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Die Kurve sei kein rechtsfreier Raum. Das stellt Hellmann deutlich klar. Foto: IMAGO / HMB-Media

Hellmann kritisch wegen Pyro-Eklat: „Wir haben unsere Unschuld verloren!“

Nicht nur sportlich muss die vergangene Spielzeit der Frankfurter Eintracht als ausbaufähig eingeordnet werden. Auch abseits des Platzes kam es in der letzten Saison und davor immer wieder zu Problemen. Die Fanszene der SGE schreibt immer wieder negative Schlagzeilen. Dabei geht es nicht immer nur um das illegale Abbrennen von Pyrotechnik, sondern teilweise sogar offene Gewalt. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sprach Vorstandssprecher Axel Hellmann über Prozesse und Kommunikation mit der Fanszene.

Für große Aufregung sorgte das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am letzten Spieltag der vergangenen Saison. Zwei Stadionbesucher waren verletzt worden. Konkret wollte sich Hellmann nicht zu Maßnahmen äußern. Dies begründete er: „Es ist sehr sensibel: In der aktiven Fanszene gibt es eine Aufarbeitung und ein Bemühen um die Opfer. Diese Entwicklungen sollten wir hinter den Kulissen lassen. Im Laufe des Sommers wird es aber ganz sicher Maßnahmenentscheidungen geben, die dann auch öffentlich bekannt werden.“ Offenkundig werde die Eintracht ihr Stadion nicht zu einem Hochsicherheitsgebäude aufrüsten. „Ich kann nur eine Sache aufgreifen, die Philipp Reschke gesagt hat: Auch ein von uns geschaffenes Fort Knox wird nicht die Sicherheit bringen, wenn diejenigen, die die Blöcke füllen, nicht von dem Bewusstsein und dem Bedürfnis getragen sind, dass das, was gegen Stuttgart passiert ist, nie wieder passieren darf. Wir brauchen das Verständnis der Menschen. Ohne diese interne Klarheit wird es nicht funktionieren.“

„Haben unsere Unschuld verloren“

Dass Verantwortung für Ereignisse wie das Stuttgart-Spiel getragen werden muss, weiß Hellmann. Daher prüfe man bei der Eintracht derzeit ganz genau, wo die juristische Verantwortung des Vereins beginne und ende. „Alle Rechtsexperten sagen uns: Wenn wir weiter einfach darauf vertrauen, dass wieder nichts passiert, und die Sicherheitsmaßnahmen nicht effizient erhöhen, dann sind wir in der Organhaftung. Das trifft in erster Linie den Veranstalter. Dann den Vorstand, aber auch den Aufsichtsrat. Wir kommen gar nicht darum herum, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu heben. Damit sich keiner wundert, wenn zum ersten Heimspiel die Situation verändert ist, die Kontrollen, das Personal oder baulich – was auch immer. Das darf keinen überraschen. Wir haben hier die Unschuld verloren. Wir können die Augen davor nicht verschließen, dass Pyrotechnik Menschen konkret gefährdet.“

Dass das Werfen von Pyrotechnik illegal und sogar kriminell ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Weder bei der Eintracht, noch bei den Fans. Und trotzdem stelle sich ein Umdenken ein, räumte Hellmann ein: „Ich bin davon ausgegangen, dass diejenigen, die eine Pyrofackel in der Hand halten, da mit einer gewissen pyrotechnischen Erfahrung am Werk sind. Dahinter muss ich jetzt ein großes Fragezeichen setzen nach allem, was wir erlebt haben. Damit ist auch klar: Es geht eben nicht mehr nur um alles, was die Hand verlässt.“ Daher müsse die SGE nun konsequenterweise die grundsätzliche Nutzung von Pyrotechnik infrage stellen. Dies mache neue Maßnahmen erforderlich, damit die Eintracht nicht mit Ansage in die Haftung laufe. „Es gibt Gesetze, und es gab bislang Grauzonen, die nun schlagartig schwarz-weiß werden. Ich habe nicht die Naivität zu glauben, dass es keine Pyrofackeln im Stadion mehr geben wird. Aber jetzt muss man wissen: Derjenige, der das macht, der spielt mit einer Eskalation der Verschärfung von Maßnahmen. Ich weiß nicht, ob das im Interesse der aktiven Fanszene ist. Es ist jedenfalls nicht im Interesse eines Vorstands, der in der Situation ist, dafür haften zu müssen. Die juristische Thematik ist handfest. Wir werden angemessene Maßnahmen ergreifen, weil wir sie schlicht ergreifen müssen“, stellte der Jurist deutlich klar.

