0 durch Danny da Costa. Auf den Ausgleich der Römer durch Marco Parolo (23.) antwortete Filip Kostic kurz darauf mit der erneuten Führung (28.). Und die Ausgangslage aus Frankfurter Sicht sollte sich noch vor der Halbzeit weiter verbessern. Wegen einer unnötigen Gelb-Roten Karte des Lazio-Akteurs Dusan Basta ging die Eintracht in Überzahl in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel machten die Adler direkt da weiter, wo sie vorher aufgehört hatten. Luka Jovic erhöhte per traumhaften Heber in der 52. Minute auf 3:1. Wenig später war Lazio nur noch zu neunt, als Joaquin Correa für ein Frustfoul an Jonathan de Guzman die Rote Karte sah. Während sich auf den Rängen schon lange Partystimmung breitmachte, spielte die Eintracht das Ergebnis souverän runter, ohne viel Risiko zu gehen. Erst in der Nachspielzeit setzte da Costa mit seinem zweiten Tor des Tages den Schlusspunkt.
Der deutliche Sieg gegen Lazio hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen großen Teil zum anschließenden Aufschwung beigetragen. Auf europäischem Boden spielte sich die Eintracht angetrieben von einem überragenden Support des ganzen Stadions wie in einen Rausch. Im Halbfinale gegen Chelsea folgte erst im Elfmeterschießen das bittere Aus, trotzdem überwog im Nachgang bei vielen der Stolz über das Erreichte.
Emre Erdem:
Eintracht Frankfurt – FC Bayern München 5:1 in der Bundesliga 2019/20
Das Traditionsduell Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern München verspricht so einiges: Brisanz, Spannung und vor allem Tore. In jüngster Vergangenheit biss sich der Rekordmeister seine Zähne vor allem an den Adlern aus. Man denke an das spektakuläre 3:3 mit Hugo Ekitiké und Omar Marmoush, an den ersten Bundesligasieg unter Oliver Glasner in der Allianz Arena (Endstand: 2:1) oder an die beiden 5:1-Gala jeweils vor heimischer Kulisse. Den ersten Kantersieg feierte die SGE unter Adi Hütter in der Saison 2019/20. Der Österreicher verlor nach seiner erfolgreichen Debütsaison die komplette Büffelherde, was aber nicht seiner Mannschaft davon abhalten sollte, dem FCB damals unter Niko Kovac Paroli zu bieten. Vor dem zehnten Spieltag rangierte Hütters Team auf Platz neun, die Bayern auf Platz zwei ein Zähler hinter Tabellenführer Borussia Mönchengladbach. Frankfurt legte mit vier Siegen, zwei Remis und drei Pleiten einen soliden Start hin und wollte nach der 4:2-Schlappe bei Spitzenreiter Gladbach zurück in die Erfolgsspur.
Die Rollenverteilung war vor Beginn des Spiels klar, doch den besseren Start erwischte die Heimelf. Goncalo Paciencia wurde nach einem Hackentrick von Filip Kostic auf die Reise geschickt. Jerome Boateng kam nicht richtig hinterher und wusste den portugiesischen Angreifer nur mit einem Foul zu stoppen. Schiedsrichter Markus Schmidt will das Vergehen im Strafraum gesehen haben und zeigte zunächst auf den Punkt. Boateng sah Gelb, da die sogenannte Dreifachbestrafung nicht mehr galt. Paciencia stand schon zum Elfmeter bereit, doch der VAR schickte zunächst den Unparteiischen raus zum Monitor, es ging darum, wo das Foul stattfand. Schmidt stellte fest, dass Paciencia vom ehemaligen deutschen Nationalspieler vor dem Sechzehner zu Fall gebracht wurde. Der Schiedsrichter korrigierte auf Freistoß und zeigte Boateng aufgrund einer Notbremse den Roten Karton. Die Münchner mussten bereits ab der neunten Minute in Unterzahl agieren. Im Nachhinein war das aus hessischer Sicht die bessere Entscheidung, denn der Platzverweis spielte der Eintracht in die Karten. In der 25. Minute belohnte sich Frankfurt für die Druckphase. Kostic bescherte seinem Team die hochverdiente Führung. Nur acht Zeigerumdrehungen später erhöhte Djibril Sow auf 2:0. Die Bayern wären aber nicht die Bayern, wenn sie auch zu zehnt nicht zurückschlagen. In der 37. Minute verkürzte Robert Lewandowski nach einem Solo-Lauf auf 1:2. Das war gleichzeitig auch der Pausenstand. Kovacs Team schöpfte neue Hoffnung, die allerdings nach dem Seitenwechsel schnell in Keim erstickte. Nach einer Balleroberung ging es ganz schnell, David Abraham schlich sich nach vorne und bugsierte eine Maßflanke von Danny da Costa ins Gehäuse von Manuel Neuer. Der alte Vorsprung war wiederhergestellt.
