Er kennt Adi Hütter seit vielen Jahren, war bereits von 2018 bis 2021 Teil des Trainerteams der Frankfurter Eintracht und kehrte im vergangenen Sommer gemeinsam mit dem Österreicher zur Eintracht zurück. Christian Peintinger gehört zu den wichtigsten Mitarbeitern hinter den Kulissen der SGE. Der 59-Jährige arbeitet als Co-Trainer eng mit Hütter zusammen und ist sowohl für die Trainingsgestaltung als auch für die Entwicklung der Spieler mitverantwortlich. Im Eintracht-Klubmagazin „Eintracht vom Main“ gewährte Peintinger nun Einblicke in seinen Arbeitsalltag, erklärte, welche Eigenschaften ein guter Co-Trainer mitbringen muss und warum ihm die Arbeit mit jungen Fußballern besonders viel Freude bereitet. Auch über sein Privatleben und einen unvergesslichen Europapokalabend sprach der gebürtige Grazer.
Peintinger: „Jeder macht eigentlich alles“
Wer glaubt, dass innerhalb eines Trainerteams sämtliche Aufgaben klar voneinander getrennt sind, liegt zumindest bei Eintracht Frankfurt falsch. Peintinger beschreibt seine Tätigkeit als ausgesprochen abwechslungsreich. Eine feste Zuständigkeit, auf die sich seine Arbeit beschränken würde, gibt es demnach nicht. „Es beginnt von der Analyse bis zur Trainingsplanung, geht über Standards und individuelles Training bis hin zum Mannschaftstraining“, erklärte der 59-Jährige. Dabei setzt das Trainerteam auf eine enge Zusammenarbeit. Die verschiedenen Aufgaben werden gemeinsam bearbeitet, sodass sich die Verantwortlichen nicht ausschließlich auf einzelne Spezialgebiete konzentrieren: „Es gibt bei uns keine klare Aufteilung, jeder macht eigentlich alles.“
Für Peintinger bedeutet das einen Arbeitsalltag, der weit über die eigentlichen Trainingseinheiten hinausgeht. Schon vor dem Betreten des Platzes beschäftigt sich der Co-Trainer intensiv mit der Vorbereitung. Im Büro werden Trainingspläne erstellt und Analysen ausgewertet. Anschließend geht es mit der Mannschaft auf den Platz, wo die zuvor entwickelten Inhalte umgesetzt werden sollen. Doch auch nach dem Training ist die Arbeit längst nicht beendet. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Trainerteams wertet Peintinger die Einheit aus, führt individuelle Besprechungen mit Spielern und beschäftigt sich mit dem kommenden Gegner. Hinzu kommt die Analyse der eigenen Mannschaft. Welche Abläufe haben funktioniert? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Und welche Inhalte müssen in der nächsten Trainingseinheit aufgegriffen werden? Am Ende des Tages steht bereits die Vorbereitung auf den folgenden Arbeitstag. Der Co-Trainer ist damit nahezu durchgehend mit der sportlichen Entwicklung der Mannschaft beschäftigt.
Menschlichkeit und Ehrlichkeit sind entscheidend
Neben der fachlichen Kompetenz legt Peintinger großen Wert auf den menschlichen Umgang innerhalb des Vereins. Natürlich müsse ein Trainer über fundierte Fußballkenntnisse verfügen. Doch gerade in der täglichen Zusammenarbeit mit Spielern und Mitarbeitern seien andere Eigenschaften mindestens ebenso wichtig. „Weil man mit Menschen zu tun hat, ist die Menschlichkeit ein entscheidender Gesichtspunkt“, erklärte der Österreicher. Dazu gehört für ihn auch ein ehrlicher Umgang miteinander. Spieler sollen wissen, woran sie sind, und eine klare Rückmeldung zu ihren Leistungen erhalten. Dass Peintinger dabei gelegentlich besonders direkt auftritt, ist ihm durchaus bewusst: „Bei Spielern und allgemein im Leben sollte man Ehrlichkeit mitbringen, manchmal bin ich vielleicht auch zu ehrlich.“ Seine Offenheit sieht der erfahrene Trainer dennoch als wichtigen Bestandteil einer funktionierenden Zusammenarbeit. Gerade im Profifußball, wo zahlreiche unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen, ist eine klare Kommunikation von großer Bedeutung.
Eine weitere Eigenschaft hebt Peintinger ausdrücklich hervor: die Loyalität gegenüber dem Cheftrainer. Für den langjährigen Wegbegleiter Hütters ist diese Haltung selbstverständlich. Schließlich müssen innerhalb eines Trainerteams unterschiedliche Meinungen diskutiert werden können, ohne dass die gemeinsame Ausrichtung verloren geht. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hütter und Peintinger ist dabei über viele Jahre gewachsen. Beide kennen sich aus mehreren gemeinsamen Stationen und arbeiten nun bereits zum zweiten Mal bei der Eintracht zusammen.
