Am 19. Oktober stellt sich Mathias Beck bei der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt zur Wiederwahl als Präsident. Rund zweieinhalb Jahre nach der Übernahme von Peter Fischer möchte der 55-Jährige seine Arbeit fortsetzen – allerdings mit einem kleineren Präsidium. Im Interview mit dem „Wiesbadener Kurier“ kündigte Beck an, zwei frei werdende Vizepräsidentenposten nicht neu besetzen zu wollen. Gleichzeitig sprach der Eintracht-Präsident über die bisherige Entwicklung des Vereins während seiner Amtszeit, die weitere Professionalisierung am Riederwald und die langfristige Zukunft des Waldstadions.
Beck will mit kleinerem Präsidium weitermachen
Bei der anstehenden Wahl wird sich das Führungsteam der Eintracht verändern. Dr. Katharina Keller und Dominik Berker werden aus dem Präsidium ausscheiden. Für Beck kam die Entscheidung durchaus überraschend, nachvollziehen könne er sie dennoch. Beide hätten beruflich große Verantwortung übernommen. Gerade deshalb wisse er, wie schwierig es sein könne, ein anspruchsvolles Ehrenamt zusätzlich auszufüllen. Die Arbeit im Eintracht-Präsidium nehme schließlich zahlreiche Stunden in Anspruch. Sollten ihm die Mitglieder erneut das Vertrauen aussprechen, möchte Beck mit den bisherigen Vizepräsidenten Armin Kraaz, Moritz Theimann, Stefan Minden und Benjamin von Loefen weitermachen.
Die beiden frei werdenden Stellen sollen dagegen nicht neu vergeben werden. Beck: „Die zwei freigewordenen Positionen möchte ich nicht nachbesetzen und das Präsidium dadurch verschlanken.“ Damit würde Beck in seiner zweiten Amtszeit mit einem kleineren Führungsteam arbeiten. Weitere Details über seine Pläne möchte er zunächst den Mitgliedern präsentieren.
Von Loefen soll größere Verantwortung bekommen
Eine wichtige Rolle in Becks Überlegungen spielt Benjamin von Loefen. Der Vizepräsident war zuletzt vor allem durch seine Nähe zur Fanszene und seinen Einsatz für einen besseren Dialog zwischen unterschiedlichen Teilen des Vereins aufgefallen.
Beck hält große Stücke auf seinen Mitstreiter: „Benjamin von Loefen ist für uns ein echter Gewinn.“ Er habe gezeigt, dass er das Team des Präsidiums stärke und den Verein in wichtigen Bereichen voranbringen könne. Dabei beschränkt sich seine Rolle nach Ansicht Becks nicht auf die Kommunikation mit den Fans. Von Loefen habe sich auch in andere Themen eingearbeitet und stehe klar hinter den gemeinsamen Zielen des Präsidiums. Künftig könnte deshalb noch mehr Verantwortung hinzukommen. Beck: „Mit seiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung bringt er die fachliche Kompetenz mit, vorbehaltlich der Zustimmung unserer Gremien, das Finanzressort künftig zu übernehmen.“
Beck über Fischer-Nachfolge: „Der Übergang lief sehr gut“
Für Beck wäre es die erste Wiederwahl als Eintracht-Präsident. Im Februar 2024 hatte er die Nachfolge von Peter Fischer übernommen, der den Verein zuvor 24 Jahre lang geführt und geprägt hatte.
Dass ein solcher Wechsel nicht selbstverständlich war, ist Beck bewusst. Für viele Mitglieder war Fischer über Jahrzehnte die zentrale Figur an der Spitze des Vereins. „Peter war nun mal für ganz viele Mitglieder DER Präsident. Viele kannten ja gar keinen anderen und sind mit Peter groß geworden“, sagte Beck. Trotz dieser großen Fußstapfen bewertet er den Wechsel positiv: „Der Übergang lief sehr gut.“
Die Herausforderungen seien anschließend allerdings zahlreich gewesen. Digitalisierung und interne Strukturen gehörten ebenso dazu wie die Frage, wie die einzelnen Abteilungen besser organisiert werden können. Gleichzeitig möchte der Verein weiter wachsen, mehr Sportangebote schaffen und zusätzliche Mitglieder gewinnen. Beck: „Das alles sind wichtige Themen, die wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren angegangen sind und aktuell weiter vorantreiben.“
Platzmangel wird für die Eintracht zum Problem
Der Wachstumskurs bringt allerdings Herausforderungen mit sich. Besonders bei der Infrastruktur stößt der Verein zunehmend an Grenzen.
„Wir haben zu wenig Hallen und zu wenig Plätze“, erklärte Beck. In mehreren Abteilungen gebe es inzwischen Wartelisten, weil die Nachfrage größer sei als das vorhandene Angebot. Damit könne die Eintracht ihren Anspruch, möglichst vielen Menschen Sport anzubieten, aktuell nicht vollständig erfüllen. Eine kleinere Maßnahme zur Erweiterung des Angebots wurde zuletzt bereits umgesetzt. Am Riederwald entstanden drei Padel-Plätze, für die ein bisheriger Tennisplatz umgebaut wurde. Die Idee entstand auch aus Becks eigener Erfahrung. Er habe die Sportart im Urlaub mit seiner Familie ausprobiert und Gefallen daran gefunden. Durch die neuen Plätze möchte die Eintracht ein zusätzliches Angebot schaffen, das Mitglieder nutzen können, ohne zwingend einer bestimmten Sportabteilung anzugehören.
