Seit sechs Tagen befindet sich die Mannschaft von Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Grassau. Die Stimmung am Chiemsee könnte nicht besser sein. Die vergangene verkorkste Saison ist längst vergessen, denn beim hessischen Bundesligisten herrscht, vor allem durch die Rückkehr von Cheftrainer Adi Hütter, neue Euphorie. Mit dem Österreicher soll der Offensivfußball zurückkehren. Beim ersten Testspiel gegen Trabzonspor am vergangenen Sonntag stellte Hütter mit Jonny Burkardt und Younes Ebnoutalib zwei Mittelstürmer auf. Das Ergebnis: Die SGE siegte souverän mit 3:0. Entsprechend gut gelaunt zeigte sich auch Markus Krösche in einer Medienrunde am gestrigen Dienstag. „Das war ein guter Anfang. Ich glaube, dass man schon viele Dinge gesehen hat, die für Adi und sein Trainerteam wichtig sind“, so das Fazit des Sportvorstands über den Sieg, der dennoch zur Demut mahnte. „Wir müssen es aber auch nicht überbewerten. Es war ein guter Test. Die Jungs haben es gut gemacht, gutes Spiel gemacht. Aber mehr sollte man da nicht hineininterpretieren. Dafür ist noch zu viel Zeit.“
Noch nicht mitwirken darf der seit gestern feststehende Neuzugang Otávio. Der brasilianische Innenverteidiger soll ins Trainingslager nachreisen. Dies soll im Idealfall heute noch geschehen. „Er muss noch zur Botschaft, weil es letztendlich um sein Visum geht. Und dann denke ich, dass er wahrscheinlich am Ende des Tages irgendwann bei uns eintrifft.“ Krösche hält große Stücke auf den 20-Jährigen. „Natürlich haben wir ihn schon länger auf dem Radar. Er hat noch nicht so viele Spiele gemacht, aber am Ende beobachten wir den Markt, weil das Profil, das wir gesucht haben, war: Groß, Linksfuß, gute Geschwindigkeit. Er hat eine gute Entwicklung genommen und jetzt wird man sehen.“ Der Spieler soll die nötige Zeit bekommen, um sich bei seinem neuen Verein einzuleben. „Lassen wir ihn erstmal ankommen und an uns, an die Eintracht und an den Fußball, den wir spielen wollen, gewöhnen. Dann schauen wir mal, wie schnell es geht.“
„Gehen von einem oder anderem Abgang aus“
Mit Otávio steht bereits der dritte Neuzugang fest, weitere sollen unter anderem mit Raphael Onyedika folgen. Beim defensiven Mittelfeldspieler des FC Brügge sind die Verantwortlichen dem Vernehmen nach weit. „Das wird man jetzt am Ende sehen. Klar ist es so, dass wir mehrere Spieler haben, die für uns interessant sein können. Sicherlich ist er (Oynedika, Anm. d. Red.) einer von denen. Jetzt gucken wir mal, was sich in den nächsten Tagen ergibt“, zeigte sich der Sportvorstand bedeckt. Im Gegensatz zu Otávio hat der noch nicht feststehende Onyedika-Transfer nichts mit der Arbeitserlaubnis-Thematik zu tun, wie Krösche klarstellte: „Nein, das ist jetzt nicht der Grund. Grundsätzlich ist es so: Er kommt aus Nigeria, auch da müsste er wahrscheinlich zur Botschaft, aber das ist jetzt nicht der Grund, woran es jetzt noch liegt. Von daher lass uns mal abwarten, was in den nächsten Tagen passiert.“ Was in den kommenden Tagen definitiv passieren wird, sind weitere Abgänge. „Wir haben noch fünfeinhalb Wochen Transferfenster, also so viel Zeit. Von daher wird in den nächsten Tagen, Wochen der eine oder andere uns verlassen und eine neue Herausforderung suchen. Das ist in jedem Transferfenster immer normal. Es hat noch ziemlich lange auf. Deswegen gehen wir davon aus, dass es in den nächsten Wochen den einen oder anderen Abgang geben wird.“
Sportvorstand erklärt Futkeu-Verzicht
Die Streichliste ist lang: Michy Batshuayi, Jessic Ngankam, Ellyes Skhiri und Noel Futkeu wurden vom Trainingslager ausgeschlossen. Besonders für Letztgenannten ist das nach der starken Saison bei der SpVgg Greuther Fürth ein herber Rückschlag. Der Mittelstürmer kürte sich mit 19 Toren zum Torschützenkönig der 2. Bundesliga und trug maßgeblich, vor allem mit seinem Treffer im Relegationsrückspiel gegen RW Essen, zum Klassenerhalt der Kleeblätter bei. „Am Ende soll die Gruppe so groß sein, dass man vernünftig trainieren kann“, erläuterte Krösche die Nicht-Berücksichtigung und fügte an: „Natürlich haben wir uns hingesetzt und mit Adi und seinem Trainerteam darüber gesprochen. Am Ende hat sich Adi für diesen Kader, auch von der Größe her, entschieden, weil er dann gut trainieren kann. Deswegen haben wir die Jungs Zuhause gelassen.“ Trotz der Leistungen in Fürth hat Futkeu bisher keinen Markt, die Bosse suchen vergeblich nach einem Abnehmer.
