Seit Anfang 2024 steht Mathias Beck als Präsident an der Spitze von Eintracht Frankfurt. Im Oktober möchte sich der Nachfolger des langjährigen Vereinspräsidenten Peter Fischer zur Wiederwahl stellen. Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sprach Beck über die strukturelle Entwicklung des Vereins, das enorme Mitgliederwachstum, die Förderung des Breiten- und Spitzensports sowie die Rolle der Eintracht bei möglichen Olympischen Spielen in Deutschland.
Seine bisherige Amtszeit betrachtet Beck vor allem als Phase des strukturellen Umbaus. Dabei betonte er, dass er das Präsidentenamt nicht zu Beginn einer regulären Wahlperiode übernommen habe: „Es war keine komplette Amtszeit, die ich übernommen habe.“ Nach 24 Jahren unter Peter Fischer sei der Einstieg ohnehin mit besonderen Herausforderungen verbunden gewesen: „Nach dem Präsidenten Peter Fischer, der 24 Jahre im Amt war, einzusteigen – das sind große Fußstapfen.“ In den ersten zweieinhalb Jahren habe er deshalb vor allem im Hintergrund gearbeitet: „Zuerst habe ich stark an Strukturen gearbeitet.“ Angesichts der Größe und Bedeutung der Eintracht sei diese Arbeit notwendig gewesen: „Wir sind ein Klub mit einer großen Wucht.“ Im Mittelpunkt hätten grundlegende organisatorische Fragen gestanden: „Wie strukturieren wir den e. V.? Wie bauen wir Abläufe neu auf? Wie kriegen wir mehr Controlling rein?“ Ziel sei es gewesen, den einzelnen Sportabteilungen den Rücken freizuhalten. „Wie schaffen wir es, dass sich die Sportabteilungen auf ihren Sport konzentrieren können und wir im Hintergrund das gesamte Management organisieren?“ Diese Veränderungen seien öffentlich kaum sichtbar, aber mit einem enormen Aufwand verbunden.
Besonders deutlich wird die Entwicklung der Eintracht an den Mitgliederzahlen. Als Peter Fischer sein Amt antrat, zählte der Verein knapp 5000 Mitglieder. Inzwischen sind es mehr als 160.000. „Das ist ein brutales Wachstum, das verarbeitet werden muss“, sagte Beck. Dabei wolle er den Charakter des Klubs unbedingt bewahren: „Wir sind und bleiben ein Verein, das ist unser größtes Gut.“ Gleichzeitig benötige ein Verein dieser Größenordnung professionelle Strukturen: „Dahinter braucht es unternehmerische Strukturen.“ Eine der größten Herausforderungen sieht Beck in der Infrastruktur. Der enorme Zuwachs an aktiven Sportlerinnen und Sportlern könne mit den vorhandenen Kapazitäten kaum aufgefangen werden: „Wir haben zu wenig Hallen, zu wenig Plätze, aber einen enormen Zuwachs an Sportlerinnen und Sportlern.“ Prozentual wachse der aktive Sportbereich sogar stärker als die Zahl der Fans und passiven Mitglieder.
