Nach den Rückschlägen der ersten beiden Bundesliga-Spieltage hat die Frankfurter Eintracht die erhoffte Reaktion gezeigt. Beim 3:1 im Rhein-Main-Duell beim 1. FSV Mainz 05 präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Adi Hütter vor allem in einem Punkt deutlich verbessert: Dieses Mal hielt die SGE über die gesamte Spielzeit dagegen. Kapitän Robin Koch sieht genau darin den Schlüssel zum ersten Bundesliga-Sieg der Saison. Bei „Eintracht TV“ sprachen Koch, Sportdirektor Timmo Hardung sowie Noël Aséko und Jeremiaha Maluze über die veränderte Mentalität, wichtige Schlüsselmomente und die neue Dreierkette.
Nach dem 1:4 gegen den FC Augsburg war vor allem der Frankfurter Einbruch nach der Halbzeitpause kritisiert worden. Die SGE hatte 45 Minuten lang eine starke Leistung gezeigt, nach dem schnellen Ausgleich aber vollständig die Kontrolle verloren. Schon beim 3:3 bei Union Berlin war es der Eintracht nicht gelungen, eine gute Ausgangslage konsequent über die Zeit zu bringen.
In Mainz sollte sich das nicht wiederholen. „Wir haben vor dem Spiel gesagt, es zählt nur der Sieg und alles reinzuwerfen“, erklärte Koch nach der Partie. Anders als eine Woche zuvor habe die Mannschaft diesen Anspruch diesmal nicht nur über eine Halbzeit erfüllt: „Ich glaube, das haben wir heute über 90 Minuten und nicht wie letzte Woche nur über 45 Minuten geschafft.“
Koch: „Nur das Gewinnen zählt“
Dabei war der Umgang mit der eigenen Führung eine zentrale Aufgabe. Gerade nach den Erfahrungen aus den ersten Saisonspielen hätte die Mannschaft erneut ins Wanken geraten können. Stattdessen versuchte die Eintracht bewusst, das Ergebnis nicht ausschließlich spielerisch zu verwalten. Bereits in der Halbzeitpause sei genau darüber gesprochen worden. Koch forderte von seinen Mitspielern, die Partie „erwachsen“ zu Ende zu spielen. Schönheitspreise waren dabei zweitrangig: „Wir haben gesagt, dass wir erwachsen spielen müssen und jetzt nicht irgendwie schön zu spielen, sondern nur das Gewinnen zählt.“
Auch unmittelbar nach Wiederanpfiff schwor sich die Mannschaft noch einmal ein. Die Botschaft war klar: Wie der Sieg zustande kommt, spielte an diesem Tag eine untergeordnete Rolle. Entscheidend waren die drei Punkte.
Für Koch ist diese Haltung nicht nur aufgrund des schwachen Saisonstarts notwendig. Der Kapitän sieht darin vielmehr eine grundsätzliche Voraussetzung für den Erfolg der neu formierten Mannschaft: „Wir können uns momentan nicht erlauben, irgendwie bei 90 Prozent zu spielen.“ Die Eintracht müsse unabhängig vom Gegner in jedem Spiel an ihre Grenzen gehen.
Gerade bei einer jungen Mannschaft, bei der viele Abläufe noch nicht vollständig ineinandergreifen, kann Einsatzbereitschaft fehlende Automatismen zumindest teilweise auffangen. In Mainz gelang das deutlich besser als gegen Augsburg.
Hardung glaubt auch nach Elfmeter an stabile SGE
Dass die Partie trotzdem einen völlig anderen Verlauf hätte nehmen können, verschwieg auch Timmo Hardung nicht. Der Sportdirektor machte vor allem die Minuten unmittelbar vor der Halbzeit als entscheidende Phase aus.
Noah Atubolu hielt zunächst den Mainzer Elfmeter, auch der Nachschuss fand nicht den Weg ins Frankfurter Tor. Kurz darauf schlug die Eintracht selbst zu und verschaffte sich noch vor dem Pausenpfiff ein komfortables Polster. „Die Schlüsselmomente waren heute entscheidend, muss man schon sagen“, befand Hardung. Solche Situationen könnten eine Begegnung vollständig verändern. Anders als in den ersten Saisonspielen hatte er dieses Mal allerdings nicht den Eindruck, dass ein Gegentreffer die Mannschaft grundsätzlich aus der Bahn geworfen hätte: „Ich hatte trotzdem das Gefühl, dass selbst wenn der Elfmeter reingegangen wäre, wir heute einfach als Gruppe stabiler gewesen wären.“ Genau diese Einschätzung dürfte aus Frankfurter Sicht fast genauso wichtig sein wie das Ergebnis selbst. Nach den Problemen gegen Union und Augsburg musste die SGE beweisen, dass sie Rückschläge verkraften kann, ohne ihre Ordnung komplett zu verlieren.
