Lilian Brassier hat bei Eintracht Frankfurt nicht lange gebraucht, um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen. Erst seit Ende August steht der französische Innenverteidiger bei der SGE unter Vertrag, dennoch gehörte er zuletzt bereits zu den auffälligsten Frankfurtern. Im Interview mit „Flashscore Frankreich“ sprach der 26-Jährige nun ausführlich über seine ersten Wochen in Deutschland, die Unterschiede zwischen Bundesliga und Ligue 1 und die Gründe für seinen Wechsel zur Eintracht. Dabei verriet Brassier auch, warum er in Frankfurt wieder die Freiheiten verspürt, die ihm während seiner schwierigen Zeit bei Olympique Marseille gefehlt hatten. Und auch bei seinen sportlichen Zielen macht der Franzose keinen Hehl daraus, wo die Reise mit der SGE hingehen soll.
Brassier: „Diese Liga liebe ich“
Dass Brassier sportlich schnell in Frankfurt angekommen ist, hängt für ihn eng mit der Spielweise in Deutschland zusammen. Der Franzose bezeichnet sich selbst als athletischen Innenverteidiger, der über Tempo und Ausdauer verfügt, gerne früh in die Zweikämpfe geht und auch über längere Distanzen mit den gegnerischen Angreifern mithalten kann. Eigenschaften, die in der Bundesliga besonders gefragt sind: „Nach ein paar Spielen dachte ich: Diese Liga liebe ich. Hier geht es richtig zur Sache, und es gibt viele Offensivaktionen – für die eigene Mannschaft genauso wie für den Gegner.“
Schon bei seiner Vorstellung in Frankfurt hatte der Neuzugang betont, wie sehr er körperliche Duelle liebt. Seine ersten Wochen haben diesen Eindruck offenbar bestätigt. Der Fußball in Deutschland sei intensiv und stark von direkten Eins-gegen-eins-Situationen geprägt. Gerade das komme seinem eigenen Profil entgegen. „Hier geht es wirklich Mann gegen Mann zu“, erklärte Brassier. Als Verteidiger gehe es häufig darum, den eigenen Körper einzusetzen und das direkte Duell mit dem Stürmer zu gewinnen. Dabei zieht der 26-Jährige sogar Selbstvertrauen aus einzelnen erfolgreichen Zweikämpfen: „Ich messe mich mit ihm, dabei gibt mir jedes gewonnene Duell Selbstvertrauen für den weiteren Spielverlauf.“
Einen großen Unterschied zu Frankreich erkennt Brassier allerdings nicht nur bei der Intensität. Vor allem die Art und Weise, wie Mannschaften nach vorne spielen, habe ihn beeindruckt. In der Ligue 1 werde stärker darauf geachtet, den Ball gemeinsam in den eigenen Reihen zu halten und Angriffe geduldig vorzubereiten. In Deutschland gehe es wesentlich schneller in Richtung gegnerisches Tor: „Hier ist das Spiel deutlich direkter.“ Teilweise genügten ein oder zwei Pässe, um vom eigenen Aufbau bis ins letzte Drittel zu gelangen. Dort seien die Offensivspieler anschließend gefordert, auch schwierige Zuspiele festzumachen und den Angriff am Leben zu halten.
Genau diese Mentalität gefällt dem Innenverteidiger. Selbst bei einem nicht optimalen Zuspiel werde nicht lamentiert, sondern weitergekämpft: „Nur sehr selten sieht man einen Stürmer oder Mittelfeldspieler die Arme heben: Er kämpft, gewinnt sein Duell und erobert den Ball zurück. Darin liegt für mich ein echter Unterschied.“
Dass der Bundesliga aufgrund ihres offensiven Charakters teilweise eine mangelnde Qualität in der Defensive nachgesagt wird, hält Brassier dagegen für eine zu einfache Betrachtung. Deutschland verfüge über hervorragende Verteidiger, vielmehr entstehe die hohe Anzahl an Offensivaktionen aus der grundsätzlichen Spielidee vieler Mannschaften. Der Franzose beschreibt den Unterschied anschaulich: „Man spielt nicht acht oder zehn Querpässe, lässt den Ball fünfmal durch das Mittelfeld und viermal über den rechten Verteidiger laufen, bevor man angreift.“ Gibt es die Möglichkeit, mit wenigen Pässen in die Tiefe zu gelangen und eine Torchance zu kreieren, werde diese konsequent genutzt.
