Beim FC Augsburg musste sich die Eintracht mit einem Unentschieden zufrieden geben. Auf den 0:1-Halbzeitrückstand reagierte die SGE mit mehr Offensivdrang. Nach dem zu diesem Zeitpunkt verdienten 1:1 durch Ritsu Doan in der 66. Minute entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem beide Teams Chancen auf den Siegtreffer verpassten. Durch den Punktgewinn haben die Adler den SC Freiburg auf dem siebten Tabellenplatz vorerst überholt. Damit die Frankfurter aber auch nach Ende des Spieltages auf diesem bleiben, muss der SCF heute bei Borussia Dortmund verlieren.
„Es war nicht unsere beste erste Halbzeit“
Auch SGE-Trainer Albert Riera trauerte auf der Pressekonferenz nach dem 1:1 in Augsburg dem vergebenen Sieg hinterher: „Wir sind hierhin gefahren, um zu gewinnen. Mit drei Punkten heute wären wir in einer besseren Position, um am 16. Mai unser Ziel zu erreichen.“ Gerade in den ersten 45 Minuten wurde die Adler offensiv nicht zwingend genug und stellte die Gastgeber kaum vor Probleme. „Es war nicht unsere beste erste Halbzeit“, gab der Spanier zu. Im zweiten Durchgang habe die Mannschaft dann mehr getan, um das Spiel zu gewinnen. „Die Realität ist, dass wir in der ersten Hälfte versucht haben, die Umschaltmomente von Augsburg zu kontrollieren, weil sie bei diesen am gefährlichsten sind. Nach dem Seitenwechsel sind wir selber durch Konter gefährlich geworden, weil wir gute Spieler für diese Situationen haben. Am Ende müssen wir die Balance zwischen beiden Halbzeiten besser finden.“
Im Kampf um die europäischen Plätze ist aber dennoch nach wie vor alles drin für die Eintracht, wie auch Riera betont: „Mit dem einen Punkt stehen wir wieder auf dem siebten Platz. Freiburg hat aber noch ein Spiel mehr.“ Den Fokus müsse das Team aber auf die eigene Situation und nicht die der Freiburger: „Wir müssen an uns denken und unseren Job erledigen. „Drei Spiele stehen noch aus. Als nächstes spielen wir zu Hause vor unseren Fans. Wenn wir die drei Punkte holen, kommen wir wieder in eine gute Stimmung. Die Jungs glauben an unser Ziel.“
Was sich in den letzten Saisonspielen definitiv verbessern muss ist, dass die Mannschaft nicht nur während einer der beiden Halbzeiten ihr spielerisches Potenzial erkennen lässt: „Es ist fast unmöglich, jedes Spiel 90 Minuten lang zu kontrollieren, weil in der Bundesliga jede Mannschaft auf einem hohen Niveau spielt“, nahm Riera seine Spieler in Schutz. Der Spanier merkte aber auch an: „Wir wollen das aber trotzdem so lange wie möglich schaffen. Dabei gilt es, den Balanceakt zwischen Spielkontrolle und Torchancen hinzubekommen. Das Positionsspiel darf nicht zu statisch sein. Wenn es noch nicht 1:0 steht, wollen wir das Spiel aber auch nicht zu offen haben.“
„Larsson ist wichtig, um die zweiten Bälle zu gewinnen“
Dass die Mannschaft nach dem Seitenwechsel im Vergleich zur ersten Hälfte komplett verändert auftrat, erklärte der Trainer mit taktischen Umstellungen während der Pause: „In der Halbzeit hatten wir vor unserer Abwehrreihe Hugo Larsson, der sehr wichtig ist, um die zweiten Bälle zu gewinnen oder Situationen zu bereinigen, wenn wir hinten Fehler machen. Als wir in der zweiten Halbzeit den Rückstand drehen mussten mussten, wurde er offensiver. Außerdem ist Can Uzun weiter aufgerückt, weil wir in mehr Eins-gegen-eins-Situationen wollten. Wenn man aber den Spieler verliert, der die zweiten Bälle gewinnt und nah an der Abwehrkette steht, geht man mehr Risiko“ , beschrieb er. „Die Mannschaft fühlt sich aber auch in einem riskanten Positionsspiel wohl. Wir haben für dieses Spielsystem die richtigen Leute. Spieler wie Ansgar Knauff, Doan und Uzun müssen etwas isoliert auf dem Feld sein, um ihre Stärken am besten auszuspielen.“
