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Eintracht-Trainer Adi Hütter freute sich über den Sieg in Mainz, mahnte aber trotzdem. Foto: IMAGO / Eibner

Hütter erklärt Systemwechsel: „Diese Dreierkette hat uns den Sieg beschert“

Die Antwort auf das 1:4-Debakel gegen den FC Augsburg ist der Frankfurter Eintracht absolut gelungen. Im Rhein-Main-Duell beim 1. FSV Mainz 05 präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Adi Hütter deutlich stabiler und feierte einen wichtigen 3:1-Auswärtssieg. Dabei zahlten sich auch die personellen und taktischen Veränderungen des Österreichers aus. Hütter stellte von der zuletzt bevorzugten Viererkette auf eine Dreierkette um und überraschte zudem mit Noël Aséko in der Startelf. Nach der Partie zeigte sich der 56-Jährige entsprechend zufrieden mit der Reaktion seiner jungen Mannschaft.

„Es war ein starkes Statement der Mannschaft nach der letztwöchigen berechtigten Kritik“, lobte Hütter. Besonders die Geschlossenheit gefiel dem Eintracht-Coach. Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Augsburg habe seine Mannschaft in Mainz genau jene Eigenschaften gezeigt, die zuletzt vermisst worden waren. „Ich habe eine sehr gute Mannschaftsleistung gesehen“, bilanzierte der Österreicher und hob hervor, dass sich seine Spieler über die gesamte Partie in die Zweikämpfe geworfen hätten. Zwar habe die SGE in einigen Situationen auch das nötige Glück auf ihrer Seite gehabt, dieses habe sich die Mannschaft mit ihrem Einsatz aber erarbeitet.

Atubolu sichert SGE-Führung

Eine Schlüsselszene ereignete sich unmittelbar vor der Halbzeit. Noah Atubolu parierte einen Strafstoß von Mainz-Kapitän Amiri und verhinderte damit einen Rückstand. Kurz darauf schlug die Eintracht auf der anderen Seite zu: Jonathan Burkardt traf ausgerechnet an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Für Hütter waren diese beiden Szenen der entscheidende Wendepunkt: „Knackpunkt war sicherlich kurz vor der Pause der gehaltene Elfmeter von Noah Atubolu und dann das Tor von Johnny Burkardt.“ Statt mit einem Rückstand in die Kabine zu gehen, hatte die Eintracht die Partie mit dem 2:0 innerhalb kürzester Zeit noch mehr auf ihre Seite gezogen als zuvor. Dass auch Can Uzun doppelt traf, rundete für Hütter einen Abend ab, an dem vieles funktionierte, was eine Woche zuvor noch schiefgegangen war. Der Trainer wollte einzelne Spieler dennoch nicht zu sehr über die Mannschaft stellen. Gerade die Leistung als Kollektiv sei ausschlaggebend für den Erfolg gewesen.

Für die Eintracht besitzt der Sieg auch aufgrund des schwierigen Saisonstarts große Bedeutung. Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Bundesligapartien drohte die Unruhe bereits früh zuzunehmen. Nun gelang ausgerechnet im emotionalen Rhein-Main-Duell die erhoffte Reaktion.

Hütter erklärt Wechsel zur Dreierkette

Auffälligste Veränderung war dabei die defensive Grundordnung. Nach den Problemen der ersten Wochen verabschiedete sich Hütter zumindest für die Partie in Mainz von der Viererkette. Eine überraschende Entscheidung war das für den Österreicher selbst allerdings keineswegs. „Alle glauben, ich möchte nur gerne in einer Viererkette spielen oder als 4-2-2-2“, sagte Hütter. Dabei habe bereits seine erste Frankfurter Amtszeit gezeigt, dass er taktisch flexibel agieren könne. Damals stellte er auf eine Dreierkette mit Makoto Hasebe als zentralem Mann um und feierte mit dieser Formation große Erfolge. Die Voraussetzungen im aktuellen Kader machten eine solche Variante während der Vorbereitung allerdings schwieriger. Viele Neuzugänge stießen erst spät zur Mannschaft, hinzu kam der längere Ausfall von Nnamdi Collins. Dadurch fehlten Hütter schlicht die personellen Möglichkeiten, bestimmte Abläufe frühzeitig einzustudieren.
Umso erfreuter zeigte er sich über Jeremiaha Maluze, der aus der U21 hochgezogen wurde und seinen Teil zur neuen defensiven Ordnung beitrug. „Diese Dreierkette hat uns heute diesen Sieg auch beschert“, stellte Hütter fest. Ob diese Formation nun dauerhaft Bestand hat, ließ der Trainer offen. Entscheidend sei vielmehr, unterschiedliche Systeme spielen zu können. „Ich habe immer gesagt, ich möchte flexibel sein.“