Neben dem Fußball verwies Beck auf zahlreiche erfolgreiche Abteilungen. Als Beispiel nannte er die Sportakrobatik, die regelmäßig nationale und internationale Erfolge feiere. Diese Entwicklung wolle er in einer möglichen zweiten Amtszeit fortsetzen. Seine konkreten Pläne werde er allerdings zunächst den Vereinsmitgliedern vorstellen: „Was ich aber genau für die nächste Amtszeit plane, werde ich am 19. Oktober zuerst den Mitgliedern präsentieren.“ Schließlich seien diese das höchste Entscheidungsorgan des Klubs: „So gehört sich das.“
Die Eintracht versteht sich unter Beck als „Spitzensportverein für alle“. Finanziert wird der aktive Sport zunächst aus den eigenen Mitteln des Vereins. Eine große Bedeutung komme dabei den Mitgliedsbeiträgen zu. „Da leistet die Fan- und Förderabteilung einen riesigen Beitrag“, erklärte Beck. Erst durch die zahlreichen passiven Mitglieder könne der aktive Sport in seiner heutigen Form ermöglicht werden. Zusätzlich wirbt die vereinseigene Prosports GmbH Sponsoren für den e. V. „Unternehmen investieren hier und unterstützen durch ihr Sponsoring den Sport in allen Bereichen.“ Beck beobachtet dabei ein zunehmendes Interesse aus der Region. „Mittelständische und kleinere Unternehmen aus Frankfurt und der Region wollen den Breitensport unterstützen.“ Teilweise übernähmen Unternehmen sogar direkte Patenschaften für einzelne Spitzensportler. Auf diese Weise könnten Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg zu einer möglichen Olympiateilnahme unterstützt werden. Dennoch sei der Verein auf öffentliche Förderung angewiesen. „Genau aus diesen Gründen sind wir angewiesen auf die Stadt Frankfurt, auf das Land Hessen, auf den Bund.“ Spitzensportförderung könne nur gemeinsam gelingen. „Das geht alles nur gemeinsam im Verbund.“
Mehr Sport in Deutschland?
Aus Becks Sicht muss Deutschland dem Sport insgesamt einen höheren Stellenwert einräumen. „Wir müssen Förderung für den Sport sichern, wir müssen Sportstätten schaffen, damit Menschen Sport treiben können“, erklärte der SGE-Präsident. Dabei gehe es nicht nur um Leistung und Medaillen. „Das hat auch eine sozialpolitische Dimension.“ Die Eintracht sei ein Beispiel dafür, wie Sport gesellschaftliche Integration ermöglichen könne: „Wir haben über 100 Nationen, die bei der Eintracht trainieren.“ Das Zusammenleben innerhalb des Vereins funktioniere hervorragend. „Wir haben null Probleme mit Integration.“ Diese Vielfalt bewege ihn persönlich sehr: „Da geht mir das Herz auf.“
Einen der emotionalsten Momente seiner bisherigen Amtszeit erlebte Beck bei den Olympischen Winterspielen. Bobpilot Adam Ammour gewann dort die Bronzemedaille und sorgte damit für einen historischen Erfolg der Eintracht: „Ich bekomme gerade wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke.“ Die Aufnahme des Bobsports in den Verein sei anfangs teilweise belächelt worden: „Aber im Nachgang war es eine richtig gute Entscheidung, um zu zeigen, wie vielfältig wir sind.“ Mit Ammour habe die Eintracht einen Athleten gewonnen, der zur absoluten Weltspitze gehöre. Bereits die erstmalige Teilnahme eines Eintracht-Sportlers an Olympischen Winterspielen sei außergewöhnlich gewesen. „Dass wir dabei waren, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte bei Winterspielen – das ist an sich schon eine Sensation“, so Beck stolz. Eine Delegation des Vereins begleitete den Athleten nach Cortina. Dort sorgten die Eintracht-Vertreter in ihrer Vereinskleidung zunächst für Verwunderung: „An der Bobbahn wurden wir immer wieder gefragt: Was macht denn die Eintracht hier?“ Nach dem Gewinn der Bronzemedaille sei Ammour direkt zur Vereinsdelegation gekommen. „Das war so schön, das kann man sich kaum vorstellen.“