„Ich dachte, das sei Schicksal“
Dass Brassier diese Art von Fußball überhaupt kennenlernen würde, war keineswegs eine spontane Entscheidung. Schon länger hatte der Abwehrspieler den Wunsch, Frankreich erstmals in seiner Karriere zu verlassen. Eine Möglichkeit dazu hatte es bereits früher gegeben, damals entschied er sich allerdings noch für einen Verbleib in seinem Heimatland. Als sich nun erneut die Gelegenheit bot, wollte er sie nutzen: „Ich hatte viele Jahre in Frankreich gespielt, dort hatte ich angefangen, und ich dachte mir, dass es schade wäre, meine gesamte Karriere in Frankreich zu verbringen. Ich wollte eine andere Art von Fußball kennenlernen.“
Die Eintracht war für ihn dabei keine Unbekannte. Bereits zwei Jahre zuvor hatten sich die Frankfurter mit dem Linksfuß beschäftigt. Dass die SGE nun erneut anklopfte, wertete Brassier als besonderes Zeichen: „Ich dachte, das sei Schicksal und alles füge sich zusammen.“
Neben dem Schritt ins Ausland überzeugte ihn auch die Zusammensetzung des Frankfurter Kaders. Viele junge und entwicklungsfähige Spieler treffen auf einige erfahrene Führungspersönlichkeiten. Genau diese Mischung reizte Brassier: „Das macht die Schönheit dieses Klubs aus.“ Seine Integration sei bislang entsprechend problemlos verlaufen. Mannschaft und Trainerteam hätten ihn sehr gut aufgenommen. Lediglich sportlich hätte sich der Verteidiger in seinen ersten Wochen etwas mehr gewünscht: mehr Siege.
In Marseille fehlte Brassier die Freiheit
Dass der Spielstil eines Vereins für Brassier bei seiner Entscheidung eine große Rolle spielt, hängt auch mit seinen Erfahrungen bei Olympique Marseille zusammen. Der Wechsel zu OM sollte ursprünglich ein weiterer großer Schritt in seiner Karriere werden, entwickelte sich allerdings nicht wie erhofft. Dabei blickt Brassier keineswegs verbittert auf diese Phase zurück. Er sei den Verantwortlichen dankbar für die Möglichkeit und habe aus der täglichen Zusammenarbeit mit einem hochklassigen Trainerteam und starken Mitspielern viel mitgenommen.
Sportlich habe es zwischen ihm und der gewünschten Spielidee aber nicht vollständig gepasst. Brassier: „Ich musste mich stark anpassen und habe mein Bestes versucht, aber ich hatte das Gefühl, dass man meinen Spielstil komplett verändern wollte.“
Der Innenverteidiger sieht seine Stärken vor allem in einer aktiven Interpretation seiner Position. Er möchte Gegenspieler früh attackieren, Räume in der Tiefe verteidigen und sich auch mit progressiven oder langen Pässen am Spielaufbau beteiligen. Genau diese Freiheit habe er in Marseille vermisst: „Die Freiheit, die ich in Brest und Rennes hatte und die ich jetzt in Frankfurt wiederfinde, wurde mir dort ein Stück weit genommen.“
Damit erklärt sich auch, warum Brassier in seinen ersten Frankfurter Wochen bereits so zufrieden wirkt. Unter Adi Hütter darf der Franzose seine Stärken offenbar wieder auf eine Weise einsetzen, die seinem eigenen Verständnis von Verteidigen entspricht.
Schwierige Phase lässt Brassier reifen
Trotzdem möchte Brassier seine Zeit in Marseille nicht aus seiner Karriere streichen. Im Gegenteil: Die schwierigen Monate hätten ihm geholfen, sich selbst und seine Qualitäten besser einzuschätzen. Seine wichtigste Erkenntnis sei gewesen, nach einem Rückschlag nicht grundsätzlich alles infrage zu stellen. Ein Spieler könne bei einem Klub Schwierigkeiten haben und anschließend in einem anderen Umfeld wieder aufblühen. Brassier: „Die einzige Erkenntnis ist, sich auf das zu konzentrieren, was man gut macht, zu wissen, dass man trotz allem ein guter Spieler ist, und das zu akzeptieren.“
Manchmal passe die Konstellation zwischen Spieler, Trainer und Verein schlicht nicht. Daraus dürfe man allerdings nicht den Schluss ziehen, plötzlich sämtliche eigenen Fähigkeiten infrage zu stellen. Für Brassier bestand die Antwort deshalb vor allem darin, weiterzumachen: „Setz deine Karriere fort, arbeite doppelt so hart und baue auf deine Stärken.“
Eine Einstellung, die ihm anschließend bei Stade Rennes half. Die Rückkehr zu seinem Ausbildungsverein gab ihm die gewünschte Spielzeit und das Vertrauen zurück, ehe im Sommer schließlich der Schritt nach Frankfurt folgte.
