Grund zur Freude hatten die Fans von Eintracht Frankfurt in der abgelaufenen Saison im Vergleich zu den Jahren davor deutlich seltener: Schwaches Abschneiden in der Ligaphase der Champions League, frühes Aus im DFB-Pokal und ein trister achter Platz in der Bundesliga, der nicht zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Gott sei Dank gehört all das mittlerweile der Vergangenheit an. Die Führungsetage hat bereits erste Konsequenzen gezogen und sich von Cheftrainer Albert Riera getrennt.
Umso größer ist die Vorfreude auf dessen Nachfolger, der seit vorgestern offiziell feststeht: Es ist kein Geringerer als Adi Hütter, der nach fünf Jahren an alte Wirkungsstätte zurückkehrt. „Gude zusammen, ich freue mich natürlich sehr, wieder hier zu sein. Wenn ich ganz ehrlich bin, ich habe mir natürlich gedacht, wenn ich zurückkomme: ‚Was erwartet mich hier?‘ Jetzt bin ich hier, viele bekannte Gesichter noch zu meiner ersten Ära. Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich jetzt emotional noch mehr berührt“, lauteten die ersten Worte des neuen Cheftrainers, dem man die große Freude auf die alte neue Aufgabe sofort anmerken konnte. „Ich bin gestern Abend angekommen, habe vom Hotel aus die Skyline gesehen und habe gedacht: ‚Adi, das ist wieder der richtige Platz für dich.‘ Es ist eine Riesenfreude, dass ich wieder da bin. Ich möchte mich an dieser Stelle recht herzlich bedanken bei Markus (Krösche, Anm. d. Red.) und bei Axel Hellmann, weil es so funktioniert hat und ich auch das Gefühl habe, dass ich hierhergehöre und dass ich noch nicht fertig bin, wie ich damals aufgehört habe.“ Nach seinem Abgang hat Hütter den erfolgreichen Werdegang des hessischen Bundesligisten weiter verfolgt. Die SGE und das deutsche Oberhaus kennt der 56-Jährige deshalb aus dem Effeff. Nach dem gescheiterten Experiment mit dem unerfahrenen Albert Riera zog Markus Krösche eine wichtige Lehre und wollte wieder auf einen Trainer mit Bundesliga-Erfahrung setzen. Das gesuchte Anforderungsprofil erfüllt der Riera-Nachfolger zweifelsohne. Sportlich will man außerdem zurück zu dem Fußball, den der Verein zuvor jahrelang mit Bravour verkörperte: Offensiver Vollgas-Fußball gepaart mit Elementen der Ballbesitz-Philosophie. „Die Gründe sind so, dass wir ganz klar gesagt haben, was das Anforderungsprofil war: Jemand, der die Liga kennt, der auch in der Lage ist, einen gewissen, offensiven Fußball spielen zu lassen, ein Stück weit die Balance zwischen Umschalt- und Ballbesitzfußball hinbekommt, um eine gewisse Intensität auf dem Platz zu bekommen und die Erfahrung hat, mit jungen Spielern zu arbeiten“, begründete der Sportvorstand.
Hütters Entschuldigung an die Fans: „Würde das so nie mehr machen“
Die Entscheidung, Hütter nach fünf Jahren in die Mainmetropole zurückzulotsen, birgt sicherlich ein gewisses Risiko, denn einige Fans tun sich immer noch schwer damit, dem Rückkehrer den unrühmlichen und geräuschvollen Abgang zu Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach zu verzeihen. Bereits im Gespräch mit Jan Martin Strasheim zeigte Hütter ehrlich und aufrichtig Reue. Auf der Vorstellungspressekonferenz vor zahlreich anwesenden Journalisten nutzte der Österreicher nochmal die Gelegenheit, endgültig die Wogen zu glätten. „Wenn die Situation nochmal so kommen würde, wie sie damals war, würde ich sie auf alle Fälle komplett anders lösen“, zeigte sich Hütter einsichtig und wandte sich an die Anhängerschaft: „Speziell zu der Zeit war ich extrem genervt, aber mir ist ein großer Fehler unterlaufen, indem ich gesagt habe: ‚Es ändert sich nur eine Farbe.‘ Das geht einfach nicht. Das ist Schwachsinn! Das kann man so nicht machen„, so Hütters selbstkritische Worte, der infolgedessen um Verzeihung bat: „Ich möchte mich für das nochmals entschuldigen. Das macht man nicht, das ist mir passiert. Ich würde das so nie mehr machen. Ich habe mich lange darüber geärgert und habe es lange mit mir getragen.“ Jetzt soll sich der Blick nach vorne richten. „Aber irgendwann muss wieder Ruhe sein. Ich möchte auch wieder nach vorne schauen. Ich freue mich extrem auf die Fans. Ich denke auch, dass mir viele schon verziehen haben, weil sie natürlich spüren, dass der Verein mir am Herzen liegt.“ Hütters Conclusio: „Somit sollte das Thema vom Tisch sein und ich freue mich wirklich auf die kommende Saison und die nächsten Jahre mit den Fans im Rücken, diesen Impuls zu geben, dass wir gemeinsam erfolgreich sind.“
