Der Abschied von Markus Krösche von der Frankfurter Eintracht ist weiterhin das beherrschende Thema rund um die SGE. Nachdem der 45-Jährige auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben als Sportvorstand entbunden wurde, stellt sich bei den Hessen nicht nur die Frage nach seiner Nachfolge, sondern auch danach, wie die Hintergründe der Trennung waren. Nun hat sich mit Lothar Matthäus einer der prominentesten deutschen Fußballexperten zu Wort gemeldet. Gegenüber der „BILD“ bedauerte der ehemalige Weltfußballer den Abgang des langjährigen Frankfurter Kaderplaners ausdrücklich. Gleichzeitig äußerte er Verwunderung über die zuletzt zunehmende Kritik an Krösche und deutete an, dass möglicherweise auch vereinsinterne Unruhe zur Trennung beigetragen haben könnte.
„Krösche wird eine große Lücke hinterlassen“
Für Matthäus steht außer Frage, dass die Eintracht mit dem Abschied von Krösche einen wichtigen Bestandteil ihrer sportlichen Führung verliert. Der ehemalige Nationalspieler würdigte insbesondere die Arbeit, die der Sportvorstand in den vergangenen Jahren für die Entwicklung des Klubs geleistet hat. „Ich bedauere es für ihn und Frankfurt. Markus Krösche wird eine große Lücke hinterlassen, die schwer zu schließen ist“, erklärte Matthäus. Dabei wollte der 65-Jährige die Bedeutung Krösches ausdrücklich nicht auf dessen Transfergeschäfte reduzieren. Zwar hatte sich der ehemalige Sportvorstand mit der Verpflichtung und dem gewinnbringenden Verkauf zahlreicher Spieler einen Namen gemacht. Nach Ansicht von Matthäus gingen seine Qualitäten allerdings weit über das rein Sportliche und Wirtschaftliche hinaus: „Da geht es nicht nur um seine Kontakte, das Sportliche, spektakuläre Transfers oder die Erlöse, sondern auch um seine menschliche Seite.“ Krösche hatte die sportliche Entwicklung der Eintracht über mehrere Jahre entscheidend mitgeprägt. Unter seiner Verantwortung verfolgten die Frankfurter eine Transferstrategie, bei der junge, entwicklungsfähige Spieler verpflichtet und im Idealfall später mit erheblichen Gewinnen weiterverkauft wurden. Gleichzeitig gelang es dem Klub, sich sportlich auf einem hohen Niveau zu etablieren.
Auch wenn die Entwicklung zuletzt nicht mehr durchgehend den Erwartungen entsprach, sieht Matthäus die Gesamtbilanz des ehemaligen Sportvorstands ausgesprochen positiv.
Matthäus sieht „Herkulesaufgabe“ für Nachfolger
Entsprechend schwierig dürfte es aus Sicht des Rekordnationalspielers werden, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Denn der neue Verantwortliche muss nicht nur die Kaderplanung übernehmen, sondern auch das bestehende sportliche Konzept weiterentwickeln und die Mannschaft nach den jüngsten Rückschlägen wieder auf einen erfolgreichen Weg führen. „Krösches Nachfolger steht vor einer Herkulesaufgabe. Es ist ein spannender Job, aber er wird sehr schwierig“, warnte Matthäus.
Die Herausforderungen sind tatsächlich vielfältig. Nach den personellen Veränderungen der vergangenen Monate befindet sich die Eintracht in einer Phase des Umbruchs. Zahlreiche junge Spieler müssen integriert werden, während gleichzeitig die sportlichen Erwartungen an den Klub hoch bleiben. Hinzu kommt, dass Krösche über Jahre ein weitreichendes Netzwerk im internationalen Fußball aufgebaut und zahlreiche Transferentscheidungen persönlich verantwortet hat. Diese Strukturen und Kontakte lassen sich nicht ohne Weiteres ersetzen. Der künftige Sportvorstand wird deshalb nicht nur an seinen eigenen Entscheidungen gemessen werden. Er muss sich zwangsläufig auch mit der erfolgreichen Arbeit seines Vorgängers vergleichen lassen.