Hütter bittet um Geduld mit junger Mannschaft

Gleichzeitig nutzte Hütter den Erfolg, um erneut auf den großen Frankfurter Umbruch hinzuweisen. Die Eintracht befindet sich noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Sieben Spieler, die in Mainz auf dem Platz standen, seien gegenüber der Mannschaft aus der vergangenen Saison neu hinzugekommen. Dass bei einer solchen Fluktuation nicht sofort alle Automatismen funktionieren, hält Hütter für selbstverständlich. Deshalb richtet der Trainer trotz des Erfolges einen Appell an das Umfeld: „Es ist immer schwierig als Trainer von Zeit zu sprechen, aber ich appelliere trotzdem auch ein bisschen an Geduld, weil es schon eine sehr junge Mannschaft ist.“

Die Niederlage gegen Augsburg hatte deutlich gezeigt, wie anfällig diese Mannschaft noch sein kann. Umso wichtiger dürfte für Hütter gewesen sein, dass sie nur wenige Tage später eine Reaktion zeigte. Die Eintracht muss weiterhin an vielen Dingen arbeiten, hat in Mainz aber erstmals bewiesen, dass sie auch ein intensives und umkämpftes Spiel erfolgreich gestalten kann.

Aseko überzeugt bei Bundesliga-Debüt

Ein Sinnbild für den Frankfurter Umbruch ist Noël Aséko. Der Sommerneuzugang hatte aufgrund seiner Knieprobleme bislang auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz warten müssen. In Mainz überraschte Hütter und warf den 20-Jährigen direkt von Beginn an ins kalte Wasser.
Die Entscheidung hatte sich im Training angedeutet. „Was mich unheimlich imponiert hat, war, wie er schon in den letzten zweieinhalb Wochen trainiert hat“, erklärte Hütter. Aséko habe sich durch seine Leistungen regelrecht aufgedrängt. Wer im Training derart auffällig agiere, müsse irgendwann auch seine Chance bekommen. Dass der Mittelfeldspieler körperlich noch nicht bei seinem Maximum angekommen ist, war Hütter bewusst. Trotzdem zeigte Aséko bereits, weshalb die Eintracht große Hoffnungen in ihn setzt: „Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber er macht sicherlich auch viel Spaß für die Zukunft.“

Von Beginn an war zudem klar, dass sein Einsatz zeitlich begrenzt sein würde. Nach der ersten Halbzeit erkundigte sich Hütter bei seinem Schützling nach dessen Kräften. Aséko signalisierte, dass noch ungefähr 15 Minuten möglich seien. Danach war der Tank tatsächlich leer.

Götze kommt – und liefert sofort

So wurde aus Asékos fehlender Fitness schließlich eine weitere Erfolgsgeschichte des Nachmittags. Für den Youngster kam Mario Götze in die Partie. Der Routinier benötigte nicht lange, um entscheidenden Einfluss zu nehmen und bereitete den dritten Frankfurter Treffer nur eine Minute nach der Einwechslung mustergültig vor.

Genau dieser Kontrast begeisterte Hütter: „Dann wechselst du einen Mario Götze ein. Man holt einen 19-Jährigen raus, bringt einen 34-Jährigen und der legt das Tor so mustergültig vor.“ Für den Trainer zeigte die Szene auch, welche Möglichkeiten die Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern bieten kann.

Der Treffer sorgte bei Hütter für einen emotionalen Ausbruch an der Seitenlinie. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch aufgrund der Entstehung. „Das hat mich emotional elektrisiert“, gab er anschließend zu. Dass seine Mannschaft kurz vor Schluss doch noch ein Gegentor kassierte, ärgerte den Trainer zwar. Angesichts des Spielverlaufs gestand er Mainz den Treffer allerdings durchaus zu.

Burkardt erhält den Vorzug vor Ebnoutalib

Für Aufmerksamkeit sorgte vor dem Anpfiff auch eine andere Personalentscheidung. Younes Ebnoutalib, der beim 3:3 bei Union Berlin alle drei Frankfurter Treffer erzielt und gegen Augsburg das Tor von Burkardt vorbereitet hatte, musste zunächst auf die Bank. Hütter begründete die Entscheidung vor allem mit der taktischen Umstellung. Durch den zusätzlichen Spieler in der letzten Linie musste an anderer Stelle ein Platz geopfert werden. In diesem Fall traf es einen der beiden Angreifer.