Mit klarer Spielidee zurück ins internationale Geschäft
Erfolgreich sein bedeutet, die vergangene verkorkste Saison wie eine kleine Delle in dem sonst stetigen Aufstieg der Eintracht aussehen zu lassen. Das bedeutet auch, den Club in die Erfolgsspur zurückzubringen. Ziel ist die Rückkehr ins internationale Geschäft, wie Hütter selbst ausruft. Das Erfolgsrezept ist die bereits von Krösche beschriebene Mischung aus offensivem und Ballbesitzfußball. „Zuerst werden wir versuchen, einen Kader auf die Beine zu stellen. Wir haben hier schon einen sehr sehr guten Kader.“ Der von Hellmann und Krösche ausgerufene Kaderumbruch ist nach dem Verpassen von Europa und den daraus resultierenden fehlenden Einnahmen unumgänglich. Der Kader soll reduziert werden, um von eigenen Nachwuchs endlich profitieren zu können. Dass Hütter mit jungen Spielern arbeiten und sie besser machen kann, stellte er bei seiner letzten Station eindrucksvoll unter Beweis. Mit der AS Monaco trainierte er eines der jüngsten Mannschaften in Frankreich. Mit einem Kader aus talentierten und Führungsspielern soll die Balance, die in der abgelaufenen Saison über weite Strecken fehlte, wiederhergestellt werden. „Es braucht auch unglaublich viel Trainingsarbeit. Das wird auch der Fall sein, dass wir beginnen müssen, hart zu arbeiten.“ Dafür verfolgt Hütter einen klaren Plan: „Ich habe eine klare Vorstellung, wie wir trainieren, wie wir das erreichen können und dazu braucht es die Einstellung. Da braucht es natürlich auch die Spieler, die mitgehen und mittragen. Ich werde natürlich versuchen mit allen meinen Erfahrungen und Möglichkeiten, die ich habe, die Spieler dorthin zu bringen, wo sie ihre bestmögliche Leistung bringen. Das hat was mit der Spielanlage zu tun, dass wir ihnen ein klares Bild geben, wie wir Fußball spielen wollen. Dafür werde ich sie auch jeden Tag unterstützen.“ Für Hütter kommt es vor allem auf die Einstellung an. „Auf der anderen Seite erwarte ich auch, dass alle diesen Weg mitgehen. Am Ende des Tages geht es um Ergebnisse, am Ende des Tages wollen wir erfolgreich sein und am Ende des Tages möchte ich eine Mannschaft sehen, die begeisternden und proaktiven Fußball spielt. Und das ist schon eine große Herausforderung.“
Hütters Philosophie: Aggressiv nach vorne, konsequent nach hinten
Seine erste Amtszeit assoziiert man vor allem mit dem dynamischen und brachialen Offensivfußball, in der die sogenannte „Büffelherde“ bestehend aus Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic sich entfalten konnte. Hütter hat sich laut eigener Aussage als Trainer weiterentwickelt. In seiner zweiten Ära als SGE-Coach will er neben dem Ziel, die ins Stocken geratene Offensive wieder anzukurbeln, viel Wert auf eine defensive Grundstabilität legen. „Ich möchte, dass wenn wir nach vorne spielen und den Ball verlieren, es eine klare Reaktion gibt und eine klare Reaktion kann natürlich nicht sein, dass wir traben, sondern, ich möchte, dass wir versuchen, so schnell wie möglich den Ball zurückzuerobern. Sollten wir das nicht schaffen, müssen wir dann versuchen, gemeinsam hinter den Ball zu kommen und gut verteidigen.“ Das ist laut eigener Aussage dem Fußballlehrer sehr wichtig, der ein großes Faible für das schnelle Spiel nach vorne hat. „Die Leute im Stadion wollen natürlich Fußball sehen und wollen dass man sieht, dass die Jungs nach vorne spielen, Tore schießen und gewinnen wollen. Aber auf der anderen Seite wollen wir das genauso sehen, dass wir mit allen Elementen versuchen den Ball zu blocken, dass wir uns in die Schüsse reinhauen und unser Tor verteidigen. Das ist sehr sehr wichtig. Auch das gehört dazu. Das muss auch immer wieder der Ansatz sein, dass wir gut verteidigen. Wo die Höhe dann ist, hängt teilweise davon ab, gegen wen wir spielen.“ Aber grundsätzlich lautet das Mindset immer, „dass wir versuchen wollen, das Spiel zu gewinnen.“ Zusätzliche Unterstützung soll Hütter dabei auf der Trainerbank bekommen. Wie die „Bild“ erfahren haben will, soll das Trainerteam um Christian Peintinger und Klaus Schmidt durch „Fußballgott“ Alex Meier ergänzt werden. Meier coacht aktuell die U19 und war bereits in der vergangenen Saison nach der Entlassung von Dino Toppmöller für vier Spiele als Interimstrainer gemeinsam mit U21-Coach Dennis Schmitt tätig.






