Eintracht Frankfurt hat das Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen mit 1:3 verloren und dabei erneut zwei Gesichter gezeigt. Während die erste Halbzeit von Vorsicht, Verunsicherung und offensiver Harmlosigkeit geprägt war, machte die zweite Hälfte zumindest phasenweise Mut. Am Ende reichte das jedoch nicht gegen einen strukturell reifen und spielstarken Gegner – und offenbarte erneut die Baustellen der SGE.
Die Eintracht begann erneut mit einer Fünferkette und zwei defensiven Mittelfeldspielern davor. Damit standen lediglich drei nominelle Offensivspieler auf dem Platz – eine klare Reaktion auf die individuelle Qualität und Variabilität der Leverkusener Offensive. Der Plan ging insofern auf, als die SGE in den Anfangsminuten kompakt stand und wenig zuließ. Der Preis dafür war allerdings hoch: In der gesamten ersten Halbzeit entwickelte Frankfurt kaum offensive Durchschlagskraft. Entlastung fand praktisch nicht statt, Ballbesitzphasen blieben kurz, und echte Torgefahr war kaum zu erkennen.
Schwache Flügel, schwaches Zentrum, langsames Umschalten
Ein Hauptgrund dafür lag im zentralen Mittelfeld. Hugo Larsson und Ellyes Skhiri befinden sich seit Wochen in einer Formkrise – auch gegen Leverkusen bestätigte sich dieser Eindruck. Zu häufig wurde der Sicherheitspass gewählt, das Umschaltspiel nach Ballgewinnen dauerte zu lange, und Leverkusen konnte sich stets problemlos wieder in der eigenen Fünferkette formieren. Die wenigen vertikalen Pässe mit Schärfe waren oft ungenau. Stattdessen griff die SGE häufig zu langen Bällen, mit denen Ritsu Doan und Mario Götze neben Arnaud Kalimuendo gegen die körperlich überlegenen Leverkusener Verteidiger meist auf verlorenem Posten standen. Hinzu kam, dass von den beiden Schienenspielern zu wenig offensive Gefahr ausging. Nathaniel Brown auf links und Rasmus Kristensen auf rechts wirkten verunsichert. Gerade Kristensen agierte oft zu umständlich, teilweise übermotiviert und im Passspiel zu ungenau. Dadurch verlor die Eintracht viele Bälle bereits in Phasen, in denen sich gerade erst Räume zu öffnen begannen. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass die Frankfurter in der Anfangsphase nach einem klaren Tritt von Nationalspieler Robert Andrich gegen Arnaud Kalimuendo einen Elfmeter hätten zugesprochen bekommen müssen – unverständlich, dass der Schiedsrichter trotz Videostudiums hier nicht auf Strafstoß entschied. Wie sich die Partie und die SGE selbst mit einer Führung im Rücken entwickelt hätte steht durch den Nicht-Pfiff in den Sternen.
Alte Defensivprobleme kehren zurück
Bei den beiden Gegentoren in der ersten Halbzeit traten die bekannten Unsicherheiten der letzten Wochen erneut deutlich zutage. Die Frankfurter Spieler standen zu weit von ihren Gegenspielern entfernt, die Abstände zwischen den Ketten stimmten nicht. Einfache Kombinationen – teilweise ein einziger Doppelpass – reichten aus, um die Defensive der SGE auszuhebeln. Besonders alarmierend war das zweite Gegentor, das kurz nach dem ersten fiel. Es zeigte, wie fragil die Mannschaft aktuell ist. Kleine Rückschläge bringen die Defensive sofort aus dem Gleichgewicht – die Verunsicherung ist mit Händen zu greifen.
Besserer Auftritt nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel zeigte die Eintracht jedoch ein anderes Gesicht. zwar wurde überraschenderweise keine Wechsel vollzogen, offensiv war nun aber deutlich mehr Wille und Einsatz zu erkennen. Das Waldstadion ließ sich schnell positiv anzünden, und der Funke sprang spürbar zwischen Mannschaft und Publikum hin und her. Die Bälle in die Spitze wurden schärfer und präziser, Ballgewinne früher und höher erzielt. Auch die Außenstürmer fanden nun besser ins Spiel. Die SGE schaffte es, den Abstand zum Leverkusener Tor zu verkürzen, Druck aufzubauen und den Gegner zumindest phasenweise zu beschäftigen. Der Treffer zum 1:2 durch Robin Koch war Ausdruck dieser Phase – eine klare Willensleistung, die das Spiel noch einmal hätte öffnen können.
Skhiri schwächt die Mannschaft
Doch genau in diese Aufbruchstimmung hinein folgte der nächste Rückschlag. Ellyes Skhiri, ohnehin mit schwacher Leistung, sah innerhalb weniger Minuten erst Gelb und dann Gelb-Rot. So deutlich muss man sein: Das darf einem so erfahrenen Spieler, der den Anspruch erhebt, Stamm- und Führungsspieler zu sein, nicht passieren. Die Szene unterstrich zudem ein strukturelles Problem. Die Position auf der Sechs ist derzeit eine klare Baustelle. Der Mannschaft fehlt hier ein Spieler, der sowohl defensive Stabilität als auch Ruhe und Klarheit im Spielaufbau bringt. Es wäre keine Überraschung, wenn die Eintracht hier noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv wird. In Unterzahl blieb die SGE bemüht, kam auch weiterhin in gefährliche Zonen, lief jedoch naturgemäß häufig dem Ball hinterher. In der Schlussphase warf Frankfurt alles nach vorne – das 1:3 resultierte folgerichtig aus einem Leverkusener Konter.
