Eintracht Frankfurt berief für den heutigen Mittwoch eine Pressekonferenz mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Mathias Beck sowie Vorstandssprecher Axel Hellmann ein, die direkt nach der Aufsichtsratssitzung stattfand. Im Zuge dessen standen drei Themen im Vordergrund: die sportliche und fanpolitische Einordnung der beiden Funktionäre sowie die Vertragsverlängerung von Hellmann bis 2031.
Beck: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Adi Hütter einen neuen Cheftrainer haben“
Zunächst begann Beck mit seiner sportlichen Einordnung: „Markus Krösche hat uns heute sehr detailliert und auch sehr tiefgründig erklärt, was die letzte Saison war und was die Probleme waren. Wir haben das jetzt auch noch einmal in der Tiefe von ihm erhalten. Wir wissen alle, dass die Saison nicht gut war und dass wir letztendlich von ihm gehört haben, dass das auch eben genauso gelaufen ist. Und das haben wir auch so als Aufsichtsrat aufgenommen“, sagte der 55-Jährige und sprach sich daraufhin für den Sportvorstand aus: „Wir haben ihm aber auch noch einmal entsprechend den Rücken gestärkt. Das ist wichtig, weil wir absolut hinter Markus stehen. Und wir sind jetzt eben auch so weit, dass wir sagen können: Auch von unserer Seite aus ist die Saison jetzt abgehakt. Und wir gucken nach vorne. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Adi Hütter einen neuen Cheftrainer haben. Und sehen auch in der Zukunft, dass das für Eintracht Frankfurt ein wichtiger Bestandteil ist.“
Der Österreicher solle nämlich für eine Spielphilosophie sorgen, die zur Eintracht-DNA passe und somit die vielen Fans im Deutsche Bank Park anpeitsche: „Wir wollen die Leidenschaft zurück. Wir wollen wieder Zweikampfstärke sehen. Das erhoffen wir uns natürlich von der neuen Saison. Und letztendlich ist es so, dass wir auf jeden Fall, und davon bin ich überzeugt, eine tolle Mannschaft auf dem Platz haben werden.“ Laut Hellmann habe die SGE diese DNA in der vergangenen Saison ein Stück weit verloren, weshalb der 54-Jährige deutliche Worte fand: „Man kann die Saison als sportlich prekär bezeichnen. Man kann das Verhältnis des Trainers Albert Riera zu Medien, Umfeld, Staff und Spielern im Nachhinein als pikant bezeichnen. Beides zusammen war für uns mit einem gewissen Slapstick-Charakter, den wir im Vorstand und im Aufsichtsrat so nicht mehr erleben wollen.“
Hellmann bedauert die Entwicklung der letzten Monate
Dafür müsse nun Krösche sorgen, der die Kompetenzen eines fähigen Sportvorstands definitiv mitbringe: „Wenn ich aber sage, dass wir heute mit der Sitzung mit Aufsichtsrat und Vorstand Themen abgehakt haben, heißt das nicht, dass jetzt nichts mehr passiert. Auch das ist klar. Wir haben jetzt den Trainer vorgestellt, es gibt schon eins, zwei personelle Veränderungen, es werden sicherlich weitere folgen. Das ist auch nicht meine Aufgabe, sich dazu heute zu äußern, sondern das wird Markus tun. Immer dann, wenn es sich stellt.“ Für Hellmann sei es deshalb auch nicht zielführend, wenn er sich zu sehr ins Sportliche einmischen würde. Eine klare Aufgabenverteilung sei für ihn der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg. Dennoch wünschten sich viele Pressevertreter sowie Eintracht-Anhänger, dass Hellmann im Saisonendspurt ein Machtwort hätte sprechen sollen. Nun entgegnete er und widersprach diesem Wunsch: „Ich glaube nicht, dass das zielführend gewesen wäre. Ich glaube nicht, dass das geholfen hätte. Ich glaube auch nicht, dass das eine verfahrene Situation einfach so aufgelöst hätte. Weil im Unterschied zu den Situationen vorher hätte es nicht eines Rucks bedurft, sondern in der inneren Mechanik der Zusammenarbeit eine andere Form des Miteinanders.“
An dem Miteinander habe es nämlich in den vergangenen Monaten durchaus gefehlt, was laut Hellmann dem Verein nachhaltig geschadet habe: „Wir hatten fünf, sechs Jahre quasi eine professionelle Gesamtpräsentation. Es hat uns schon Ansehen gekostet, besonders wie es in den letzten drei, vier Monate gelaufen sind. Das wird auch ein bisschen die nächsten fünf Jahre prägen. Da habe ich auch eine Lernkurve gemacht von Dingen, bei denen ich gedacht habe, dass ich die hier so nicht erleben werde“, stellte er fest. Trotzdem müsse er klarstellen, dass sich diese Beobachtung rein auf den sportlichen Bereich beziehe. „Es war eine sportliche Krise, die wir hatten, aber es war keine Unternehmenskrise. Wenn ich das Zusammenspiel zwischen Aufsichtsrat und Vorstand und innerhalb des Vorstands anschaue, dann haben wir bei Eintracht Frankfurt schon ganz andere Zeiten erlebt, wo Dinge implodierten oder Schwierigkeiten auftraten, die wir eigentlich in dieser Situation nicht hatten“, erklärte Hellmann.