„Keine Anzeichen, dass Uzun uns verlässt“
Bei Junior Dina Ebimbe und Niels Nkounkou, die Teil des Aufgebots sind, hat sich ebenfalls bis dato nichts Konkretes herauskristallisiert. „Letztendlich ist es immer so, dass der ein oder andere Spieler mit dem einen oder anderen Club spricht. Das ist ganz normal, aber da gibt es momentan nichts Konkretes.“ Bei der Causa Can Uzun, der ebenfalls mit einem Abschied aus Frankfurt in Verbindung gebracht wird, wurde Krösche hingegen deutlich. „Es gibt keine Anzeichen, dass er uns verlassen will“, schmunzelte der 45-Jährige und ergänzte: „Can ist ein richtig guter Spieler. Er hat am Sonntag beim Testspiel gegen Trabzonspor gezeigt, dass er uns helfen kann. Er ist in den ersten Wochen zusammen mit Adi dabei. Es gibt keine Anzeichen, dass er uns verlässt.“
Krösche lässt Kalimuendo-Zukunft weiter offen
Die offensive Abteilung sieht Krösche grundsätzlich gut besetzt: „Wir haben junge Spieler, die sich zeigen können. Mit Malik Pimpong haben wir einen Spieler aus Midtjylland geholt. Im Großen und Ganzen sind wir in der Offensive ganz gut aufgestellt.“ Nichtsdestotrotz soll der eine oder andere Spieler an den Main gelotst werden. „Wir haben unsere Profile definiert, die wir verpflichten wollen. Da sind wir gerade dabei. Einen Transfer haben wir gestern schon gemacht und dann wird man sehen, was noch passiert.“ Für den Sportvorstand ist der Markt unberechenbar. „Wie gesagt, es sind noch fünfeinhalb Wochen. Ihr wisst selber. Wir können jetzt Personalien durchgehen, über Szenarien sprechen, in fünfeinhalb Wochen kann es komplett anders aussehen. Das ist momentan Status quo.“ Auch eine fixe Verpflichtung von Arnaud Kalimuendo bleibt weiterhin ungeklärt. „Das wird man alles sehen. Nottingham hat jetzt einen Trainer (Oliver Glasner, Anm. d. Red.). Von daher kann sich da die Situation noch ändern. Ich kann euch keinen Wasserstand dazu geben.“
Ziel sei jedenfalls, den Kader erheblich zu verkleinern, wie Krösche schon auf der Saisonabschlusspressekonferenz im vergangenen Mai angekündigt hatte. Diesen Anspruch bekräftigte er nochmal: „Grundsätzlich ist es so, dass wir natürlich versuchen wollen, wie ich bereits gesagt habe, den Kader zu reduzieren. Das ist so.“ Auf eine feste Zahl hat man sich aber noch nicht festlegen können. „Ich kann jetzt noch keine Zahl sagen, weil man am Ende schauen muss, wie sich der eine oder andere Spieler bei uns entwickelt. Wir bekommen Verletzungen dazu. Das sind alles Themen, die auch mit reinspielen. Im Großen und Ganzen ist es aber so, dass wir perspektivisch um die 16, 17, 18 Spieler im Kader haben wollen. Mal schauen, wie weit wir es dieses Jahr schaffen.“
Trotz Verpassen von Europa: Boss sieht keinen Attraktivitätsverlust
Eintracht Frankfurt muss nach einem schwachen Abschneiden in der Bundesliga erstmals seit der Spielzeit 2020/21 ohne Europa auskommen. Einen Verlust der Attraktivität sieht der Vereinsboss dennoch nicht. „Überhaupt nicht. Am Ende sind wir ein Club, zu dem viele Spieler gerne hin wollen. Dass wir nicht europäisch spielen, ist natürlich nicht optimal. Wir wollten es anders haben. Es ist nun mal so, aber es hat mit der Attraktivität von Eintracht Frankfurt nichts zu tun.“






11 Kommentare
Einen Zielkader von 16-18 Spieler, auch wenn Torhüter und Nachwuchsleute noch dazukämen, halte ich für unrealistisch, dann müssten ja noch fast 10 Spieler gehen, wenn noch ein paar dazukommen.
Und wir sehen, dass der Markt auf der Abgangsseite schwierig ist. Der Prozess wird noch länger dauern als diese Saison, aber der Weg ist richtig.
Stand jetzt habe ich mir die „Prügel“ für mein Futkeu-Preisschild noch nicht verdient. Vielleicht sind die hier erträumten 8-9 Millionen doch zu hoch?
