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Mathias Beck ist seit Anfang 2024 Präsident der Eintracht. Foto: IMAGO / Jan Huebner

SGE-Präsident Beck: „Wir wollen sehen, dass sich eine Mannschaft aufopfert und kämpft“

Die vergangene Saison verlief für Eintracht Frankfurt sportlich eher enttäuschend. Nach Rang drei und der direkten Qualifikation für die Champions League im Vorjahr konnte die Mannschaft die hohen Erwartungen nicht erfüllen und verpasste den europäischen Wettbewerb. Im ausführlichen Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sprach Eintracht-Präsident Mathias Beck über die Lehren aus der vergangenen Spielzeit, die Rückkehr von Trainer Adi Hütter, das Vertrauen in Sportvorstand Markus Krösche und die Probleme bei der Entwicklung eigener Nachwuchsspieler.

Die Enttäuschung über die verpassten Ziele hat Beck inzwischen verarbeitet. Dennoch habe die vergangene Saison deutlich gemacht, dass ein großer Erfolg nicht automatisch bedeute, dass sich ein Verein dauerhaft auf einem höheren Niveau etabliert habe. „Natürlich hat sie gezeigt, dass man auch Ziele nicht erreichen kann“, sagte der Eintracht-Präsident. Die direkte Champions-League-Qualifikation habe den gesamten Klub zuvor euphorisiert: „Das hat uns euphorisiert und stolz gemacht.“ Genau darin habe möglicherweise auch eine Gefahr gelegen. „Nach einem großen Erfolg glaubt man oft, schon eine Stufe weiter zu sein, aber man muss fokussiert bleiben und in der gesamten Organisation weiter an den Themen arbeiten“, erklärte Beck. Diese Erkenntnis nehme er aus dem schwierigen Jahr mit. Nun richte sich der Blick vollständig nach vorne: „Jetzt gehen wir mit voller Konzentration in die neue Saison. Die alte haben wir abgehakt.“

„Wir haben den richtigen Mann an Board“

Eine zentrale Rolle bei diesem Neustart soll Adi Hütter spielen. Dass der Österreicher nach seinem umstrittenen Abschied im Jahr 2021 noch einmal Trainer der Eintracht werden würde, schließt sich für Beck keineswegs aus: „Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der sagt: Im Leben ist vieles möglich, und man sieht sich immer mehrfach.“ Zwar habe es nach Hütters damaligem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach durchaus Verstimmungen gegeben:  „Es gab nach seinem Abgang mit Sicherheit das ein oder andere Störgefühl.“ In den persönlichen Gesprächen habe Hütter jedoch glaubhaft vermittelt, warum er an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehren wolle: „Adi hat es selbst gut beschrieben: Er war in Frankfurt noch nicht fertig.“ Der Trainer habe ihm deutlich gemacht, welche Bedeutung die neue Aufgabe für ihn besitze. „Er hat auch klar im Gespräch mit mir signalisiert, wie wichtig ihm das ist – und das ist glaubhaft rübergekommen“, erklärte Beck, der sich sicher ist: „dass wir mit ihm den richtigen Mann an Bord haben.“

Vom neuen Cheftrainer erwartet der Präsident vor allem, dass sich Mannschaft und Fans wieder stärker miteinander identifizieren können. Der Eintracht-Fußball müsse nicht nur spielerisch überzeugen, sondern auch die bekannten Frankfurter Tugenden verkörpern: „Wir wollen sehen, dass sich eine Mannschaft aufopfert, kämpft und über den Kampf ins Spiel kommt.“ Gelinge dies, könne die Verbindung zwischen Rasen und Tribüne schnell wiederhergestellt werden: „Dann sind wir miteinander verwachsen: Fans und Mannschaft. Dahin wollen wir wieder kommen.“ Beck ist überzeugt: „Wenn das passiert, ist auch ruckzuck wieder Euphorie im Stadion.“

Neben dem Trainer steht auch Sportvorstand Markus Krösche nach der vergangenen Saison besonders im Fokus. Trotz der sportlichen Probleme und zahlreicher Veränderungen im Kader stärkte Beck dem 45-Jährigen ausdrücklich den Rücken. Die operative Verantwortung für die Zusammenstellung der Mannschaft liege eindeutig bei Krösche: „Er verfolgt eine Strategie und besitzt die absolute Sportexpertise.“ Dass auch der Sportvorstand selbst mit der vergangenen Spielzeit unzufrieden war, wertet Beck positiv. „Es gab jetzt ein Jahr, in dem wir alle nicht zufrieden waren, vor allem er nicht. Das ist für mich entscheidend.“ Krösche habe die sportlichen Probleme nicht schöngeredet: „Man sieht seine Selbstreflexion.“

