Eintracht Frankfurt hat auch das zweite Testspiel der Sommervorbereitung erfolgreich gestaltet. Im Rahmen des Trainingslagers in Grassau am Chiemsee setzte sich die Mannschaft von Trainer Adi Hütter mit 3:0 gegen den türkischen Süper Lig-Klub Trabzonspor durch. Nach der Partie zeigte sich der Österreicher mit vielen Ansätzen zufrieden, benannte aber auch deutlich die Punkte, an denen sein Team bis zum Saisonstart noch arbeiten muss.
Das Ergebnis wollte Hütter nicht überbewerten, als positives Signal nahm er den klaren Erfolg dennoch mit. „Über weite Strecken habe ich mir vieles so vorgestellt“, erklärte der Eintracht-Coach nach dem Spiel. Seine Mannschaft habe versucht, die Trainingsinhalte auf den Platz zu bringen, „auch wenn nicht alles geklappt hat.“ Angesichts des aktuellen Zeitpunkts der Vorbereitung sei das 3:0 jedoch durchaus beachtlich: „Trotz allem: 3:0 gegen Trabzonspor in der jetzigen Phase ist ein gutes Ergebnis.“
Besonders wichtig war Hütter, dass die Eintracht ohne Gegentreffer blieb: „Wir haben zu null gespielt, das freut mich.“ Vor allem mit dem ersten Durchgang war der Trainer zufrieden: „In der ersten Halbzeit haben wir viele gute Ansätze gesehen.“ Nach dem Seitenwechsel verlor das Frankfurter Spiel etwas an Struktur, was Hütter auch auf die vielen Wechsel und den Einsatz zahlreicher Nachwuchsspieler zurückführte: „Da hat man dann gemerkt, dass viele junge Spieler gespielt haben, die es aber auch ordentlich gemacht haben.“ Sein Gesamtfazit fiel deshalb positiv aus: „Ich bin zufrieden mit dem Test.“
Den Führungstreffer erzielte Hugo Larsson nach einer Standardsituation. Für Hütter sind ruhende Bälle ein wichtiger Bestandteil des Spiels: „Standardsituationen sind im Fußball nicht mehr wegzudenken und können Spiele komplett drehen – in beide Richtungen.“ Gerade in Phasen, in denen spielerisch wenig zusammenläuft, können sie den Unterschied ausmachen, erklärte der 56-Jährige: „Es ist wichtig, dass man über Standardsituationen erfolgreich sein kann, wenn es mal nicht so läuft.“ Auch das Gegenpressing gefiel dem Coach über weite Strecken. Besonders in der Anfangsphase setzte die Eintracht Trabzonspor nach Ballverlusten früh unter Druck. „Mir hat es sehr gut gefallen, dass wir vor allem zu Beginn des Spiels bei Ballverlusten gleich dringeblieben sind und versucht haben, die Bälle zurückzuerobern.“ Vollständig zufrieden war Hütter dennoch nicht. Teilweise sei der Abstand zwischen den Angreifern zu groß gewesen: „Die Stürmer waren manchmal etwas zu weit auseinander und haben den Ball auf den Sechser zugelassen. Das sind alles Dinge, die wir jetzt mitnehmen.“
Grundsätzlich legt Hütter großen Wert auf eine kompakte Mannschaft: „Wir wollen eng und kompakt stehen, wir dürfen bei Ballverlusten nicht zu weit auseinander stehen, dann wird es in der Bundesliga schwer. Die Mannschaft muss hier zusammen arbeiten.“ Auch die offensiven Spieler müssten sich konsequent in die Defensivarbeit einschalten: „Wenn die Offensivspieler dann auch mitmachen und die Zweikämpfe gewinnen, sind wir auf dem richtigen Weg.“
Dass seine Mannschaft die neue Spielidee bislang gut annimmt, stimmt Hütter optimistisch. „Mich freut, dass alle engagiert mitziehen und dass sie die Art und Weise, wie wir spielen wollen, extrem gut annehmen“, so der ehemalige Monaco-Coach. Der Trainer achtet dabei vor allem auf kleine Fortschritte: „Ich sehe immer Teilerfolge wie heute, als die Spieler die Bälle schnell zurückerobern wollen.“ Noch funktioniere nicht jeder Ablauf wie gewünscht: „Das klappt manchmal gut und manchmal weniger, aber es freut mich, wenn die Spieler das versuchen umzusetzen, was wir auch trainieren.“