„Wer die Gruppe über die Eintracht stellt, wird mit mir Probleme bekommen.“

Die Ultras zu verteufeln hält Hellmann derweil für den vollkommen falschen Schritt, wie im weiteren Verlauf deutlich wird. Er verstehe es nicht als seine Aufgabe, den Einfluss der aktiven Fanszene zurückzudrängen. Ganz im Gegenteil: „Ich will, dass die vielen jungen Menschen bei den Ultras, der ganzen aktiven Fanszene, aber auch Turner und Triathleten sich für Aufgaben und Ämter bei Eintracht Frankfurt zur Verfügung stellen. Denn das braucht der Klub. Es geht darum, Verantwortung für das Große und Ganze zu übernehmen.“ Zwei Eigenschaften und Voraussetzungen stellt der 54-Jährige dabei heraus: Zum einen müsse man fachlich geeignet sein dafür und zum anderen müsse die volle Loyalität Eintracht Frankfurt gelten und nicht der jeweiligen Gruppierung, der man gegebenenfalls entstamme. „Ich werde mit allen gut zusammenarbeiten, die sich nach den vorgenannten Eigenschaften einbringen. Wer in offizieller Eintracht-Funktion jedoch die Gruppe über die Eintracht stellt, wird mit mir Probleme bekommen.“

Klare Wertepositionierung

Dass es in der Frankfurter Kurve, die traditionell politisch eher links einzuordnen war, mittlerweile auch rechtere Gesinnungen gibt, leugnet Hellmann nicht. „Der Zeitgeist ist rechtsorientierter geworden, ja, das merken wir im Stadion auch. Es gibt die ein oder andere politische Gruppe, die versucht, Fuß zu fassen. Das gelingt aber nicht so richtig. Wir sind aber im Stadion ein Abbild der gesamten Gesellschaft, da bin ich illusionsfrei.“ Dennoch positionierte sich Hellmann klar zu den Werten, die schon der ehemalige Eintracht-Präsident Peter Fischer lautstark vertrat und die auch in der Vereinssatzung stehen: Nach dem Erbe von Peter Fischer und der harten Satzung, die wir haben, die sich klar gegen Diskriminierung, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus stellt, halte ich es für schwer, den Verein zu kapern. Wir nehmen das nicht wahr. Aber unsere Sinne sind scharf. Vor allem, weil wir auch sehen, was in der Welt passiert.“ Die SGE habe, laut Aussage Hellmanns, demnach auch schon Extremisten aus dem Verein ausgeschlossen. Konkret sei es dabei um einen Antisemiten gegangen: „Stadionverbot, Hausverbot, Vereinsausschluss. Wir sind auch im Stadion klar: Wir lassen links- und rechtsextreme Plakate bis hin zu Symbolen wie „Free Palestine“ nicht zu. Was mir nicht gefallen hat: Zuneigungsbekundungen zu einer rechtsorientierten Fangruppe vom Balkan. Da war ich sehr irritiert, dass das im Block niemand verhindert hat.“

Kurve „kein rechtsfreier Raum“

Grundsätzlich halte er es nicht für schlimm, wenn die Nordwestkurve unter der Selbstverwaltung der organisierten Fanszene steht. Nur die bestehenden Regeln müssten dabei eingehalten werden. „Ich selbst komme aus einer Zeit, in der wir für uns reklamiert haben, unsere Fanarbeit im Block selbst zu bestimmen. Das ist nichts Neues. Diese Autonomie finde ich nicht schlimm, wenn man daraus nicht den Anspruch ableitet, einen rechtsfreien Raum zu schaffen.“

5 Kommentare

Fallback Avatar 1. tomtom 08. Juli 26, 07:36 Uhr

Es wurde seit Jahren verpennt, die Grenzen enger zu ziehen!

