Möchte das Leistungsniveau mit seiner Mannschaft in der Rückrunde halten: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

In der zweiten Saisonhälfte würden seine Mannschaften im Normalfall besser werden, behauptete Eintracht-Trainer Adi Hütter jüngst, und gab den Fans somit Stoff zum Träumen für eine erfolgreiche Rückrunde. Das ist in Frankfurt nicht gerade gang und gäbe, sondern – ganz im Gegenteil – eher eine Ausnahme. Die Trainerstatistik von Hütter macht aber Hoffnung, dass das dieses Jahr der Fall sein könnte. 

Nach dem Fehlstart in der Bundesliga zu Beginn der Saison hat Eintracht Frankfurt im Frühherbst des letzten Jahres den Turbo gezündet. Nach 17 Spieltagen steht so Platz sechs mit 27 Punkten zu Buche. Dazu kommen die sechs Spiele in der Europa-League-Gruppenphase, in der die Mannschaft von Trainer Adi Hütter von Sieg zu Sieg eilte und die volle Ausbeute von 18 Punkten holte. Mit der Leistung der ersten Saisonhälfte ließen die Hessen in der hiesigen Fußballlandschaft aufhorchen. 

Bundestrainer Joachim Löw ist das jedenfalls nicht entgangen. Beim Neujahrsempfang der DFL in Frankfurt prophezeite er gegenüber dem Radiosender „FFH“: „Die Eintracht ist eine Mannschaft die zur absoluten Spitzenklasse in Deutschland gehört. Ich denke, dass sie im internationalen Wettbewerb eine Chance haben relativ weit zu kommen. In der Bundesliga glaube ich, dass es möglich ist sich sogar für die Champions-League zu qualifizieren.“ Spitzenklasse, weit kommen im Europacup, Champions-League-Qualifikation. Den Fans sind eher Begriffe wie graue Maus und Abstiegskampf geläufig. Der ehemalige Eintracht-Profi sparte also nicht mit Superlativen und traut den Adlern somit für die Rückrunde noch einiges zu.

Was Löw vielleicht entgangen ist: Eintracht Frankfurt und die zweite Saisonhälfte – das ist den letzten 20 Jahren nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. Wer erinnert sich nicht an die Rückrunde der Schande, als die Eintracht in der Saison 2010/11 nach der Hinrunde stolze 26 Punkte hatte und Platz sieben belegte, um einen Sommer später mit mickrigen acht Zählern mehr auf dem Konto abzusteigen. Gerade mal zwei Spielzeiten ist es her, als Niko Kovac mit dem Team bis zur Winterpause 29 Punkte sammelte und auf Platz sechs liegend voll auf Europacup-Kurs lag. Bis zum 34. Spieltag kamen nur weitere 13 Zähler hinzu, was in der Endabrechnung den letzten Platz in der Rückrundentabelle ergab, womit Europa leichtfertig verspielt wurde. 

Alle vier Jahre bessere Rück- als Hinrunde

In den letzten 20 Jahren, seit der Saison 1998/99, ging es in nur fünf Spielzeiten in die andere Richtung. Im Schnitt also alle vier Jahre. Zuletzt gelang das der Eintracht in 2015/16. Zum Ende der Hinrunde hatten die Frankfurter nur 17 Punkte auf dem Konto. Es war unter Trainer Armin Veh eine katastrophale Saison bis in den März hinein. Ab dem 26. Spieltag übernahm jedoch Kovac mit 24 Punkten das Ruder und riss es herum. Bis zum Ende der Saison schaufelte er mit der damaligen Truppe noch zwölf Punkte auf das Konto, was in der Rückrunde ingesamt 19 Zähler ergab. Die Relegation wurde gerade noch erreicht und der Gang in die zweite Liga blieb der Eintracht am Ende erspart.

