„Daumen hoch!“ Sagt nicht nur Eintracht Coach Adi Hütter. Ganz Deutschland steht hinter den Adlern.

Wir befinden uns im Jahre 2019 n. Chr. Alle Deutschen Mannschaften sind aus den europäischen Wettbewerben ausgeschieden. Alle Mannschaften? Nein! Ein kleiner, aus unbeugsamen Spielern und Mitarbeitern bestehender Verein hört nicht auf, den scheinbar übermächtigen Gegnern Widerstand zu leisten…

Ob Rom, Mailand oder London

…Und jetzt steht Eintracht Frankfurt im Halbfinale der UEFA Europa League. Die einstmals graue Maus aus Südhessen wird nun in einem Atemzug aufgezählt mit Namen wie dem FC Valenica, dem FC Arsenal und dem FC Chelsea. Bereits erfolgreich aus dem Wettbewerb geworfen wurden europäische Größen wie Olympic Marseille, Inter Mailand und nun auch Benfica Lissabon. Vielen Fans wird es da wie mir gehen: Man muss sich immer mal wieder zwicken, wenn man sich diese Tatsachen vor Augen führt. Was in der Mainmetropole seit zwei Jahren passiert, sucht seinesgleichen. Jahrzehnte lang war die Frankfurter Eintracht bekannt dafür, zu schlecht für die erste- und zu gut für die zweite Liga zu sein. Man pendelte stets zwischen beiden Ligen und war sowohl in Dortmund, als auch in Fürth ein gern und oft gesehener Gast. Doch auf einmal wurden alle Schalter umgelegt im Stadtwald und das Schiff „Eintracht Frankfurt“ wurde auf Vordermann gebracht. Ein neuer Kurs wurde gesetzt. Es wurde aufgehört, immer nur auf morgen zu schauen und das „Übermorgen“ rückte mehr und mehr in den Vordergrund. Seit Fredi Bobic das Steuer übernahm, hat die „Diva vom Main“ nur noch gute Laune – und vor allem eins: Titel. Nach dem gewonnen DFB-Pokal aus dem Vorjahr, ist ein noch viel größerer Coup in greifbare Nähe gerückt: Der Europa-Pokal.

Der Erfolg führt zu enormer Beliebtheit. Ein Phänomen, was man sonst nur vom FC Bayern oder Borussia Dortmund kennt…

Längst ist das auch über die Grenzen des beschaulichen Hessen hinaus wahrgenommen worden. Was hr-Sportreporter Philipp Hofmeister beim Pokalgewinn als „Ekstase auf hessisch“ bezeichnete, hat bisher nicht abgerissen. Mehr noch: Die Eintracht genießt enorme Beliebtheit in der gesamten Bundesrepublik. Als einzige, verbliebene deutsche Mannschaft in den europäischen Wettbewerben, begeistert das Team von Adi Hütter eine gesamte Nation. Die Fans, die vor wenigen Jahren noch als „Randale-Meister“ bekannt und gefürchtet waren, werden zusammen mit ihrem Team zu einem beispiellosen Beweis, wie schön und voller Leidenschaft Fußball sein kann. Die Eintracht wird von der deutschen Bevölkerung fast so sehr angepriesen wie die Elf von Jogi Löw im Jahre 2014. Die Europa-League-Abende auf „RTL“ sind zur deutschen Lieblingsbeschäftigung geworden. Es wirkt beinahe so, als schließe die Eintracht für viele Deutsche die Wunde, die die Nationalmannschaft in der letzten WM durch das Aus in der Gruppenphase gerissen hat.

