Als ein Journalist auf der Saisonabschlusspressekonferenz seine Frage mit der Aussage: „Sie waren ja bisher nur erfolgreich, wenn man das mit ganz leichten Einschränkungen sagen darf“ begann, schüttelte Markus Krösche in bescheidener Manier leicht den Kopf, widersprach dieser Ausführung ein wenig. Bei all der Bodenständigkeit und dem Demut muss der erfahrene und selbstbewusste Sportvorstand seine Errungenschaften bei Eintracht Frankfurt keineswegs schmälern. Krösche führte den Verein mit klugen Transfers regelmäßig ins internationale Geschäft sowie zu einem internationalen Titel. Nicht umsonst wurde der gebürtige Hannoveraner in der Saison 2024/2025 von Zuschauern des „Sky“-Formats „Transferupdate – die Show“ zum „Manager der Saison“ gewählt. Nicht überraschend sind auch die Begehrlichkeiten, die Krösche bei großen Vereinen wie Borussia Dortmund, FC Bayern München und AC Mailand geweckt hat. Doch der ehemalige Profi ist keiner, der den Bettel hinwirft, schon gar nicht, wenn im Stadtwald sportlich düstere Zeiten einschlagen, wie er selbst erklärte. Der 45-Jährige ging mit all seiner Erfahrung und der Autorität hart mit sich selbst ins Gericht und nahm die komplette Verantwortung auf sich. Selbstkritik statt Finger-Pointing, Einsicht statt Ausreden, klares Benennen von Fakten statt sich hinter Worthülsen zu verstecken. Krösche nannte das Kind beim Namen, legte den Finger in die Wunde und sprach Tacheles. Für jede kritische Frage zeigte er Verständnis, antwortete stets ausführlich und professionell, selbst die Aussage: „Traurig zu wissen, dass man nur 20 Prozent von Alberts Kraft genutzt hat“ nahm der Vereinsboss dem vor Kurzem geschassten Cheftrainer nicht krumm.
Krösches Kaderpolitik auf dem Prüfstand
Dieser selbstreflektierte wie professionelle Auftritt gepaart mit einer Souveränität und einer Demut zeugt von Größe. Doch was ist die Konsequenz? Sicherlich nicht ein Rücktritt. Auch keine Entlassung, nein, das wäre angesichts der Erfolge, die die SGE Krösche zu verdanken hat, einem professionell geführten Bundesliga-Club erstens nicht würdig, zweitens wäre das schlicht unfair. Auch ein Sportvorstand darf Fehler begehen und Fehleinschätzungen machen. Er muss nur dazu stehen, das hat Krösche zweifelsfrei getan. „Wir, vor allem auch ich, haben dieses Jahr Entscheidungen getroffen, die nicht funktioniert haben, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Für Elye Wahi, der in Frankfurt nie Fuß fassen konnte, flossen insgesamt 26 Millionen Euro nach Marseille. Die Lücke, die durch den Verkauf vom flexibel einsetzbaren Tuta vor der abgelaufenen Saison entstanden ist, wurde nicht geschlossen. Mit Kevin Trapp ging ein Europa-Cup-Held, der Kapitän und ein immens wichtiger Führungsspieler von Bord, weil man ihn zur Nummer zwei degradiert hatte. Natürlich hat jede Ära ein Ende, auch die des inzwischen 35-jährigen Schlussmannes. Doch das jähe Ende kam deutlich zu früh, die Hessen waren offensichtlich noch nicht gereift dafür. Weder Talent Kaua Santos noch Routinier Michael Zetterer konnten würdevoll in die Fußstapfen der Vereinslegende treten. Auch der ständige Wechsel zwischen den Pfosten tat der gesamten Mannschaft alles andere als gut. Mit der Verpflichtung von Jonny Burkardt und Ritsu Doan änderte sich die Transferstrategie, Krösche setzte auf bundesligaetablierte Spieler. Für beide waren jeweils eine Ablöse von 21 Millionen Euro fällig. Doan ließ sein Können viel zu selten aufblitzen und wirkte in den meisten Spielen wie ein Fremdkörper. Burkardt zahlte dagegen mit Abstrichen die Ablöse mit 13 Toren in 22 Ligaeinsätzen zurück. Weil er aber im Vergleich zu seinen Vorgängern ein anderer Stürmertyp ist, musste das System zu Ungunsten der Defensive angepasst werden. Hier wäre der immer wieder geforderte Sechser als Stabilisator und Strippenzieher die Lösung gewesen. Auch im Winter wurde versäumt, die vakante Position mit Leben zu füllen.
