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Sollte Kaua Santos weiterhin das Frankfurter Tor hüten? Foto: IMAGO / HMB-Media

Kommentar: Sollte Santos das Vertrauen bekommen? Zwei Redakteure, zwei Meinungen!

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Kaum eine Thematik wird im Zusammenhang mit Eintracht Frankfurt derzeit so emotional diskutiert wie die Frage nach der neuen „Nummer 1“ im Tor. Seit dem Abgang von Vereinslegende Kevin Trapp ist in dieser Sache keine Ruhe eingekehrt. Kaua Santos wusste in der letzten Saison nicht restlos von sich zu überzeugen und fiel auch durch Verletzungen immer wieder lange aus. Jetzt patzte er kürzlich wieder gegen den Brendfort FC. Gleichzeitig wird allerdings auch Michael Zetterer kritisch gesehen, dessen Leistungen eher im Bereich „solide“ einzuordnen waren. Das Thema wird auch innerhalb der SGE4EVER.de-Redaktion unterschiedlich bewertet. Während unser Redakteur Folke einer weiteren Santos-Saison eher kritisch gegenübersteht, sieht Chefredakteur Florian das Ganze ein wenig anders.

Folke: Santos wird in Frankfurt nicht mehr funktionieren

Folke Müller: Eigentlich war ich immer ein großer Befürworter von Kaua Santos. Ich scheue mich auch nicht zu sagen, dass ich 2025 einer derjenigen war, die gut nachvollziehen konnten, weshalb Kevin Trapp abgegeben wurde. Einem so jungen Torwarttalent, das in Spielen wie gegen Besiktas Istanbul grandiose Leistungen erzielt hatte, jetzt den nächsten Schritt zu ermöglichen – das leuchtete mir ein. Natürlich wusste ich, dass Trapp riesige Handschuh-Abdrücke hinterlassen würde, aber ich traute Santos durchaus zu, diese auszufüllen. Nicht direkt, aber mit der Zeit. Doch innerhalb der letzten Saison kam es dann bei mir zu einem Umdenken. Immer wieder und immer öfter schlichen sich Patzer in das Spiel des Brasilianers ein, der schon seit Anbeginn seiner Zeit zwischen Wahnsinn und Genie zu pendeln schien. 54 Prozent abgewehrte Bälle, 32 Gegentore in 13 Spielen – Statistiken des Grauens. Allerdings hatte die SGE auch allgemein ein großes Abwehrproblem. Immer wieder schien die Hintermannschaft vollkommen überfordert zu sein. Santos war zum Teil zu bemitleiden bei all den Schüssen, die auf sein Tor gingen. Gleichwohl zeichnete er sich aber auch selten durch großartige Paraden aus. Dann die Verletzung, die ihn aus der Bahn warf.

Klar ist: Das ständige Hin- und her im Frankfurter Tor muss ein Ende haben. Die SGE muss sich auf eine Torwart festlegen und diesem das Vertrauen schenken. Nicht bei dem ersten Wackler darf schon getauscht werden. Ich bezweifle aber, dass die Eintracht sich oder dem Spieler einen Gefallen tut, wenn die Wahl auf Santos fällt. Ja, er ist sehr talentiert und hat großes Entwicklungspotenzial. Ihm das abzusprechen, wäre faktisch verkehrt. Ich glaube aber nicht, dass er dieses Potenzial in Frankfurt wird ausschöpfen können. In meinen Augen muss Santos den Verein wechseln, um in einem neuen Umfeld neu anfangen zu können. In Frankfurt wird er von überall mit Argusaugen beobachtet. Jeder Patzer wiegt schwer, direkt wird Kritik laut. Egal ob diese dann berechtigt ist oder nicht – es wird ihn weiter verunsichern. Natürlich bekommt der Spieler es mit, wenn das ganze Eintracht-Internet sich gegen ihn ausspricht. Auch die Körpersprache seiner Teamkollegen bei Gegentoren spricht Bände. Das ist daneben und spricht gegen den Teamgeist der Eintracht. Aber wenn die Spieler ihn vorwurfsvoll anstarren, anstatt ihn aufzubauen – wie soll das funktionieren? Wie soll ein so junger Kerl da so dringend benötigtes Selbstvertrauen fassen?

Als Santos in der Saison 2024/2025 die ersten Einsätze für Frankfurt sammelte, da hatte er dieses Selbstvertrauen. Unbekümmert pflückte er die Bälle runter und hielt Schüsse fest in seiner Hand, die andere Keeper zur Seite abgewehrt hätten. Wenn er aus dem Tor rausstürmte, dann mit allem was er hatte und er zog durch. Für all solche Dinge braucht man Selbstvertrauen. Das hat er nicht mehr. Wenn Santos heute aus dem Kasten herauskommt, entscheidet er sich manchmal auf halbem Wege dazu, doch zurückzueilen und macht eine ohnehin brenzlige Situation noch schlimmer. Seine Unsicherheit ist ihm an jeder Faser seines Körpers anzusehen. Das tut weh und mir persönlich auch sehr leid, denn er hat das Zeug dazu, mal ein großer Torhüter zu werden. Ich glaube aber nicht, dass das in Frankfurt noch gelingen kann. Ich traue ihm eine große Karriere zu – leider nicht mehr bei der Eintracht. In meinen Augen müssen die Hessen jetzt Klarheit im Tor schaffen und eine neue Nummer 1 verpflichten. Vielleicht ja tatsächlich Noah Atubolu vom SC Freiburg. Diese Personalie brachte der „Kicker“ unlängst ins Spiel. Eine weitere Saison mit einem Unruheherd zwischen den Pfosten kann man sich am Main nicht mehr leisten.

