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Adi Hütter zeigte sich zufrieden mit dem 4:0-Testspielsieg gegen Braunschweig. Foto: IMAGO / osnapix

Hütter über wachsenden Konkurrenzkampf: „Das wird meine Herausforderung sein“

Eintracht Frankfurt hat die lange Länderspielpause für einen erfolgreichen Test genutzt. Gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig setzte sich die SGE deutlich mit 4:0 durch und lieferte Trainer Adi Hütter dabei einige neue Erkenntnisse. Vor allem mehrere Spieler, die zuletzt nicht oder nur wenig zum Einsatz kamen, nutzten ihre Chance. Ansgar Knauff überzeugte mit einem Tor und zwei Vorlagen, Nnamdi Collins meldete sich nach seiner Verletzungspause endgültig zurück und auch der junge Lawrence Setordjie hinterließ beim Frankfurter Chefcoach mächtig Eindruck. Für Hütter wächst damit allerdings auch der Konkurrenzkampf – und die Frage, wer nach der Länderspielpause tatsächlich in der Startelf stehen wird.

Hütter sieht gelungenen Test

Mit Testspielen während einer Länderspielpause verbindet Hütter aus seiner ersten Frankfurter Amtszeit nicht unbedingt die besten Erinnerungen. Dieses Mal war der Österreicher allerdings zufrieden mit dem, was seine Mannschaft auf den Platz brachte. „Ich glaube, speziell in meinen ersten drei Jahren in Frankfurt, als wir Testspiele während den Länderspielpausen hatten, haben wir selten gut ausgesehen“, erinnerte sich Hütter. Umso positiver fiel sein Urteil diesmal aus: „4:0 passt gut. Das, was ich sehen wollte, habe ich gesehen.“

Gerade für diejenigen, die während der Länderspielpause in Frankfurt geblieben waren, stellte die Begegnung eine wichtige Möglichkeit dar, sich unter Wettkampfbedingungen zu präsentieren. Denn einfach zu gestalten sei die ungewöhnlich lange Unterbrechung keineswegs: „Eine dreiwöchige Pause ist nicht so einfach. Viele Spieler sind nicht da, aber die, die da sind, haben es gut gemacht.“ Das Trainerteam hatte den verbliebenen Profis zwischenzeitlich freigegeben, anschließend wieder intensiv gearbeitet und gönnt ihnen nun erneut einige freie Tage. Danach kehren nach und nach die Nationalspieler zurück.

Wie die Mannschaft nach der langen Unterbrechung wieder in den Bundesliga-Rhythmus findet, ist auch für Hütter eine spannende Frage: „Nach drei Wochen Unterbrechung wird es spannend sein, wie es dann weitergeht.“

Knauff meldet sich eindrucksvoll zurück

Einer der Gewinner des Braunschweig-Tests war Knauff. Der Flügelspieler hatte zuletzt verletzungsbedingt gefehlt, scheint inzwischen aber wieder vollständig zur Verfügung zu stehen. Gegen den Zweitligisten agierte er auf der rechten Außenbahn und war an drei der vier Frankfurter Treffer direkt beteiligt. Ein Tor erzielte Knauff selbst, zwei weitere bereitete er vor. Entsprechend zufrieden zeigte sich Hütter: „Ansgar hat auf sehr gutem Niveau gespielt.“ Gerade mit Blick auf die kommenden Aufgaben ist die Rückkehr des 24-Jährigen für den Trainer wertvoll. Knauff bringt mit seinem Tempo und seinen Tiefenläufen ein Profil mit, das Hütter auf mehreren Positionen einsetzen kann. Durch die zuletzt praktizierte Dreierkette ergeben sich zudem unterschiedliche Möglichkeiten für die Besetzung der Außenbahn.

Auch Collins konnte gegen Braunschweig wichtige Minuten sammeln. Der Innenverteidiger hatte weite Teile der bisherigen Saison verletzt verpasst und war zuletzt erst langsam wieder an die Mannschaft herangeführt worden. Im Test agierte er als rechter Part der Dreierkette und hinterließ einen stabilen Eindruck. „Nnamdi ist auch wieder richtig fit“, stellte Hütter zufrieden fest. Damit vergrößern sich auch in der Defensive die Möglichkeiten des Trainers wieder deutlich.

