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Trotz Krise: Albert Riera zeigt sich kämpferisch. Foto: Imago / Jan Huebner

Nach Heimpleite gegen Aufsteiger: Riera fordert Selbstkritik und Verbesserungen

Nach der bitteren wie verdienten 1:2-Heimschlappe gegen Aufsteiger Hamburger SV steckt die Frankfurter Eintracht (wieder) tief in der Krise und steuert erstmals seit 2020 auf eine Saison ohne Europa zu. Die bereits elfte Bundesliga-Pleite dürfte auch den letzten Optimisten die Resthoffnung auf ein weiteres Jahr auf internationaler Bühne genommen haben. Durch den Augsburger Sieg bei Werder Bremen kann die SGE sogar auf Platz neun abrutschen. Schon vor dem 100. Aufeinandertreffen zwischen dem Europa League-Sieger von 2022 und dem ehemaligen Bundesliga-Dino herrschten keine guten Voraussetzungen.

Ein „Bild“-Bericht vor wenigen Tagen über einen vermeintlichen Disput zwischen Albert Riera und Jonny Burkardt macht derzeit die Runde. Der betroffene Cheftrainer holte daraufhin auf der Spieltagspressekonferenz zum Rundumschlag aus und hielt einen sechsminütigen Monolog. Genau dieses Feuer und diese Leidenschaft, die der selbstbewusste Riera auf dem Podium zeigte, ließen seine Mannen auf dem Feld über 100 Minuten gegen die Norddeutschen komplett vermissen. „Ich bin sehr enttäuscht vom Ergebnis und von der Leistung. In der ersten Halbzeit fehlte die Energie. Dabei ging es nicht um Qualität“, so das Resümee des Spaniers. Nach dem Seitenwechsel erwischte die Eintracht zunächst mit dem Treffer von Can Uzun den Traumstart. „In der zweiten Hälfte war das Tor für mich der Schlüssel, was schon drei-, viermal passiert ist.“ Man erinnere sich an Köln, da verfielen die Hausherren wieder in alte Muster und gaben sogar eine 2:o-Führung aus der Hand. „Dann passiert das, was der HSV gemacht hat. Sie haben zwei Tore erzielt.“ Vor allem der erste Gegentreffer ärgert den Coach. „Nach dem 1:0 kassieren wir wieder ein Gegentor durch einen Eckball. Und dann kommt’s, wie es kommen musste. Dann kommt alles zusammen.“ Nach der kurzweiligen Führung gab der Tabellensiebte wieder das gleiche Bild ab. „Wir treffen nicht mal, wenn wir vorm Tor sind. Das ist das, was geschehen ist. Wie ich bereits sagte, nach dem 1:0 hören wir auf, zu spielen, zumindest in den ersten fünf, zehn Minuten und dann verlieren wir die Energie. Der Gegner spielte sein Spiel, weil wir nach den zwei schnellen Gegentoren aufgehört haben, zu spielen.“

Coach moniert fehlenden Rhythmus

Riera macht das verlorene Spiel vor allem an fehlendem Rhythmus fest, was aus seiner Sicht dennoch nicht als Entschuldigung angeführt werden sollte. Vielmehr wünsche sich der Ex-Profi mehr Kaltschnäuzigkeit in der Offensive. „Wir hatten Chancen, um das Spiel zu gewinnen, aber dafür müssen wir effektiver sein. Das waren wir nicht und die Realität ist, dass die Leistung nicht gut war und wir besser werden müssen.“ Für Riera stellt sich die Qualitätsfrage nicht, sondern „es ging in der Halbzeit um Rhythmus und darum, schneller zu spielen und das habe ich der Mannschaft gesagt. Ich verlange von ihnen, mit Rhythmus zu spielen, wenn wir den Ball erobern. Das ist der beste Moment, um anzugreifen.“ In den zweiten 45 Minuten ließ die Mannschaft aus Sicht des Cheftrainers die Effektivität bei der Chancenverwertung vermissen. „Wir müssen es viel besser machen. Wir müssen viel besser spielen“, so Rieras Schlussfolgerung, der in dieser Situation Verantwortung übernimmt. „Eine Sache, die ich normalerweise nicht mache, ist, mit meiner Mannschaft nach dem Spiel zu reden. Ich habe ihnen gesagt, dass ich verantwortlich bin. Wir müssen selbstkritisch sein. Draußen können wir über unsere Stärken reden, aber zunächst müssen wir kritisch zu uns selbst sein.“ Für den Fußballlehrer ist es kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern er möchte vielmehr den Blick weiter nach vorne richten. „Ich weiß, dass es eine schwierige Nacht für uns alle, vor allem für die Fans sein wird. Morgen ist ein neuer Tag und ich habe den Jungs gesagt, dass wir zwei Dinge tun können: Wir kicken gegen Flaschen und schreien oder von nun an denken wir darüber nach, was wir morgen und an den darauffolgenden Tagen machen müssen, weil ich in einer schwierigen Situation bin und wir gerade nicht den Turnaround schaffen.“

