Vom Straßenfußball in der Frankfurter Nordweststadt über Rot-Weiss Frankfurt, Perugia, Gießen, Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg bis hin zur Frankfurter Eintracht: Der Karriereweg von Younes Ebnoutalib verlief alles andere als geradlinig. Im Interview mit dem „Hessischen Rundfunk“ sprach der Angreifer über Rückschläge, sein Traumdebüt im Adlertrikot, die schwierige Zeit nach seiner Verletzung und seine großen Ziele für die neue Saison.
Dass Ebnoutalib körperlich bestens vorbereitet in die Sommervorbereitung gestartet ist, haben die Fans bereits auf Bildern in den sozialen Medien aus dem Urlaub sehen können. Es wurde sogar darüber spekuliert, dass der Angreifer einen geringeren Körperfettanteil als Cristiano Ronaldo habe. Der 22-Jährige selbst wollte diesen Vergleich jedoch nicht überbewerten. „Ich weiß gar nicht, ob das stimmt“, erklärte er. Fest steht allerdings, dass er in der Sommerpause bewusst an seinem Körper gearbeitet hat. „Ich habe während der Sommerpause mein Bestes gegeben und sehr auf meine Ernährung geachtet. Viel Eiweiß, Obst, Gemüse und ich versuche, kaum Ungesundes zu essen“, erklärte er seine derzeitige Form. Eine wichtige Grundlage für seine außergewöhnliche Athletik legte Ebnoutalib bereits in seiner Kindheit. Zehn Jahre lang betrieb er Taekwondo – eine Sportart, in der auch sein Vater erfolgreich war und einst olympisches Silber gewann. Von dieser Ausbildung profitiert der Stürmer bis heute. „Ich habe Taekwondo zehn Jahre lang gemacht und merke, dass es mir bis heute hilft – gerade in Sachen Beweglichkeit und Spritzigkeit“, so der Angreifer, der lachend anfügte: „Ich bin schon sehr gelenkig und kriege mein Bein ziemlich hoch.“
Auf Umwegen zur SGE
Seine fußballerische Laufbahn war dagegen lange von Umwegen und Widerständen geprägt. Über Rot-Weiss Frankfurt führte ihn sein Weg zunächst zum italienischen Klub AC Perugia, später zum FC Gießen und schließlich zur SV Elversberg. „Bei mir ging es nie nur bergauf“, blickte Ebnoutalib zurück: „Es waren viele Höhen und Tiefen dabei, aber ich bin einfach drangeblieben und habe hart gearbeitet. Zum Glück hat sich das alles ausgezahlt.“ Besonders die Zeit in Italien stellte den damals jungen Angreifer vor große Herausforderungen. Ebnoutalib war zunächst auf sich allein gestellt und hatte mit erheblichen Sprachproblemen zu kämpfen: „In Italien hatte ich eine sehr schwere Zeit, weil ich anfangs dort alleine war.“ Weder Italienisch noch Englisch habe er damals ausreichend beherrscht. Hinzu kam, dass er sich in seinem neuen Umfeld nicht sofort willkommen fühlte: „Ich wurde nicht so gut aufgenommen.“ Die schwierigen Monate hätten ihn jedoch nachhaltig geprägt: „Natürlich kamen manchmal Zweifel auf, doch tief in mir drin habe ich immer an mich geglaubt.“ Statt aufzugeben, biss sich der Frankfurter durch: „Ich habe durchgezogen. Man muss immer positiv denken und selbst an sich glauben.“
Den sportlichen Durchbruch schaffte Ebnoutalib schließlich in Elversberg. Dort erhielt er das Vertrauen, das ihm zuvor häufig gefehlt hatte. „Das war wirklich eine schöne Zeit in Elversberg“, erinnerte er sich. Der Stürmer habe viel Unterstützung erfahren und „alles gegeben, um das Vertrauen zurückzuzahlen.“ Wie eng die Verbindung zu seinem ehemaligen Verein noch immer ist, zeigte sich nach dem Aufstieg der Elversberger. Ebnoutalib feierte nach dem letzten Spieltag gemeinsam mit seinen früheren Mitspielern und den Fans auf dem Platz: „Es war sehr schön, die alten Kollegen wiederzusehen. Ich habe mich sehr für sie gefreut.“
Perfekter Einstand gegen Dortmund
Im Winter erfüllte sich für den gebürtigen Frankfurter schließlich ein großer Traum: der Wechsel zu Eintracht Frankfurt. Gleich bei seinem ersten Einsatz im Deutsche Bank Park gegen Borussia Dortmund erzielte er seinen ersten Treffer im Adlertrikot. „Das war unbeschreiblich, wirklich. Das kann man gar nicht in Worte fassen“, erinnerte sich der Angreifer. Von Nervosität habe er an diesem besonderen Abend kaum etwas gespürt: „Ich war vor dem Spiel gar nicht nervös, sondern wollte unbedingt zeigen, was ich kann.“ Ebnoutalib blendete die besondere Kulisse und die Bedeutung seines Debüts nach eigenen Angaben vollständig aus: „Ich habe alles drumherum ausgeblendet, Gas gegeben und dann auch noch das Tor erzielt.“ Für den Frankfurter Jungen war dieser Moment besonders emotional. Ebnoutalib wuchs gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern in der Nordweststadt auf. „Meine große Schwester hat immer auf mich und meinen kleinen Bruder aufgepasst. Wir haben bis heute eine sehr enge Beziehung“, so Ebnoutalib. Zwar habe es wie in jeder Familie auch Streit gegeben, der Zusammenhalt sei jedoch immer stark gewesen und man habe „immer zusammengehalten.“