„Das wird meine Herausforderung sein“

Genau darin liegt allerdings auch eine Aufgabe, die Hütter in den kommenden Wochen beschäftigen wird. Mit den Rückkehrern, den Neuzugängen und mehreren jungen Spielern, die zuletzt auf sich aufmerksam gemacht haben, wird der Kampf um die Plätze immer größer. Auf die Frage nach seiner künftigen Startelf musste Hütter deshalb schmunzeln. „Nicht nur ihr beschäftigt euch mit dieser Frage, sondern ich auch“, sagte der Österreicher in Richtung der anwesenden Journalisten. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Die Eintracht hat inzwischen auf mehreren Positionen unterschiedliche Spielertypen zur Verfügung, hinzu kommt die taktische Flexibilität zwischen Dreier- und Viererkette sowie einem Angriff mit einem oder zwei Mittelstürmern. Hütter macht deshalb keinen Hehl daraus, dass einige schwierige Entscheidungen auf ihn zukommen: „Das wird meine Herausforderung sein.“

Für den Trainer ist diese Situation grundsätzlich positiv. Während die Auswahl in den ersten Saisonwochen unter anderem durch Verletzungen eingeschränkt war, stehen nun wieder mehr Alternativen bereit. Gleichzeitig bedeutet das zwangsläufig, dass Spieler mit guten Leistungen auf der Bank landen können.

Setordjie wird zur „positiven Überraschung“

Einen Spieler hatte Hütter vor dem Test möglicherweise selbst noch nicht derart stark auf dem Zettel: Lawrence Setordjie. Das 18 Jahre alte Offensivtalent war im August vom ghanaischen Eintracht-Partnerverein Accra Lions nach Frankfurt gekommen und durfte in dieser Woche bei den Profis mittrainieren. Hütter zeigte sich voll des Lobes: „Eine sehr positive Überraschung war für mich Lawrence Setordjie. Der Junge hat mir richtig gut gefallen.“ Dabei überzeugte den Trainer offenbar weniger eine einzelne Aktion als vielmehr das Gesamtpaket des jungen Ghanaers: „Er ist unglaublich beweglich, mutig, frech.“

Hütter sieht bei Setordjie durchaus großes Entwicklungspotenzial und zog sogar einen Vergleich zu einem weiteren hochveranlagten Frankfurter Nachwuchsspieler: „Mit ihm und Gigi haben wir ganz junge Spieler mit ähnlichem Potenzial.“ Gemeint ist Niko Ilicevic, der ebenfalls bereits im Umfeld der Profimannschaft auf sich aufmerksam gemacht hat.

Allerdings möchte Hütter den Hype um Setordjie direkt bremsen. Der 18-Jährige soll behutsam aufgebaut werden und bekommt die notwendige Zeit zur Entwicklung. „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“, mahnte der Eintracht-Coach.

Setordjie werde nun weiter beobachtet. Eine Besonderheit erschwert dabei allerdings seinen Einsatz im regulären Nachwuchsspielbetrieb: Seine Spielberechtigung in Deutschland ist aufgrund der für Drittstaatsangehörige geltenden aufenthalts- und beschäftigungsrechtlichen Bestimmungen derzeit auf den Profibereich beschränkt, wie die SGE am Rande des Testspiels mitteilte.

Otavio trifft und macht Werbung

Ein weiterer Spieler, der die Länderspielpause nutzen möchte, ist Otávio. Der Brasilianer wartet nach seinem Wechsel nach Frankfurt noch auf den endgültigen Durchbruch und benötigt nach Hütters Einschätzung weiterhin Zeit, um sich an die Anforderungen des deutschen Fußballs zu gewöhnen. Eine Qualität bringt der Verteidiger bereits deutlich sichtbar mit. Hütter: „Bei Standards ist er eine Waffe.“

Gleichzeitig sieht der Trainer noch einige Bereiche, in denen sich der junge Abwehrspieler steigern muss. Vor allem mit dem Ball erwartet Hütter Fortschritte: „Ich sehe viele Dinge, die er verbessern muss. Speziell im Passspiel.“ Auch defensiv gebe es noch Arbeit: „Im Zweikampf muss er geschickter werden.“ Dass Otávio noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist, überrascht Hütter allerdings nicht. Der Brasilianer ist jung und spielt erstmals in Deutschland. Entsprechend möchte die Eintracht ihm die notwendige Anpassungszeit zugestehen.

