Kaum ein Spieler bei der Frankfurter Eintracht lebte sich in der jüngeren Vergangenheit so schnell ein wie Raphael Onyedika. Der Sommerneuzugang ist unangefochtener Stammspieler in der Mannschaft von Adi Hütter und verpasste noch keine Pflichtspielminute. Im Interview spricht er über die Partie gegen Köln, die Wahl seiner Rückennummer und blickt auf Borussia Dortmund.
„Es waren großartige Emotionen“, erinnert sich Raphael Onyedika im Interview auf der vereinseigenen Homepage an den vergangenen Freitag. Für den Nigerianer war der 1:0-Erfolg gegen Köln der erste Heimsieg mit dem Adler auf der Brust. „Unabhängig davon, was es in mir ausgelöst hat, war es in erster Linie wichtig, am Freitag die drei Punkte eingefahren zu haben. Für uns als Team genauso wie für die Fans.“ Im Sommer wechselte der 25-Jährige für neun Millionen Euro von Club Brügge an den Main. Im zentralen Mittelfeld ist er gesetzt. Seit seiner Ankunft hat er als einziger Spieler im Kader alle möglichen 690 Pflichtspielminuten absolviert. Dabei steht für ihn immer der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund. „Ich bin topfit und möchte dem Team bestmöglich helfen. Je mehr ich dazu beitragen kann, desto besser.“ Generell würde die gesamte Mannschaft viel im physischen Bereich trainieren, da hier die Grundlage für die Spielweise der Eintracht liege. „Mir kommt es sicherlich zugute, dass ich in den vergangenen vier oder fünf Jahren regelmäßig zwei Spiele pro Woche hatte.“ Gegen Köln bekam es der 24-malige Champions League-Spieler des Öfteren mit Saïd El Mala zu tun. Von seiner Geschwindigkeit hatte er schon in der Videovorbereitung einen Vorgeschmack bekommen. „Das hat sich dann auf dem Platz bestätigt.“ Erschwerend kam noch hinzu, dass Onyedika bereits vier Gelbe Karten gesammelt hatte. Dabei gesteht er offen, dass ihn die drohende Sperre in einer Situation aktiv gehemmt hatte. „Ich war hin- und hergerissen, am Ende habe ich mich gegen das Foul entschieden.“
Ronaldinho, Pogba und die 25
Der 24-Jährige wurde in Imo, einem Bundesstaat im Süden Nigerias, geboren. Über seinen Jugendverein F.C. Ebedei schaffte er mit 18 Jahren den Sprung nach Europa zum FC Midtjylland in Dänemark. Dabei ließ er sich von mehreren Spielern inspirieren. So zählte früher beispielsweise Ronaldinho zu seinen Helden. „Was die Spielweise angeht, schaue ich mir auch etwas von Paul Pogba in seinen besten Jahren ab. Aber auch er hat ein etwas anderes Spielerprofil im Mittelfeld als ich.“ Bereits seit 2022 läuft er auch für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes auf. Seitdem kam er bereits zu 27 Einsätzen, in denen ihm drei Treffer gelangen. Bei der letzten Länderspielreise trat der Adlerträger allerdings verfrüht die Heimreise an. „Der Impuls kam vom Verein, damit wir gegen Ende der Länderspielperiode mehr gemeinsame Vorbereitungszeit haben.“
Bei der Eintracht trägt er die Rückennummer 25. Eine intuitive Entscheidung, wie er selbst sagt: „Das ist eigentlich relativ einfach. Meine Lieblingsnummern 15 und Sechs waren nicht verfügbar, als ich zur Eintracht gewechselt bin.“ Auch wenn Onyedika bei der SGE bisher immer spielte, unterscheiden sich seine Nebenleute. Am häufigsten kamen an seiner Seite bisher Mario Götze und Noel Aseko zum Einsatz, aber auch Oscar Højlund sammelte Minuten. An Onyedikas Aufgabenverteilung ändert sich jedoch nichts, egal wie Cheftrainer Adi Hütter aufstellt. „Meine Nebenmänner spielen teilweise unterschiedlich. Ich bin der defensivste unserer Mittelfeldspieler.“ Außerdem fordere Hütter, dass die Spieler zu jedem einzelnen Kollegen eine Bindung aufbauen. „Das beherzige ich und freue mich, mit Mario, Noel oder auch Oscar aufzulaufen.“
Im Kopf vorbereitet sein
Am kommenden Samstag steht für Eintracht Frankfurt das nächste schwere Spiel auf dem Programm. Im Top-Spiel trifft man auswärts auf Borussia Dortmund. Auch wenn die Bundesliga für den Mittelfeldspieler noch Neuland ist, kennt er den BVB bereits aus früheren Aufeinandertreffen. So traf er mit Brügge vor zwei Jahren am ersten Spieltag in der Königsklasse auf Schwarz-Gelb. „Wir haben lange Zeit richtig gut dagegengehalten, hatten Chancen, selbst 1:0 oder 2:0 zu führen. In den letzten 20 Minuten ist die Partie gekippt.“ Dortmund erzielte in der Schlussviertelstunde drei Tore und gewann 3:0. „Es war merkwürdig. Das Gefühl, gut mitgehalten und trotzdem auch in der Höhe verdient verloren zu haben.“ Am Samstag erwartet die Eintracht wohl eine Kulisse von etwa 80.000 Zuschauern. Auch für den 25-Jährigen ist das eine Premiere. „An so viele Zuschauer kann ich mich nicht erinnern. Ich habe schon viel über das Stadion, die Stimmung und nicht zuletzt das gegnerische Team gehört. Ich denke, es wird schön und anstrengend!“
Viele Berührungspunkte hatte er mit den meisten Gegenspielern noch nicht. Allerdings kennt er Konstantinos Karetsas aus Belgien und Ethan Nwaneri aus einem Duell gegen den FC Arsenal. „Das sind für mich zwei Beispiele, die zeigen, wie stark der Dortmunder Kader aufgestellt ist. Ich freue mich auf diese Herausforderung.“ Die Statistik spricht auf dem Papier klar gegen die SGE. 14 der vergangenen 15 Heimspiele gegen die Eintracht konnte die Borussia für sich entscheiden. Der letzte Auswärtssieg war im April 2021. Als Cheftrainer stand damals Hütter an der Seitenlinie. „Typisch Fußball“, lacht Raphael Onyedika. Er traut seiner Mannschaft auch im Ruhrpott einiges zu. „Dass die Hürde hoch ist, wissen wir selbst. Wir tun in dieser Woche alles, um bestens vorbereitet zu sein, auch im Kopf.“ Wichtig sei es, dass sich die Spieler vergegenwärtigen, dass sie immer Raum für Verbesserungen haben. Auch nach einem Sieg. „Wir sind gut, müssen aber beherzigen, in jedem Spiel über 90 bis 95 Minuten die Details auf unsere Seite zu ziehen. Zur Statistik: In Mainz haben wir auch gewonnen, obwohl die Zahlen gegen uns sprachen. Aber klar: Dortmund ist nochmal ein anderes Kaliber.“






Ein Kommentar
Wenn sich Onyedika nicht wieder wie im Sprintduell mit El Mala 10 Meter auf 20 Meter Distanz abnehmen lässt, ja, ... dann ... könnte es gut werden...
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