Eintracht investiert weiter in den Nachwuchs
Deutlich größer ist ein weiteres Projekt am Riederwald. Für den Erweiterungsbau an der Wolfgang-Steubing-Halle liegt inzwischen die Baugenehmigung vor. Dort soll zusätzlicher Platz für das Nachwuchsleistungszentrum entstehen.
Geplant sind unter anderem ein Athletikbereich und neue Schulungsräume. Damit soll die Ausbildung junger Spieler weiter professionalisiert werden. Für Beck ist diese Investition von zentraler Bedeutung: „Das ist die Zukunft.“ Der Präsident möchte die Bedingungen für die Nachwuchsspieler so verbessern, dass künftig häufiger Talente den Weg aus dem eigenen Nachwuchs bis in die Profimannschaft schaffen. „Wir müssen unsere Stars von morgen heute die bestmögliche Struktur bieten, um sie auszubilden“, sagte Beck und formulierte anschließend das klare Ziel: „Wir wollen in Zukunft noch mehr Eigengewächse hervorbringen.“
Dass mit Jeremiaha Maluze aktuell ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis angekommen ist und mit Niko Ilicevic bereits der nächste Spieler anklopft, dürfte die Verantwortlichen in diesem Vorhaben zusätzlich bestärken.
Beck unterstützt Hellmann bei Stadion-Debatte
Während am Riederwald konkret gebaut werden soll, geht es beim Waldstadion um eine wesentlich langfristigere Frage. Vorstandssprecher Axel Hellmann hatte zuletzt Überlegungen zur weiteren Entwicklung der Frankfurter Arena angestoßen. Im Raum steht dabei auch die Frage, ob Frankfurt perspektivisch ein Stadion mit einer Kapazität von rund 80.000 Zuschauern benötigt. Beck stellt sich in dieser Diskussion klar hinter Hellmann: „Ich kann Axel Hellmann nur Recht geben und unterstütze seine Aussagen.“
Für den Eintracht-Präsidenten geht es dabei nicht ausschließlich um die Bedürfnisse des Bundesligisten. Eine Metropole wie Frankfurt müsse auch bei ihren Sportstätten einen hohen Anspruch verfolgen: „Eine Stadt wie Frankfurt sollte immer den Anspruch haben, bezüglich der Sportstätten auf absolutem Topniveau zu sein.“ Das Waldstadion habe sich längst zu einem wichtigen Veranstaltungsort entwickelt und die Stadt sowohl sportlich als auch kulturell international geprägt. Deshalb müsse eine solche Debatte rechtzeitig geführt werden und dürfe nicht erst beginnen, wenn akuter Handlungsdruck besteht. Beck: „Deswegen ist es nur verantwortungsvoll und klug, das Thema mit genügend Vorlaufzeit anzugehen.“
„Wir als Eintracht brauchen eine Heimat“
Beck denkt dabei weit über die kommenden Jahre hinaus. Frankfurt solle auch in zehn oder 20 Jahren in der Lage sein, internationale Großveranstaltungen auszurichten. Als Beispiel nennt er ausdrücklich eine mögliche Fußball-Weltmeisterschaft. Gleichzeitig müsse die Heimspielstätte mit der Entwicklung der Eintracht Schritt halten. Die SGE ist sportlich, wirtschaftlich und bei ihren Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Entsprechend groß ist regelmäßig auch die Nachfrage nach Tickets. Für Beck muss ein zukünftiges Stadion deshalb zwei Dinge miteinander verbinden. Einerseits soll die besondere Geschichte des Waldstadions erhalten bleiben, andererseits müsse die Arena den Anforderungen eines modernen Spitzenklubs entsprechen.
„Wir als Eintracht brauchen eine Heimat, die unsere Geschichte würdigt, aber auch modern und zukunftsorientiert gestaltet ist“, erklärte der Präsident.
Beck will eingeschlagenen Weg fortsetzen
Dass Beck am 19. Oktober noch einmal antreten möchte, stand für ihn trotz seiner gesundheitlichen Probleme im vergangenen Jahr grundsätzlich nicht infrage. Im Frühjahr 2025 musste sich der Präsident einer Herzoperation unterziehen und bekam einen Stent eingesetzt.
Die Erfahrung habe seinen Blick auf die eigene Gesundheit verändert. Er habe sein Gewicht deutlich reduziert, seine Ernährung umgestellt und sei sportlich aktiver geworden. Heute gehe es ihm wieder sehr gut. Ein Rückzug von der Vereinsspitze sei deshalb keine ernsthafte Option gewesen. Beck: „Für mich war immer klar: Wenn ich gesund bin, dann mache ich weiter.“ Besonders dankbar sei er für die Unterstützung, die er in dieser Zeit aus dem Präsidium, den Gremien und von den Mitarbeitern erhalten habe.
Nun möchte Beck seine Arbeit fortsetzen – allerdings mit teilweise veränderten Strukturen. Ein kleineres Präsidium, eine stärkere Rolle für von Loefen, weitere Investitionen in den Nachwuchs und die langfristige Diskussion über die Zukunft des Stadions gehören zu den Themen, die seine mögliche nächste Amtszeit prägen dürften.
Die Richtung gibt Beck bereits vor: Die Eintracht soll weiter wachsen und sich professionalisieren, gleichzeitig aber ihre Identität und ihre Wurzeln nicht aus den Augen verlieren. Ob er diesen Weg als Präsident weiterführen darf, entscheiden am 19. Oktober die Mitglieder.






Ein Kommentar
warum meldet sich hier keiner
dachte ich mir schon
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