Flexible SGE als Wunsch
Taktisch begann die Eintracht gegen Trabzonspor in einem 4-2-2-2. Je nach Bewegung der Angreifer veränderte sich die Grundordnung. „Wir haben mit einem 4-2-2-2-System gespielt, wenn ein Stürmer abkippt, war es dann ein 4-2-3-1-System.“ Hütter möchte seine Mannschaft jedoch nicht auf eine Formation festlegen: „Ich glaube, wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch mal mit einem zweiten System spielen können, zum Beispiel einer Dreierkette. Ich glaube, die Mannschaft muss flexibel sein.“ Auch die Spielweise mit dem Ball soll nicht starr sein. „Ich bin nicht der große Fan, dass wir zu sehr in die Breite spielen“, so der 56-Jährige, der erklärte, dass die Mannschaft erkennen müsse, welche Räume der Gegner anbietet und dann dementsprechend reagieren solle: „Wir müssen es auch vom Gegner abhängig machen.“ Hütter formulierte die Vorgabe klar: „Wenn wir in der Mitte Platz haben, müssen wir hier spielen, wenn der Gegner in der Mitte eng steht, dann über die Außen.“
Auf der Torhüterposition setzte Hütter gegen Trabzonspor in der ersten Halbzeit auf Kaua Santos, der sich mit Michael Zetterer, der in der zweiten Halbzeit spielte, um den Stammplatz duelliert. Eine Entscheidung wollte der Trainer noch nicht verkünden: „Ich habe versucht, die Mannschaft durchzumischen.“ Wann die Rangfolge feststeht, ließ er offen. „Wenn es dann so weit ist, werde ich meine Entscheidung mitteilen.“
Sehr zufrieden zeigte sich Hütter mit Keita Kosugi. Der Linksverteidiger überzeugte vor allem im ersten Durchgang. „Er hat eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, hat gut nach vorne verteidigt und war aggressiv in den Zweikämpfen“, freute sich der Österreicher, der auch das Offensivspiel des Japaners lobte: Aber auch mit dem Ball macht er gute Sachen.“ Für Hütter ist Kosugi ein „spannender Spieler.“ Trotz seiner vergleichsweise geringen Körpergröße scheue er keinen Zweikampf: „Er ist etwas kleiner und präsentiert sich trotzdem, das ist sehr beeindruckend.“ Das Urteil des Trainers fiel eindeutig aus: „Mein Eindruck von ihm war sehr gut.“ Auch Torschütze Hugo Larsson erhielt Lob. Hütter betonte jedoch, dass die Vorbereitung weiterhin der Beobachtung und Bewertung diene. „Wir haben gerade die zweite Woche hinter uns.“ Der Coach möchte allen Spielern eine faire Gelegenheit geben: „Ich will mir selbst ein Bild machen und jedem die Chance geben.“ Larsson habe seine Möglichkeit genutzt. „Er hat es heute gut gemacht.“ Zu möglichen Transferentwicklungen rund um den Schweden wollte Hütter dagegen keine konkreten Aussagen machen. „Was im Hintergrund läuft mit verschiedenen Transfers und Beratern, da bin ich nicht immer der richtige Ansprechpartner.“ Sein Fokus liege auf der sportlichen Arbeit. „Ich möchte eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen.“
Große Bedeutung misst Hütter auch Can Uzun bei: „Er ist ein wichtiger Spieler, er kann ein Unterschiedsspieler sein, das hat er in der Vergangenheit gezeigt.“ Besonders positiv fiel dem Trainer eine Szene auf, in der der Offensivspieler nach einem harten Zweikampf zunächst liegen blieb, anschließend aber weitermachte: „Das ist mir wichtig, dass auch die technisch versierten Spieler widerstandsfähig sind.“ Für Hütter reicht spielerische Qualität allein nicht aus – auch Robustheit und Mentalität sollen dazugehören.