Am beachtlichsten ist die Ausbeute von Felix Magath. 1999/2000 übernahm er die SGE nach der Hinrunde. Sein Vorgänger Jörg Berger holte gerade einmal elf Punkte bis zum Winter. Unter Magath sollten in den nächsten 17 Spielen ganze 30 Punkte hinzukommen. Am Ende gelang in der letzten Partie gegen den SSV Ulm trotz einem Zwei-Punkte-Abzug noch der Klassenerhalt. In der Saison davor war Berger noch selbst der Held. Nachdem Horst Ehrmantraut in der ersten Hälfte der Saison 16 Punkte holte, wurde Berger entlassen. Daraufhin holte Interimstrainer Bernhard Lippert in zwei Spielen einen Punkt. Reinhold Fanz’ Bilanz liest sich mit sechs Punkten aus neun Spielen nicht viel besser. Dann kam der inzwischen verstorbene Berger als vierter Trainer der Saison und holte in den letzten sieben Spielen vier Siege sowie zwei Unentschieden, also 14 Zähler. In der Rückrunde standen den 16 Punkten aus der Hinrunde also insgesamt 21 gegenüber. Retter Berger ist somit Verantwortlich für das erste Wunder vom Main. 

Unter Willi Reimann sollte ein Aufschwung in der Rückrunde unterdessen nichts nutzen. In der Saison 2003/04 sammelte er 12 Punkte in der ersten Saisonhälfte und 20 in der zweiten. Mit 32 Punkten stieg die Eintracht am Ende dennoch ab. Armin Veh hatte da mehr Glück. 2013/14 holte er 15 Punkte in der Hinrunde und 21 in der Rückrunde. Damit schaffte die Eintracht relativ knapp den Klassenerhalt. 

Hütter hat nicht unrecht

Jetzt ist also Adi Hütter am Werk. Es wird nicht einfach, die Ausbeute aus der Hinrunde zu toppen, so viel ist sicher. Nach dem letzten Spiel vor Weihnachten gegen den FC Bayern München relativierte er deswegen vielleicht auch seine Aussage, dass seine Mannschaften zur Rückrunde besser werden würden, ein wenig. Ob das auch bei der Eintracht gelingen würde, sei natürlich schwer zu sagen, meinte der Österreicher darauf angesprochen. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf Hütters Trainerstatistik. Denn er hatte nicht ganz unrecht mit seiner Behauptung. 

In den neun Spielzeiten als Profi-Trainer vor seiner Station bei der Eintracht, in denen Hütter für die österreichischen Clubs SCR Altach, SV Grödig, FC Salzburg und den Schweizern von den BSC Young Boys Bern verantwortlich war, lässt sich das allgemein als zutreffend bezeichnen. Dabei lässt sich seine frühzeitige Entlassung 2012 in Altach mit dem verspäteten Einstieg bei den Young Boys 2015 aufwiegen. Zwar spielte er mit seinen Mannschaften nur viermal eine bessere Rückrunde. Aber, und das sollte wichtiger sein, einen desolaten Absturz gab es nie zu verzeichnen. Das Leistungsvermögen seiner Mannschaften konnte über den Winter hinweg also immer (zumindest fast) gehalten werden. Die höchste Diskrepanz zwischen Hin- und Rückrunde beträgt gerade einmal vier Punkte in der Saison 2010/11. Mal abgesehen von der Saison 2011/12, in denen er aufgrund seiner Entlassung bei den Altachern in der Rückrunde acht Spiele weniger an der Seitenlinie stand und somit logischerweise weit weniger Punkte sammelte als in der Hinrunde (34 Punkte Hinrunde/15 Punkte Rückrunde). 

Auffällig ist eher, dass es in Rückrunden, in denen seine Mannschaften zulegen konnten, einen enormen Ausschlag nach oben gibt. Sehen wir auch hier von seinem verspäteten Einstieg in Bern ab (19/41 Punkte bei sieben Partien mehr in der Rückrunde), schaffte er es in den anderen drei Spielzeiten, in denen ihm das Kunststück gelang, sich Punktetechnisch um zwei sowie um neun und zehn Zählern zu verbessern. Dabei sind beileibe keine katastrophalen Hinrunden dabei. Im Schnitt kommt Hütter vor seiner Zeit bei der Eintracht auf 1,9 Punkte pro Spiel. Dabei springen in der Hinrunde insgesamt pro Saison 32,8 heraus und in der Rückrunde 34,3 Zähler.

