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Foto: IMAGO / Maximilian Koch

Frankfurt vor dem Gladbach-Schicksal? Warum der Vergleich hinkt

Es ist eine Warnung, die in Frankfurt durchaus angekommen sein dürfte. Christoph Kramer, der die Höhen und Tiefen von Borussia Mönchengladbach über Jahre selbst miterlebt hat, sieht bei der Eintracht Parallelen zu seinem früheren Klub. „Es ist nur ein Gefühl, aber die Eintracht muss aufpassen, dass sie nicht das nächste Gladbach werden“, sagte der Weltmeister kürzlich im Podcast „Copa TS“. Der Kader sei zwar noch gut, aber nicht mehr sehr gut, während die Ansprüche weiterhin hoch seien. Diese Kombination erinnere ihn an seine Borussia vor einigen Jahren.

Und oberflächlich betrachtet mag der Vergleich nicht mal ganz an den Haaren herbeigezogen sein. Die sportliche Entwicklung der Frankfurter ist zuletzt ins Stocken geraten und der Verein verpasste dieses Jahr erstmals das internationale Geschäft, die Defensive bereitet erhebliche Sorgen und mit Markus Krösche ist ausgerechnet der Mann gegangen, der den sportlichen Aufstieg der vergangenen Jahre maßgeblich mitgeprägt hat. Die Eintracht steht vor einer wichtigen Phase, ohne Frage. Trotzdem wäre es voreilig, aus diesen Parallelen bereits eine ähnliche Entwicklung abzuleiten. Denn Frankfurt bringt einige Voraussetzungen mit, die gegen einen zwangsläufigen Absturz sprechen.

Gladbach zeigt, wie schnell sich ein Erfolgsmodell abnutzen kann

Die Geschichte der Borussia ist durchaus eine Mahnung. Zwischen 2012 und 2020 landeten die Gladbacher sechsmal unter den besten sechs Mannschaften der Bundesliga. Unter Lucien Favre entwickelte sich der Klub zu einem regelmäßigen Europapokalteilnehmer. Der dritte Platz in der Saison 2014/15 war einer der Höhepunkte einer Entwicklung, die Gladbach zeitweise sogar bis in die Champions League führte.

Doch seit der Saison 2020/21 gelang keine vergleichbare Platzierung mehr – mitten in der Corona-Krise, die sicherlich auch ihren Anteil am Absturz mit sich brachte. Die Borussia verlor sportlich an Boden und fand über längere Zeit keinen Weg zurück zu den früheren Erfolgen. Der Klub musste sich neu orientieren, während die Erwartungen im Umfeld nicht immer im gleichen Tempo wie die sportlichen Möglichkeiten zurückgingen.

Wer über Jahre wächst, gewöhnt sich schnell an höhere Ansprüche. Kader und Kosten entwickeln sich mitunter auf einem Niveau, das nur dann dauerhaft tragfähig ist, wenn dann auch die sportlichen Ergebnisse stimmen. Bleiben jene aus, kann aus einer vorübergehenden Schwächephase sicherlich ein längerfristiges Problem werden wie bei Kramers Ex-Klub.

Eine andere wirtschaftliche Ausgangslage

Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich aber bei den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Eintracht Frankfurt erzielte in der Saison 2024/25 Gesamterlöse von 389,1 Millionen Euro. Gleichzeitig stand unter dem Strich ein Verlust von 8,3 Millionen Euro, weil unter anderem der Personalaufwand auf 177,3 Millionen Euro gestiegen war. Die Zahlen zeigen beides: die gewachsene wirtschaftliche Kraft der Eintracht und die Risiken, die mit diesem Wachstum verbunden sind.

Frankfurt ist inzwischen ein deutlich größerer wirtschaftlicher Faktor als noch vor wenigen Jahren. Internationale Wettbewerbe, Sponsoring, Merchandising und Einnahmen rund um den Spieltag haben die Basis verbreitert. Ein verpasstes Europapokaljahr ist ein Rückschlag, würde aber nicht automatisch bedeuten, dass der Klub zwangsläufig seine gesamte sportliche Strategie über Bord werfen müsste. Na klar: Hohe Einnahmen allein schützen nicht vor Fehlentscheidungen. Wenn die Kosten weiter steigen, während internationale Einnahmen oder Transfererlöse zurückgehen, kann auch ein wirtschaftlich gewachsener Verein unter Druck geraten.

In Summe verfügt der Klub heute aber über eine deutlich größere und vor allem breiter gestreute wirtschaftliche Basis als Gladbach zu ihren Höhepunkten. Das ist ein relevanter Unterschied, weil Gladbach nach Jahren mit hohen sportlichen Ansprüchen in eine schwierige Situation geriet: Der Klub hatte teure Kaderstrukturen aufgebaut, während sportlicher Erfolg und Transfererlöse zurückgingen. Die Folge waren finanzielle Verluste und weniger Spielraum für einen grundlegenden Umbau.

