Nach seinem Wechsel nach Frankfurt im Sommer 2024 war Rasmus Kristensen lange Zeit nicht aus der SGE-Startelf wegzudenken. Seit seiner beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach zugezogenen Syndesmose-Verletzung am linken Sprunggelenk bleibt dem 28-Jährigen aber nur der ungewohnte Platz auf der Tribüne. Im Vodcast der Eintracht spricht der Rechtsverteidiger über seine aktuelle Verletzungssituation, die bisherige Saison und die schlimmste Zeit seines Lebens.
„Aktuell geht es geht mir richtig gut. Es ist keine einfache Verletzung, momentan bin ich aber voll im Zeitplan“, berichtet Kristensen über seine Fortschritte in der Reha. „Meinen Fuß und die Wade muss ich zwar noch aufbauen, ich bin aber schon früher als erwartet ohne Krücken gelaufen.“ Bereits im September machte ihm eine Oberschenkelverletzung aus der Partie in Leverkusen zu schaffen, wegen der der Däne über drei Wochen ausfiel. „Das war im Vergleich aber nicht so schlimm“, erinnert er sich. „Meine jetzige Situation ist aber ein bisschen anders, eine Syndesmose-Verletzung habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt. Es musste ja auch operiert werden, das war neu für mich.“
Auf dem Platz stand Kristensen unter Albert Riera nur bei Union Berlin und im ersten Durchgang des Heimspiels gegen Borussia Mönchengladbach, bevor er verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Trotzdem durfte der Rechtsverteidiger schon einige Eindrücke vom neuen Trainer sammeln: „Bei den Videoanalysen sind auch alle verletzten Spieler dabei. Ich versuche immer möglichst alles aufzusaugen. Ich erwarte viel von mir selber, aber auch von allen anderen“, erzählt er und lobt die Arbeit des Spaniers: „Riera ist sehr hart, aber fährt meiner Meinung nach genau die richtige Linie. Er weiß genau, wie wir spielen wollen. Bei ihm gehen alle in dieselbe Richtung. Das gefällt mir.“
„Schwierigkeiten haben viele Gründe“
Die Saison 2026/27 läuft bei der Eintracht weitestgehend unter den Erwartungen. Mit acht Punkten Rückstand auf die Sechstplatzierten Leverkusener bei noch sieben ausstehenden Spielen liegt der Einzug in die Europa League und damit auch der Traum vom Finale 2027 in Frankfurt aktuell in weiter Ferne. Als mögliche Ursachen hierfür nennt Kristensen unter anderem die vielen Verletzungen, sowie einige Umgewöhnungen innerhalb des Teams: „Die Schwierigkeiten in dieser Saison haben meiner Meinung nach viele Gründe. Angefangen mit den Verletzungen zu falschen Zeitpunkten in den falschen Spielen. Wir haben im Vergleich zum letzten Jahr aber auch einen großen Umbruch hinter uns. Das dauert und braucht Zeit. Es sind neue Spielertypen reingekommen. Jeder Spieler hat jetzt andere Aufgaben als letztes Jahr.“
Trotzdem hofft der Däne, in den letzten Wochen der Saison noch in den Kampf um die europäischen Plätze eingreifen zu können: „Mein Ziel ist es, bei den letzten drei bis vier Spielen dabei zu sein. Der sechste Platz ist noch erreichbar, aber wir müssen auch siegen. Ich glaube, dass wir gegen jeden Gegner gewinnen können. Jedes Mal, wenn wir auf dem, Platz stehen, müssen wir dieses Selbstvertrauen haben, damit wir noch so viele Punkte wie möglich holen.“ Auch aufgrund dieses Mindsets und seiner kampfbetonten Spielweise ist Kristensen bei der SGE zum einem der Publikumslieblinge geworden. Richtig bewusst, welches Standing er bei den Fans genießt, ist ihm spätestens nach dem Champions-League-Einzug im Mai letzten Jahres geworden: „Ich merke schon, dass ich viel Liebe von den Fans bekomme. Nach dem, was wir in der letzten Saison erlebt haben – besonders nach dem, was Spiel in Freiburg alles passiert ist – habe ich schon gemerkt, dass ich etwas richtig gemacht habe.“