„Ich glaube, die Beziehung hat einfach nicht mehr funktioniert“
Besonders bemerkenswert sind allerdings Matthäus‘ Aussagen zu den Hintergründen der Trennung. Der ehemalige Bayern-Profi vermutet, dass das Verhältnis zwischen Krösche und den weiteren Verantwortlichen der Eintracht zuletzt erheblich belastet gewesen sein könnte. Dabei stellte er ausdrücklich die Bedeutung gegenseitigen Vertrauens heraus: „Er war mit ganzem Herzen dabei und hat wahrscheinlich auch gemerkt, dass das Vertrauen nicht mehr da war, das man braucht, um solche Dinge mit voller Überzeugung zu machen.“
Für Matthäus ist ein solches Vertrauensverhältnis eine wesentliche Voraussetzung, um auf der sportlichen Führungsebene erfolgreich arbeiten zu können. Gerade bei langfristigen Entscheidungen über Transfers, Trainer und die grundsätzliche Ausrichtung eines Vereins müsse ein Sportvorstand die Rückendeckung der Verantwortlichen spüren. Nach seiner Einschätzung könnte diese Grundlage bei der Eintracht zuletzt gefehlt haben: „Ich glaube, die Beziehung hat einfach nicht mehr funktioniert.“
Noch deutlicher wurde Matthäus mit Blick auf die Diskussionen, die den Klub in den vergangenen Monaten begleitet hatten. Dabei deutete er an, dass die öffentliche Unruhe möglicherweise nicht ausschließlich von außen an die Eintracht herangetragen worden sei: „Dazu passt die ganze Unruhe, die teilweise – das befürchte ich – von anderen Leuten aus dem Verein kam.“
Eine bemerkenswerte Einschätzung, mit der Matthäus indirekt die Frage aufwirft, welche Rolle interne Differenzen bei der Trennung gespielt haben könnten. Konkrete Personen nannte er allerdings nicht. Seine Aussagen bleiben damit eine persönliche Vermutung und kein Beleg für vereinsinterne Vorgänge. Dennoch dürfte diese Einschätzung die Diskussionen rund um den Abschied des Sportvorstands weiter befeuern.
Kritik an Krösche für Matthäus überzogen
Auch die zunehmende Kritik an Krösches sportlicher Arbeit kann Matthäus offenbar nur bedingt nachvollziehen. Zwar räumte er ein, dass die Verantwortlichen in Frankfurt zuletzt nicht bei allen Entscheidungen richtiggelegen hätten. Fehler gehören aus seiner Sicht allerdings zum Geschäft und sollten nicht dazu führen, die Leistungen der vergangenen Jahre grundsätzlich infrage zu stellen: „Natürlich war in den letzten Monaten nicht alles perfekt. Bei dem, was er für den Verein geleistet hat, hat mich das Ausmaß der Kritik aber verwundert.“
Damit stellt sich Matthäus deutlich hinter den ehemaligen Frankfurter Sportvorstand. Gerade angesichts der Erfolge, die die Eintracht während Krösches Amtszeit feiern konnte, erscheint ihm die zuletzt geäußerte Kritik offenbar unverhältnismäßig. Zur Verdeutlichung zog er einen Vergleich mit dem FC Bayern München. Auch beim deutschen Rekordmeister seien in der Vergangenheit Transfers getätigt worden, die sich im Nachhinein nicht wie erhofft entwickelt hätten: „Selbst in München hat man Spieler verpflichtet, die letztlich nicht das gebracht haben, was man erwartet hatte. Trotzdem sind die Verantwortlichen, die sie verpflichtet haben, immer noch da.“
Mit diesem Vergleich macht Matthäus deutlich, dass einzelne Fehleinschätzungen auf dem Transfermarkt aus seiner Sicht nicht ausreichen, um die grundsätzliche Qualität eines Sportvorstands infrage zu stellen. Schließlich gehört es zu den Risiken der Kaderplanung, dass nicht jeder Neuzugang die erhoffte Entwicklung nimmt. Entscheidend sei vielmehr, wie die Gesamtbilanz eines Verantwortlichen ausfällt. Und diese bewertet Matthäus bei Krösche offensichtlich deutlich positiver als manche seiner Kritiker.