Bemüht, aber letztlich unterlegen
Eintracht Frankfurt bleibt defensiv instabil und mental fragil. Die erste Halbzeit war zu passiv, zu ängstlich und offensiv zu harmlos. Gleichzeitig zeigte die zweite Hälfte, dass in dieser Mannschaft noch Leben steckt. Der Wille, die Energie und die Reaktion nach der Pause sind Aspekte, aus denen nun Kraft gezogen werden muss. Dennoch bleibt viel Arbeit. Der neue Trainer Albert Riera steht vor großen Aufgaben – spielerisch wie mental. Die Eintracht ist aktuell weit davon entfernt, ihr Potenzial abzurufen. Gegen Leverkusen reichte es nicht. Und doch war es zumindest ein Spiel, das zeigte: Diese Mannschaft ist noch nicht tot – aber sie braucht dringend Stabilität, Führung und klare Strukturen.






7 Kommentare
Leverkusen war in der ersten Häfte abgezockt, in der zweiten aber schlagbar. Sicher hat der nicht gegebene Strafstoß das Spiel zu ungunsten der Eintracht beeinflusst.
Ein unendschieden war aber auf jeden Fall drin und wäre auch verdient gewesen.
Aber, Fußball ist nun einmal nicht gerecht.
Wollen wir hoffen der neue Trainer kann die Jungs schnell zu alter Stärke zurück bringen
Wirklich kein Transfer mehr?
Ich verstehs komplett nicht.
Passiert noch was, MK hat bestimmt Spieler im Fokus, oder sind wir finanziell tatsächlich so eingeschränkt?
Also mit abgezockt hatte das eher wenig zu tun, eher mit unserer Passivität. Wir haben immer nur zugeguckt wie LEV sich den Ball zugepasst hat. Da war kein Pressing, kein stören, kein Zweikampf. Man konnte meinen, unsere haben den Job vergessen und selbst Eintritt für das Spiel gezahlt. Einzig Kristensen hat mal attackiert, stand aber alleine auf weiter Flur. Im Umkehrschluss haben wir es meistens noch nicht mal über die Mittellinie geschafft, weil, wie schon die gesamte Saison, das Spiel ohne Ball katastrophal ist. Aber das wundert auch nicht, wenn das Mittelfeld einfach nicht existent ist.
Das hatte mit Profifußball in der 1. Hz. nichts zu tun und da fand ich es sehr befremdlich, warum keinerlei Impuls von außen, oder der Führungsspieler kam. Wo das Problem lag, konnte ja ein Blinder erkennen.
Die 2. Hz. war dann plötzlich genauso, wie es 90 min. lang hätte sein sollen, aber das Spiel verlierst du eben wegen (mal wieder) nur einer guten Hz.
Gute Frage!
Klar darf jeder nicht mehr ausgeben als er eingenommen hat und Burkhart, Doan, Wahi, Kali, Love, Younes und Ayoube sind auch nicht zum Nulltarif gekommen, aber was wir jetzt noch für einen Puffer haben, würde mich schon auch interessieren.
Evtl. müsste wirklich erst noch jemand (Ngankam, Dahoud, Bahoya...) abgegeben werden, bevor ein neuer geholt werden kann?
Du hast Recht, der Kader ist teuer geworden und es gibt natürlich auch einige Spieler, die nicht so die Leistung brachten, wie bei der Verpflichtung erhofft. Das gehört zum Geschäft, allerdings muss die Relation stimmen.
Ich ziehe immer wieder meinen Hut vor Freiburg. Was dort immer wieder erreicht wird, in puncto Trainerbesetzung, Kader, mit überschaubarem Etat, das ist schon erstaunlich.
So erstaunlich ist das nicht.
Es sind ein paar Kardinaltugenden, die den Unterschied machen.
Ich nenn mal nur zwei:
1. Weniger Fluktuation, sprich mehr Kontinuität den Kernkader bzw. die Schlüsselspieler betreffend.
2. Unbeirrbare Kontinuität zudem bei Spielidee und System, auch wenn deren Fussball selten Gourmetkost ist.
Insofern: Letzteres hatten wir diese Saison ebenfalls nicht im Übermaß, freundlich gesagt. Und Ersteres war eine von MK explizit ausformulierte Perspektive bereits zum Ende voriger Saison.
Wenn bis 20:00h nix mehr vermeldet wird und AR den Kader wie er ist in Kauf nimmt, bin ich erstmal zumindest arg irritiert. Ich hätte einiges, aber nicht das erwartet.
Aber ich bin ja auch nur ein unmaßgeblicher Fan mit nem treuen Adlerherzchen.
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