Eintracht-Trainer Adi Hütter muss auch das Rückspiel in Mailand von der Tribüne aus verfolgen.

Fußball ist ein Sport, der von Emotionen lebt. Getragen von den emotionalen Fans auf den Rängen und dem beherzten Auftreten der Mannschaft von Trainer Adi Hütter, feierte die Frankfurter Eintracht in der laufenden Saison schon mehrere Fußballfeste in der Europa League. Das Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter Mailand am vergangenen Donnerstag war eines der wichtigsten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte. Von vornherein war klar, dass diese Partie spannend, intensiv und eben auch emotional werden wird. Für alle Beteiligten. Auch für den Frankfurter Trainer, der bislang noch nie wirklich aus der Haut gefahren ist und als besonnener und ruhiger Zeitgenosse gilt.

Doch in der 53. Spielminute im Heimspiel gegen Mailand platzte Hütter der Kragen. Er regte sich mächtig über einen nicht gegebenen Elfmeter auf, kickte vor Wut eine Trinkflasche aus der Coachingzone. In Anbetracht der Tatsache, dass sein Team durch eine Fehlentscheidung definitiv benachteiligt wurde, ist eine solche emotionale Reaktion durchaus nachvollziehbar. Nicht so für den schottischen Schiedsrichter William Collum, der Hütter – ohne ein Wort der Ermahnung – direkt auf die Tribüne schickte. Auch dies ist eine fragwürdige Entscheidung, hatte sich Hütter doch zuvor überhaupt nichts zu Schulden kommen lassen. Und es gehört eigentlich zum guten Ton im Fußball dazu, dass der Unparteiische vor einem Verweis aus dem Innenraum erst einmal das ermahnende Gespräch mit dem Coach sucht. Zumal in diesem Fall niemand beschimpft, angegriffen oder gefährdet wurde. Hütter war nach Abpfiff dennoch einsichtig, gestand ein, überreagiert zu haben. Und fügte lächelnd an: „Man hat gesehen, dass ich in meiner aktiven Karriere einen richtig starken rechten Fuß hatte.“ Es macht Hütter sympathisch und menschlich, dass er, der sonst immer äußerst kontrolliert und sachlich ist, nicht vor Gefühlsausbrüchen gefeit ist.

Hütter wird Kontakt zum Team untersagt

Man sollte meinen, dass mit der Entschuldigung Hütters diese Lappalie ad acta hätte gelegt werden können. Aber genauso wie es im Fußball Emotionen gibt, gibt es auch Regeln. Und die Statuten der UEFA besagen, dass ein Trainer, der während eines Spiels auf die Tribüne geschickt wird, auch im darauffolgenden Spiel auf internationaler Ebene gesperrt ist. Heißt: Hütter darf in Mailand nach der Ankunft im Stadion keinerlei Kontakt mehr zu seiner Mannschaft haben – keine Ansprache vorab halten, nicht über Auswechslungen bestimmen, nicht einmal den Innenraum des Stadions betreten. Erst 15 Minuten nach Spielende ist er befugt, in die Katakomben der Arena zu gehen. Das ist ein hartes, ein absurdes Strafmaß für einen Tritt gegen eine Trinkflasche. Aber es sind nunmal die Regeln. Da lässt sich nichts dran rütteln, auch wenn die Eintracht sicherlich versuchen wird, Einspruch dagegen einzulegen und eine Einzelfallprüfung beantragen wird. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie damit etwas bewirken wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft am Donnerstag in Mailand das Unverständnis über dieses harte Strafmaß in Motivation umwandelt und ihren Trainer auf der Tribüne zum Jubeln bringt.

Weitere Strafe wäre nicht nachvollziehbar

Unabhängig von der Sperre Hütters für das Spiel in Mailand, wird der „Fall Hütter“, wie die UEFA am Freitagabend verlauten ließ, zusätzlich am 28. März verhandelt. Dabei kann es im Grunde nur um eine Geldstrafe oder eine noch längere Sperre gehen. Und spätestens das ruft – hoffentlich nicht nur bei mir – Unverständnis hervor. Hütter und die Eintracht sind nun doch schon wahrlich genug bestraft. Eine Fehlentscheidung eines UEFA-Schiedsrichters löste diese ganze Sachlage überhaupt erst aus. Im Gegensatz zum Schiedsrichtergespann hatte Hütter die Größe, seinen Fehler – über den auch diskutiert werden kann, inwieweit ein Tritt gegen eine Wasserflasche ein Fehler ist – einzugestehen und sich für sein emotionales Verhalten zu entschuldigen. Eine weitere Bestrafung durch die UEFA wäre aberwitzig.