Einen großen Anteil an der Leistungssteigerung hatten auch die personellen Wechsel zur Halbzeit. Die für Love Arrhov und Ayoube-Amaimouni-Echghouyab hereingekommenen Knauff und Doan machten auf ihren jeweiligen Seiten ordentlich Betrieb und waren beide entschied am Ausgleich beteiligt. „Arrhov und Ayoube Amaimouni-Echghouyab habe ich in der Pause nicht ausgewechselt, weil sie schlecht waren. Knauff und Doan waren, nachdem sie reingekommen sind, besser, weil sie frisch und ihre Gegenspieler 45 Minuten müder waren. Dadurch hatten wir dann mehr Möglichkeiten, um Chancen herauszuspielen“, bewertete Riera die Wirkung des Doppelwechsels.
Lob für Arrhov
Zudem hatte der Trainer noch einige positive Worte für den erst 17-Jährigen Love Arrhov überig, der in Augsburg zum ersten für die Eintracht in der Startelf stand. „Er hat sich diese Chance heute verdient, weil er im Training fantastisch gearbeitet hat. Arrhov ist unser einzige Spieler, der offensiv jede Position ausfüllen kann und ein sehr großes Talent. Wir müssen ihm dann Spielminuten geben, wenn das Spiel das Richtige für ihn ist. Es ist meine Verantwortung, zu entscheiden, wann dieser Zeitpunkt ist. Ich will, dass sich am Ende der Saison alle Spieler wichtig fühlen.“






12 Kommentare
Ich würde mal aufhören Experimente zu machen, Spielen auf ihren starken Positionen auflaufen lassen und Einwechselspieler nach notigem Aufkommen austauschen, ich denke das schaft kleine Wunder.
das sehe ich genauso
In der ersten Halbzeit war es leider das gleiche Spiel wie in den letzten Wochen. Die zweite Halbzeit war deutlich besser, aber mit so einer Leistung dürfte auch die Euroleague eine Nummer zu groß für uns sein. Das Unentschieden war für mich ein gerechtes Ergebnis.
Mir ist da gerade zu wenig Herz und zu wenig Leidenschaft in dieser Mannschaft.
Sie wissen alle, worum es geht und zerreißen sich nicht. So sehr ich Freiburg nicht mag, aber, die wissen alle, worum es geht und so spielen sie auch. Die wollen den 7. Platz unbedingt.
Hab gestern Uzun vor dem Mikrofon gesehen. Für mich symptomatisch für diese ganze Mannschaft.
Er wirkte so ohne Feuer, ohne Wut. Nicht falsch verstehen, ich finde, er hat ein ganz gutes Spiel gemacht. Da gab es auch viele positive Ansätze. Die Pause hat ihm scheinbar gut getan. Aber so richtiger, unbedingter Wille sieht für mich anders aus. Oder vielleicht will ich das auch unbedingt anders sehen.
Es wurde eigentlich alles schon geschrieben:
Wenn Du mal schaust, bringen viele Spieler, die letzte Saison starke Leistung gebracht haben, diese Saison deutlich weniger Leistung. Die Frage war für mich immer: wie kommt das?
Meiner Meinung nach waren wir die letzten zwei oder drei Jahre nicht so stark, wie es schien.
Die Durchschnittlichkeit des Teams wurde überbedeckt durch herausragende Spieler wie Muani, Marmoush und Ekitiké. In der letzten Saison haben die beiden letztgenannten über 60 % aller Scorerpunkte gemacht.