Die Entwicklung junger Spieler als besondere Motivation
Besonders viel Freude bereitet Peintinger die tägliche Arbeit mit den Profis. Dabei geht es ihm nicht ausschließlich um kurzfristige Ergebnisse, sondern vor allem um die langfristige Entwicklung einzelner Spieler. „Eine tolle Sache ist zudem, mit den Spielern zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln“, erklärte der Co-Trainer. Für ihn sei es eine besondere Bestätigung, wenn sich ein junger Fußballer im Laufe der Zusammenarbeit verbessert und anschließend eine erfolgreiche Karriere einschlägt: „Wenn man dann Fortschritte sieht oder in ein paar Jahren schaut, wo sie schlussendlich spielen, ist das eine wunderbare Bestätigung.“
Gerade bei der aktuellen Frankfurter Mannschaft dürfte dieser Aspekt eine wichtige Rolle spielen. Die Eintracht hat ihren Kader im Sommer deutlich verändert und setzt auf zahlreiche junge, entwicklungsfähige Spieler. Für das Trainerteam geht es deshalb nicht nur darum, möglichst schnell sportliche Ergebnisse zu erzielen, sondern auch darum, individuelle Fortschritte zu ermöglichen. Peintinger sieht in der Zusammenarbeit mit jungen Profis allerdings nicht nur eine sportliche Aufgabe. Der Austausch mit der jüngeren Generation bereitet ihm auch persönlich große Freude. „Das gefällt mir, es hält mich jung – egal ob es die Mode ist oder die Musik der Jungs“, verriet der 59-Jährige.
Durch den täglichen Kontakt bekomme er viel vom Leben seiner Spieler mit und könne ihre Denkweise besser nachvollziehen. Das wiederum helfe ihm, die jungen Fußballer nicht nur sportlich, sondern auch menschlich besser zu verstehen.
Lob für die Frankfurter Mannschaft
Einen einzelnen Spieler als besonders vorbildlich hervorzuheben, kommt für Peintinger nicht infrage. Auf die Frage nach einem möglichen Musterschüler innerhalb des Kaders wollte sich der Österreicher deshalb nicht festlegen. Das wäre aus seiner Sicht den anderen Profis gegenüber unfair. Stattdessen lobte er die gesamte Mannschaft: „Wir haben eine super Gruppe, die menschlich für mich schwer in Ordnung ist, die aber auch sehr professionell arbeitet.“
Peintinger beschreibt die Frankfurter Profis damit als eine Mannschaft, die nicht nur sportlich über großes Potenzial verfügt, sondern auch im täglichen Miteinander überzeugt. „Das sind eigentlich alles Vorzeigeprofis“, betonte er. Gerade bei einem Kader mit zahlreichen neuen und jungen Spielern ist ein funktionierendes Mannschaftsgefüge wichtig. Unterschiedliche Erfahrungen, Charaktere und Nationalitäten müssen zusammenfinden, damit sich auf dem Platz eine geschlossene Einheit entwickeln kann. Dass Peintinger die Gruppe sowohl menschlich als auch hinsichtlich ihrer Professionalität derart positiv bewertet, dürfte deshalb auch für Cheftrainer Hütter eine erfreuliche Einschätzung sein.
Fußball ist für Peintinger mehr als ein Beruf
Dass Peintinger auch mit 59 Jahren noch große Begeisterung für seine Arbeit empfindet, hat einen einfachen Grund: Der Fußball begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Für den gebürtigen Grazer ist die Tätigkeit als Trainer deshalb weit mehr als ein gewöhnlicher Beruf: „Ich liebe schon mein ganzes Leben lang den Fußball und habe meine Leidenschaft zum Beruf machen können. Das ist das Schönste.“ Die tägliche Beschäftigung mit dem Sport, die Zusammenarbeit mit den Spielern und die Möglichkeit, an ihrer Entwicklung mitzuwirken, sind für ihn die entscheidenden Faktoren. Hinzu kommt die besondere Atmosphäre bei der Eintracht. Vor allem die Möglichkeit, unmittelbar vor dem Frankfurter Stadion zu trainieren, hebt Peintinger ausdrücklich hervor: „Was auch überragend in Frankfurt ist: dass man vor dem Stadion trainieren darf.“ Für den Österreicher ist das offenbar ein weiterer Aspekt, der seine Arbeit bei der SGE besonders macht.