Drei Versuche, kein Treffer: Trainerrotation ohne Wirkung
Hinzu kommt, dass die Trainerwechsel inklusive Interimslösung wirkungslos blieben. Dino Toppmöller wurde nach zwei erfolgreichen Spielzeiten mitten in der Saison kurz nach dem Jahreswechsel vor die Tür gesetzt. Unter dem Interimsduo Dennis Schmitt und Alex Meier konnte die Mannschaft keinen einzigen Punkt einfahren. Die darauffolgende hoffnungsvolle Albert Riera-Ära kristallisierte sich ebenfalls zu einem kurzen Intermezzo heraus, weil nach einer verheißungsvollen Anfangseuphorie die sportliche Wende ausblieb und zu viele Nebenkriegsschauplätze das Klima im Umfeld des Clubs arg belasteten. Drei Trainerteams haben nicht funktioniert, auch das geht auf das Konto des Vereinsbosses. Krösches Image des „Eintracht-Machers“ und des erfolgreichen Sportvorstandes, der „am kochen ist“, bekam infolgedessen aufgrund der etwas zunehmenden Kritik leichte Kratzer. Das weiß er selbst, das hat er festgestellt und infolgedessen die Karten auf den Tisch gelegt. Dafür erntet Krösche zu Recht viel Lob und Anerkennung. Doch das Feststellen von Fehlern und Fehlschätzungen bedeutet gleichzeitig auch, dass gehandelt werden muss. Krösche selbst, aber auch Vorstandssprecher Axel Hellmann kündigten bereits große Veränderungen an. Stichwort Kaderumbruch und nachhaltige Nachwuchsförderung. Krösche schafft sich damit selbst ein nicht zu unterschätzenden Druck und muss jetzt liefern. Zunächst muss die wichtigste Personalie geklärt werden: Wer beerbt den geschassten Albert Riera? Der neue Trainer muss, nach Toppmöller, Schmitt + Meier und Riera sitzen. Noch einen Fehlgriff kann sich der Manager nicht erlauben. Egal ob Adi Hütter, der nach seinem unrühmlichen Abschied das Vertrauen einer nicht geringen Fan-Fraktion zurückgewinnen muss, oder der junge deutsche Matthias Jaissle, der in seiner noch jungen Trainerkarriere wie sein potenzieller eigenwilliger Vorgänger noch keine Erfahrung im deutschen Oberhaus vorzuweisen hat – Jede Entscheidung birgt ein gewisses Risiko. Dieses muss Krösche gründlich abwägen und letztlich die richtige Entscheidung treffen.