„Die ganze Mannschaft hat leiden wollen“
Dabei durfte es aus Sicht Hardungs durchaus auch einmal unangenehm werden. In Mainz war nicht jede Phase spielerisch überzeugend, gerade zum Ende zog sich Frankfurt weiter zurück. Statt den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten und dadurch für Entlastung zu sorgen, musste die Eintracht häufiger verteidigen als gewünscht.
Das gelang allerdings. Hardung hob dabei die drei Frankfurter Verteidiger und Atubolu hervor, wollte den Erfolg aber ebenso wenig wie Hütter auf einzelne Akteure reduzieren: „Die ganze Mannschaft hat dann am Ende auch leiden wollen.“
Damit zeigte die SGE eine Eigenschaft, die zuletzt mehrfach eingefordert worden war. Sebastian Rode hatte vor der Partie beispielsweise mehr Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft verlangt, notfalls auch einmal „dreckig“ zu spielen. In Mainz war davon deutlich mehr zu erkennen. Verbesserungspotenzial sieht Hardung trotzdem. Gerade in der Schlussphase hätte sich die Mannschaft mit mehr Ruhe am Ball einige Defensivarbeit ersparen können. Das 3:1 bedeutete schließlich keineswegs, dass bereits alle Probleme der ersten Wochen behoben wären.
Maluze fühlt sich in der Dreierkette wohl
Ein wichtiger Baustein für die größere Stabilität war Hütters Systemumstellung. Statt der bisherigen Viererkette setzte der Trainer auf drei zentrale Verteidiger. Für Jeremiaha Maluze erwies sich die neue Formation als passende Lösung. „Ich mag die Position in der Dreierkette wirklich sehr“, erklärte der Youngster. Auch für die gesamte Mannschaft habe die Veränderung einen positiven Effekt gehabt: „Adi Hütter hat umgestellt und ich glaube, das tat der Mannschaft gut und hat Stabilität gebracht.“
Für Maluze wurde das Rhein-Main-Duell auch persönlich zu einem besonderen Erlebnis. Neben dem ersten Saisonsieg durfte er sich über seine erste Torvorlage freuen, als er das 2:0 durch Johnny Burkardt auflegte. Wichtiger war für ihn jedoch die Reaktion der gesamten Mannschaft auf die Kritik der vergangenen Tage.
Die Frankfurter seien heiß auf die Partie gewesen und hätten dem Verein nach der Augsburg-Niederlage etwas zurückgeben wollen. Auch in der Halbzeit erinnerte sich die Mannschaft noch einmal bewusst an die Fehler der vorherigen Spiele. Die Führung sollte dieses Mal nicht leichtfertig aus der Hand gegeben werden.
Ob die Dreierkette nun dauerhaft die bevorzugte Formation wird, ist dennoch offen. Hardung reagierte auf die Frage mit einem Lachen und einem bekannten Fußballspruch: „Wer gewinnt, hat Recht.“ Gerade in der Schlussphase habe der zusätzliche Mann in der letzten Linie geholfen. Gleichzeitig warnte der Sportdirektor davor, sämtliche Probleme der vergangenen Wochen allein auf das vorherige System zurückzuführen.
Aseko feiert gelungenes Bundesliga-Debüt
Neben Maluze rückte auch Noël Aséko in den Fokus. Der Sommerneuzugang feierte nach seiner längeren Verletzungspause sein Bundesliga-Debüt – und das direkt in der Startelf. Für den Mittelfeldspieler endete damit eine lange Wartezeit.
„Es war gut für mich, mit der Mannschaft zu spielen. Ich war drei, vier Monate raus und habe gut reingefunden“, sagte Aséko. Sein eigenes Fazit fiel entsprechend positiv aus: „Ich finde, es war ein ordentliches Debüt.“ Dass ihm nach der langen Pause noch Spielpraxis fehlt, merkte der 20-Jährige allerdings selbst. Gerade zu Beginn der Partie habe er die hohe Belastung gespürt. Nun gehe es darum, sich Schritt für Schritt wieder an die Anforderungen des Bundesliga-Alltags zu gewöhnen.