Familie steht für Peintinger an erster Stelle
So wichtig der Fußball für Peintinger auch ist, außerhalb des Platzes setzt der Co-Trainer andere Prioritäten. Seine Familie spielt in seinem Leben die entscheidende Rolle. Der 59-Jährige stammt aus Graz und verbindet mit seiner Heimatstadt vor allem die Menschen, die dort leben. Viele Verwandte und Freunde wohnen weiterhin in der österreichischen Stadt, deren überschaubare Größe und ruhige Atmosphäre er besonders schätzt. Auch seine eigene Familie bedeutet ihm sehr viel. Auf die Frage, auf welche Leistung er in seinem Leben besonders stolz sei, nannte Peintinger deshalb nicht etwa einen sportlichen Titel oder einen Erfolg im Profifußball. Stattdessen verwies er auf sein privates Glück: „Ich bin stolz, dass ich eine intakte Familie habe. Dass ich mit meinen Kindern eine super Beziehung habe, obwohl sie schon erwachsen und ausgezogen sind.“ Besonders bemerkenswert ist auch die lange Beziehung zu seiner Ehefrau. Seit rund vier Jahrzehnten gehen beide bereits gemeinsam durchs Leben. „Dass ich immer noch dieselbe Frau habe wie vor 40 Jahren“, nannte Peintinger als weiteren Grund für seinen persönlichen Stolz. Seinen beruflichen Werdegang betrachtet er dagegen vor allem mit Dankbarkeit. Dass er über so viele Jahre im Profifußball arbeiten durfte, empfindet er keineswegs als selbstverständlich.
Skifahren und Abschalten als Ausgleich
Wenn sich Peintinger einmal nicht mit Fußball beschäftigt, verbringt er seine freie Zeit am liebsten mit Familie und Freunden. Daneben gehört das Skifahren zu seinen großen Leidenschaften. Als Österreicher steht er bereits seit seiner Kindheit regelmäßig auf Skiern und hat sich die Begeisterung für den Wintersport bis heute bewahrt. Allerdings muss es in seiner Freizeit nicht immer sportlich zugehen. Gerade weil der Trainerberuf mit vielen Analysen, Entscheidungen und Gesprächen verbunden ist, genießt Peintinger gelegentlich auch die Möglichkeit, einfach nichts zu tun: „Wenn ich mal Pause vom Fußball habe, möchte ich einfach gar nicht mehr viel nachdenken und nichts tun; das ist auch mal okay.“
Diese Momente helfen ihm, Abstand vom intensiven Fußballalltag zu gewinnen und neue Energie zu sammeln.
Ein unvergesslicher Abend in Mailand
In seiner langen Trainerlaufbahn hat Peintinger zahlreiche besondere Spiele erlebt. Ein Moment aus seiner ersten Frankfurter Zeit ist ihm allerdings bis heute in besonderer Erinnerung geblieben. Im März 2019 traf die Eintracht im Achtelfinale der Europa League auf Inter Mailand. Nach einem torlosen Hinspiel in Frankfurt setzte sich die SGE im Rückspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion mit 1:0 durch und zog damit ins Viertelfinale ein. Für Peintinger war dieser Abend aus einem besonderen Grund unvergesslich: Weil Hütter gesperrt war, übernahm er an der Seitenlinie die Verantwortung als Cheftrainer. Auf die Frage nach seinem persönlichen Eintracht-Moment musste der Österreicher deshalb nicht lange überlegen: „Als Cheftrainer mit der Eintracht in Mailand gegen Internazionale 1:0 zu gewinnen.“
Es war einer jener Europapokalabende, die bis heute einen besonderen Platz in der jüngeren Frankfurter Vereinsgeschichte einnehmen. Luka Jovic erzielte damals den entscheidenden Treffer und sorgte dafür, dass die Eintracht ihre internationale Erfolgsgeschichte fortsetzen konnte.
Für Peintinger war der Sieg zugleich ein außergewöhnlicher persönlicher Moment. Normalerweise arbeitet er im Hintergrund und unterstützt den Cheftrainer bei dessen Aufgaben. In Mailand stand er dagegen selbst in der ersten Reihe und durfte einen der größten Erfolge seiner Frankfurter Zeit als verantwortlicher Trainer erleben.
Peintinger bringt Erfahrung und Leidenschaft mit
Mehr als sieben Jahre nach dem besonderen Abend in Mailand ist Peintinger wieder Teil des Frankfurter Trainerteams. Seine Aufgaben sind vielfältig geblieben, seine Begeisterung für den Fußball ebenfalls.
Der 59-Jährige sieht sich dabei nicht nur als Fachmann für Trainingsplanung, Analysen oder Standardsituationen. Mindestens ebenso wichtig sind ihm der persönliche Umgang mit den Spielern, Ehrlichkeit und Loyalität. Gerade in einer jungen Mannschaft, die sich nach zahlreichen personellen Veränderungen noch entwickeln muss, können diese Eigenschaften von großer Bedeutung sein. Peintinger selbst scheint jedenfalls weiterhin große Freude an seiner Arbeit zu haben. Die tägliche Zusammenarbeit mit den Spielern hält ihn nach eigener Aussage jung, die Entwicklung der Profis motiviert ihn und die besondere Atmosphäre in Frankfurt weiß er zu schätzen. Und wenn er irgendwann auf seine Zeit bei der Eintracht zurückblickt, dürfte ein Moment seinen festen Platz behalten: jener Abend im März 2019, als Christian Peintinger an der Seitenlinie stand und mit der SGE bei Inter Mailand gewann.






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