Gleichzeitig stellte Beck klar, wie die Zuständigkeiten innerhalb der Eintracht Frankfurt Fußball AG geregelt sind. „Aufsichtsrat – das sagt schon das Wort: Aufsicht und Rat.“ Für die operative Arbeit sei der Vorstand verantwortlich: „Die Kaderzusammenstellung liegt klar im Verantwortungsbereich von Markus Krösche. Er hat den Hut auf.“ Das Vertrauen des Kontrollgremiums sei trotz der enttäuschenden Saison ungebrochen: „Wir vertrauen ihm zu 100 Prozent, dass er einen Kader zusammenstellt, der in der neuen Saison schlagkräftig auf dem Platz steht.“ Auch die Zusammenarbeit im gesamten Vorstand hob Beck hervor. Mit Axel Hellmann, Markus Krösche, Philipp Reschke und Julien Zamberk verfüge die Eintracht über ein funktionierendes Führungsteam: „Wir haben einen Vorstand, der hervorragend funktioniert, und zudem sind wir in allen Bereichen top und weitreichend professionell besetzt.“

Ausführlich äußerte sich Beck zudem zu dem bekannt gewordenen Immobiliengeschäft Krösches mit der Ehefrau des Spielerberaters Fali Ramadani beziehungsweise dessen Umfeld. Der Hauptausschuss des Aufsichtsrats habe davon erst kurz vor der medialen Berichterstattung erfahren: „Der Hauptausschuss des Aufsichtsrats, der in dieser Besetzung erst seit 2024 im Amt ist, hatte vom vorliegenden Sachverhalt erst wenige Tage vor der Medienveröffentlichung Kenntnis erlangt.“ Krösche sei anschließend um eine ausführliche Stellungnahme gebeten worden. „Im Rahmen der folgenden Gespräche hat Markus Krösche den Sachverhalt umfassend, transparent und nachvollziehbar dargelegt und entsprechende Unterlagen offen und vollständig zur Verfügung gestellt.“ Einen direkten finanziellen Schaden für die Eintracht sieht Beck nicht. Allerdings wäre eine frühere Kommunikation aus seiner Sicht angemessen gewesen: „Es besteht Einigkeit, dass eine frühzeitige Information an den damaligen Hauptausschuss über den Vorgang im Jahr 2022 im Sinne größtmöglicher Transparenz sinnvoll und angemessen gewesen wäre.“ Dadurch hätte man „den Anschein möglicher Interessenkonflikte frühzeitig ausräumen“ können. Beck betonte jedoch: „Ein unmittelbarer wirtschaftlicher Schaden ist der Eintracht dadurch nicht entstanden.“

Gelassenheit bei Krösche-Gerüchten

Auch zu den regelmäßigen Gerüchten um einen möglichen Abgang Krösches nahm der Präsident Stellung. Zuletzt war der Sportvorstand unter anderem mit dem AC Mailand sowie Positionen im Red-Bull-Konzern in Verbindung gebracht worden. Beck verwies auf das enge Verhältnis zwischen beiden: „Markus Krösche und ich pflegen ein gutes, professionelles Verhältnis, und wir sind regelmäßig in engem Austausch.“ Für den Fall eines konkreten Angebots gebe es eine klare Absprache: „Wir haben die klare Vereinbarung: Sollte irgendwas sein, meldet sich der eine beim anderen zuerst.“ Bislang sei dies nicht geschehen: „Das ist aktuell nicht der Fall. Also ist das Thema für mich klar.“ Krösches Vertrag läuft noch bis Mitte 2028. Offizielle Gespräche über eine Verlängerung dürften aktienrechtlich erst ein Jahr vor Vertragsende beginnen: „Nägel mit Köpfen kann man erst dann machen.“ Aktuell liege der gemeinsame Fokus ohnehin auf der sportlichen Stabilisierung: „Markus Krösche merkt man an, dass es für ihn wichtig ist, dass wir jetzt erst mal wieder auf Kurs kommen.“

Eine der größten Baustellen sieht Beck weiterhin im defensiven Mittelfeld. Nach dem Karriereende von Sebastian Rode gelang es der Eintracht nicht, die entstandene Lücke dauerhaft zu schließen. „Wir müssen uns sicherlich verstärken“, räumte der Präsident ein. Gleichzeitig sieht er Entwicklungspotenzial im bestehenden Kader: „Aber wir haben auch Spieler, die da reinwachsen können, Oscar Højlund zum Beispiel.“ Die endgültigen Entscheidungen lägen jedoch bei den sportlich Verantwortlichen: „Letztendlich entscheiden Sportvorstand und Trainer, wer die richtigen Spieler sind.“

Eine mögliche Rückkehr Rodes in offizieller Funktion sei aktuell dagegen kein konkretes Thema: „Sebastian ist ein hochverdienter Spieler, und ich mag ihn auch persönlich sehr.“ Gespräche über einen Platz im Aufsichtsrat habe es aber nicht gegeben. „Wir haben diesbezüglich kein Gespräch geführt.“ Zunächst müsse geklärt werden, ob und in welcher operativen Rolle Rode künftig für die Eintracht arbeiten könnte. „Der Aufsichtsrat ist da kein Thema; wir sind mit neun Personen besetzt.“