Sein aktuelles Ziel fasste Aséko denkbar knapp zusammen: „Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus.“ Die ersten Minuten im Eintracht-Trikot dürften ihm dabei geholfen haben. Auch Hütter hatte nach der Partie hervorgehoben, dass sein Neuzugang körperlich noch nicht bei 100 Prozent angekommen sei, sein Potenzial aber bereits angedeutet habe. Besonders beeindruckt zeigte sich Aséko von der Frankfurter Unterstützung in Mainz. Die mitgereisten Anhänger hätten die Mannschaft von Beginn bis zum Abpfiff getragen. Für einen Spieler, der monatelang auf seinen ersten Bundesliga-Einsatz warten musste, dürfte das Debüt dadurch noch einmal besonderer geworden sein.
Freiburg als nächste Prüfung
Zu viel Bedeutung will die Eintracht dem ersten Saisonsieg dennoch nicht beimessen. Nach dem Fehlstart verschafft das 3:1 zunächst einmal etwas Luft – mehr aber auch nicht. Bereits am kommenden Wochenende wartet mit dem SC Freiburg die nächste anspruchsvolle Aufgabe, die Freiburger sind mit neun Punkten aus drei Spielen bestens in die Saison gestartet und sind Tabellenführer.
Koch erwartet erneut eine Mannschaft, die der SGE alles abverlangen wird. Deshalb müsse Frankfurt genau dort weitermachen, wo es in Mainz aufgehört hat: „Wir brauchen wieder die gleiche Mentalität, wieder diese Überzeugung, 100 Prozent gewinnen zu wollen.“
Auch Hardung sieht noch genügend Arbeit. Selbst das späte Mainzer Gegentor lieferte dem Sportdirektor dafür mit einem Augenzwinkern einen Ansatzpunkt. Ein Zu-Null-Spiel wäre angesichts der zuvor starken Defensivleistung schön gewesen: „Aber das haben wir jetzt als Potenzial für nächste Woche gelassen.“
Nach den ersten beiden Bundesligaspielen war vor allem die Frage aufgekommen, wie diese junge Eintracht mit Widerständen umgeht. In Mainz lieferte sie erstmals eine überzeugende Antwort. Die Dreierkette gab Sicherheit, Aséko feierte ein gelungenes Debüt und die Mannschaft ließ sich auch in schwierigeren Phasen nicht aus der Ruhe bringen. Für Koch ist allerdings klar: Diese Mentalität darf keine einmalige Reaktion auf die Augsburg-Niederlage bleiben. Sie muss zum Standard werden.






12 Kommentare
Koch hat für mich gestern auch ein Statement in Richtung seiner Kritiker abgegeben. Da kann schon noch ein toller Eintracht-Kapitän heranwachsen. Der Fehler spricht meiner Meinung nach nicht gegen ihn, weil er danach ein super Spiel macht und sich nicht verunsichern lässt. Mit Atubolu dahinter und Brassier/Maluze neben ihm wirkt er ganz anders als in dem unklaren Gebilde zuvor, in dem er zu oft Wechsel hinter und neben sich hatte. Ich freu mich für ihn.
Nach dem missglückten Rückpass gestern dachte ich erst, Koch mal wieder ... - aber Hut ab, wie er sich danach gefangen hat. War ein gutes Spiel von ihm gestern, darauf kann man echt aufbauen.
Alle Achtung, Koch war stark verbessert aber auch nicht ganz Fehlerfrei.
Ich freu mich auch für ihn.
Freut mich auch für uns. Endlich gestern mal wieder eine gierige Mannschaft gesehen, die auch wollte. Gut auch, dass Adi wieder da ist.
… sagt der Koch!
Hallo,
Ich hatte mich vor ein paar Tagen kritisch zu Robin Koch geäußert, vor allem im Bezug auf Selbstbewusstsein und Ausstrahlung. Gestern in Mainz hat er sich, nach meiner Meinung, verbessert und auf dem richtigen Weg zurück zu seinen Stärken gezeigt. Danke dafür und weiter nach vorne schauen.
Gruß macc
Lustig , das mit den 90% und dem momentan nicht.
Das gilt immer und auch für jede Mannschaft auch die Bayern , erst Recht allerdings für uns.