Schon zuletzt hatte Hütter betont, dass der Verteidiger nicht als kurzfristige Lösung verpflichtet worden sei. Vielmehr sieht die SGE in ihm einen Spieler mit Entwicklungspotenzial. Dass Otávio dafür noch Zeit benötigt, war den Verantwortlichen offenbar von Beginn an bewusst.

Ebnoutalibs Aufstieg überrascht selbst Hütter

Wie schnell eine Entwicklung allerdings manchmal gehen kann, zeigt das Beispiel Younes Ebnoutalib. Noch vor vergleichsweise kurzer Zeit spielte der Frankfurter weit entfernt von der Bundesliga. Inzwischen hat er für die SGE einen Dreierpack im deutschen Oberhaus erzielt und sogar sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gefeiert. Selbst Hütter hätte diese Entwicklung im Sommer nicht vorhergesagt. „Das ist Wahnsinn. Als ich die Saisonvorbereitung gesehen habe, habe ich damit auch selbst nicht gerechnet, so ehrlich muss ich sein“, sagte der Eintracht-Trainer.

Ebnoutalib befindet sich derzeit in einer Situation, die kaum planbar war. Innerhalb kürzester Zeit hat sich seine öffentliche Wahrnehmung komplett verändert. Aus einem Angreifer, der sich zunächst in der Bundesliga beweisen musste, ist ein deutscher Nationalspieler geworden. Hütter bringt die Geschwindigkeit des Aufstiegs mit einem bemerkenswerten Vergleich auf den Punkt: „Er hat unlängst noch in Gießen gespielt – und auf einmal trainiert ihn Jürgen Klopp.“

Hütter will Ebnoutalib vor dem Hype schützen

Gerade deshalb sieht Hütter seine Aufgabe nicht ausschließlich darin, den Stürmer sportlich weiterzuentwickeln. Der 56-Jährige möchte Ebnoutalib auch dabei helfen, mit der plötzlich enorm gestiegenen Aufmerksamkeit umzugehen. „Es prasselt viel auf ihn ein“, erklärte Hütter. Die Nationalmannschaft, der öffentliche Hype und die rasante Entwicklung seien auch für einen selbstbewussten jungen Spieler nicht selbstverständlich: „Das beschäftigt ihn. Das ist ja auch keine Normalität, dass es so schnell geht.“ Für Hütter wird entscheidend sein, wie Ebnoutalib mit der neuen Situation umgeht: „Wichtig ist, dass ihn das mehr beflügelt als beschäftigt.“

Große Sorgen macht sich der Trainer allerdings nicht. Er traut seinem Angreifer zu, die Ereignisse richtig einzuordnen: „Er ist ein cleverer Junge, er weiß das richtig einzuordnen.“

Im Test gegen Braunschweig war für Ebnoutalib bereits zur Halbzeit Schluss. Das hatte allerdings keine sportlichen Gründe. Hütter nahm den Angreifer vorsichtshalber vom Platz, weil dieser etwas kränklich war.

Konkurrenzkampf nimmt weiter Fahrt auf

Der 4:0-Erfolg gegen Braunschweig dürfte Hütter damit weniger wegen des Resultats als wegen der zahlreichen positiven Eindrücke gefallen haben. Knauff meldete sich mit drei direkten Torbeteiligungen eindrucksvoll zurück, Collins ist wieder vollständig fit, Otávio sammelt weitere Spielpraxis und mit Setordjie drängt sich plötzlich ein weiterer junger Spieler auf.

Gleichzeitig werden nach der Länderspielpause zahlreiche Nationalspieler nach Frankfurt zurückkehren. Dann beginnt für Hütter die eigentliche Arbeit: Aus einem zunehmend breiteren Angebot die richtige Mischung zu finden.

Dass ihm diese Aufgabe Kopfzerbrechen bereiten könnte, verhehlt der Trainer nicht. Allerdings ist es ein Luxusproblem, das er gerne haben dürfte. Nach den personellen Engpässen der ersten Saisonwochen wächst der Konkurrenzkampf bei der SGE deutlich.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Testspiels: Nicht nur das 4:0 stimmte. Mehrere Spieler, die zuletzt nicht im Mittelpunkt standen, haben Hütter neue Argumente geliefert – und seine Entscheidung für die nächste Startelf damit keineswegs einfacher gemacht.

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