Frankfurt im Umbruch: Offene Kaderfragen und schwierige Entscheidungen
Mit dem neuen starken Mann an der Seitenlinie muss Krösche einen konkurrenzfähigen Kader zusammenbauen. Weil in der neuen Saison die Adler nur noch auf zwei Hochzeiten tanzen werden, müssen auf wichtige Einnahmen verzichtet werden. Die Eintracht ist mehr denn je auf Transfererlöse angewiesen, Leistungsträger wie Can Uzun und Nene Brown könnten das Weite suchen. Zudem müssen Personalien um Arnaud Kalimuendo, Doan und die Leihrückkehrer geklärt werden. Wird bzw. kann die SGE die hohe Kaufoption für die Leihgabe von Nottingham Forest zahlen? Und wenn nein, spielt das Noel Futkeu in die Karten? Der Youngster nahm bei der SpVgg Greuther Fürth in der zweiten Bundesliga eine persönlich herausragende Entwicklung. Mit 19 Toren kürte sich Futkeu zum Torschützenkönig und bestreitet mit den Kleeblättern noch das Relegationsrückspiel gegen Rot-Weiß Essen. Im Anschluss wird der 23-jährige Torjäger erstmal in die Bankenmetropole zurückkehren, weil die Führungsriege der Hessen Gebrauch von einer Rückkaufoption gemacht haben. Junior Dina Ebimbe zeigte sich vor Kurzem in einem Interview sehr selbstreflektiert, bereut sein Verhalten und gab zu, dass es besser gewesen wäre, Krösches Rat anzunehmen. Ebimbe erzielte in 27 Ligue 1-Spielen fünf Tore bei Stade Brest. Wahi dürfte dagegen mit Sicherheit keine Zukunft mehr beim Bundesligisten haben. Die SGE erhofft sich, nach den starken Leistungen bei OGC Nizza und nach der anstehenden Weltmeisterschaft mit der Elfenbeinküste den Mittelstürmer für den gleichen Preis, für den man Wahi verpflichtet hatte, zu verkaufen. Was passiert mit Doan? Bekommt der Japaner nochmal eine Chance, nachdem der Zugang vom SC Freiburg über weite Strecken hinter den Erwartungen zurückblieb? Der Kader soll jedenfalls reduziert werden, so lautet der Plan. Ziel ist es, zukünftig und nachhaltig dem Nachwuchs den Zugang in den Profibereich zu ermöglichen, nachdem die SGE seit einigen Jahren dieser Entwicklung hinterherhinkt. Weiterhin stellt sich die Frage nach der Nummer eins. Zetterer soll laut einem „Bild“-Bericht mit einem Abgang liebäugeln. Wird Santos wieder Stammtorhüter, oder verpflichtet der Tabellenachte eine neue Nummer eins? Es sind viele Fragen, die offen bleiben und Krösche klären muss. Tatsächlich stehen er und die Eintracht nach gemeinsamen erfolgreichen Jahren zum ersten Mal vor einem entscheidenden Sommer und damit am Scheideweg. „Du kannst hinfallen, das ist kein Problem, aber das Wichtigste ist, wieder aufzustehen“, sagte Krösche selbst. Die Frankfurter Auferstehung könnte schon bald folgen. Es liegt – nicht nur, aber vor allem – am Eintracht-Macher.






3 Kommentare
„Auch keine Entlassung, nein, das wäre angesichts der Erfolge, die die SGE Krösche zu verdanken hat, einem professionell geführten Bundesliga-Club erstens nicht würdig, zweitens wäre das schlicht unfair.“
Ich würde sogar sagen, eine Entlassung wäre schlicht saudumm und steht zum Glück gar nicht zur Debatte. Eine Entlassung macht ja nur Sinn, wenn danach etwas Besseres kommt. Welcher Manager, der Krösche das Wasser reichen kann oder sogar besser wäre, fällt Euch denn ein? Mir keiner.
MK hat Fehler gemacht, das hat er ja selbst eingeräumt. Also wird er daraus lernen und die richtigen Schlüsse ziehen, da bin ich sehr zuversichtlich. Krösche ist echt nicht unser Hauptproblem.
Den Fehler einen Ballbesitz Trainer zu einem Konter-Kader zu holen, wird er nicht wieder begehen. D. h. aber nicht zwingend, dass der neue Trainer erfolgreich ist. Den Manager dann zu hinterfragen ist richtig, aber ich würde ihn deshalb alleine nicht rausschmeißen, wenn der Kader vernünftig zusammengestellt wurde und auch das Team hinter dem Team.
Hütter lt. Kicker Topkandidat. Richtiger Schritt in der richtigen Reihenfolge.
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