Frankfurt hat sich international eine andere Position erarbeitet

Der Europa-League-Sieg von 2022 war für die Eintracht weit mehr als ein Titel. Er hat den Verein international sichtbar gemacht und seine Attraktivität für Spieler, Sponsoren und Partner deutlich erhöht. Die Frankfurter haben sich in den vergangenen Jahren als Klub etabliert, der junge Talente entwickeln, ihnen eine Bühne bieten und sie anschließend mit Gewinn verkaufen kann.

Gladbach hatte in seiner erfolgreichen Phase sicherlich ebenfalls eine gewisse Strahlkraft. Entscheidend ist aber, dass die Rheinländer ihre sportlichen Erfolge nicht nachhaltig in wirtschaftliche und strukturelle Vorteile umwandeln konnten. Der Name alleine gewinnt keine Spiele und wenn die Mannschaft längere Zeit hinter den Erwartungen zurückbleibt, kann auch die nationale und internationale Attraktivität sinken. Aber Frankfurt verfügt heute über eine größere Bühne und zusätzliche Möglichkeiten, diese positive Entwicklung fortzusetzen.

Die Eintracht investiert gezielt in die Zukunft

Das betrifft auch die weitere strategische Ausrichtung des Klubs. Auf der Mitgliederversammlung wurde nun auch angekündigt, künftig stärker auf den deutschen Markt und das eigene Nachwuchsleistungszentrum zu schauen. Das ist eine Reaktion auf einen Transfermarkt, auf dem sich das bisherige Modell mit jungen internationalen Talenten nicht mehr in derselben Weise auszahlt. Das ist sicherlich mehr Chance als Beweis dafür, dass Frankfurt kein Gladbach 2.0 wird, dennoch scheinen die Verantwortlichen auf veränderte Marktumstände reagieren zu können und zu wollen.

Axel Hellmann hat auf der Mitgliederversammlung aber auch eine deutliche Erweiterung des Stadions oder sogar einen Neubau als langfristiges Zukunftsprojekt bezeichnet. Im Gespräch sind 70.000 bis 80.000 Plätze statt der heutigen gut 60.000. Erste Pläne sollen der Stadt noch 2026 vorgestellt werden. Die Eintracht versucht gezielt zusätzliche Erlöspotenziale zu erschließen und ruht sich nicht auf dem Status Quo aus.

Hinzu kommt eine enorme Vereinsbasis als stabilisierender Faktor hinzu. Eintracht Frankfurt hat inzwischen mehr als 160.000 Mitglieder. Unter Präsident Mathias Beck ist die Zahl um gut 20.000 gestiegen. Beck wurde nun wiedergewählt und kann seine Arbeit fortsetzen. Eine große Mitgliederbasis garantiert natürlich auch keinen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg, sorgt aber dafür, dass der Klub sich immer weiter gesellschaftlich verankert. Dazu kommen die vielen Abteilungen und Sportangebote neben dem Profifußball. Faktoren, die allesamt – sicherlich auch, weil die Voraussetzungen deutlich schwieriger sind – in Gladbach im sportlichen Erfolg nicht in gleichem Maße verfolgt wurden.

Der wichtigste Unterschied könnte aber sein, dass Frankfurt die Risiken jetzt offen anspricht. Frankfurt steht aktuell vor einer wichtigen Weichenstellung. Markus Krösche ist gegangen, und die Verantwortlichen haben eingeräumt, dass das bisherige Transfermodell nicht mehr im gleichen Umfang funktioniert. Statt einfach an der bisherigen Strategie festzuhalten, soll die Ausrichtung angepasst werden. Nicht die Größe eines Klubs entscheidet allein darüber, ob er abstürzt. Entscheidend ist auch, ob die Verantwortlichen rechtzeitig erkennen, wenn ein erfolgreiches Modell an seine Grenzen stößt. Und hier hat die Mitgliederversammlung zumindest nach außen hin gezeigt, dass hier gemeinschaftlich reagiert werden muss. Frankfurt hat also gute Gründe, optimistisch zu bleiben.

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. pfalzadler11 21. Oktober 26, 08:18 Uhr

die Eintracht hat den Vorteil das man Gladbach, Werder u. Schalke als mahnende Beispiele hat. Diese Clubs wollten ihren Status Quo regelrecht erzwingen was dann erst recht deren Absturz beschleunigt hatte.

Ich hoffe das man bei der Auswahl des nächsten Sport Manager ein gutes Händchen hat und man nachhaltiger bei den Transfers vorgeht - Das Ziel sollte sein einen Stamm an Spielern zusammenzuhalten der zukünftig auch Erfolge\Titel erspielen kann wie die Mannschaft 2022. Ich fand den Abgang von Krösche durch die Vordertür prima der jetzt symbolisch für den Reset-Knopf Druck steht.

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