Lob als zusätzliche Motivation
Dass dieser bislang aufgeht, ist auch außerhalb der Eintracht nicht unbemerkt geblieben. Brassiers Leistungen wurden bereits öffentlich hervorgehoben, worüber sich der Franzose freut. Er möchte ihr aber keine zu große Bedeutung beimessen: „Das ist gut für die Moral und das Selbstvertrauen. Es zeigt, dass sich die harte Arbeit im Vorfeld immer auszahlt.“
Viel wichtiger sei der Erfolg der Mannschaft. Seine eigene Aufgabe sieht Brassier darin, der SGE mit seinen Qualitäten möglichst viel zu geben. Trotzdem genießt er es, dass seine Leistungen nach seinem ersten Wechsel ins Ausland wahrgenommen werden: „Natürlich freut es mich, wenn meine Leistungen hervorgehoben werden, ich meine Qualitäten in einer anderen Liga zeigen kann und die Leute aufmerksam verfolgen, was ich mache.“
Brassier formuliert klares Europa-Ziel
Bei der Frage nach den Zielen mit seinem neuen Klub bleibt Brassier ebenfalls nicht im Ungefähren. Zwar befindet sich die Eintracht nach zahlreichen personellen Veränderungen in einer neuen Phase und verfügt über einen jungen Kader. Trotzdem möchte sich der 26-Jährige mit Mittelmaß nicht zufriedengeben. „Ich habe stets den Ehrgeiz, zu gewinnen“, stellte Brassier klar. Die Mannschaft müsse nun von Spiel zu Spiel denken und möglichst kontinuierlich Punkte sammeln. Dahinter steht allerdings ein klares persönliches Ziel: „Ich will nicht lügen: Am Ende der Saison möchte ich einen europäischen Wettbewerb erreichen.“
Dass dies in einer ausgeglichenen Bundesliga kein Selbstläufer wird, ist ihm bewusst. Zahlreiche Klubs kämpfen um die internationalen Plätze. Trotzdem sieht Brassier genügend Qualität innerhalb der Frankfurter Mannschaft, um sich dieser Konkurrenz zu stellen.
Auf eine konkrete Vorgabe wie die Champions-League-Qualifikation möchte er sich dagegen nicht festlegen. Als die Saisonziele innerhalb des Klubs besprochen wurden, spielte der Franzose schließlich noch in Rennes. Nach seinem Wechsel habe er darüber auch keine konkreten Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Seine persönliche Motivation ist davon unabhängig: „In meiner Karriere möchte ich im Europapokal spielen – das ist mein persönliches Ziel.“
Dass die Eintracht diese Möglichkeit grundsätzlich bieten kann, war für Brassier schließlich ein wichtiger Grund für seinen Wechsel. Der Franzose hat die internationale Entwicklung des Klubs verfolgt und weiß um die Europapokalhistorie der vergangenen Jahre.
Nach seinen ersten Wochen lässt sich zumindest festhalten, dass die Verbindung zwischen Brassier und der Bundesliga bislang tatsächlich so gut funktioniert, wie es sich der Franzose erhofft hatte. Die hohe Intensität, viele direkte Duelle und das schnelle Umschalten entsprechen genau den Eigenschaften, die der Verteidiger an seinem eigenen Spiel hervorhebt.
Hinzu kommt ein Trainer, unter dem er wieder jene Freiheiten verspürt, die er in Marseille vermisst hatte. Gerade nach dieser schwierigen Station scheint Frankfurt für Brassier deshalb mehr zu sein als nur der erste Auslandswechsel seiner Karriere.
Dass die Eintracht bereits zwei Jahre zuvor Interesse gezeigt hatte, bezeichnet er selbst als Schicksal. Nach den ersten Wochen wirkt es zumindest so, als hätten Klub und Spieler tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt zusammengefunden.
Brassier hat jedenfalls schnell Gefallen an seinem neuen sportlichen Zuhause gefunden. Sein Satz nach den ersten Bundesliga-Partien lässt daran wenig Zweifel: „Diese Liga liebe ich.“






2 Kommentare
hoffe und denke das der junge es hier schafft
soll sich auf seine stärken verlassen der rest
kommt von selber
alles gute bei der SGE
„Man spielt nicht acht oder zehn Querpässe, lässt den Ball fünfmal durch das Mittelfeld und viermal über den rechten Verteidiger laufen, bevor man angreift.“
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Zum Glück hat er erst diese Saison bei uns angeheuert :). Passt mit seiner Einstellung gut zum Hütter- Fußball, war ja auch ein Wunschspieler vom Adi. Macht insgesamt einen sehr positiven Eindruck. Und ja, ich hab auch Bock auf Europa... Wird aber schwer.
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