Fokus auf den Nachwuchs

Besonders ausführlich sprach Beck über die Nachwuchsarbeit. Seit fast zehn Jahren konnte sich kein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs dauerhaft bei den Profis etablieren. Der Präsident räumte ein, dass dieser Zeitraum zu lang sei. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Neuausrichtung des Nachwuchsleistungszentrums erst seit einigen Jahren laufe. Ein entscheidender Schritt sei die Wiedereinführung der U21 gewesen: „Wir haben die U21 wieder eingeführt – das war der erste wichtige Schritt, denn sie damals abzuschaffen, war ein großer Fehler.“ Unter der Leitung von Alexander Richter sei die Nachwuchsarbeit anschließend neu ausgerichtet worden. Schnelle Erfolge seien jedoch unrealistisch: „Das kriegt man nicht in ein, zwei, drei Jahren hin. Wir haben immer gesagt, dass wir bis zu fünf Jahre brauchen.“ Die Qualität der Nachwuchsarbeit werde in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt: „Wir haben mit die meisten Jugendspieler in Nationalmannschaften der Bundesliga, nur die Bayern haben noch mehr.“ Auch auf Vereinsebene gebe es zahlreiche Erfolge. Beck verwies auf Meisterschaften, Hessenpokalsiege und den Gewinn der süddeutschen U15-Meisterschaft gegen Bayern München. Das Ziel bleibe dennoch, wieder mehr Spieler in den eigenen Profikader zu führen. „Nichts wünschen wir uns mehr, als dass Talente aus den eigenen Reihen nach oben kommen.“ Mit Elias Baum habe zuletzt zumindest ein Spieler den Sprung geschafft, auch wenn dessen Einsatzzeiten überschaubar blieben: „Das ist so, keine Frage. Aber wir müssen daran arbeiten.“ Die Eintracht wolle die Durchlässigkeit künftig erhöhen. „Unser Mindset ist: Wir finden Talente in der Region, bilden sie zu Profis aus, im besten Fall für uns selbst.“ Auch wenn Spieler andernorts den Durchbruch schafften, sei die Ausbildungsarbeit nicht gescheitert. „Wenn sie woanders Profis werden, haben wir auch einen guten Job gemacht.“ Beck verwies auf Zahlen, die diese Entwicklung belegen sollen. Seit der Wiedereinführung der U21 hätten 48 Spieler die Mannschaft beziehungsweise den Verein verlassen. „Von den 48 Spielern haben 27 mittlerweile den Sprung in eine Profiliga geschafft.“ Für den Präsidenten ist das „eine gute Quote“, die öffentlich allerdings kaum wahrgenommen werde.

Große Hoffnungen ruhen auf dem erst 15 Jahre alten Niko Iličević. Beck bezeichnete den Offensivspieler als außergewöhnliches Talent: „Unbestritten ist Niko ein Ausnahmetalent.“ Obwohl er körperlich noch Entwicklungspotenzial habe, könne er bereits auf hohem Nachwuchsniveau bestehen: „Er spielt mit 15 Jahren bereits in der U19.“ Zudem habe er schon in der UEFA Youth League gespielt und absolviere die Saisonvorbereitung bei den Profis. Ab seinem 16. Geburtstag im Oktober wäre Iličević grundsätzlich in der Bundesliga spielberechtigt: „Wir haben große Hoffnung, dass er irgendwann Bundesligaminuten bekommt.“ Zahlreiche andere Vereine hätten ebenfalls um das Talent geworben. Deshalb habe die Eintracht viel dafür getan, Spieler und Familie von der Frankfurter Perspektive zu überzeugen. „Wir haben alles dafür getan, dass er sich hier wohlfühlt, dass die Familie Vertrauen in uns hat.“

Nachwuchsförderung bedeute dabei weit mehr als die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz. „Dafür braucht es die richtige Infrastruktur, die richtigen Trainer, die richtige Betreuung – in allen Bereichen, auch in der Schulausbildung.“Becks Überzeugung ist eindeutig: „Nachwuchsförderung funktioniert nur ganzheitlich.“

Trotz der berechtigten Kritik an der fehlenden Durchlässigkeit sieht der Präsident die Eintracht auf einem guten Weg. Das Nachwuchsleistungszentrum bezeichnete er als „unsere Schmiede der Zukunft“. Entscheidend werde sein, das bestehende Konzept konsequent weiterzuverfolgen – und den eigenen Talenten künftig tatsächlich die notwendigen Chancen bei den Profis zu ermöglichen.

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. mainhesse 26. Juli 26, 14:50 Uhr

Wenn man eine Mannschaft will die kämpft, sollte man vielleicht die Kaderzusammenstellung hinterfragen.
Ein Spieler, für den die Eintracht von Anfang an nur eine Durchgangsstation ist, wird nie so kämpfen wie jemand, der sich mit dem Verein identifiziert.

PS:
Von den Spielern, die in Sevilla auf dem Platz standen, ist nur noch Knauff da.
Ich glaube, kein einziger Bundesligist hat innerhalb von gerade mal vier Jahren so eine Fluktuation.

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