In der letzten und in der Vorsaison gab es einige Spiele, in der die Eintracht nicht besonders gut war (übrigens, erinnert Ihr Euch an die letzten Spiele vor dem Finale in Freiburg? War schon furchtbar, oder?), aber durch herausragende Aktionen einer von beiden oder beiden Spielern den Sieg oder einen Unentschied errungen hat (nur mal exemplarisch an das 3:3 gegen Bayern denken). Wahrscheinlich haben diese beiden Spieler auch die anderen Spieler teils mitgerissen, so dass diese über sich hinausgewachsen sind.
Mindestens mal haben sie aber durch Ihre Gefährlichkeit unsere Abwehr entlastet, was ja im ersten Teil dieser Saison besonders deutlich wurde. Nur als ein Beispiel: Koch, der so hart kritisiert wird, sowohl von seinen Leistungen als auch als Führungspersönlichkeit. Ich hab mich in den ersten Monaten nur gewundert. Aber mittlerweile frage ich mich: Hat er wirklich jemals anders gespielt? Oder wurde er einfach mitgerissen durch o.g. Ausnahmespieler?
Mein bitteres Fazit: Wir müssen unsere Erwartungen weiter im Zaum halten. Das ist schwer, denn ich persönlich möchte eigentlich immer einen Sieg der Eintracht sehen.
Aber auch gestern wieder: wir spielen gegen Augsburg und zwar in Augsburg. Das ist immer unangenehm. Dazu Augsburg noch deutlich besser in Form als wir.
In der Rückrundentabelle sind sie fünf Punkte vor uns (Frage an alle: ist das in unserer Realität eigentlich schon angekommen?). Letzte Woche haben sie gegen Leverkusen gewonnen. Gegen Leverkusen!
Man könnte also auch sagen, wir haben es gut gemacht mit dem Unentschieden.
Aber das fällt halt meiner etwas anspruchsvoll gewordenen Eintrachtseele dann doch sehr schwer.
Und da ist es natürlich sehr verführerisch, sich auf jemanden einzuschiessen, der scheinbar die Verantwortung hat.
Wir brauchen leider Geduld.
Auch mit dem Trainer. Es ist halt leider so das unsere "Führungsspieler" nicht annähernd an ihre letztjährige Leistung anknüpfen können, warum auch immer. Und es ist normal das die Jungspunde das nicht auffangen können.
Hast du mal überlegt für sge4ever in der Readaktion mitzuarbeiten? Deine Beiträge sind oft länger als der Artikel, es gibt viele Daumen hoch und deine Analysen sind sehr detailliert... Man sucht ja immer mal nach neuen Leuten.
1 Punkt in Augsburg ist zum jetzigen Zeitpunkt in Ordnung. Einen richtigen Kampf um Platz 7 sehe ich aktuell nicht und die nächste drei Spiele sind ein schweres Restprogramm.
Das mit Uzun würde ich nicht so eng sehen. Er geht höchstens bei einem Tor mal aus sich raus, ansonsten wirkt er auch nach einem Topspiel und Sieg der Eintracht eher, nicht böse gemeint, wie ein Schlaftablette, als wenn er sich von der Welt falsch verstanden fühlt. Mitunter besser als Sprücheklopfer.
Es gibt immer Spielertypen die in einem Kader besonders gut harmonieren. Das gleiche Alter kann da eine Rolle spielen, die gemeinsame Vergangenheit in einem Verein, Zockermetalität oder Kampftypen etc. Bestes Beispiel bei uns Brown und Uzun, die würde ich immer auf der gleichen Seite spielen lassen. Dazu passt Bahooya, denn eigentlich will man Dreiecke bilden. Rechts ist es mit Kristensen etwas schwieriger. Collins kann m. E. mit der Anmache (Motivation) nicht umgehen, bei Doan blicke ich da nicht durch, eigentlich wirkt er ja typisch asiatisch mental in sich geruht.
Von Konditionsproblemen konnte ich gestern nichts erkennen. Wenn man es nicht am Trainer festmachen machen will, muss man sich wohl an das ander Fass halten was bereits aufgemacht wurde, Probleme unter den Spielern. Jüngere gegen Ältere usw.