Appell an die Fans: „Brauchen sie“

Genau diesen Turnaround hätte es gestern gebraucht, um den Fans wieder eine Freude zu bereiten in einer ohnehin schon teils angespannten Lage. Doch das 1:2 gegen die Hanseaten verschlimmert das Verhältnis zwischen der Anhängerschaft und der eigenen Mannschaft. Nach dem zweiten Gegentreffer war ein extrem lauter Knall zu hören, symbolisch für „Wacht auf!“. Dann „wir wollen euch kämpfen sehen“-Gesänge und schließlich wurde der Support eingestellt. „Ich verstehe die Fans, sie sind zu Recht enttäuscht. Sie müssen enttäuscht sein, weil wir ihnen nicht das gegeben haben, was sie verdienen“, pflichtete Riera bei und unterstrich die Bedeutsamkeit der Fans und deren Unterstützung. „Trotzdem wünsche ich mir, dass sie hinter uns stehen. Wir brauchen sie. Wir haben ein junges Team und was sie jetzt brauchen ist Support. wir müssen zusammenhalten. Ich kann nicht kontrollieren, was sie machen, wie sie denken, aber wir brauchen sie für die sechs Punkte.“ Dafür möchte Riera mit seiner Truppe in Vorleistung gehen. „Solange ich hier bin, versichere ich, dass alle Spieler ihr Bestes geben werden. Und wenn es danach nicht genug ist, dann ist es nicht genug. Vielleicht sind wir nicht gut genug, aber wir geben unser Bestes.“ Was die Spieler jetzt Rieras Ansicht nach brauchen, ist Zuneigung. „Bereits morgen wird damit begonnen, dass sie Liebe bekommen.“ 

Trainer vor dem Aus? Riera weicht Frage aus

Spätestens nach der gestrigen Pleite dürfte die Zukunft des 44-Jährigen als Cheftrainer der SGE auf der Kippe stehen. Nicht wenige Fans fordern bereits seine Entlassung und es waren vereinzelt Pfiffe zu hören, nachdem Stadionsprecher Daniel Wolf den Namen des Frankfurter Trainers aufgerufen hatte. Sportvorstand Markus Krösche vermied im Anschluss, ähnlich wie bei Vorgänger Dino Toppmöller nach dessen letztem Spiel gegen Bremen, ein Bekenntnis. „Wir müssen jetzt nicht über den Trainer sprechen. Es geht um die Leistung auf dem Platz und jeder hat eine Aufgabe auf dem Platz.“  Die „Bild“ will außerdem erfahren haben, dass es zum „aktuellen Zeitpunkt wahrscheinlich ist, dass er im Sommer gehen muss, vor allem wenn er tatsächlich Europa verspielen sollte.“ Für den Betroffenen selbst spiele das alles keine Rolle, über seine Zukunft mache sich Riera keine Gedanken. „Ich sorge mich um die Fans, weil wir ihnen drei Punkte bescheren wollen. Das ist das, wofür wir kämpfen, damit sie am Ende des Tages stolz auf das Team sind. Aber unsere Waffen und Zutaten sind die Spieler, weil wir sie brauchen, um besser zu spielen. Sie müssen in einer guten Stimmung sein und sie brauchen Lösungen.“ Riera beschäftige sich nur mit Dingen, die er beeinflussen könne. „Das ist das, was ich kontrollieren kann. Ich denke nur darüber nach, was ich kontrollieren kann. Über Dinge, die ich nicht kontrollieren kann, mache ich mir keine Gedanken, sonst verliere ich Energie. Bis zum Ende gebe ich alles, wenn es nicht genug ist, ist es nicht genug. Aber ich gebe mein Bestes und bin verantwortlich. Die Spieler und der Staff sitzen im selben Boot. Wenn wir gewinnen, gewinnen wir gemeinsam und wenn wir verlieren, verlieren wir gemeinsam.“