Dass die Wahl auf Ebnoutalib fiel, sei keineswegs eine Entscheidung gegen dessen bisherige Leistungen gewesen. Hütter sprach vorab sowohl mit ihm als auch mit Burkardt und erklärte seine Überlegungen. Beide hätten mit ihren bisherigen Auftritten eigentlich Argumente für einen Startelfplatz geliefert.

Am Ende entschied sich der Trainer auch aus emotionalen Gründen für Burkardt. Der Angreifer kehrte an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück – und zahlte das Vertrauen mit einem Treffer zurück. „Johnny war hier in seinem alten Wohnzimmer“, erklärte Hütter.
Wie die Rollenverteilung im Angriff künftig aussieht, ließ er bewusst offen. Ebnoutalib und Burkardt hätten bereits gezeigt, dass sie auch gemeinsam funktionieren können. Mit der Dreierkette verändert sich allerdings die Statik der Mannschaft – und damit möglicherweise auch die Zahl der verfügbaren Plätze im Angriff.

Hütter will wieder engeren Draht zu den Fans

Für Hütter ging der Erfolg ohnehin weit über taktische Überlegungen hinaus. Nach dem Fehlstart und der heftigen Kritik infolge des Augsburg-Debakels sollte die Mannschaft auch emotional wieder etwas zurückgeben.

„Zuerst freue ich mich mal für die ganze Eintracht-Familie, dass wir hier im Rhein-Main-Derby gewonnen haben“, sagte der Trainer. Besonders den mitgereisten Anhängern gönnte er den Erfolg. Gleichzeitig formulierte er einen Wunsch, der ihm für die kommenden Monate wichtig ist: „Mir ist es auch sehr, sehr wichtig, dass die Mannschaft wieder zu den Fans einen näheren, engeren Draht bekommt.“

Die Szenen nach dem Abpfiff wertete Hütter als ersten Schritt in diese Richtung. Mannschaft und Anhänger feierten den Derbysieg gemeinsam. Nach einer turbulenten Transferperiode, dem schwachen Saisonstart und dem 1:4 gegen Augsburg war genau dieses Erfolgserlebnis dringend notwendig.

Dass damit sämtliche Probleme verschwunden sind, glaubt auch Hütter nicht. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, stellte er klar. In Mainz hat seine junge Mannschaft aber zumindest die Reaktion gezeigt, die der Trainer nach der berechtigten Kritik eingefordert hatte. Die Dreierkette sorgte für mehr Stabilität, Aséko feierte ein vielversprechendes Debüt, Atubolu wurde zum Rückhalt und Burkardt traf an alter Wirkungsstätte.

Vor allem aber hielt die Eintracht dieses Mal über die gesamte Partie dagegen. Nach den Einbrüchen gegen Union Berlin und Augsburg dürfte genau das für Hütter die wichtigste Erkenntnis des Abends gewesen sein.

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3 Kommentare

Fallback Avatar 1. Muetzelchen 13. September 26, 09:09 Uhr

Gratulation für den tollen Sieg! Solche Sätze untersteichen ( dass er taktisch flexibel agieren können) meine Freude, dass AH unser Trainer wurde. Die ganze Mannschaft zeigte gestern eine tolle Leistung, doch Aseko, Kosugi und Baum, waren wie ein Staubsauger unterwegs und haben die Lücken geschlossen...freue mich schon auf Freiburg, wir sind auf den richtigen Weg.

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Eine tolle Leistung mit einer gefühlt neuen Mannschaft. Wenn die wenigen neuen Spieler so performan, dann ist im Sommer viel mehr richtig gelaufen, als man erst mal gedacht hat. Ich glaube es ist sehr gut, dass wir dieses Jahr nur Bundesliga spielen. So ist genug Zeit zur Regeneration und die Jungs können die ganze Woche trainieren, neue Abläufe einstudieren und sich finden. Hütter macht das super und die Mannschaft findet sich so langsam. Gerade in der Abwehr ist inklusive Torwart alles neu. Das braucht Zeit. Atubulo macht mir dabei besonders viel Freude. Wie der sich schon vor dem Elfmeter gefreut hat, dass er das Ding gleich hält - Wahnsinn und eine tolle gute Ausstrahlung!

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Fallback Avatar 3. Meintracht 13. September 26, 10:03 Uhr

Der Bericht ist super, enthält aber einen Fehler: Hätte Atubolu den Elfmeter nicht gehalten, wären wir nicht mit einem Rückstand in die Pause gegangen, sondern mit einem Unentschieden :-)

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