Eintracht Frankfurt hat bei Borussia Dortmund mit 2:3 verloren – und dabei erneut gezeigt, warum diese Saison trotz individueller Qualität so enttäuschend verläuft. Über weite Strecken machte die Mannschaft von Albert Riera vieles ordentlich, teilweise sogar gut. Doch wie so oft zerstörte sie sich mit wenigen völlig chaotischen Minuten selbst.
Überraschende Aufstellung – und ein Traumstart
Riera überraschte erneut personell und taktisch. Die Eintracht begann mit einer Dreierkette aus Arthur Theate, Robin Koch und Aurèle Amenda. Die Schienen besetzten Nathaniel Brown links und Ritsu Doan rechts. Im Zentrum spielten Ellyes Skhiri und Farès Chaïbi, offensiver agierten Can Uzun und überraschend Mahmoud Dahoud, während Arnaud Kalimuendo den Sturm gab. Dass Dahoud überhaupt in der Startelf stand, überraschte nahezu alle – vermutlich sogar ihn selbst. Doch nach nur zwei Minuten zahlte sich die Entscheidung tatsächlich aus: Dahoud setzte sich technisch und kämpferisch stark durch, spielte Uzun frei und der Youngster schlenzte den Ball wunderschön ins lange Eck. Plötzlich führte die SGE – und plötzlich wirkte sie deutlich freier als in den Wochen zuvor. Frankfurt präsentierte sich in der Anfangsphase griffig, konzentriert und mutig. Die Idee war klar: Dortmund mit eigenem Offensivdenken beschäftigen und nach Ballgewinnen schnell umschalten. Das gelang zwar nicht konstant, dennoch hielt die Eintracht den BVB lange vom eigenen Tor fern und brachte sichtbar Unruhe ins Dortmunder Spiel.
Die immer gleichen Probleme
Erst nach rund einer Viertelstunde wurde Dortmund gefährlicher. Vor allem Julian Brandt fand nun immer besser ins Spiel und lenkte das Dortmunder Offensivspiel, während die SGE zunehmend Probleme bekam, Zugriff zu bekommen. Wie so oft in dieser Saison konnte Frankfurt die eigene Intensität nicht über 90 Minuten halten. Die Bälle wurden zu schnell verloren, zweite Bälle zu oft nicht mehr gewonnen. Dadurch musste die Mannschaft immer häufiger hinterherlaufen und Dortmund konnte Druck aufbauen. Die SGE schaffte es weder, hohe Ballgewinne zu generieren, noch eigene Ballbesitzphasen sauber auszuspielen. Und dann zeigte sich wieder das große Saisonproblem: die Defensive.
Beim 1:1 durch Serhou Guirassy fehlte bereits im Vorfeld die Zuordnung. Nur Minuten später ließ sich Frankfurt mit einem simplen Pass auf die Grundlinie komplett aushebeln, der anschließende Querpass wurde im Strafraum nicht verteidigt, obwohl die SGE viele Abwehrspieler im eigenen Strafraum hatte – 1:2. Es war dieselbe Passivität, dieselbe Untätigkeit, dieselbe Unsicherheit, die sich durch die gesamte Saison zieht. Und es wurde noch schlimmer: Auch das 1:3 fiel nach einem ganz ähnlichen Muster. Dortmund kombinierte sich mit einfachen Mitteln durch eine völlig unsortierte Frankfurter Defensive.
Eine Defensive wie ein Abstiegskandidat
Das vielleicht größte Rätsel dieser Saison bleibt die Frankfurter Abwehrarbeit. Die SGE verfügt eigentlich über eine Defensive voller Nationalspieler – und verteidigt dennoch über weite Strecken wie ein Abstiegskandidat. 63 Gegentore vor dem letzten Spieltag sprechen eine deutliche Sprache. Dabei geht es längst nicht mehr nur um individuelle Fehler. Es geht um fehlende Abstimmung, mangelnde Aggressivität, schlechtes Verteidigen von Eins-gegen-Eins-Situationen und eine Mannschaft, die nach Gegentoren regelmäßig komplett auseinanderfällt. Besonders alarmierend: Dieses Problem zog sich sowohl unter Dino Toppmöller als auch unter Riera durch die Saison. Die sportliche Leitung wird sich nach der Saison ernsthaft fragen müssen, warum diese Mannschaft defensiv derart instabil ist.
Zu spät aufgewacht
Trotz allem gab sich die Eintracht nicht komplett auf. In der Schlussphase investierte sie noch einmal viel, brachte mit Jonathan Burkardt zusätzliche Energie und kam durch ihn auch zum Anschlusstreffer. Plötzlich wurde es noch einmal eng. Jean-Mattéo Bahoya verpasste den möglichen Ausgleich nur hauchdünn. Doch letztlich kam die Reaktion zu spät.
Gegen Dortmund kann man verlieren – gerade auswärts, gerade gegen eine Mannschaft in dieser Form. Doch die Art und Weise bleibt das Problem. Die Eintracht macht sich ihre Spiele immer wieder selbst kaputt. Gute Phasen werden durch wenige Minuten kompletter Orientierungslosigkeit zerstört. Genau diese Muster kosten Frankfurt nicht nur Punkte, sondern vermutlich auch eine deutlich bessere Saison. Die Offensive zeigt zumindest phasenweise Ideen und Qualität. Die Defensive dagegen bleibt ein einziges Warnsignal.






2 Kommentare
"Die Defensive dagegen bleibt ein einziges Warnsignal." Um im Bild zu bleiben, würde ich sagen, das Warnsignal wurde einfach ignoriert, inzwischen ist die Schranke bereits unten aber wir stehen auf der falschen Seite und der Zug hat uns schon 63 Mal überrollt.
Wo bleibt denn bloß die "Auswertung" des Bild-Ejakulats von 13:47h:
"Wahi rechnet knallhart mit Eintracht ab"
Dann könnte die Headline hier in etwa so lauten:
"Wahis brutaler Vergeltungsschlag: Erst gab mir Eintracht keine Chance, dann kauften sie neue Stürmer."
PS
Soviel zur Kinderstube des Buben. Ich bin narürlich nicht sicher, aber ich würde vermuten, Ben Manga hätte den Braten zeitig gerochen.
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