Zugegeben: Alles Zahlenspielerei und die Ligen in Österreich und der Schweiz sind nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland – aber trotzdem sollte die Bundesliga die Rechnung in der Rückrunde nicht ohne Hütter machen. Sollte er seine Statistik nur annähernd bestätigen können, hätte die Eintracht zumindest schon mal eine mehr als solide Saison gespielt. 

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8 Kommentare

  1. Es sind nur noch 3 Tage und seit der Weihnachtszeit sind der Worte genug gewechselt.
    Super Stimmung, Euphorie, klasse Trainingslager usw. usf.
    Ja, auch ich bin optimistisch, doch vor der Ekstase steht am Samstag der Club aus Freiburg, keine Übermannschaft, doch in manchen Auswärtsspielen zu Wunderdingen fähig.
    Wie früher bereits hier geschrieben : das Erste Spiel gibt die Richtung vor, Kopf hoch oder runter.
    Doch glaube ich wirklich , dass unsere Jungs auch so verstanden haben und wer von Europa im nächsten Jahr spricht, der muss am Samstag Höchstleistungen abrufen.
    Darum , Auf Jetzt und einen Sieg für die Eintracht
    Forza SGE !
    .
    Übrigens hab ich für Luka Jovic, Tor den Jahres, Monat 10 gewertet.

  2. Hütter wird unsere Jungs schon erden, mit seinen Worten „bislang haben wir noch nichts erreicht“.
    Und das ist richtig. Freiburg wird zwar die Richtung weisen, aber so richtig werden wir es erst nach dem Spiel gegen Gladbach wissen. Zwischenzeitlich haben wir dann auch in der EL das 1. Spiel gegen Shakhtar Donetsk gespielt.

  3. Bruda Rode ’schlag den Ball lang!‘ Dann macht das Rebic schon.
    Wird ne tolle Rückrunde, anders als üblich. (Hoffentlich)

    Jovic bei Barca ab Sommer im Gespräch. (Eintracht international in aller Munde. Nicht schlecht!) Falls das stimmt wäre es natürlich schade für uns, aber Jovic hätte es verdient.

  4. Eintracht Frankfurt hat Nils Stendera mit einem Profivertrag ausgestattet. Der 18-Jährige erhielt einen Profivertrag mit Laufzeit bis Mitte 2022 – mit Wirkung ab sofort. Der defensive Mittelfeldspieler ist aktuell Kapitän der Frankfurter U 19. Beim Profiteam wird er nun an der Seite seines älteren Bruders Marc Stendera spielen bzw. trainieren.

    Geht doch noch jemand? 😀

  5. Nils, der kleine Bruder von Stendera bekommt Profi Vertrag. Denke das Knothe geht. Ich hoffe, daß er nur ausgeliehen wird, damit er Spielpraxis bekommt. Ich habe 3 mal Knothe in (allerdings nur) Testspielen live aus nächster Nähe gesehen. Jedesmal war ich von seinem ruhigen, aber kompletten fußballerischen Können beeindruckt. Bisher habe ich das nur bei wenigen Nachwuchsspielern so gesehen.

  6. Bestimmt einfach so weil er Stendera heisst 😉
    Na dann wird wohl einer noch gehen, ich bin gespannt wer… Vielleicht kommt und geht Stendera (vorübergehend)…quasi

  7. Hat nicht nur mit dem Namen zu tun, der kleine Bruder soll auch ein hervorragender Fussballer sein, vielleicht noch talentierter als Marc. Marc hat mal vor 3-4 Jahren in einem Interview gesagt, dass sein kleiner Bruder für sein alter weiter wäre als er es gewesen ist…

  8. Ist es nicht eher so dass wir zwei deutschen Spieler abgegeben haben und nur einen geholt haben , also muss noch ein deutscher Spieler her. ???!!!!!!!

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