18 Kommentare
Adi ist zurück, AMFG soll assistieren.
Habe ein grundweg gutes Gefühl dabei.
Warum nicht gleich im Januar?
Ich denke Adi hätte damals nein gesagt.
Einen Neuanfang mitten in einer verkorksten Saison, mit Vorgabe der Qualifikation für Europa. Das hätte er dankend abgelehnt. Jetzt ist die Saison zu Ende. Im Neudeutsch: Reset, Restart und ein ,zwei Upgrades. Eine glaubwürdige Entschuldigung und Liebeserklärung.
Ein sauberer Beginn.
So soll es sein, und So wird es auch gut .
OK, das war überzeugend, einleuchtend und auch selbstkritisch. Wir haben den Abgang ja vorher schon diskutiert aber so, ohne Floskeln, holt mich das ab. Entscheidend is eh aufm Platz. Willkommen zurück, Adi.
Adi ist heiß 🔥, denke die Lösung ist prima.
Freue mich wie Bolle, lasst uns auf unseren neuen/alten Trainer offen zugehen-alte Zöpfe sind abgeschnitten.
Begrabt Vergangenes, nach vorne geht unser Blick!
FORZA SGE
Nächste Saison werden 32 Punkte eher nicht zum Klassenerhalt reichen. Und mit 47 Punkten wird man vermutlich nicht mehr ins internationale Geschäft kommen.
Spannende Aufgabe für Adi, dem ich die notwendige Fortune wünsche, dass vorne die "5" steht. Dann gucken wir für was das reicht. Bei aller Euphorie, wir sollten uns in Geduld üben.
Wie kommst Du denn auf diese Punktberechnung? Kein Mensch und keine KI kann vorhersagen, was mit welcher Punktzahl erreicht wird. Völlig absurd diese Aussage.
Großartige Frage in der PK, Erdem! Endlich mal jemand, der keine Floskelfragen raushaut.
Seit 2022 zündet mich Fussball generell nicht mehr so an, aber die PK heute weckt echt mal wieder Interesse bei mir. Ich drücke Adolf H aus Österreich beide Daumen, dass auch seine zweite Zeit bei uns läuft...
Adi & AMFG
Wer hätte das gedacht 🤩🤗😜
PS
Sein ungelenkes Alpendeutsch ist zwar immer noch bissel grenzwertig, aber man hat bei der PK schon deutlich gemerkt, dass er vor Aufregung ganz schön knieschlotterig war.
Ich denke, wir alle müssen dem Adi jetzt um so klarer signalisieren, dass der Schwamm endgültig drüber ist.
Schau Dir am 34. Spieltag die Tabelle an, KI-Freund.
Musst Dich für Deinen Text nicht erklären.
Ich finde die Lösung mit Adi Hütter als neuen alten Trainer richtig gut! Schon damals gab er der Truppe das Gewisse etwas. Sein Abgang... kein Wunder war er damals genervt. Erst verkündete Bobic seinen Abschied, dann Hübner und Adi war der letzte, der die Stange hielt. Die Situation damals war echt nicht einfach für ihn, das sollte man auch mal berücksichtigen. Klar waren seine Worte zum Abgang kacke, aber ich persönlich bin da lange drüber weg und freue mich, dass er wieder da ist.
... und jetzt zum Aktuellen: Es ist schön und gut, wie wir in Zukunft spielen wollen etc. und da unterstütze ich Adi auch zu 100 % ABER bevor er das umgesetzt bekommt, MUSS im Kader aufgeräumt werden! Wir brauchen Spieler mit Mut und Ehrgeiz und vor allem ein TEAM auf dem Platz, in dem jeder für jeden rennt und kämpft. Und diese Art von Spielern fehlt mir aktuell in der lethagischen Truppe! Deshalb muss am Kader was passieren, um dann das umsetzen zu können, was Adi spielen lassen möchte. Denn ansonsten geht das Ganze in die Hose. Am Trainer liegt es nicht und lag es zum größten Teil auch letzte Saison nicht. Es lag am Kader, an den Spielern, da war keine Einheit auf dem Platz, egal wer an der Seitenlinie stand. Von daher bin ich gespannt was personell passiert.