Autor Nadine Peter

Nadine PeterNadine Peter (27) ist seit 2015 als rasende Reporterin für SGE4EVER.de am Ball: Egal ob Auswärtsspiele oder Trainingslager: Notebook, Handy, Kopfhörer, Block und Stift sind stets dabei. Sie schreibt nicht nur über den Fußball, sondern tritt auch gern mal selbst gegen das Runde Leder, weshalb sie sich einst im Trainingslager schon ein blaues Auge im Zweikampf mit Sportvorstand Fredi Bobic zuzog. Sie hat also das Auge fürs Wesentliche.

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17 Kommentare

  1. Ich habe in den Regularien der Europa-League nichts gefunden zum Thema Platzverweis von Trainern. Nur von den Spielern. Mich würde mal interessieren, wo das stehen soll.

  2. Dieser Inter Mailand Fan mit Schotten Pass,dreht mir immer noch den Magen um.Die UEFA müsste den auf Lebenszeit sperren.

  3. Gut, Regelwerk ist Regelwerk, da kann man zunächst mal nicht viel dran machen.
    Aber: Ein seriös geführter Verband MUSS die Größe haben, ein offensichtlich überzogenes Strafmaß in einem Einzelfall auch zurückzunehmen. Anscheinend haben aber die graumelierten Herrschaften in der UEFA das Gegenteil vor, da sie wohl beabsichtigen, den Fall am 28. März noch auszuweiten.
    Es ist schon sehr verwunderlich, was sich diese Herren erdreisten. Ein nachvollziehbarer Wutausbruch eines Trainers aufgrund einer offensichtlichen und möglicherweise spielentscheidenden Fehlentscheidung eines Schiedsrichterd wird sanktioniert bis zum Sankt-Nimmerleinstag, Hitlergrüße während eines UEFA-Spiels behandelt man als Lappalie und lässt diese Schweinereien im Sande verlaufen.
    Ich denke, das Maß ist voll. Eine ordentliche Gerichtsbarkeit sollte sich diesen Sauhaufen UEFA vornehmen und von oben bis unten durchsuchen und umkrempeln. Diese Herrschaften in ihren Nadelstreifenanzügen mit ihren verstaubten Statuten sind gewiß keine Ehrenmänner. Und ich bin mir sehr sicher, dass da viel mehr Dreck rauskommt. Der Fall Hütter ist dabei wahrscheinlich nur ein Staubkorn.
    Ich wünsche mir, dass die Spieler der Eintracht, die nächsten Donnerstag in Mailand spielen, den gleichen Zorn empfinden, wie ich eben. Und ich hoffe, dass sie diesen Zorn in endlose Energie umsetzen können.

  4. Der Skandal ist nicht die Innenraumsperre (macht die Ansprache vorm Stadion auf dem Parkplatz Jungs!), die kam halt jetzt wie es aussieht automatisch. Der Skandal ist – wie ich woanders auch schon geschrieben habe – der Verweis auf die Tribüne. Adi hatte sich vorher nichts zu Schulden kommen lassen. Auch war der Tritt gegen die Flasche nicht die feine Art, aber weder einem Spiele oder Offiziellen gegenüber persönlich beleidigend oder gefährlich. Jetzt kommt noch dazu, dass lauf UEFA Statuten das unweigerlich einen Ausschluss auch für das Folgespiel nach sich zieht. Ich unterstelle dem Schiri mal, dass er das wissen muss. Er muss wissen, dass es laut UEFA Statuten diese meiner Meinung nach schwere Folge hat. Und dann mit so wenig Fingerspitzengefühl und ohne Gespräch/Ermahnung direkt die höchststrafe auszusprechen, das ist für mich charakterschwach. Jeder Schiri der Welt lernt doch, dass man z.B. eine gute Figur, vor dem Zücken einer zweiten gelben Karte für einen Spieler nochmal eindrunglich ermahnt (wenn es die Schwere des Fouls zulässt). Das sehen wir wöchentlich in den Stadien überall, dass mit Spielern auch geredet wird, wenn es nicht glasklar ist, welche Karte nun zu ziehen ist.