Hellmann ordnet Eintracht-Transferphilosophie ein
Auch finanziell gehe es dem Verein weiterhin gut. Das sportliche Geschäftsmodell, junge Spieler zu entwickeln und weiterzuverkaufen, sei für Hellmann weiterhin undiskutierbar. „Ich glaube, das Modell ist für uns ohne echte Alternative. Weil wenn man sich nochmal anschaut, wo wir herkommen, dann haben wir hier in die Zukunft von Spielern investiert, bei denen wir einen Plan hatten, sie durchaus mehrere Jahre zu halten. Aber eigentlich durch gute Trainerarbeit und gute Gesamtgestaltung und den Erfolgsweg in Europa, den wir auch immer hatten, haben sie einen solchen Entwicklungssprung gemacht, dass wir sie nicht halten konnten“, ordnete er ein. Dementsprechend plane die Frankfurter Eintracht in Zusammenarbeit mit den Spielern im Normalfall einen fünfjährigen Zukunftsplan und verkaufe ihre Talente erst dann, wenn es keine andere Alternative mehr gebe. In Zukunft müsse der Verein dennoch besser bei Zugängen aufpassen, die in Richtung der 20-Millionen-Euro-Marke gingen, so Hellmann.
Später erläuterte er dann noch einmal auf Nachfrage, was er damit meine, wenn er von einer sportlichen Krise spreche: „In diesem Stadion wird es ohne intensiven Fußball nicht gehen. Es ist nicht schwer, die Leute aus dem Sattel oder aus dem Sitz zu heben. Wir müssen einen Fußball spielen, der unserem Naturell in dieser Region, die eine härtere ist, die eine lautere ist, die eine schnellere ist, entspricht. Dem müssen wir auch auf dem Platz entsprechen. Sonst sind die Dinge nicht kompatibel. Und bitte: Das ist jetzt kein Plädoyer für Ballbesitz, gegen Ballbesitz, das ist nicht das, was ich meine. Es geht darum, mit welcher Bereitschaft du verteidigst, mit welcher Bereitschaft du dem Gegner vor dem Spiel in der Mixed Zone, beim Warmmachen, auf dem Platz signalisierst: Für dich gibt es hier nichts zu holen.“ Genau deshalb sei Hütter nun auch die richtige Wahl für den Cheftrainerposten.
Beck über Verletzte durch Pyrotechnik: „Die Dimension noch einmal deutlich schlimmer gemacht“
Außerdem gab Beck auf der Pressekonferenz seine fanpolitische Einordnung mit Fokus auf die drei Verletzten vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (2:2): „Ihr habt das Stuttgart-Spiel noch vor euch und wir auch: Die Ereignisse vor dem Spiel haben uns natürlich alle nicht gefallen und waren schwierig. Und was ganz besonders schwierig dabei ist, dass wir dabei auch Verletzte zu beklagen hatten. Das hat die Dimension noch einmal deutlich schlimmer gemacht“, sagte er und ergänzte: „Nichtsdestotrotz ist ganz klar: So etwas, dass wir Verletzte beklagen, darf es bei uns nicht geben. Ich will an dieser Stelle erstmal noch einmal den Verletzten auch eine gute Besserung und vor allen Dingen auch eine Genesung, die wirklich hoffentlich eintritt, in diesem Moment wünschen.“
Nun arbeite Vorstandsmitglied Philipp Reschke an einer Aufarbeitung sowie einer zukünftigen Lösung des Problems. Dieser werde sich auch in Zukunft an die Öffentlichkeit richten, sobald Maßnahmen beschlossen sind: „Wir haben Philipp unser Vertrauen dahingehend ausgesprochen, dass wir davon überzeugt sind, dass er jetzt mit dem kompletten Engagement und auch wirklich mit den Maßnahmen, die wir da ergreifen müssen, in die richtige Richtung geht. Wir werden zeitnah hierzu von Philipp immer wieder informiert“, erklärte Beck.
Erst kürzlich eröffnete Ehrenaufsichtsrat Wolfgang Steubing eine Diskussion über die Stehplätze im Deutsche Bank Park. Beck distanziere sich von dieser Idee: „Es gibt für mich gar keine Frage. Der Stehplatz gehört zu uns ins Stadion, das ist Tradition. Und wir brauchen auf jeden Fall diese Stehplätze. Und das wollen wir auch. Es kann bei uns nur den Fußball mit Stehplätzen geben. Ich habe auch mit den Verantwortlichen bei uns im Klub nochmal geredet, das sehen wir alle gleich. Der Stehplatz gehört zu uns als Tradition, und da kommt die Wucht und die Power her für unsere Mannschaft.“ Die Stehplätze sollen also während den Fußballspielen erhalten bleiben.






2 Kommentare
Ne spontane Umfrage (an sge4ever: ich hoffe, ihr seid fein damit, dass ich das mal so spontan in die Runde frage)
Wie fandet ihr die PK von Beck und Hellmann?
Like = Gut, informativ. Ich spüre, das von den Beiden die richtigen Themen angegangen werden.
Dislike = Langweilig, mir fehlt die Energie früherer Tage. Ich kann mir das gar nicht komplett ansehen.
https://tv.eintracht.de/video/pressekonferenz-mit-mathias-beck-und-axel-hellmann-177804/
Matthias Beck ist zumindest kein begnadeter Redner...
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