In diesem Sinne - Forza SGE
Ich denke auch, so wird's gewesen sein, nachvollziehbar. Aber jetzt Adi gut, alles gut.
Chronologisch war es so, dass Hübner als erster gesagt hat, dass er in den Ruhestand geht und seinen Vertrag nicht verlängert. Klare und rechtzeitige Kommunikation!
Bei Fredi sah das dann so aus, dass er angeblich ein Gentlemans Agreement hatte, noch ein Jahr länger zu machen als er eigentlich geplant hatte, weil die Coronaauswirkungen noch zu regeln wären. Nur erstens war er der einzige der sich daran erinnern wollte und zweitens kam das relativ erst spät in der Saison, nämlich als man bei Hertha jemanden gesucht hat. Und klar, das wirft Fragen auf, wie der Laden wohl weiter läuft und man möchte dann Planungssicherheit. Dann ruft das kleine Eberlein an und macht einem ein Angebot und das ist der eigentliche Skandal. Denn Adi hatte gerade mitgeteilt "Ich bleibe!" und da fühlte sich Maxe wohl herausgefordert uns den Trainer doch auszuspannen.
Gruß SCOPE
Wir wollen jetzt mal nicht päpstlicher sein als der Papst. Ich denke du weißt, was ich mit der damaligen Situation beschreiben wollte, unabhängig wer zuerst gesagt hat, dass er geht. Dass der Abschied von Hübner klar kommuniziert war, ist richtig. Ein Nachfolger stand in den Sternen... und gab es damals nicht auch noch irgendwelche Gerüchte um Hellmann? Ich weiß es nicht mehr genau... auf alle Fälle war die Situation im Frühjahr damals sehr undurchsichtig und Bobic gab da auch kein gutes Bild ab. Schwamm drüber und nach vorne schauen!
@12 SGE-SCOP. Genau, es war dann sehr instabil im Management bei Eintracht.
Aber auch für den dicken Max nahm es kein gutes Ende. Hütter und Gladbach, das passte nicht, die hohe Ablöse für Adi verpuffte und Eberl wurde mit der Gesamtsituation nicht mehr fertig, bekam Nervenstress und beendete seine Zeit bei den Fohlen... und jetzt hat er Stress mit dem Bayern-Uli.
Hallo liebe Eintracht-Gemeinde,
Ich hab mir die Pressekonferenz angehört, das erste was mir auffiel war, dass das ganze deutlich mehr Substanz hat und das in puncto Offenheit, Aussagekraft und Ehrlichkeit. Klar der Punkt mit der Ehrlichkeit ist ein subjektives Gefühl von mir, aber ich nehme sie Adi ab. Speziell die Entschuldigung zu seinen blöden Aussagen bei seinem damaligen Abgang, klangen sehr Ehrlich.
Daher sollten wir alle hoffen, das es wieder einen Schritt in eine bessere Zukunft wird.
AMFG, mit in den Trainerstab zu berufen, junge Spieler aus den NLZ einzubeziehen, frühzeitige Kaderplanung und formal die gleiche Grundausrichtung wie der Sportvorstand, sind meines Erachtens gute Voraussetzungen.
Daher bin ich optimistisch das es sichtbare Erfolge geben wird.
Auf geht's Forza SGE
Richtig starke Vorstellungspressekonferenz! Ich freue mich sehr, dass Adi unser neuer Trainer wird.
Und @all, die immer noch über seinen Abgang schreiben. Irgendwann ist aber auch gut! Wie oft muss sich der Man noch entschuldigen, damit man das Thema irgendwann abschließen kann? Mit dem ständigen aufkochen des Themas, bringen wir wieder unnötige Unruhe rein. Neuanfang ist angesagt!
Endlich haben wir wieder einen richtig tollen Trainer!! Entschuldigt hat er sich wirklich genug. Hat nicht jeder schon mal einen solchen Klops vollbracht? IHN haben wir gebraucht.
Ob Alex Meier ein guter (Co) Trainer ist, mag ich nicht beurteilen. Nur dadurch, dass mich alle als Fußballgott verehren, ist das nicht automatisch der Fall. Und für neue Spieler und jüngere Fans ist er auch ggf gar nicht mehr so präsent und bekannt wir für uns älteren.
Wie oft hat er sich denn entschuldigt. Bei der PK das erste Mal?
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