AC Mailand? Matthäus traut Krösche viel zu
Während die Eintracht nach einem Nachfolger sucht, wird bereits über die sportliche Zukunft von Markus Krösche spekuliert. Zuletzt tauchten Gerüchte über ein mögliches Engagement beim italienischen Traditionsverein AC Mailand auf. Matthäus würde dem ehemaligen Frankfurter Sportvorstand eine solche Aufgabe ohne Weiteres zutrauen: „Wenn er nur annähernd so gut arbeitet wie in Frankfurt, ist Markus Krösche für jeden Verein ein großer Gewinn.“ Besonders für die Mailänder könnte Krösche nach Einschätzung des früheren Weltfußballers eine interessante Personalie sein. „Für AC Mailand wäre er das in der aktuellen Situation umso mehr“, erklärte Matthäus. Ob es tatsächlich zu einem Wechsel nach Italien kommt, ist allerdings weiterhin nicht offiziell.
Ganz ohne Humor wollte Matthäus die Spekulationen um einen möglichen Wechsel zur AC Mailand allerdings nicht kommentieren. Der frühere Weltfußballer spielte zwischen 1988 und 1992 selbst für Inter Mailand und ist seinem ehemaligen Klub bis heute verbunden. Dass Krösche ausgerechnet beim großen Stadtrivalen anheuern könnte, betrachtete Matthäus deshalb mit einem Augenzwinkern: „Die liegen gerade ja zum Glück sehr weit hinter Inter Mailand. Sollte Markus dort wirklich übernehmen, wird er die Lücke hoffentlich nicht zu schnell schließen.“
Das Lob für Krösche verband Matthäus damit mit einem kleinen Seitenhieb gegen die Rossoneri. Einerseits traut er dem ehemaligen Eintracht-Verantwortlichen zu, auch in Mailand erfolgreich zu arbeiten. Andererseits würde er es als ehemaliger Inter-Spieler offenbar bevorzugen, wenn der Stadtrivale sportlich nicht allzu schnell aufschließen würde.






4 Kommentare
Alles schön und gut was der liebe Herr Matthäus so im Laufe einer Woche von sich gibt. Hätte da mal einen Vorschlag für ihn - langsam mal an Rente denken und dann einfach mal den Mund halten. Wer die Hintergründe nicht kennt sollte sich einfach raushalten - bis heute ist da nichts nach außen getrunken und man hat sich mit super Anstand und Stil getrennt - Applaus an die Führung der SGE und auch insbesondere an Markus Krösche.
MK fügt sich ein in die Reihe derer, die hervorragende Dienste für unsere Eintracht geleistet haben. Dass sein Abgang natürlich dankbares Futter für Medien und ihre handelnden Personen ist, gehört dazu, ebenso wie Spekulationen und selbst ausgedachtes.
Bruchagen sagte schon "wenn einer geht, kommt ein anderer". Der Friedhof ist voll mit "Unersetzlichen". Stimmt leider auch.
Alle guten Wünsche für MK und viel Glück für seinen Nachfolger bei uns.
Kann schon sein, daß Krösche kein Vertrauen mehr hatte zu den Vereinsfunktionären, als dessen Prototyp man ja Hellmann sehen kann.
Denn Krösche hätte bestimmt auch lieber den Kader verstärk als ihn ständig durch Verkäufe und damit notwendige Umbrüche zu schwächen.
Aufgrund der geforderten Transferüberschüsse war das aber notwendig.
Krösche hat diese Forderungen ja immer erfüllt, aber er hat sie ja nicht erfunden.
Trotzdem wurde er hauptsächlich deshalb kritisiert. Und vielleicht will er einfach nicht mehr den Schwarzen Peter für andere spielen.
Gibt so ältere Herren, die meinen, ihre Meinung sei überall gefragt. Ist sie aber meistens nicht.
Ich mag am liebsten Berichte über das Training und dessen Inhalten, Gesundheitszustand von verletzten Spielern, Verpflichtungen und Abgängen usw.
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.