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Fallback Avatar 2. Sammy94 08. Juli 26, 07:45 Uhr

Wenn ich gesehen habe wie es läuft: DANKE UF 97 für nix und wieder nix...

Ich war bei Viktoria Köln rund eine Stunde vor Anpfiff am Gästeeingang. Dort waren ca. 50 SGE-Ordner eingesetzt, das ist wichtig für die Geschichte:

Die ca. 500 Eintrachfans die in den Block drängten wurden gefilzt bis zum geht nicht mehr, und direkt nach uns kamen ca. 15-20 Leute - alle ganz in schwarz und total vermummt - die hatten jeder einen Rucksack auf und durften ohne sie zu kontrollieren in den Block. Ihre Tickets mussten Sie am Eingang auch nicht vorzeigen, keiner kann mir erzählen, dass sei nicht so gewollt !!!

Diese Leute wurden vorher vom SEK NRW gefilmt und haben sich durch die Menge gedrängt um schnell an den Polizeikameras vorbeizukommen.

Warum wird von Seiten der Polizei und der heimischen Ordnungskräfte da nicht wenigstens kontrolliert und Verfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet. Es will keiner etwas unternehmen - und jetzt sagt der Hellmann wir wissen ja nix davon - lächerlich...

Noch Fragen??? Die Pyroshow am 1.11. war vom Feinsten, vor dem Spiel wurde durch Nebel der Anpfiff um 5 Minuten verzögert, zur Halbzeit war immer noch genug Zeug da, wir mussten uns in einem völlig offenen Stadion die Schals vor den Mund binden - widerlich !!!

P.S. Die Strafe vom DfBäh für den 1. FC Köln 2025/26 von insgesamt 441.000 Euro ist wohl immer noch nicht genug???

Quo vadis SGE?

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Der User hat SGE4EVER.de finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 3. Homburg1974 08. Juli 26, 09:10 Uhr

Als wir in den 70ern im G-Block schrien, haben wir keine Pyro gebraucht, um Williiiiiie, Jürgen und Holz zum Fliegen zu bringen.

Die Grundeinstellung zum Pöbel, der heute unsere Stadien belästigt, ist falsch.

Vermummt in den Block -> 10 Jahre Stadionverbot und Anzeige wegen Vermummungsverbot
Mit Rucksack in den Block -> Keine Chance
Pyro in der Hand - 10 Jahre Stadionverbot
Plakat "Gruppe Stadionverbot" -> nicht zulassen, abhängen
Pyro verlässt die Hand -> sofort aus dem Block ziehen und Anzeige

Die Show, die ein Herr Hellmann zum Besten gibt, ist unerträglich für die richtigen Eintracht-Fans.

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Fallback Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 4. rob 08. Juli 26, 09:17 Uhr

Hier habe ich tatsächlich in mir zwei Meinungen zu diesem Interview, die konkurrieren.

1. Danke an Hellmann, dass er sich endlich einschaltet. Und es klingt nicht nach hohlen Phrasen! Seit langem nehme ich einem Eintracht-Offiziellen mal wieder was in der Richtung ab. Vermutlich weil es von Hellmann kommt und nicht von Reschke....

2. Aha, jetzt da die Eintracht Offiziellen womöglich in eine persönliche Haftung geraten, tut sich was. Vorher alle die Füße stillgehalten und gewähren lassen.... Aber jetzt geht's ja an die eigene Haut und nicht die von anderen.

PS: Plakat "Ehre der Gruppe Stadionverbot" -> Wer das seitens der Eintracht Führung hängen lässt und weiterhin zulässt, dem glaube ich in Sachen durchgreifen nicht ein Wort.

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Finde das Vorgehen jetzt angemessen. Alle wollten Freiheit und die haben sie bekommen. Es musste halt erst was passieren, nun müssen auch Konsequenzen folgen.
Sowas wie Sammy beschreibt, darf niemals mehr passieren. Vermummt heißt automatisch nicht rein und der Versuch führt zu Stadionverbot, man muss es halt auch durchsetzen. Wer sich im Stadion vermummt, sollte ebenfalls sofort raus.
Bin gespannt und erwarte deutlich ruhigere Veranstaltungen.

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