Florian: Frankfurt ist dafür bekannt, dass junge Spieler Zeit und Vertrauen bekommen

Florian Bauer: Meiner Meinung sollte die Frankfurter Eintracht weiterhin auf Kaua Santos setzen. Ja, er hat gegen Brentford einen Fehler gemacht. Ja, er sah in der letzten Saison einige Male nicht gut aus. Aber: Kaua Santos hat unbestritten das Talent, um Bundesliga-Keeper zu werden – und ein verdammt guter noch dazu. Jeder von uns hat noch vor Augen, wie er in seinen ersten Spielen für die SGE überzeugt hat. Beim 3:3 gegen den FC Bayern München, als er in der Nachspielzeit einen unhaltbaren Ball hielt, beim Auswärtssieg in Istanbul, als er die SGE mit mehreren Weltklasse-Paraden im Spiel hielt. Diese Spiele haben gezeigt, dass er – wenn er das Vertrauen bekommt – ein richtig guter Keeper ist. Und genau um dieses Vertrauen wird es auch in Zukunft gehen – auch und vor allem von den Fans.

In der vergangenen Saison kam er aus einer schweren Verletzung, er wurde von Beginn an kritisch beäugt, jede Bewegung wurde bewertet. Dazu war die Erwartungshaltung immens. Kann ein junger Spieler so Vertrauen bekommen? Die Antwort ist ganz klar: Nein. Es sollte nicht darum gehen, Santos bei jedem Fehler niederzumachen, sondern darum, ihm Vertrauen zu schenken, wenn er einen Fehler macht. So etwas gehört zur Entwicklung eines jungen Spielers. Ironischerweise wird jetzt ein Transfer von Noah Atubolu zur SGE diskutiert. Wenn man sich an die Anfänge des Torhüters in Freiburg zurückerinnert, so denkt man an viele Patzer, Unsicherheiten und Probleme. Und jetzt? Ist er einer der besten Keeper Deutschlands. Und warum? Weil er Vertrauen bekommen hat. Weil man im Breisgau sicher war, dass er das Potenzial hat und auf ihn gebaut hat. Ein Gegenbeispiel wäre Michael Rensing vor einigen Jahren beim FC Bayern. Der hat kein Vertrauen bekommen und wurde von Beginn an zu kritisch gesehen und regelrecht fertig gemacht. Er bekam auch von den Fans keine Zeit, kein Vertrauen und keine Unterstützung. Eintracht Frankfurt war dafür bekannt, dass die Spieler Zeit bekommen und die Fans hinter der Mannschaft stehen. Bei Kaua Santos sind derzeit eher FC-Bayern-Vibes angesagt, das geht so nicht. Lasst uns Kaua Santos eine volle Saison geben und zeigen, dass die Unterstützung und der Zusammenhalt einen Spieler besser machen. Er wird Fehler machen, das ist bei solch einem jungen Spieler normal. Er wird aber auch gut halten. Dann, da bin ich mir sicher, bekommt die SGE einen Keeper, der mehr Punkte rettet als kostet.

3 Kommentare

Der User hat SGE4EVER.de finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 1. Folke Müller 17. August 26, 12:03 Uhr

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Fallback Avatar 2. sgeromeo 17. August 26, 12:06 Uhr

Santos ist für mich jemand, den man nach Belgien verleihen sollte. Das ist für ein klassischer Fall, wo ein Tapetenwechsel gut tun würde und er gestärkt hervor gehen kann.

Santos hat während des Trapp-Ausfalls Top-Leistungen gebracht und uns sicherlich auch Punkte gebracht und gehalten.

Durch die schwere Verletzung ist er nicht mehr der Alte und kann nicht an seine Leistungen anknüpfen. Also das Potential ist hier defitniv vorhanden, aber vielleicht braucht er ein funktionierendes Team, was selbst nicht im Wandel ist. Daher wäre ähnlich wie Kamada und Tuta sein Weg über eine Leihe und regelmäßige Spielzeit sich wieder dahin zu bringen, wo er einmal war. Weg vom Fokus der Eintracht.

Er braucht vielleicht auch einen anderen Torwarttrainer, der einfach mal anders mit ihm arbeiten, ggf. auch sportpsychologisch, da ggf. auch hier etwas im Argen liegen kann. Insbesondere nach einer schweren Verletzung braucht man hier eine andere Betreuung.

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Fallback Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 3. Italo-Hesse 17. August 26, 12:08 Uhr

die unnötigste Baustelle der letzten 20 Jahre...hier hat man wohl zu sehr an die möglichen Millionen gedacht....ich hätte Trapp noch behalten und Santos dahinter oder per Leihe in Ruhe aufgebaut....aber mich fragt, zum Glück, ja keiner

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