Ich hoffe nicht er dachte in den letzten 2 Saisons ging es mit 90% nur diese nicht.
Spaß beseite , das wird alles noch besser in den kommenden Wochen beim Zusammenspiel.
Hüter hat zurecht darauf hingewiesen, dass wir 7 Neue in der Startelf hatten im Vergleich zu letztem Jahr.
Und 7 ist die Mehrheit.
Die Jungs werden sich nicht anstecken lassen von dem was mal war.
Sind wir nicht bescheiden geworden?
Unser Andre‘ Silva sprach meistens von 200 Prozent. 😀
Bitte um Verständnis für diesen Privatkommentar :
Der kleine Junge mit dem vielen "Daumen runter" hat wieder seinen Spass.
Werde jetzt mehr schreiben um dich richtig zu beschäftigen =)
Das Schönste an dem Spieltag ist, dass man seit gestern nicht einmal den Namen Markus Krösche lesen konnte.
Das ist gleichermassen schön wie auch ungerecht.
Schön, weil es mal keine Kritik am Kader gab, warum auch?
Ungerecht, denn jetzt wäre es Zeit, mal den Kader zu loben. Was haben wir beispielsweise für ein traumhaftes defensives Mittelfeld?
Was haben wir für eine angesichts der erst ganz kurzen Einspielzeit und Jugend wirklich überzeugende sattelfeste Abwehr?
Was haben wir für Möglichkeiten im Sturm, obwohl gesagt wurde, wir können unmöglich mit diesen drei Stürmern in die Saison gehen?
Nein, ich meine das natürlich nicht ganz ernst. Es ist noch etwas zu früh, selbst nach dem gestrigen wundervollen und mutmachenden Spiel.
Es war allerdings noch wesentlich mehr zu früh, nach zwei Spielen alles schlecht zu reden, was nur schlecht zu reden möglich war, was aber leider vielerorts passiert ist.
Es wäre schön, wenn auch die Fans mal die Divahaftigkeit ablegen könnten, die sie ihrer geliebten Eintracht vorwerfen.
Grundsätzlich können wir keine Spiele mit 80-90% in der Bundesliga gewinnen, aber das muss ein Ziel sein, wenn man sich dauerhaft für Europa qualifizieren und vor allem eine Geige spielen möchte,. Das zeichnet eben Bayern aus, das sie mit weniger Einsatz Spiele gewinnen, aber während des Spiels auch wieder hoch fahren kann, um auch enge Spiele erfolgreich zu spielen bzw. dem Druck Stand zu halten. Das hat nur bedingt was mit der sportlichen Qualität zu tun, das vor allem etwas mit mentaler Stärke und Power zu tun.
Wir sind auf einem neuen Entwicklungsweg, vielleicht haben wir jetzt die richtigere Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Talent, die Erfahrung aus spielerischer Balance und kämpferischer Aspekten. Vielleicht haben wir AH, der wesentlich mehr die Köpfe erreicht und nicht nur alles spielerisch lösen will, sondern auch mal erlaubt, das der Ball einfach mal aus dem Stadion geschossen wird beim klären einer Situation.
Wir haben 4 Pflichtspiele und dabei 2 Siege, 1 Remis und 1 Niederlage. Es hätte bei dem Umbruch aber deutlich schlimmer kommen können. Bei allen 4 Spielen haben wir eigentlich nur eine komplett schlechte Halbzeit gesehen, 7 waren durchaus annehmbar und deutliche Verbesserung zur gesamten letzten Saison. Also hier sollten wir die Geduld haben, das sich Mannschaft und Trainer entwickelt. Ich sehe diese Entwicklung. Und ja, es wird auch mal wieder eine Halbzeit geben, die unterirdisch ist. Dafür haben wir auch eine der jüngsten Kader der Liga. Gehört mit dazu.
Im Moment kann ich mit Platz 8-12 sehr gut Leben nach 34 Spieltagen. Wir haben aber noch die komplette Rückrunde und keine Europa-Belastung. Vielleicht können wir dadurch den nötigen Druck erzeugen und doch eine bessere Platzierung erreichen, als wir glauben. Diese Hoffnung habe ich, wenn unsere Mannschaft weiter so lernt und ihre Immunität gegenüber Rückschlägen aufbaut. In der Ruhe liegt die Kraft, daher ruhig bleiben und freuen, das es aufwärts geht.
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