Lob und Kritik für Baum
Differenziert fiel seine Bewertung von Elias Baum aus. „Er ist extrem engagiert und ein dynamischer Spieler.“ Im letzten Drittel traf der Außenverteidiger jedoch mehrfach nicht die beste Entscheidung: „Aber er hat sich im letzten Drittel manchmal das vorher Erarbeitete kaputt gemacht.“ Genau dort erwartet Hütter mehr Präzision: „Wir brauchen die Qualität, dass wir im letzten Drittel den Pass an den Mann bringen, daran müssen wir arbeiten.“ Grundsätzlich ist der Trainer vom Talent des 20-Jährigen überzeugt. „Aber er ist ein guter Junge, der sehr viel Spaß macht.“ Auch Nnamdi Collins gehört zu den Spielern, die Hütter aufmerksam beobachtet. Vom Innenverteidiger erwartet er, dass er mit dem Ball mutig nach vorne verteidigt: „Ich will, dass die Spieler in der Abwehr mit Ball anlaufen und sich nicht nur die Bälle hin und her spielen.“ Collins hatte zuletzt mit kleineren körperlichen Problemen zu kämpfen: „Er hatte eine leichte Blessur, aber es passt alles.“ Seine athletischen Qualitäten schätzt Hütter sehr: „Er ist sehr dynamisch, sehr schnell.“ Einen garantierten Stammplatz gibt es allerdings für niemanden: „Jeder hat die Möglichkeiten, sich in die erste Elf zu spielen.“
Noch offen ist die Zukunft der beiden Leih-Rückkehrer Niels Nkounkou und Eric Junior Dina Ebimbe. Hütter kennt beide Spieler bereits gut. „Ich kenne die Spieler schon, Dina Ebimbe wollten wir in Monaco schon holen.“ Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen: „Ich möchte beide noch die Woche beurteilen.“ Der Test gegen Trabzonspor habe dabei weitere Erkenntnisse geliefert. In den kommenden Tagen soll Klarheit geschaffen werden: „Jetzt haben wir noch eine Woche und dann müssen wir mit den Spielern und Beratern Klartext reden.“ Dass weitere Verstärkungen kommen sollen, deutete Hütter ebenfalls an. Zu konkreten Namen wie zum Beispiel Otavio oder Onyedika wollte sich der Trainer nicht äußern. „Ich kenne die Spieler, aber mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärte er lachend. Den grundsätzlichen Bedarf bestritt er jedoch nicht: „Aber wir brauchen natürlich noch Spieler.“
Der 3:0-Erfolg gegen Trabzonspor war für Hütter damit mehr als nur ein gelungenes Testergebnis. Der Trainer sah viele Elemente seiner gewünschten Spielweise: frühes Pressing, schnelle Balleroberungen, Kompaktheit und taktische Flexibilität. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Mannschaft im letzten Drittel, bei den Abständen und in der Entscheidungsfindung noch Luft nach oben hat. Die Richtung scheint für den Coach dennoch zu stimmen – und im Konkurrenzkampf um die Startelf ist weiterhin alles offen.






3 Kommentare
Hallelujah - endlich werden Standards wieder wertgeschaetzt!
Off topic, Ortega scheint wohl zu Olympiakos Piräus zu wechseln.
Jepp,die Chance wäre da gewesen ihn zu holen... VERPASST 🤨
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