Besonders emotional sei anschließend die Ehrung vor einem Bundesligaspiel im Frankfurter Stadion gewesen: „Wenn unsere Kurve ‚Frankfurter Jungs‘ anstimmt – dann haben wir nicht viel falsch gemacht.“ Diese Momente würden die Sportler vermutlich nie vergessen. „Unsere Jungs kommen in ihren Heimatverein und haben 60.000 Leute, die sie hochleben lassen.“ Genau darin zeige sich die besondere Verbindung der unterschiedlichen Abteilungen. „Das zeigt, was Eintracht Frankfurt ausmacht.“
Beck für Olympia in Deutschland
Eine alleinige Olympiabewerbung Frankfurts hält Beck derzeit trotzdem für unrealistisch: „Nein. Wir können es infrastrukturell nicht abbilden.“ Denkbar wäre aus seiner Sicht höchstens eine regionale Bewerbung. Grundsätzlich befürwortet er jedoch Olympische Spiele in Deutschland: „Ein solches Großereignis würde Deutschland guttun.“ Die Bundesrepublik könne damit ihre Vielfalt präsentieren: „Wir sind ein vielfältiges, buntes Land, das sollten wir der Welt zeigen. Deutschland kann Olympia.“ Voraussetzung sei allerdings eine nachhaltige Planung. „Was keinen Sinn ergibt, sind Bauten, die danach als Ruinen verkommen.“ Wenn Sportstätten langfristig genutzt und ökologisch sinnvoll geplant würden, seien Olympische Spiele jedoch „eine riesige Chance“. Bei den möglichen deutschen Bewerbern Berlin, München und der Region Köln/Rhein-Ruhr hat Beck keinen Favoriten. „Da gibt es keine Präferenz.“ Unabhängig vom Austragungsort wolle die Eintracht eine deutsche Bewerbung unterstützen. „Egal wer den Zuschlag bekommt: Eintracht Frankfurt wird ihn unterstützen.“
Der Verein könne Trainingsstätten und Trainingslager anbieten sowie Nationen während der Spiele in Frankfurt beherbergen. Auch die Lage am internationalen Flughafen sei ein Vorteil. „In Verbindung mit dem Frankfurter Flughafen als Entree nach Deutschland – da können wir einiges bewegen.“ Gespräche mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, der Bundesregierung und der zuständigen Sportministerin habe es bereits gegeben. „Sie weiß, dass auch wir bereitstehen.“ Dass die Erfolge der Eintracht in olympischen Sportarten öffentlich häufig kaum wahrgenommen werden, führt Beck auf die enorme Strahlkraft des Fußballs zurück. „Wir haben die Strahlkraft durch den Fußball – und das ist auch gut so.“ Dennoch wiederholte er einen seiner zentralen Sätze: „Aber wir sind mehr als Fußball.“
Bei internationalen Wettkämpfen treten die Athletinnen und Athleten für Deutschland und nicht sichtbar für ihren Heimatverein an. „Wenn ein Leichtathlet für Deutschland startet, trägt er den deutschen Adler, nicht den Eintracht-Adler.“ Für das Selbstverständnis des Vereins seien diese Erfolge dennoch von großer Bedeutung.
Für die Olympischen Spiele in Los Angeles verfolgt die Eintracht ein ambitioniertes Ziel: „Wir haben uns vorgenommen, über zehn Athleten aus unterschiedlichen Sportarten zu schicken.“ Der Klub konzentriere sich deshalb gezielt auf olympische Disziplinen und die Förderung von Spitzensportlern. Dabei möchte die Eintracht Athletinnen und Athleten bereits unterstützen, bevor sie große Erfolge feiern. Öffentliche Fördermechanismen griffen häufig erst dann, wenn Sportler bereits an der Spitze angekommen seien. „Wir müssen die Leute vorher an die Hand nehmen – finanziell und auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise berufliche Aspekte.“ Diese Unterstützung möchte Beck in den kommenden Jahren weiter ausbauen.
Das Interview verdeutlicht, welches Vereinsbild der Präsident verfolgt: Eintracht Frankfurt soll seine enorme Fußball-Strahlkraft nutzen, um auch dem Breitensport, olympischen Disziplinen und mehr als 160.000 Mitgliedern bestmögliche Bedingungen zu bieten. Der Profifußball bleibt das Aushängeschild – der Verein dahinter soll jedoch weit mehr sein.






Ein Kommentar
Gefällt mir sehr gut, was Herr Beck hier ausführt.
Wenn wir es in Deutschland schaffen könnten, gerade die jungen Leute zu mehr Sport zu bewegen, dann würden sich viele Probleme lösen lassen.
Vereine wie die Eintracht haben da auch eine besondere Verantwortung und ich glaube, Herr Beck verfolgt das sehr zielgerichtet.
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