Das sollte der K.o.-Schlag für die Gäste aus der bayrischen Hauptstadt gewesen sein, denen nichts mehr einfiel. Gleichzeitig war der Torhunger auf hessischer Seite noch lange nicht gestillt. Nach knapp mehr als einer Stunde legte Martin Hinteregger per Kopf nach einer Ecke nach. 4:1! Spätestens jetzt wusste jeder, die Bayern bekommen an diesem Tag eine ordentliche Packung. In der Schlussphase sorgte die portugiesische Koproduktion für den Endstand. Der eingewechselte André Silva legte auf Paciencia auf, der nur noch einschieben musste. 5:1. Selten erlebt man, wie die das eigene Team den erfolgreichsten Club aus Deutschland im eigenen Stadion deklassiert und wenn es passiert, ist es ein besonderes Ereignis, an das man sich gerne erinnert. Die 5:1-Demontage wog übrigens auf Seiten der Bayern schwer, sodass Niko Kovac ausgerechnet nach der Pleite an alter Wirkungsstätte seinen Hut nehmen musste.
Folke Müller:
Eintracht Frankfurt – Benfica Lissabon 2:0, Europa League-Viertelfinale 2019
Es war der 18.04.2019 und seit ungefähr einem Monat war ich Redakteur bei SGE4EVER.de. Am Abend dieses Tages stand mein erster Stadioneinsatz für die Redaktion an. Ich war angespannt und voller Vorfreude. Natürlich war ich vorher unzählige Male als Fan im Waldstadion gewesen, aber auf der Pressetribüne nie zuvor. Geschweige denn in der Mixed Zone im Spielertunnel oder der Pressekonferenz. Gemeinsam mit der damaligen Chefredakteurin Nadine Peter durfte ich diesen denkwürdigen Abend bei toller Choreographie und großem Glanz erleben. Dabei sahen die Voraussetzungen wirklich schlecht aus: Noch im Hinspiel des UEFA Europa League-Viertelfinals hatte die SGE mit 2:4 in Lissabon verloren. Das späte 2:4 Tor durch Goncalo Paciencia wirkte wie Ergebniskosmetik. Doch dieser Treffer sollte noch unheimlich wichtig werden.
Das Spiel startete mit einer atemberaubenden Choreo im gesamtem Stadion. „Eintracht vom Main“ prangte in großen Lettern, weiß auf schwarz, auf der Tribüne, die einige Jahre später in „Jürgen Grabowski-Gegengerade“ umbenannt werden sollte. Dann, von der ersten Spielminute an, brannte das Stadion lichterloh vor Leidenschaft. Selten habe ich bis heute die Spielstätte der SGE so laut erlebt. Und das übertrug sich auch auf die Spieler. Klar war: Ein 2:0 würde fürs Weiterkommen reichen, da zu jenem Zeitpunkt die Auswärtstor-Regelung bestand. Irgendwie lag an diesem Tag die kleine Sensation von Anfang an in der Luft. Und dann, in der 37. Minute war es soweit: Mijat Gacinovic schloss ab und der Ball prallte vom Pfosten ab. Filip Kostic nutzte dies aus und schloss zum 1:0 für die Eintracht ab. Dass er dabei deutlich im Abseits stand war an diesem Abend egal: Den VAR gab es noch nicht und die Schiedsrichter erkannten es nicht. Das Highlight des Abends sollte aber noch kommen, denn – wie gesagt – reicht der Spielstand von 1:0 nicht. In der Mitte der zweiten Halbzeit kam Sebastian Rode relativ zentral vor dem gegnerischen Sechzehner an den Ball. Es war die 67. Spielminute angebrochen. Der blonde Stratege, dessen Herz bis heute nicht Blut, sondern Eintracht Frankfurt durch seinen Körper pumpt, fasste sich selbiges und schlenzte den Ball Benfica-Keeper Odysseas Vlachodimos vorbei ins Glück. Was danach folgte war Ekstase pur. Ein Spiel wie ein Traum. Ein Abend, den ich nie vergessen werde. Das Ticket für das Halbfinale gegen den FC Chelsea war gelöst.
Wer eine kleine Zeitreise an diesen Tag machen möchte, dem empfehle ich den Spielbericht von damals. Sicherlich nicht der bestgeschriebene Bericht aller Zeiten, aber es war immerhin mein erster „On Air“.






Ein Kommentar
Hoffentlich lesen wir in 10 Jahren für die Saison 26/27 einen ähnlichen tollen Rückblick!
Es kann auf jeden Fall niemand behaupten, dass die Stimmung gegen Hütter ist. Die Erwartungshaltung ist schon hoch, aber das ist völlig legitim. Immerhin sind wir Eintracht Frankfurt!
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