    Dass der Fall dann auch noch „verhandelt“ wird, das ist dann wohl auch so ein Automatismus. Und da bin ich Optimist und halte solange die Klappe, bis die UEFA da ein offizielles Wort gesprochen hat. Ich gehe einfach mal davon aus, dass auch da noch Augenmaß herrscht. An der Sachlage bisher kann man nicht vorbei gucken: keine Beleidugung oder Gefährund lag vor, keine Vorgeschichte im Spiel und auch aus anderen Spielen nicht, sachliche Entschuldigung offiziell im TV (auch direkt?) unmittelbar nach dem Spiel bei erster Gelegenheit. Kann maximal was auf Bewährung werden.

  5. Ich dachte, ich kenne mittlerweile sämtliche Fussball-Regeln bzw. Sanktionen, auch die abwegigsten und bizarrsten.
    Aber siehe da, man lernt auch als alter Fussballnarr nicht aus – und staunt sich die Brauen wund.

    Diese weit über das (in welchen krassen Härtefällen auch immer vielleicht gerechtfertigte) Ziel hinaus geschossene Bestrafung muss jetzt unbedingt in blanke Trotzenergie umgemünzt werden – in höchste Konzentration und Stärke. Und was die Kommunikation zwischen Trainer und Team angeht, sollte es heute nun wirklich technische Lösungen genug geben.

  6. ZITAT was die Kommunikation zwischen Trainer und Team angeht, sollte es heute nun wirklich technische Lösungen genug geben.
    die aber nicht erlaubt sind
    Hütter muss sich von seinen Spielern fernhalten. In Artikel 69 „Zusatzbestimmungen für Trainer“ steht: „Ein der technischen Zone verwiesener oder mit einer Funktionssperre belegter Trainer darf sich während des Spiels weder in der technischen Zone aufhalten noch direkt oder indirekt mit den Spielern und/oder dem Trainerstab kommunizieren. Zudem darf ein Trainer, der mit einer Funktionssperre belegt ist, die Umkleidekabine oder den Spielertunnel vor oder während des Spiels nicht betreten.“
    http://www.kicker.de/news/fussball/uefa/spielrunde/744097/artikel_uefa-sperrt-huetter-fuer-das-rueckspiel-in-san-siro.html

  7. Es braucht viel das ich mal was gegenüber des Schiedsrichters sage. Aber nach der schnellen gelben Karte gegen Kostic hatte ich ein flaues Gefühl. Dann der Elfer und der nichtgegebene gegen Haller.
    Also da sollte die Uefa mal ihrem Schiri ein Paar Fragen stellen.Wenn man sieht und gesehen hat was ein Pep sich gegen Schiris herausnimmt und oder schon herausgenommen (ungestraft) hat ist das ein Witz.So wie ich das sehe hat er das wegtreten der Flasche geahndet.
    Ohne Fernandez und vielleicht auch ohne Hasebe(wenn er spielt dann schon mit Handicap)wird schon schwer genug.Das ein Verband da so schwerfällig ist unglaublich.

  8. Hey Leute,unsere Jungs wissen was am Donnerstag zu tun ist.Siegen für den Verein und für ihren Adi.
    Aber vorher steht noch Düsseldorf an.
    Forza SGE

  9. Direkt oder indirekt usw…dann kriegt die Info ein Privatier und der Privatier uebergibt die Nachricht zum Spielfeldrand. Grundsaetzlich sind Regeln gut, denn ohne sie wuesste man nicht wie man sie umgehen kann 🙂 Fuer jedes Spiel wo Adi komplett oder teilweise nicht am Spielfeldrand sein darf ein Tor (bin bei dir zizou! Jetzt erst recht Reaktion!) 0:2 in Mailand fuer uns. Das ist mein Tipp. Bin sicher, 0:2!