Let the church in the village. 😊
Bei Oynedika klingt das für mich danach, als dass es erst klappt, wenn Skhiri einen neuen Verein gefunden hat.
Wann werde ich von Krösche jemals hören: er passt charakterlich
Wann werde ich von Krösche hören: er passt charakterlich super in unsere Mannschaft. Er hat sich in seinen bisherigen Stationen immer voll reingehängt, ist auch in schwierigen Zeiten vorgegangen… Stattdessen war das Profil: groß, Linksfuß, schnell. Nach Wahi glaube ich leider nicht, dass das in der Formulierung vergessen wurde, ich glaube eher, dass es für unseren Sportvorstand tatsächlich ein untergeordnetes Kriterium ist. Die Bemerkung zu Koch/Andrich läßt mich zudem vermuten, dass Andrich für Krösche kein Wunschkandidat ist. Ich bin der Auffassung, dass wir einen solchen Spielertypen mehr denn je gebrauchen würden.
Gestern kam die Diskussion auf, ob Otávio brasilianisch oder portugiesisch spricht. Nachdem mir das auf Eintracht.de bereitgestellte Video angesehen habe kann ich nur sagen: er spricht so gut wie kein Englisch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, jemanden in die Gruppe zu integrieren, wenn er kein Englisch, geschweige den deutsch spricht.
Die Bemerkungen zu Uzun und Kalimuendo lassen vermuten, dass beide nächste Saison nicht mehr für uns spielen werden. Irgendjemand von der Insel wird schon um die Ecke kommen und ein paar Millionschen auf den Tisch legen. Ein deutliches Bekenntnis zu den beiden Spielern hört sich meines Erachtens anders an. Mir graut jedenfalls davor, wenn diese beiden Leistungsträger auch noch weg sind.
Hat MK etwas zu Wahi gesagt, habe ich es überlesen? Eigentlich nichts neues.
Das ist "momentan" Status Quo, na dann abwarten.
Hat wirklich der Trainer die Entscheidung getroffen, es mit Futkeu noch nicht mal zu versuchen ?
Kann ja sein, daß Futkeu mit seinem Profil als Strafraumknipser nicht zum von Hütter präferierten Spielstil paßt. Andererseits gibt es bestimmt genug Spiele, bei denen eine Variation des Angriffsspiels sinnvoll sein könnte.
Daß der Verkauf sich schwierig gestaltet, ist doch logisch.
Die Spitzenklubs haben andere Ansprüche als einen Zweitligatorjäger.
Die Klubs, die mit der Eintracht auf Augenhöhe sind werden sich fragen, warum sie Geld ausgeben sollen für einen Spieler, der offensichtlich der Eintracht nicht gut genug ist.
Und für die Klubs im hinteren Drittel der Tabelle und die Aufsteiger, die vielleicht Interesse haben könnten, ist das Preisschild schlichtweg zu teuer.
Futkeu ist für mich eine typische Personalie, die im Zweifel am Schluss der Transferperiode über die Theke geht. Und wenn es doof läuft, ist er dann halt als Stürmer 4/5 im Kader.
Sicherlich weniger problematisch als Wahi oder, wegen des Gehalts, Shkiri.
Andererseits hofft(e) man vielleicht, dass ein solventer Bundesligaabsteiger aus der Nähe von Braunschweig in den Wiederaufstieg investieren will und mehr Mittel zur Verfügung hat als Fürth.
Gruß SCOPE
Also soweit ich mich erinnere, war das immer ein Hauptkriterium, dass die Spieler charakterlich passen und abgesehen von Kolo und Kostic war auch wenig Streik oder Stinkstiefel-Verhalten zu bemerken.
Die fehlende Führung und Mentalität auf dem Platz muss auf jeden Fall gelöst werden, allerdings befürchte ich diese Saison auch wegen fehlender CL keine Krise, wo uns die großen Kaliber reihenweise abschießen. Wenn die Mannschaft ins Rollen kommt, können sich da einige profilieren, die potentiellen Stützen sind ja auch nicht mehr im ersten Jahr.
Sorry, nicht persönlich nehmen. Aber ich würde es eher umgekehrt machen. Wenn ich für Wahi kein Angebot über 15 Mio. bekommen würde, würde ich ihn noch für ein Jahr behalten. Ich glaube, dass er ein richtiger Knaller sein könnte, wenn er in Schwung kommt. Das war zugegebenermaßen bei uns nicht mal ein Lüftchen, aber fußballerisch hat er es drauf. Er braucht offensichtlich jemanden, der ihn an die Hand nimmt. Zugegeben, viele wenn und aber. Dennoch, er hat zu viel Potential um ihn zu verscherbeln.
Bei Futkeu sehe ich dieses Potential so nicht. Er ist ein Knipser. Viele der Tore, die ich von ihm gesehen habe, waren fußballerisch nicht so anspruchsvoll. Mit Burkardt haben wir zudem jemanden, der ähnliche Qualitäten hat, allerdings auf deutlich höherem Niveau.
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.