Seine fußballerische Ausbildung begann nicht auf perfekten Rasenplätzen, sondern auf der Straße: „Fußball habe ich anfangs immer auf der Straße gespielt, auch gegen Ältere.“ Dort sei es körperlich zur Sache gegangen, was ihn „sehr geprägt“ habe. Auch seine kompromisslose Spielweise und seine Robustheit führt der Angreifer auf diese Zeit zurück. In der Schule lief es dagegen weniger gut. „Deswegen habe ich alles auf Fußball gesetzt“, berichtete Ebnoutalib, schob jedoch lachend eine Warnung hinterher: „Aber die Schule darf man nicht vernachlässigen.“ Seine Heimatstadt nimmt für ihn bis heute einen besonderen Stellenwert ein. Auf die Frage, was ihm Frankfurt bedeute, antwortete er ohne zu zögern: „Alles! Ich liebe die Stadt.“
Nach dem perfekten Einstand bei der Eintracht folgte allerdings schnell der nächste Rückschlag. Bereits in seinem zweiten Spiel verletzte sich Ebnoutalib in Stuttgart: „Es ging sehr schnell hoch und dann auch wieder runter.“ Die anschließende Phase sei für ihn alles andere als einfach gewesen: „Das war eine schwierige Zeit, auch mit dem Trainerwechsel.“ Als verletzter Spieler habe er viele Entwicklungen nur aus der Distanz verfolgen können. „Wenn man verletzt ist, kriegt man nicht alles mit“, so der Angreifer. Auch die Kommunikation sei für ihn nicht immer einfach gewesen: „Mit der Sprache war es ein bisschen schwierig für mich.“ Darüber hinaus kämpfte Ebnoutalib lange mit Beschwerden: „Ich hatte recht lange Schmerzen und habe mich dann auch auf dem Platz nicht ganz fit gefühlt.“ Inzwischen hat er diese Zeit jedoch abgehakt: „Aber das ist alles Vergangenheit.“
Volle Konzentration auf den Erfolg der SGE
Nun richtet sich sein Blick vollständig auf die neue Saison: „Ich werde mein Bestes geben, alles reinhauen.“ Seine Aufgabe definiert der Stürmer klar: „Ich will der Mannschaft helfen, indem ich Tore schieße.“ Die Vorfreude ist entsprechend groß: „Ich kann den Saisonbeginn kaum erwarten.“ Auch der Fußball von Adi Hütter könnte Ebnoutalib entgegenkommen. Der Trainer setzt auf aggressives Pressing, schnelle Balleroberungen und einen wuchtigen Offensivstil. „Ja, das würde ich schon sagen“, erklärte Ebnoutalib auf die Frage, ob Hütters Spielweise zu ihm passe und führte weiter aus: „Wir setzen viel auf Balleroberungen. Und ich bin einer, der viel und schnell laufen kann.“
Für die Rolle als Ergänzungsspieler sieht sich der Angreifer dabei nicht. Auf die Frage, ob er bereit für die Startelf sei, antwortete Ebnoutalib deutlich: „Absolut.“ Körperlich gebe es keine Einschränkungen mehr: „Ich bin wieder total fit und werde mein Bestes geben, um mich für viele Einsätze zu empfehlen.“ Besonders reizvoll wäre für ihn eine gemeinsame Sturmreihe mit Jonathan Burkardt, wie er aus im Testspiel gegen Trabzonspor spielte. „Eine Doppelspitze mit Jonny wäre schon krass“, sagte Ebnoutalib lachend. Zwar wolle er sich taktisch nicht festlegen und akzeptiere jede Entscheidung des Trainers: „Ich bin natürlich flexibel und das entscheidet der Trainer.“ Seine persönliche Präferenz machte er dennoch klar: „Aber mir persönlich würde das gut gefallen.“
Marokko oder Deutschland? – „Ich bin für beide Nationen offen“
Neben dem Durchbruch bei der Eintracht verfolgt der Stürmer auch internationale Ambitionen. Da er sowohl für Deutschland als auch für Marokko spielberechtigt ist, stehen ihm grundsätzlich zwei Wege offen: „Die Nationalmannschaft ist auf jeden Fall ein Ziel. Ich bin für beide Nationen offen.“ Dass Marokko ihn nicht für die Weltmeisterschaft nominierte, habe ihn durchaus enttäuscht. „Es war ein bisschen schade, dass Marokko mich jetzt nicht mitgenommen hat zur WM“, sagte er. Gleichzeitig freute er sich für seinen Freund und ehemaligen Weggefährten Ayoube Amaimouni-Echghouyab. „Ayoube war ja dabei. Ich habe mich sehr für ihn gefreut.“ Auch einen Anruf von Jürgen Klopp, der ihn für die deutsche Nationalmannschaft gewinnen könnte, würde Ebnoutalib nicht ignorieren. Auf die entsprechende Frage antwortete er eindeutig: „Ja, zu 100 Prozent.“
Ebnoutalibs Geschichte ist geprägt von Rückschlägen, Selbstzweifeln und ungewöhnlichen Umwegen. Doch der Frankfurter hat sich immer wieder zurückgekämpft. Nach dem Traumstart und der anschließenden Verletzung will er nun in seiner ersten vollständigen Vorbereitung bei der Eintracht beweisen, dass er nicht nur körperlich bereit ist. Sein Ziel ist klar: mehr Einsätze, mehr Tore und möglichst der Sprung in die Startelf.






2 Kommentare
Drücke alle Daumen die ich habe, das unser "Frankfurter Bub" durchstartet.
😉
ein wirklich extrem positiver, toller Typ. Solche Spieler brauchen wir, heimatverbunden, 1.000% Adler, ein Frankfurter durch und durch...
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