  10. Man muss ehrlich froh sein, dass das Rückspiel überhaupt bestritten werden darf. Eigentlich hätte das Spiel für Inter gewertet werden müssen. Wo kommen wir denn da hin? Hütter sollte entlassen werden, er hat sich unentschuldbar vereinsschädigend verhalten. An eine Wasserflasche treten, was geht in diesem Chaot vor? Kennt der nur seine Emotionen und lässt diesen einfach freien Lauf? Was sagt Peter Fischer dazu?
    🙂

    Gruß SCOPE

  11. Ganz selten ärgert mich eine Schiri-Leistung auch Tage nach einem Spiel noch so maßlos. Es geht nicht nur um die Geschichte mit Hütters Rauswurf und dem nicht gegebenen Elfmeter. Wenn man in italienischen Zeitungen liest oder bei Inters Fanseiten sind sich alle einig, ohne den Schiri hätten sie das Spiel verloren. Es ging ja direkt mit der gelben Karte für Kostic in der 4.Minute los, nach dem ersten Faul, alles andere als eine zwingende Karte. 5 Minuten später haut Ambrosio Kostic von hinten um, hier eine absolut klare Karte, doch es bleibt bei einer Verwarnung (da sind sich auch die Mailänder einig) und dann natürlich der lächerliche Elfmeter in der 22.Minute, auch hier waren sich alle anwesenden und auch Mailänder Fans einig, das war eigentlich eine klare Schwalbe.
    Bleibt zu hoffen, dass die Bonusentscheidungen zugunsten Inter damit aufgebraucht sind und der Schiri diese erfolgte Benachteiligung beim Rückspiel zumindest im Hinterkopf hat.
    Oder wir hauen Mailand einfach weg und dann ist eh alles egal!!
    Forza SGE!!

  12. Wahrscheinlich fühlte der Schiri sich persönlich angesprochen, als der vierte Offizielle ihm mitteilte, dass der Trainer mit voller Wucht diese „Flasche“ wegen seiner Fehlentscheidung getreten hat.

  13. 2 Kommentare in diesem Thread finde ich alles andere als Eintracht Frankfurt nahestehend und sehr irritierend, aber das ist ja nur meine Meinung.
    Die Mannschaft wird auf diese grotesken Entscheidungen die richtigen Antworten finden.

  14. Vielleicht steckt doch mehr dahinter. Seit den Football Leaks Reportagen auf ARD, die wirklich sehenswert sind, ist die Verschwörung ja keine Theorie mehr. Sie ist ja Praxis. Niemand wird den Frankfurtern hier entgegenkommen. Sie bekommen es, ganz im Gegenteil, so schwer wie möglich gemacht. Das ist Euro League. Der Sieger spielt dann Champions League. Es wird also viel Geld verteilt und bei den hohen Herren geht es nur darum, möglichst viel Geld an die großen Clubs zu verschieben. Wenn Inter Mailand dann gegen Frankfurt spielt … 😉 Da werden wir jetzt wohl durch müssen.

  15. Ist schon sehr merkwürdig alles, aber ich hoffe und wünsche mir, daß die Mannschaft die Antwort gibt und auch die Fans. Vor allem bitte nicht noch pyro oder ein beleidigendes Plakat, das würde denen nur Wasser auf die Mühlen geben. Aber nach den letzten Spielen bin ich sehr zuversichtlich das unsere Super NW kurve sich in Mailand ebenfalls im Sinne der SGE verhält und die Mannschaft extrem gut nach vorne peitscht.

  16. @ ffm71
    Das ist durchaus eine Möglichkeit. Stärker würde ich aber das „symbolische Kapital“ bewerten (wie es Pierre Bourdieu bezeichnen würde). Das heißt, es zählt nicht nur Geld, sondern auch die symbolische Macht. Natürlich kann sich ein bekannter Trainer mit hoher Reputation mehr erlauben als ein „Emporkömmling“ (wie einer mit Anzug bei Behörden ehr besser behandelt wird, egal, was da wirklich dahinter steckt). Natürlich hat Inter Mailand höheres symbolisches Kapital als Eintracht Frankfurt, die international mal aufregend waren als es Ipswich Town auch war, also lange her. Das färbt auf Verhalten von Offiziellen und Schiedsrichtern ab. Widerstand ist jedoch eher zwecklos. Besser, man sammelt selbst symbolisches Kapital.
    Und gibt die Antwort auf dem Platz am Donnerstag und trotzt so den symbolischen Vorteilen der anderen…

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