„Wollte eigentlich mit Fußball aufhören“
Immer ist das während Kristensens Karriere nicht so gewesen. Schon im Alter von 20 Jahren verließ er seinen dänischen Heimatverein, den FC Midtjylland, in Richtung Ajax Amsterdam, das im Jahr darauf sogar bis ins Halbfinale der Champions League kam. Im Nachhinein betrachtet sieht er diese Zeit zwar als „lehrreich“, glücklich wurde er in den Niederlanden aber ebenso wenig, wie bei seinen nächsten internationalen Stationen in Salzburg, Leeds und Rom. „Ich hatte Depressionen“, erzählt er im Vodcast und gibt tiefe Einblicke in seine damalige Gefühlswelt: „Es war so schlimm, dass ich eigentlich mit Fußball aufhören wollte. Wann genau dieser Zeitpunkt da war, ist schwer zu sagen, weil das schleichend über die Jahre kam, in denen es dann immer schlimmer und schlimmer wurde, bis ich dachte, dass Fußball und diese Welt nichts für mich sind. Diese Entscheidung habe ich eigentlich schon für mich getroffen. Ich habe das Vertrauen verloren, dass ich im Fußball Spaß haben kann oder einen Verein außerhalb von Dänemark finde, in dem ich mich wohl fühle.“ Besonders schmerzhaft war das für Kristensen auch wegen des Zeitaufwandes, den er als Kind und Jugendlicher in das Ziel, Profifußballer zu werden, gesteckt hat: „Das tut weh, wenn man sein ganzes Leben für seinen Traum gearbeitet hat, diesen erreicht und dann das Gefühl hat, dass das doch nicht das Richtige für einen war und man viel Zeit für nichts verloren hat.“
Anstatt aber schon im Sommer 2024 zurück in die Heimat zu wechseln, hat der Däne es nach seiner Leihe in Rom trotzdem bei der Eintracht mit einem weiteren Leih-Jahr versucht: „Ich hatte die Hoffnung, dass ich mich in Deutschland ein bisschen wohle fühlen kann, als woanders. Auch weil ich die Sprache schon konnte. Über den Spielstil habe ich damals mit Dino und Markus gesprochen. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich hier wichtig sein kann. Dann habe ich zu meiner Frau gesagt, dass es das Richtige ist, es in Frankfurt zu probieren. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich nach der Leihe auch wieder nach Hause gehen können. Jetzt freut es mich, dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Die Eintracht war für mich der richtige Verein zum richtigen Zeitpunkt. Manchmal passt alles.“ Ein großes Loben richtet Kristensen auch an die Mitarbeiter im Verein aus: „Ich habe hier nur gute Leute getroffen. Als sozialer Mensch brauche ich sowas. Auch das Medienteam ist besser, als es normalerweise der Fall ist. Eigentlich bin ich gar kein großer Fan von Medien, aber hier macht es mir Spaß, mit ihnen zu arbeiten. “
Seit die Eintracht Kristensens Kaufoption nach seiner ersten Saison im SGE-Trikot zog, besitzt er einen Vertrag bis 2029 für die Frankfurter. Bei der Eintracht bleiben möchte er laut eigener Aussage aber noch solange es ihm noch möglich sei. „Mein Hauptfokus ist, dass ich mich wohl fühle und Spaß habe. Das soll so lange wie möglich bleiben. Ich will mit Eintracht Frankfurt gerne wieder in den Europapokal. Das ist mein letzter Fußballtraum.“ Beenden wolle er seine aktive Karriere dann beim FC Midtjylland: „Das ist meine Heimat. Wenn ich im Ausland mit Fußball fertig bin, will ich auch für meine Familie wieder dorthin zurück. Mit unserem Sohn wollen wir dann näher bei Freunden und Familie wohnen.“
Hier gibt es Hilfe
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe berät Betroffene und Angehörige am Info-Telefon Depression unter 0800 3344533 (Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr & Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr).






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