„Sieg in Dortmund ist Pflicht“

Zwei Spiele hat der gebürtige Mallorquiner noch Zeit, um einerseits sportlich das Ruder herumzureißen und andererseits die Fans wieder für sich zu gewinnen und Argumente für sich zu sammeln. Mit dem voraussichtlichen Vizemeister Borussia Dortmund und dem Pokalfinalisten VfB Stuttgart warten zwei Mammutaufgaben auf die kriselnden Adler. Der internationale Wettbewerb rückt in weite Ferne, zumal der SC Freiburg mit einem Sieg oder einem Remis die SGE auf den achten Platz zurückdrängen kann. „Die Realität ist, dass wir es vor dem Spiel in der eigenen Hand hatten. Mit der Niederlage nicht mehr. Jetzt hängt es davon ab, was Freiburg macht.“ Doch Riera möchte sich, wie er bereits erwähnte, auf das fokussieren, worauf er Einfluss nehmen kann. „Was wir kontrollieren können ist, uns in dieser Woche richtig gut auf Dortmund vorzubereiten und da zu gewinnen.“ An seiner optimistischen Haltung hat sich auch nach der gestrigen Heimniederlage nichts geändert. „Ich bin stets optimistisch, weil ich die Mannschaft auf die gleiche Weise vorbereiten werde. Wir gehen nicht dahin, um zu schauen, was passiert. Sieg ist Pflicht.“ Und was macht Riera Hoffnung? „Ich habe das Gefühl, dass wir gegen hochstehende Gegner besser spielen. Es ist eine Herausforderung für uns, die wir gegen einen der besten Bundesliga-Teams antreten, wie wir es gegen Bayern und Leipzig getan haben. Wir können nicht sagen, die sind zehnmal besser als wir.“ Die Marschroute ist eindeutig: Wir fahren dahin und versuchen, zu gewinnen.“ Das wäre der erste Schritt, um zu verhindern, komplett in Chaos zu versinken und um den treuen Fans einen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluss zu bescheren.

8 Kommentare

Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 250 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 1. Dr. Hammer 03. Mai 26, 13:31 Uhr

Wir fahren dahin um zu gewinnen 🤣
Mehr fällt mir dazu echt nicht ein

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Fallback Avatar 2. vex 03. Mai 26, 13:34 Uhr

So schlecht kann Nico den BvB gar nicht auf- und einstellen, dass wir auch nur den Hauch einer Chance da haben

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Fallback Avatar 3. fuqu 03. Mai 26, 13:45 Uhr

Wir hätten des doch mit Lothar Matthäus versuchen sollen.
Riera sehe ich keine Zukunft mehr bei seinen Auftritten und dem leeren Auftreten des Teams.

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Fallback Avatar 4. PeKa 03. Mai 26, 13:52 Uhr

Wir liefern sang-und klanglos die Punkte ab und diese Saison ist dann endlich Geschichte.
Dass Albert unser Trainer bleibt, glauben nur die Leute, die die Hose mit der Beisszange zumachen. Mit welcher Realitätsferne er 3 Punkte in Dortmund anvisiert, zeigt, dass er entweder die Bundesliga nicht kennt oder nicht mehr alle Latten am Zaun hat.
Festzustellen ist, dass die beiden letzten Trainerentscheidungen von MK schlecht waren.
Dass die Saisonergebnisse in den letzten Jahren trotzdem gut waren, hat eher etwas damit zu tun, dass die Transfers herausragend waren.
Jetzt waren die Transfers so lala und dann kommt das heraus.
Das Augenmerk sollte in Zukunft darauf liegen, nicht in erster Linie zu schauen, welches Preisschild aufzukleben ist, sondern was er bereit ist, für die Mannschaft zu investieren.
Stand jetzt ist das eine Söldnertruppe, die wir nie haben wollten.
Kann nächste Saison nur besser werden.

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Fallback Avatar 5. tomtom 03. Mai 26, 13:53 Uhr

Am liebsten würde ich mich Richtung August baemen ,mal kurz draufschauen, was passiert ist und mir diesen zähen Sommer medial ersparen!

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Avatar 6. Hooliganverachter 03. Mai 26, 14:08 Uhr

Futkeu hat schon wieder genetzt.

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Fallback Avatar 7. salo 03. Mai 26, 14:10 Uhr

Werfe mal den Namen Vincent Wagner als Trainer in den Raum..

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Fallback Avatar 8. sgemarc 03. Mai 26, 14:40 Uhr Zitat - salo Werfe mal den Namen Vincent Wagner als Trainer in den Raum.. Path

Dann lieber Tedesco - hat zuletzt bei Fenerbahce performed und ist eher der ruhige Typ

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