Die Eintracht im Vergleich zu anderen Überraschungsmannschaften

Zugegebenermaßen ist es kein Novum, dass Mittelklassevereine ab und an für wahre Überraschungen gut sind. Der FC Augsburg schaffte im Jahr 2015 völlig unerwartet den Sprung ins internationale Geschäft. 2016 waren es die Mainzer und 2017 qualifizierte sich der FC Köln für die Europa League. Namen, in deren Gesellschaft sich Eintracht Frankfurt gewohnt und ebenbürtig anhört. Und dennoch hebt sich der Erfolg der Hessen von den genannten Vereinen ab. Denn keine dieser Überraschungsmannschaften schaffte es, ihre Erfolge nachhaltig zu bestätigen. Der FC Augsburg landete im Jahr der europäischen Teilnahme auf Platz 12, die Mainzer rutschten auf Platz 15 ab und die Domstädter aus Köln stiegen sogar direkt ab in Liga zwei. Eintracht Frankfurt gelangte 2017 völlig überraschend ins Pokalfinale und verlor dort mit 1:2 gegen Borussia Dortmund. Niemand rechnete damit, die Frankfurter in der nächsten Dekade wieder in einem Pokalfinale zu sehen, aber prompt führte Niko Kovac die Hessen ein Jahr später erneut nach Berlin, gewann den Wettbewerb, sicherte damit die Teilnahme an der Europa League und beendete die Bundesligasaison auf einem soliden achten Platz. Im folgenden Sommer verlor die Eintracht viele namenhafte Stammkräfte. Leistungsträger wie Marius Wolf, Lukas Hradecky und nicht zuletzt Kevin Prince Boateng verließen die Mainmetropole und alle Experten waren sich einig: Das Ende der Frankfurter Erfolgsserie müsse nun endgültig besiegelt sein. Die Wenigsten trauten den Frankfurtern unter dem neuen Trainer Adi Hütter zu, der Doppelbelastung Stand zu halten. Viele prognostizierten sogar einen direkten Abstieg in die Zweite Liga.

Aber…

Das Frankfurter Traum-Trio im Sturm: Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic. (Bild: imago images/Hartenfelser)

Heute, nach dem gewonnenen Europapokal-Viertelfinale gegen Benfica Lissabon steht die Eintracht aus Frankfurt, trotz Doppelbelastung, in der Liga auf Tabellenplatz vier und als Halbfinals-Gegner in der Europa League kommt der FC Chelsea aus London. Das Sturmtrio bestehend aus Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic kommt zusammen auf 40 Bundesliga-Tore und alleine der Gesamt-Marktwert dieser drei Spieler taxiert sich auf 130 Millionen Euro (Quelle: Transfermarkt.de). Zum Vergleich: Der Marktwert der gesamten Mainzer Mannschaft liegt bei knapp über 130 Millionen. Die des FC Augsburg und des 1. FC Köln sogar noch darunter. Vieles spricht, meiner Meinung nach dafür, dass die Eintracht wie „Der Adler aus der Asche“ auch weiterhin konstante Leistungen bringen wird.

Positive Zukunftstprognose

Im Rahmen des Viertelfinals sagte der Frankfurter Vorstandsvorsitzende Axel Hellmann wörtlich, dass die leidenschaftlichen Fans „wie Zaubertrank“ für die Mannschaft seien, sodass jeder Spieler bis an seine Leistungsgrenze und darüber hinaus gehen könne. In diesem Sinne kann man doch nur optimistisch bleiben, dass die unbeugsamen Frankfurter auch weiterhin im nationalen, wie internationalen Geschäft bestehen werden.

Autor Folke Müller

Folke MüllerFolke Müller kommt aus einem Elternhaus, in dem Fußball eigentlich absolut keine Rolle spielt. Dennoch fand er seine Liebe zur Eintracht im Alter von acht Jahren. Seitdem entgeht ihm kein Spiel mehr. Erst als langjähriger Leser von SGE4EVER.de auf der Seite unterwegs, ist er seit März 2019 als Redakteur tätig. Neben der Eintracht ist seine andere große Leidenschaft die Musik, der er sich von Kindesbeinen an verschrieben hat.

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14 Kommentare

  1. Super Beitrag. Auch ich war einer dieser Experten die dachten dass es sehr schwer wird dieses Jahr, dass es so laufen würde nach der ersten DFB Runde, hätte ich niemals gedacht.
    Und jetzt, hier im Norden, bekomme ich nach jedem Spiel geile Nachrichten über meine SGE, was von Hammer geile Truppe das ist, unfassbar, seit 2 Jahren Mega stolz auf diesen Verein, muss auch sagen, es wurde auch lange Zeit gelitten. Morgen 3 er gegen Golfsburg, vg✌️

  2. Danke für den Kommentar. Ich sehe das im Großen und Ganzen genauso. Einzigst kommt unser Herribert dabei gefühlt etwas schlecht weg. Sowohl das er keine Erwähnung bekommt und auch das der Verein vor der Ära Bobic/Kovac nur kleinere Brötchen gebacken hat, bzw. immer nur den nächsten Tag im Blick hatte. Das stimmt wohl und ich denke das der Wechsel bzw. das Ausscheiden von Bruchhagen überfällig war, aber man sollte bitte erwähnen und keinesfalls vergessen das wir nur dieser Person diesen Erfolg jetzt zu verdanken haben. Bruchhagen hat den Verein zu einem Zeitpunkt übernommen, als dieser eigentlich platt, pleite und emotionslos gewesen ist. Visionen hatte man nicht und Nachhaltigkeit war ein Fremdwort. Das hat Bruchhagen in jahrelanger akribischer Kleinarbeit mit wenigen Mitteln und gegen das oftmals etwas zu groß denkende Umfeld, hervorragend geschafft und gelöst ! Bruchhagen ist ein konservativer Buchhalter und setzt Sicherheit über alles. Für Visionen ist da oftmals kein Platz, aber das war genau das, was dieser Verein gebraucht hat. Ich glaube fast, daß ohne diese Person, der Verein längst nicht mehr Bundesliga spielen würde. Die Ablöse kam zum richtigen Zeitpunkt, vielleicht sogar schon 1-2 Jahre zu spät, aber Bruchhagen hat man unglaublich viel zu verdanken. Danke nochmals dafür lieber Herry 🙂