Gute Analyse. Sehe ich genauso. Insbesondere das Spieler wie Muani, Ekitike und Marmoush die Schwächen der vergangenen Jahre übertüncht haben.
Zu dem Interview von Uzun: ich glaube, dass sich in den letzten Wochen einfach eine gewisse Resignation breit gemacht hat. Man versucht sehr viel, aber irgendwie stimmen die Ergebnisse dann doch nicht. Es ist aber auch wirklich sehr ernüchternd. Normalerweise checkt ein Spieler wie Koch den Ball vor dem 0:1 einfach ins Toraus. In dieser schei… Phase befürchtet er aber, dass er den Ball vielleicht ins Tor lenkt und lässt ihn durch. Man sollte aber auch sehen, dass wir wesentlich weniger individuelle Fehler machen und in den letzten Spielen wieder deutlich mehr Torchancen erarbeitet haben. Man muss auch anerkennen, dass Augsburg und Leipzig einen Lauf haben, Köln bis auf die unglückliche gestrige Niederlage fünf Mal unentschieden gespielt hat und Mainz einen Lauf hatte. Und zu guter letzt. Leute, wir sind in der Rückrunde, da waren wir eigentlich immer schlecht 😢
Bei Sky gestern meine ein Spieler/Trainer (?) aus Brighton über die Unterschiede zwischen England und Deutschland im Stadion u. a. in Sachen Stimmung, dass es in England selten diesen Dauersingsang gibt, man viel mehr auf die Situationen auf dem Spielfeld reagiert, gute Aktionen etc. Das vermisse ich auch in der Bundesliga. Zuletzt gab es das bei uns, auf dem Weg zum Europacup Sieg. Von der ersten Sekunde jedes Tackling frenetisch bejubelt. Selbst bei der CL gab es das m. E. nicht mehr ganz so krass.
Natürlich haben alle Recht, die auf herausragende Spieler wie Muani, Ekitike, Marmoush (und auch Haller, Jovic, Silva etc.) verweisen. Solche Ausnahmespieler machen jedoch nicht nur bei uns den Unterschied. Auch die genannten Spieler benötigten ihre Findungs/Entwicklungsphasen bei uns.
Ich persönlich sehe auch in dieser Saison außergewöhnliche Spieler bei uns, z.B. Jonny, Kalimuendo, die zwar aktuell noch unter ihren Möglichkeiten bleiben. Ich hoffe jedoch, dass sie uns noch viel Freude machen werden (und es Eintracht natürlich erstmal gelingen muss, Kalilmuendo zu halten). Gestern, ein nach meiner Meinung verdientes Unentschieden, bedingt durch eine Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit. Das ist zwar noch lange kein Anlass zu Euphorie, aber es sollte schon positiv registriert werden. Um bis zum Saisonende bei der Musik zu bleiben, bedarf es weiterer Leistungssteigerungen, selbstredend.
"Hast du mal überlegt für sge4ever in der Readaktion mitzuarbeiten?"
Erst mal Danke für das schöne Kompliment.
Einerseits ja, einerseits nein. Lust auf Schreiben hätte ich schon. Letztens wurde ja auch mal von der Redaktion in die Runde gefragt. Und da hatte ich schon überlegt, ob ich mich nicht mal bewerben soll.
Ich hab nur Angst, dass wenn es zur Pflicht wird, und das wäre ja dann so, dass dann die Beiträge nicht mehr so aus dem Herzen kommen.
Außerdem, wenn man sich hier unter dem Artikel tummelt, dann kommt das ja auch zur Interaktion mit den anderen und das mag ich schon sehr an diesem Forum. Wenn man dann "nur" noch "oben" den Artikel schreibt, könnte diese Interaktion, so befürchte ich, verloren gehen.
Und zuletzt und das klingt nun wirklich nach Ausrede, ist es einfach die viele Arbeit bei mir, die mich ausbremst.
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