  3. Weitestgehend guter Kommentar: allerdings sehe ich die SGE als Verein der 1. Liga. Auf 50 von 56 Jahren erste Liga kommen wenige andere Vereine.
    Kleiner Fehler: DFB-Pokalspiel gegen BVB war 2017, nicht 2016

  4. @3 7gigi7
    Oh, da hast du natürlich völlig Recht mit dem Pokalspiel. Ich ändere es schnell ab. Danke dir! Und die Pendelei zwischen 1. und 2. Liga bezieht sich auf die letzen 20 Jahre 😉

  5. @2 Danke muc, das hast Du wunderbar geschrieben. Besser kann man es wirklich nicht ausdrücken.

    Nichts desto trotz, ein ebenso schöner Kommentar von Folke, uns mit diesem unbeugsamen kleinen gallischen( äh hessischen) Dorf zu vergleichen. Ne richtig gute Idee. Es hat nur in der Tat ein bisschen der HB gefehlt.

    jawoll …. morgen ein Dreier
    Schießt sie aus der Arena, beim Teutates
    auf gehts
    (wir haben genug Zaubertrank in WOB dabei, und für mich 2 Wildschweine) 🙂

  6. Ja wir sind schon fast gezwungen dazu am Montag in Wolfsburg zu gewinnen.
    Die Hoppenheimer gewinnen seid Wochen jedes ihrer Spiele. Haben das leichte Restprogramm und ihr Torverhältnis ist besser als unseres.
    Denen trau ich such zu ihre letzten vier Spiele zu gewinnen.
    Nun sind wir wieder in Zugzwang.

  7. Alles toll und auch muc hat das gut nachgelegt, denn vorher waren doch einige Pleitegeier am Werk. HB war der Grundstein zum Erfolg nach seinem Abgang, haben die jungen das toll aufgebaut mit großem Sachverstand die heutige Mannschaft zusammen gestellt, die Grundlage zum Erfolg.
    Eine super Arbeit, also wenn das am Montag mit einem Dreier ausgeht, wäre das ganz toll.

  8. Neben dem Pokalfinale gegen den BVB, welches 2017 stattfand, ein weiterer kleiner Fehler:
    In Sandhausen waren wir nie (gern gesehener) Gast, da nie ein Ligaspiel gegen diesen Verein stattfand. Mir ist nur das Pokalachtelfinale in der Saison 2013/14 in Erinnerung, welches zu Hause stattfand. Ich hoffe auch inständig, dass aus Sandhausen kein zweites Hoffenheim wird, so dass wir nie in einem Ligaspiel dort antreten müssen.

  9. Gladbach verliert 1:2. Ich habe mich zu dem Spiel letzten Donnerstag noch überhaupt nicht (bei niemandem) geäußert, denn ich sehe es als Paket geschnürt mit dem Spiel am Montag gegen Wolfsburg. Erst danach mag ich es bewerten. Aber es sieht ja bisher ganz gut aus bzgl. Verletzungen und es gibt vier Nächte Schlaf. Die Psyche sollte auch in Ordnung sein.

    22,45 Uhr ZDF (jetzt)

  10. mit nem sieg morgen wären wir mMn nächstes jahr sicher wieder europäisch dabei und hätten darüber hinaus super Chancen auf die CL. Hoffenheim im übrigen muss noch gegen 3 weitere Konkurrenten antreten. einfach wird das auch nicht. aber das spiel morgen ist in der tat immens wichtig. ich hoffe wir kriegen den kopf und die beine frei dafür.

  11. Unsere Mannschaft hat bisher eigentlich immer wenn es wichtig war gezeigt das sie kämpfen müssen und das werden sie gegen Wolfsburg auch tun „müssen“ dann klappt es auch.
    Nach der Energie Leistung am Donnerstag glaube ich an alles

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